Alanen

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Dieser Artikel behandelt das Volk der Alanen, zu anderen Bedeutungen von Alanen siehe Alanen (Begriffsklärung).
Alani ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zum irakischen Kalligraf und Hochschullehrer Alani siehe Abdel Ghani Alani.
Zentralasien im 2. Jahrhundert v. Chr. mit dem Siedlungsgebiet der Alanen nordöstlich des Kaspischen Meeres

Die Alanen (griechisch Ἀλανοί Alanoí, lateinisch Alanī, Halanī; von iran. Aryanam, vgl. ossetisch allon „legendäres Volk der Frühzeit“[1]) waren ein iranisches Volk, ein östlicher Teilstamm der Sarmaten.

Die Alanen existierten als Stammesverband wesentlich länger als die übrigen Sarmatenstämme und nahmen in der späteren Zeit auch andere Kulturelemente auf. Sie siedelten ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. im nördlichen Kasachstan und im Nordosten des Kaspischen Meeres, zogen aber seit der Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. in die südrussischen Steppen zwischen Wolga und Don. Die Alanen sind Vorläufer der heute im Kaukasus lebenden Osseten.

Geschichte[Bearbeiten]

Antiker Teilstamm der Sarmaten[Bearbeiten]

Das Römische Reich und seine Nachbarvölker 125 n. Chr., darunter in Osteuropa (rote Schrift für iranischsprachige Gruppen) die Skythen auf der Krim und die Sarmaten mit mehreren Teilstämmen: Jazygen in Pannonien, Roxolanen im Karpatenvorland, Alanen und Aorsen am Schwarzen Meer. Die „Antes?“ als ursprünglich nicht slawischer Verband beruhen auf einer fraglichen Hypothese. Auch die Zuordnung der Siraken und Maioten zu den Sarmaten ist heute umstritten.

Um 44–35 v. Chr. ließ sich der vor der chinesischen Armee fliehende Xiongnu-Fürst Chih-chih am Tschüi nieder und erhob Tribut bei den Jan-tsai (= Alanen) und anderen benachbarten Gruppen (Hu-chich, Imil, Ch'ien-k'u und sogar in Sogdien), bis er 35 v. Chr. von den Chinesen getötet wurde. Der stetige, westwärts gerichtete Druck aus der Steppe führte im 1. Jahrhundert n. Chr. zur Abwanderung eines Teils der Alanen ins heutige Südrussland, ein anderer Teil unterwarf sich den in Sogdien benachbarten Kang-kü.

Seit dem späten 1. Jahrhundert n. Chr. auch nördlich des Kaukasus wohnhaft, unternahmen die Alanen von dort und von ihren alten Sitzen an der Ostseite des Kaspischen Meeres Raubzüge durch das Partherreich und nach Medien, Armenien und Kleinasien.

Im Jahre 137 n. Chr. drangen sie in die römische Provinz Kappadokien ein, wurden jedoch vom Statthalter Arrian besiegt.

In römischen Diensten kamen viele Sarmaten nach Gallien und Britannien, wo sie auch Siedlungen gründeten. Noch im Frühmittelalter waren viele französische und bretonische Adlige stolz auf eine legendäre alanisch-römische Herkunft. Auch in Anatolien, Konstantinopel und sogar im Hunsrück lebten angesiedelte Sarmaten. Diese römischen Söldner dürften oft keine Alanen aus dem Gebiet Nordkaukasiens und des Kaspischen Meeres gewesen sein, sondern andere Sarmaten, insbesondere Jazygen und Roxolanen aus Grenzregionen des Römischen Reiches, die später wohl missverständlich mit den zur Völkerwanderungszeit bekannt gewordenen Alanen aus dem Osten gleichgesetzt wurden.

Alanen in der Völkerwanderung[Bearbeiten]

Die Alanen in der Völkerwanderung, 4.–5. Jh.
Rote Pfeile: Wanderungen
Orange Pfeile: Kriegszüge
Gelbe Flächen: ungefähre Ansiedlungsgebiete

Gegen 374 wurden die Alanen von einfallenden Hunnen besiegt und unterworfen. Ein großer Teil schloss sich den Hunnen zeitweilig bei deren Wanderungen nach Westen an. Diese Alanen beteiligten sich an der Völkerwanderung. Ein anderer Teil blieb nördlich des Kaukasus zurück.

