Kleinwagen

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Dieser Artikel erläutert den Kleinwagen (Auto); zu dem Eisenbahnfahrzeug siehe Kleinwagen (Eisenbahn).
Meistverkaufter Kleinwagen in Deutschland von 2009 bis 2012: der VW Polo

Der Begriff Kleinwagen bezeichnet in Europa die Fahrzeugklasse zwischen Kleinstwagen und Kompaktklasse. In der EuroCar-Klassifikation handelt es sich um das B-Segment. Typische Vertreter sind der VW Polo, der Opel Corsa, der Skoda Fabia und der Ford Fiesta. Es handelt sich dabei um einen kleinen, aber vollwertigen PKW mit einem erschwinglichen Neupreis.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte[Bearbeiten]

In den 1950er- und 1960er-Jahren stand die Bezeichnung Kleinwagen für deutlich kleinere Rollermobile und diverse Mini-PKWs. Vollwertige PKW waren für die Bevölkerung in den ersten Nachkriegsjahren unerschwinglich teuer. In den 1950er-Jahren erprobten sich daher zahlreiche Hersteller mit verschiedenen kleinen Fahrzeugtypen, um den Bedarf nach preiswerten PKW abzudecken.[1][2] Charakteristisch für Kleinwagen war damals ein Zweizylindermotor mit einem Hubraum von etwa 600 bis 700 cm³ und einer Motorleistung zwischen 10 und 30 PS. Zu den ersten Kleinwagen zählen der Gutbrod Superior 600 und der Citroën 2CV, jeweils ab 1949 produziert. Typische Vertreter waren später die Lloyds, der NSU Prinz, das Goggomobil sowie die BMW-Modelle 600 und 700. In der DDR erachtete man diese Kleinwagen-Baumuster ebenso wie die Rollermobile als unzweckmäßig und forcierte daher die Entwicklung eines vollwertigen PKW zur Massenmotorisierung.[3] Heraus kam dabei der Trabant, der bei seinem Erscheinen 1958 nach dem Citroën 2CV eines der ersten Autos mit den Merkmalen eines vollwertigen Kleinwagens war – Frontmotor, Frontantrieb, sowie einer Fahrgastzelle, die vier erwachsenen Personen und Gepäck (Kofferraum: 415 l) Platz bot. Einen Meilenstein setzte im Jahre 1959 die Premiere des Mini mit seiner neuartigen Karosserieformgebung – ein Steilheck bzw. Vollheck mit einem gegenüber einer Stufenheck-Limousine verkürzten Heckbereich. Danach entstanden bald ähnliche Fahrzeuge wie der Autobianchi A112 und Honda N600. Diesen fehlte jedoch ein vollwertiger Kofferraum – mit 120 l Fassungsvermögen war der des Mini noch am größten. Der nächste große Sprung in der Kleinwagenentwicklung ereignete sich 1974 mit der Premiere des VW Golf – erstmals ein vollwertiger in Kompaktbauweise ausgeführter Kleinwagen. Bereits 1968 hätte in der DDR mit dem Trabant 603 ein solches Fahrzeug in Serie gehen können. Aufgrund eines willkürlichen Beschlusses des Politbüros wurden die Produktionsvorbereitungen jedoch kurz vor Serienüberführung abgewürgt.[4] Das Golf-Konzept wurde vielfach kopiert und bildet das heutige Verständnis eines Kleinwagens. Spätestens mit Erscheinen des Golf III wuchs er aus diesem Segment heraus, es wurde bei VW durch den Polo übernommen. Noch heute ist der Kleinwagen für viele Menschen der einzige vollwertige PKW, der auch als Neuwagen erschwinglich ist (Neupreis VW Polo 2012: ab 14.000 Euro[5] ).

Bauformen[Bearbeiten]

Die charakteristische Bauart von Kleinwagen wurde mit dem Mini zum Erfolg geführt.

