Kleinwagen

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Dieser Artikel erläutert den Kleinwagen (Auto); zu dem Eisenbahnfahrzeug siehe Kleinwagen (Eisenbahn).
Meistverkaufter Kleinwagen in Deutschland von 2008 bis 2013: der VW Polo

Der Begriff Kleinwagen bezeichnet in Europa die Fahrzeugklasse zwischen Kleinstwagen und Kompaktklasse. In der EuroCar-Klassifikation handelt es sich um das B-Segment. Typische Vertreter sind der VW Polo, der Opel Corsa, der Skoda Fabia und der Ford Fiesta. Es handelt sich dabei um einen kleinen, aber vollwertigen PKW mit einem erschwinglichen Neupreis zwischen etwa 12.000 und 18.000 €.

Geschichte[Bearbeiten]

In den 1950er- und 1960er-Jahren stand die Bezeichnung Kleinwagen für deutlich kleinere Rollermobile und diverse Mini-PKWs. Vollwertige PKW waren für die Bevölkerung in den ersten Jahren nach dem Krieg unerschwinglich teuer. In den 1950er-Jahren erprobten sich daher zahlreiche Hersteller mit verschiedenen kleinen Fahrzeugtypen, um den Bedarf nach preiswerten PKW abzudecken.[1][2] Zu den ersten Kleinwagen zählen der Gutbrod Superior 600 und der Citroën 2CV, jeweils ab 1949 produziert. Typische Vertreter waren später die Lloyds, der NSU Prinz, das Goggomobil sowie die BMW-Modelle 600 und 700. In der DDR erachtete man diese Kleinwagen-Baumuster ebenso wie die Rollermobile als unzweckmäßig und forcierte daher die Entwicklung eines familientauglichen PKW zur Massenmotorisierung[3], wobei man sich am Lloyd Alexander orientierte. Heraus kam dabei der Trabant, der bei seinem Erscheinen 1958 nach dem Citroën 2CV eines der ersten Autos mit den Merkmalen eines modernen Kleinwagens war – Frontmotor, Frontantrieb, sowie einer Fahrgastzelle, die vier erwachsenen Personen und Gepäck (Kofferraum: 415 l) Platz bot. Charakteristisch für Kleinwagen der späten 1950er Jahre war ein Zwei- oder Viertaktmotor mit einem Hubraum von 500 bis 800 cm³ und einer Motorleistung zwischen 10 und 30 PS.[4] Einen Meilenstein setzte in Europa im Jahre 1959 der Mini mit seiner neuartigen Karosserieformgebung – ein Steilheck (Vollheck), das kürzer war als bei Stufenheck-Limousinen. Ähnliche Fahrzeuge entstanden wie der Suzuki Suzulight TL, später Honda N600 und Autobianchi A112. Diesen fehlte jedoch ein vollwertiger Kofferraum – mit 120 l Fassungsvermögen war der des Mini noch am größten. Der nächste große Sprung in der Kleinwagenentwicklung für Deutschland ereignete sich 1974 mit der Premiere des VW Golf – VW baute als einer der letzten der unabhängigen europäischen Hersteller einen vollwertigen Kleinwagen in Kompaktbauweise. Bereits 1968 hätte in der DDR mit dem Trabant 603 ein solches Fahrzeug in Serie gehen können. Aufgrund eines willkürlichen Beschlusses des Politbüros wurden die Produktionsvorbereitungen jedoch kurz vor Serienüberführung abgewürgt.[5] Das Golf-Konzept wurde vielfach kopiert und bildet das heutige Verständnis eines Kleinwagens. Spätestens mit Erscheinen des Golf III wuchs er aus diesem Segment heraus, es wurde bei VW durch den Polo übernommen. Noch heute ist der Kleinwagen für viele Menschen der einzige familientaugliche PKW, der auch als Neuwagen erschwinglich ist (Neupreis VW Polo 2012: ab 14.000 Euro[6] ).

Bauformen[Bearbeiten]

Die charakteristische Bauart von Kleinwagen wurde mit dem Mini zum Erfolg geführt.

Fahrzeuge mit Schrägheck fanden bis in die 1950er- und 1960er-Jahren kaum Käufer in Deutschland. Aus praktischen Erwägungen setzte sich diese Bauform für Fahrzeuge im unteren Segment dann weitgehend durch. Varianten mit Stufenheck spielen auf dem deutschen Markt keine Rolle mehr, dennoch existieren von zahlreichen Kleinwagenmodellen solche Ableger, die oft unter einem eigenständigen Modellnamen angeboten werden bzw. wurden (Polo / VW Derby). Kleinwagen werden in den südlichen Ländern zu einem höheren Anteil als Familienauto genutzt und benötigen in dieser Funktion einen großen Kofferraum und möglichst vier Türen, was die größere Verbreitung der Stufenheckvarianten erklärt. Diese verlängerte Bauform wurde bzw. wird von Herstellern auch als Plattform für Kleinwagenkombis genutzt. Kombis sind jedoch deutlich weniger etabliert als in der Kompaktklasse. Einige Kleinwagen wurden als Basis für Kastenwagen genutzt, den Vorläufern der heutigen Hochdachkombis.