Die nach Westen gezogenen Alanen siedelten sich anfangs gemeinsam mit den Hunnen entweder in Pannonien (heute Ungarn) oder an der unteren Donau und teilweise auch auf der Krim an. Die Alanen aus Pannonien fielen zur Mehrheit von den Hunnen ab, schlossen sich 406 den Vandalen, Sueben und Burgunden auf dem Zug über den Rhein 406 an und wurden als Föderaten im nördlichen Gallien angesiedelt. Ihre Stammeskönige auf dieser Wanderung hießen Respendial und Goar. In der Umgebung von Orléans bestand für kurze Zeit ein alanisches Stammesreich. Ein großer Teil dieser Alanen schloss sich 409 dem Zug der Vandalen auf die Iberische Halbinsel an, wo sie sich im mittleren Süden in der römischen Provinz Lusitanien und östlich davon ansiedelten. Die zurückgebliebenen Alanen in Gallien beteiligten sich noch 451 unter ihrem Stammeskönig Sangiban, dem Nachfolger von Goar, am entscheidenden Sieg über die Hunnen auf den Katalaunischen Feldern. Dieses Alanenreich wurde nach 451 vom Westgotenreich erobert. Im Süden der Iberischen Halbinsel bildeten die Alanen, die mit den Vandalen und Sueben eingewandert waren, für wenige Jahre ein weiteres Alanenreich unter Respendials Nachfolger König Attaces. Dieses Alanenreich wurde bereits 417 von dem Westgotenkönig Wallia erobert. Daraufhin schloss sich im Jahr 429 die Mehrheit der iberischen Alanen den Hasding-Vandalen auf dem Zug nach Nordafrika an. Seit dem Vandalenkönig Hunerich waren sie direkt den Vandalenkönigen zugehörig, die von nun an den Titel Rex Vandalorum et Alanorum (König der Vandalen und Alanen) führten. Einhundert Jahre später wurde dieses nordafrikanische Reich im Vandalenkrieg 533–34 von dem byzantinischen Feldherrn Belisar erobert.

Die zweite Gruppe an der unteren Donau unter König Candac ging Bündnisse mit den Westgoten ein, in der Schlacht von Adrianopel 378 waren gepanzerte alanische Kataphrakten am Sieg der Goten über die Römer beteiligt. Die Mehrheit dieser Alanen schloss sich den Zügen der Westgoten über die Balkanhalbinsel und Italien bis ins südliche Gallien an und wurden schließlich in Norditalien und im südlichen Gallien sesshaft, besonders im Gebiet der oberen Rhone und benachbarten Alpenregionen und auf beiden Seiten der östlichen Pyrenäen.

Neben den Krimgoten und anderen Gruppen siedelten sich zu dieser Zeit auch einige Alanen auf der Krim an, die dort noch bis ins Mittelalter existierten und neben anderen Volksgruppen einige befestigte Städte gründeten, z.B. Sudak.

Fast alle sesshaft gewordenen alanischen Gruppen, außer jenen auf der Krim und in Kaukasien, wurden bereits im Mittelalter nicht mehr in Quellen beschrieben. Offenbar gingen sie innerhalb weniger Jahrhunderte in den größeren Nachbarbevölkerungen auf. Es blieb aber eine legendenhafte Erinnerung an die Alanen und Sarmaten zurück.

Mittelalter[Bearbeiten]

Nach der Zeit der Völkerwanderung stand alanische Kavallerie aus dem Gebiet nördlich des Kaukasus als Söldner häufig in byzantinischen Diensten, muslimische Alanen (Arsiyah) in chasarischen Diensten. Bei der Entstehung der Kiewer Rus spielten die Alanen als Kriegerelite im Süden des Reiches um Kiew wahrscheinlich eine wichtige Rolle.