Fahrzeuge mit Schrägheck fanden bis in die 1950er- und 1960er-Jahren kaum Käufer in Deutschland. Aus praktischen Erwägungen setzte sich diese Bauform für Fahrzeuge im unteren Segment dann weitgehend durch. Varianten mit Stufenheck spielen auf dem deutschen Markt keine Rolle mehr, dennoch existieren von zahlreichen Kleinwagenmodellen solche Ableger, die oft unter einem eigenständigen Modellnamen angeboten werden bzw. wurden (Polo / VW Derby). Kleinwagen werden in den südlichen Ländern zu einem höheren Anteil als Familienauto genutzt und benötigen in dieser Funktion einen großen Kofferraum und möglichst vier Türen, was die größere Verbreitung der Stufenheckvarianten erklärt. Diese verlängerte Bauform wurde bzw. wird von Herstellern auch als Plattform für Kleinwagenkombis genutzt. Kombis sind jedoch deutlich weniger etabliert als in der Kompaktklasse. Einige Kleinwagen wurden als Basis für Kastenwagen genutzt, den Vorläufern der heutigen Hochdachkombis.

Marktsituation[Bearbeiten]

Einige Aspekte sprechen für einen Kleinwagen: geringer Kraftstoffverbrauch, niedrigere Versicherungsprämien und Kfz-Steuern, in Ballungsräumen ist die Parkplatzsuche am Straßenrand einfacher. Zahlreiche Modelle bieten heute ein deutlich höheres Maß an Insassenschutz als noch vor wenigen Jahren. Allerdings gibt es bis heute einige Modelle, für die auch gegen Aufpreis kein ESP erhältlich ist. Bei vielen Modellen sind Ausstattungsvarianten wie ESP oder Klimaanlage nur gegen Aufpreis erhältlich, während sie in der nächstgrößeren Klasse bereits zum Serienumfang gehören. Dies führt dazu, dass der Listenpreis-Unterschied zwischen Kleinwagen und Kompaktwagen größer erscheint, als er „ausstattungsbereinigt“ tatsächlich ist. Früher wurden sogar Kleinwagen ohne Antiblockiersystem („ABS“) angeboten.

Ein relativ neuer Trend sind Premium-Kleinwagen. Diese geben sich wesentlich sportlicher als klassische Kleinwagen und richten sich an zahlungskräftige Kunden, die ein dennoch kleines Fahrzeug suchen. Typische Merkmale sind eine höhere Motorisierung bereits in der Grundversion und Zweifarblackierungen. Als Pionier dieses Konzeptes gilt der 1985 vorgestellte Lancia Y10, es folgten nach 2000 Modelle im Retrodesign wie der MINI von BMW, der Fiat 500 und der Alfa Romeo MiTo. Neue Impulse in diesem Segment ohne historisches Vorbild gaben der Citroën DS3 und der Audi A1. Der A1 hat viele Bauteile mit dem VW Polo gemein (siehe Plattform (Automobil)).[6]

Aktuelle Modelle[Bearbeiten]

Frühere Modelle[Bearbeiten]

Kein vollständiger Katalog, aber einige typische Vertreter ihrer Zeit

1970–1979[Bearbeiten]

1980–1989[Bearbeiten]

1990–1999[Bearbeiten]

2000–2010[Bearbeiten]

Kleinwagen im Film[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Realitäten und Irrwege im Kleinwagenbau. In: Kraftfahrzeugtechnik 5/1954, S. 145–150 und 6/1954, S. 180–186.
  2. Konstruktionstendenzen im Kleinst- und Kleinwagenbau. In: Kraftfahrzeugtechnik 1/1956, S. 11–15.
  3. Realitäten und Irrwege im Kleinwagenbau. In: Kraftfahrzeugtechnik 5/1954, S. 145–150.
  4. http://www.mdr.de/damals/eure-geschichte/themen/trabi130.html
  5. http://www.volkswagen.de/de/models/polo/NWB.html
  6. In den 1970er-Jahren waren VW Polo und Audi 50 fast identisch; aus marketingstrategischen Gründen nahm der VW-Konzern 1978 den Audi 50 nach nur vier Jahren und 180.828 produzierten Einheiten wieder aus seinem Modellprogramm. Das – damals in der Automobilindustrie neue – Badge-Engineering kam in Teilen der Kundschaft bzw. der Öffentlichkeit nicht gut an.