Hudūd al-ʿĀlam

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Das Ḥudūd al-ʿĀlam (persisch ‏حدود العالم‎, ‚Die Grenzen der Welt‘) ist eines der frühesten bekannten persischen Werke der Geographie. Es entstand im Jahre 982-983 n. Chr. in Dschuzdschan, dem heutigen Norden Afghanistans. Es ist dem Prinzen Abu l-Ḥārith Muḥammad b. Aḥmad aus der lokalen Dynastie der Farighuniden gewidmet. Der Autor des Werkes ist unbekannt. Barthold publizierte im Jahre 1930 den persischen Text als Faksimile in Leningrad. Minorsky übersetzte das Werk 1936 umfangreich kommentiert ins Englische.

Entdeckung und Inhalt[Bearbeiten]

Der russische Orientalist und Offizier A. G. Toumansky forschte mit Hilfe persischer Freunde nach dem Verbleib von dem Ulūs-i arbaʿa, einem verlorenen Werks Ulugh Begs. Diese entdeckten dabei im Jahre 1892 in Buchara ein Manuskript des 'Ḥudūd al-ʿĀlam. Das Manuskript stammt aus dem Jahr 1258. Der Kopist war Abu l-Mu'ayyad ʿAbd al-Qayyūm ibn al-Ḥusain ibn 'Alī al-Farīsī. Die Abschrift umfasst 39 Seiten mit je 23 Zeilen. Das Werk ist deskriptiv und enthält keine Karten, der Text bezieht sich allerdings auf eine Landkarte, die stets im Singular erwähnt wird (sūrat).[1] Die Handschrift ist gut erhalten. Lediglich die Seiten 29 und 30 sind leicht beschädigt. Die letzte Seite ist gerissen. Das Ḥudūd al-ʿĀlam ist Teil eines gebundenen Werkes, das aus den folgenden Teilen besteht:

  1. Eine Kopie des Dschihān-nāma von Muḥammad ibn Nadschīb Bakrān
  2. Eine kurze Abhandlung über Musik
  3. Das Ḥudūd al-ʿĀlam
  4. Das Dschāmiʿ al-ʿUlūm von Fachr ad-Din ar-Razi

Das Ḥudūd al-ʿĀlam beinhaltet Informationen über die damals bekannte islamische und nicht-islamische Welt. Der anonyme Autor berichtet über Länder (nāḥiyat), Völker, Sprachen, Kleidung, Essgewohnheiten, Religion, lokale Produkte, Städte, Flüsse, Meere, Seen, Inseln, Steppen, Wüsten, Topographie, Herrschaftsverhältnisse und Handel. Die bewohnte Welt wird aufgeteilt in Asien, Europa und „Libyen“ (i. e. Afrika). Insgesamt zählt der Autor 45 Länder nördlich des Äquators auf. Der anonyme Autor bereiste die Länder nicht persönlich, sondern schöpfte aus früheren Quellen wie die Werke von Al-Istachri[2] (Kitāb al-Masālik wa-l-mamālik, arabisch ‏كتاب المسالك والممالك‎), al-Dschaihānī und Ibn Churradādhbih.[3] Das Buch liefert insbesondere Informationen zu den türkischen Stämmen Zentralasiens.[4]

Toumansky starb, bevor er die Arbeiten zur Veröffentlichung abgeschlossen hatte. Das Fundstuck war wurde unter der Bezeichnung „L'anonyme de Toumansky“ bekannt.[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. J. B. Harley, David Woodward, G Malcolm Lewis: Cartography in the Traditional Islamic and South Asian Societies. Oxford University Press US, 1992, S. 139
  2. Fr. Taeschner in Encyclopaedia of Islam. New Edition, s.v. DJUGHRĀFĪYA
  3. C. E. Bosworth in: Encyclopaedia of Islam. New Edition, s.v. ḤUDŪD AL-ʿĀLAM
  4. Maqbul Ahmad in: C. E. Bosworth und M. S. Asimov (Hrsg.): History of Civilizations of Central Asia. Band IV, Teil 2, Paris 1992, S. 221
  5. Rıza Kurtuluş in: İslâm Ansiklopedisi. Istanbul 1998, s.v. HUDUDU'L-ALEM

Literatur[Bearbeiten]

  • V. Minorsky (Hrsg.): Hudud al-Alam. The regions of the world: a Persian geography, 372 A.H. - 982 A.D., translated and explained by V. Minorsky ; with the preface by V. V. Barthold, London 1937
  • C. E. Bosworth in: Encyclopaedia of Islam. New Edition, s.v. ḤUDŪD AL-ʿĀLAM