Vom 13. Jahrhundert bis 1475 existierte auf der Krim das Fürstentum Theodoro, das dem Umfeld des byzantinischen Reiches zuzurechnen war und sich neben anderen auch auf alanische Bevölkerungsanteile stützte. Diese Alanen auf der Krim wurden noch bis ins 16. Jahrhundert in Quellen erwähnt. Danach gingen sie, wie vorher schon andere angesiedelte regionale Gruppen der Alanen, in der umgebenden Bevölkerung auf.

Das kaukasische Königreich Alanien, 1060 n. Chr.
Ruine einer der alanischen Kirchen am Fundplatz Nischni Archys 1882. Sie wurde später rekonstruiert und ausgebaut.

Spätestens im 9. Jahrhundert entstand im Nordkaukasus der Staat Alanien, der wenige Jahrzehnte später von byzantinischen Missionaren teilweise christianisiert wurde. Auch hier gingen die anfangs nomadischen Alanen zur Sesshaftigkeit über. Nach Angaben der muslimischen Geographen Al-Mas'udi und Ahmad ibn Rustah existierten viele Dörfer und einige Städte, Burgen und Festungen, die teilweise später archäologisch untersucht wurden. Mit dem Einfall der Mongolen im 13. Jahrhundert wurde dieses alanische Königreich zerschlagen. Daraufhin flüchteten um 1237 einige tausend Alanen – zusammen mit ca. 40.000 Kyptschaken (auch Kumanen oder ungarisch Kunok genannt) – vor den Mongolen nach Ungarn. Im Komitat Jász-Nagykun-Szolnok (Jaß-Großkumanien-Sollnock) mit dem Hauptort Jászberény bildeten sie die Volksgruppe der Jász (Jassen, Assen „ungarische Alanen“). Ein Teil der Jassen flüchteten auch in Gebiete östlich der Karpaten, z.B. wird der Name der ostrumänischen Stadt Iași auf sie zurückgeführt. Ihre Sprache wurde um das 16. Jahrhundert verdrängt, ihre autonomen Privilegien in Ungarn neben denen der Kumanen aber erst im 19. Jahrhundert. Ein weiterer Teil der kaukasischen Alanen schloss sich nach den Angaben Giovanni de Marignollis und Wilhelm von Rubruks dem Mongolenreich an, die mehrere tausend Alanen in mongolischen Diensten beschrieben. Ein dritter Teil flüchtete höher in den Kaukasus.

Im Nordkaukasus leben bis heute sprachliche Nachfolger der Alanen: das Volk der Osseten. Dieser neue Volksname wurde im Spätmittelalter für die alanische Bevölkerung im Kaukasus gebräuchlich.

Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft[Bearbeiten]

Die Alanen waren ursprünglich ein Reitervolk, das nomadisch, seltener halbnomadisch als Viehhirten in den südrussischen Steppen lebte, wo sie Schafe, Ziegen, Rinder und Pferde hüteten. Die Alanen lebten meist in Jurten und auf Wagen (siehe auch: Wagenburg) und zogen mit ihren Herden in andere Weidegebiete, sobald das Land abgefressen war. Die Alanen ernährten sich hauptsächlich von Milchprodukten (Käse, Joghurt, Kefir) und Fleisch. Im Zuge des Kontaktes mit dem Bosporanischen Reich, den Römern und im Laufe der Völkerwanderung wurden die Alanen in einigen Regionen sesshaft, unter anderem am Kuban, im Kaukasus, auf der Krim, um Kiew herum, in Ungarn, in Norditalien, in Katalonien, in Portugal und in Tunesien.

Typisch für die alanische Kunst sind die verschlungenen Tiermuster des skythisch-sarmatischen Tierstils, der unter den Alanen die Kunst der germanischen Völkerwanderungszeit prägte, zuerst bei den Goten, dann bei den Vandalen und schließlich bei den merowingerzeitlichen Franken.