Marktsituation[Bearbeiten]

Einige Aspekte sprechen für einen Kleinwagen; z.B. ist in Ballungsräumen die Parkplatzsuche am Straßenrand einfacher.

Der Kraftstoffverbrauch ist heute kein Argument mehr für einen Kleinwagen. Z.B. wiegt ein VW Polo V heute nur unwesentlich weniger als ein VW Golf VII (Polo ab 1067 kg; Golf ab 1205 kg = nur 13 Prozent mehr - das hohe Gewicht ist maßgeblich der gewünschten Crashsicherheit geschuldet, siehe auch Euro NCAP); beide Modelle sind mit 1,2-Liter- und 1,4-Liter-Motor erhältlich. Angesichts des Downsizing spielen Unterschiede in der Besteuerung durch Hubraumunterschiede allenfalls eine marginale Rolle. Kleinwagen sind oft in einer ungünstigeren Kfz-Versicherungsklasse als etwas größere KFZ-Modelle.

Zahlreiche Modelle bieten heute ein deutlich höheres Maß an Insassenschutz als z.B. im Jahr 2000. Allerdings gibt es bis heute einige Modelle, für die (auch gegen Aufpreis) kein ESP erhältlich ist. Ab 1. November 2014 ist ESP EU-weit für jedes neu verkaufte Auto vorgeschrieben (Näheres und Quellen hier). Bei vielen Kleinwagen-Modellen kosten Ausstattungsvarianten wie ESP oder Klimaanlage Aufpreis; in der nächstgrößeren Klasse gehören sie zum Serienumfang. Dies lässt den Listenpreis-Unterschied zwischen Kleinwagen und Kompaktwagen größer erscheinen als er „ausstattungsbereinigt“ tatsächlich ist.

Ein relativ neuer Trend sind Premium-Kleinwagen. Diese geben sich sportlicher und eleganter als klassische Kleinwagen und richten sich an zahlungskräftige Kunden, die ein relativ kleines Fahrzeug wünschen. Typische Merkmale sind eine höhere Motorisierung bereits in der Grundversion und Zweifarblackierungen. Als Pionier dieses Konzeptes gilt der 1985 vorgestellte Lancia Y10; es folgten nach 2000 Modelle im Retrodesign wie der MINI von BMW, der Fiat 500 und der Alfa Romeo MiTo. Neue Impulse in diesem Segment ohne historisches Vorbild gaben der Citroën DS3 und der Audi A1. Der A1 hat viele Bauteile mit dem VW Polo gemein (siehe Plattform (Automobil)).

Aktuelle Modelle[Bearbeiten]

Frühere Modelle[Bearbeiten]

Kein vollständiger Katalog, aber einige typische Vertreter ihrer Zeit

1960–1969[Bearbeiten]

1970–1979[Bearbeiten]

1980–1989[Bearbeiten]

1990–1999[Bearbeiten]

2000–2010[Bearbeiten]

Neuzulassungen in Deutschland[Bearbeiten]

Für Zahlen zu den jährlichen Neuzulassungen von Personenkraftwagen des Segments Kleinwagen in Deutschland nach Statistik des Kraftfahrt-Bundesamtes, siehe Liste der Neuzulassungen von Personenkraftwagen in Deutschland nach Segmenten und Modellreihen#Kleinwagen.

Kleinwagen im Film[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Kleinwagen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Realitäten und Irrwege im Kleinwagenbau. In: Kraftfahrzeugtechnik 5/1954, S. 145–150 und 6/1954, S. 180–186.
  2. Konstruktionstendenzen im Kleinst- und Kleinwagenbau. In: Kraftfahrzeugtechnik 1/1956, S. 11–15.
  3. Realitäten und Irrwege im Kleinwagenbau. In: Kraftfahrzeugtechnik 5/1954, S. 145–150.
  4. Aus dem internationalen Kraftfahrzeugbau - Internationaler Stand der Kleinwagen und der Kleinwagen Trabant. In: Kraftfahrzeugtechnik 7/1959, S.291
  5. http://www.mdr.de/damals/eure-geschichte/themen/trabi130.html
  6. http://www.volkswagen.de/de/models/polo/NWB.html