Alanische Krieger waren mit einem skythischen Reflexbogen, einem langen zweischneidigen Schwert (dem sog. sarmatischen Langschwert), einem Dolch und einer Lanze (oft vom Contus-Typ) ausgestattet. Schwer gepanzerte Kataphrakte waren bei den Alanen nicht ganz so häufig anzutreffen wie bei den anderen sarmatischen Stämmen, die Alanen kämpften häufiger als leichte Lanzenreiter. Eine typisch alanische Kampftaktik war die vorgetäuschte Flucht und der Parthische Schuss. Im Gegensatz zu den Sarmaten (siehe auch: Amazonen) gibt es bei den Alanen keine Hinweise darauf, dass auch Frauen kämpften.

Was bleibt von den Alanen[Bearbeiten]

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Die Alanen werden mit den heute im Zentralkaukasus siedelnden Osseten in Verbindung gebracht. Andernorts in Europa finden sich nur noch spärliche Hinweise. Die Vornamen Alan, Alain, Alanus, Alanis, der Nachname FitzAlan könnten auf die Alanen hinweisen. Der Name der berühmten polnischen leichten Kavallerie, der Ulanen, kommt vielleicht von den Alanen, die einst im ganzen frühmittelalterlichen Europa für ihre Lanzenreiter berühmt waren und als Söldner angeworben wurden. Diese Etymologien sind umstritten.

Der Alaunt war eine im Mittelalter verbreitete, heute ausgestorbene Jagdhundrasse, die von alanischen Hirten- bzw. Kriegshunden abstammte. Eventuell wurde der Alano Español daraus gezüchtet.

Mehrere Orts- und Flurnamen wie zum Beispiel Allainville oder Allaincourt weisen möglicherweise noch heute auf die vormalige Anwesenheit von Alanen in Frankreich hin. Sie treten im Gebiet der mittleren Loire, der oberen Rhone-Alpen und der oberen Garonne-Ost-Pyrenäen auf, also in genau den Regionen, in denen die Ansiedlung von Alanen zur Völkerwanderungszeit nachgewiesen ist.[2] Auch im Süden Portugals und Spaniens gehen einige Namen wahrscheinlich auf die Alanen zurück, wie Alenquer. Dass der Name der Region Katalonien auf „Got-Alanien“ zurückgeht, wird heute oft abgelehnt. Mittelalterliche Schreibweisen des Namens legen eher nahe, dass er auf „Kastellan“ oder vielleicht auf „Gotholandia“ zurückgeht.[3]

Im Kaukasus gibt es die Darialschlucht, deren Name dem neupersischen Namen dar-i Alan (=Pforte der Alanen) entlehnt wurde. Die Entwicklung dieses geographischen Namens ist in historischen Quellen bewiesen. Die Schlucht war das Einfallstor der Alanen bei ihren Eroberungszügen nach Transkaukasien.[4]

Laut einigen deutschen, russischen und britischen Sprachwissenschaftlern und Historikern könnte die Bezeichnung Rus, der alte Name Russlands und der Russen, auf den alanischen Teilstamm der Ruchs-as oder auf die sarmatischen Roxolanen zurückgehen. In beiden Stammesnamen verbirgt sich – wie etwa in den iranischen und russischen Vornamen Rustam und Ruslan (sehr umstritten) – altnordiranisch Raochschna ‚weiß‘, ‚Licht‘; Rus als Volksname würde demnach ‚die Hellen‘, ‚Strahlenden‘ bedeuten. Die Anwesenheit von Alanen in den Siedlungen und Städten der frühen Kiewer Rus ist archäologisch belegt. Allerdings wird die Rukhs-as-Theorie von den meisten Wissenschaftlern zurückgewiesen, man identifiziert das Wort „Rus“ als Bezeichnung skandinavischer Waräger in Russland.

Auch deutsche Korporationen benutzten den Namen Alania im Zuge der Romantisierung von Völkerwanderungsstämmen im 19. Jahrhundert.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Alanen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Belege und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Ronald Kim, "On the historical phonology of Ossetic: the origin of the oblique case suffix"
  2. Kapitel bei Kusnezow online. Die unteren Karten zeigen die Ortsnamen in Frankreich, die auf die Alanen zurückgeführt werden.
  3. Vgl. z.B. Maximiano García Venero Historia del nacionalismo catalán Barcelona 1967.
  4. Artikel von Agustí Alemany zur Geschichte der Darialschlucht im Frühmittelalter (PDF; 113 kB)