Isolierte Sprachen

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Eine isolierte Sprache ist eine Sprache, bei der sich keine genetische Verwandtschaft zu irgendeiner anderen Sprache nachweisen lässt. Die nach derzeitigem Kenntnisstand einzige heute noch gesprochene isolierte Sprache Europas ist das Baskische.

Dieser Artikel gibt eine Übersicht über die isolierten Sprachen der Welt, geordnet nach Kontinenten.

Probleme des Begriffs[Bearbeiten]

Die scheinbar einfache Definition des Begriffs „isolierte Sprache“ – eine Sprache, die mit keiner anderen genetisch verwandt ist – ist problematisch:

  • Problem der Dialekte und Aufspaltungen. Auch isolierte Sprachen können natürlich Dialekte besitzen und diese sich heute oder in der Zukunft zu eigenständigen Sprachen weiterentwickeln. Es ist oft Definitionssache, ob man von einer Sprache mit mehreren Dialekten oder mehreren eigenständigen, eng verwandten Sprachen spricht. Dieser nicht klar definierbare Unterschied macht dann aus einer „isolierten Sprache“ eine kleine Familie nah verwandter Sprachen.
  • Problem der ausgestorbenen Schwestersprachen. Das Ket (eine jenisseische Sprache) müsste heute als „isoliert“ gelten, da außer Ket keine andere Jenissei-Sprache mehr gesprochen wird. Aus den vorigen Jahrhunderten sind allerdings mindestens fünf inzwischen ausgestorbene Schwestersprachen bekannt, weswegen das Ket nicht als isoliert betrachtet werden kann, sondern einzig überlebendes Mitglied der jenisseischen Sprachfamilie ist. Ebenso könnte z. B. das heute als isoliert geltende Sumerische antike Verwandte gehabt haben, welche allerdings – im Gegensatz zum Sumerischen – nicht schriftlich fixiert wurden.

Die Vorstellung von „isolierten Sprachen“ nach der obigen Definition ist also eher unhistorisch: in Wirklichkeit haben oder hatten alle Sprachen dieser Welt „Verwandte“, die lediglich aus den verschiedensten Gründen nicht ermittelt werden konnten, z. B. weil sie ohne schriftliche Fixierung ausgestorben sind oder weil die Forschungsmethoden (noch) nicht ausreichen, die Verwandtschaft mit anderen Sprachen nachzuweisen. In diesem Zusammenhang ist die Forschung an den großen Makrofamilien, die mehrere „klassische“ Sprachfamilien und „isolierte Sprachen“ umfassen, von besonderem Interesse. (Siehe auch Eurasiatisch, Nostratisch, Dene-Kaukasisch, Austrisch, Indopazifisch, Amerindisch u. a.). Mit der Etablierung jeder größeren genetischen Spracheinheit reduziert sich die Zahl der „isolierten Sprachen“.

Im Folgenden werden die meisten heute als „isoliert“ betrachteten Sprachen mit ihren Sprecherzahlen nach Kontinenten und innerhalb derselben alphabetisch aufgelistet. Bei manchen wird auf die Gründe hingewiesen, warum sie möglicherweise doch nicht „isoliert“ sind. Basis bildet die Zusammenstellung von Ethnologue, die aufgrund zusätzlicher Kenntnisse von Spezialisten ergänzt und wo nötig korrigiert wurde.

Nicht zu verwechseln mit den „isolierten Sprachen“ sind die unklassifizierten Sprachen: diese sind entweder ausgestorben und so schwach überliefert, dass eine Klassifikation mit dem vorhandenen Material nicht möglich ist, oder zwar noch existent, aber bisher nicht genügend erforscht, um sie einer Sprachfamilie zuordnen zu können oder von ihnen mit großer Sicherheit zu behaupten, sie seien „isoliert“. Sprachen können auch unklassifizierbar sein, wenn sie die Merkmale zweier Sprachfamilien aufweisen. Solche Sprachen heißen Hybrid- oder Mischsprachen. In der Praxis ist der Unterschied zwischen „isoliert“ und „unklassifiziert“ nicht sehr scharf, so dass hier auch einige unklassifizierte Sprachen aufgeführt werden.

Ethnologue als problematische Quelle[Bearbeiten]

Für fast alle diese teilweise nur den Fachleuten bekannten isolierten Sprachen kann man in Ethnologue Auskunft über die ethno-linguistische Situation, Sprecherzahlen und ihre geographische Verbreitung finden. Allerdings ist die Klassifikation in Ethnologue nicht immer mit der hier zugrunde gelegten kompatibel, sodass manche hier als isoliert bezeichnete Sprache dort einer Sprachfamilie zugeordnet wird. Umgekehrt werden einige in Ethnologue als isoliert bezeichnete Sprachen hier einer Sprachfamilie zugeordnet, z. B. Tinigua, Puelche und andere. Außerdem führen einige Namensverwechslungen in Ethnologue zu irrtümlichen Klassifikationen und Einschätzungen. Im Zweifel sind immer die aktuellen Primärquellen zu den einzelnen Sprachfamilien oder arealen Sprachgruppen heranzuziehen.

Eurasien[Bearbeiten]

Isolierte Sprachen Eurasiens[Bearbeiten]

Folgende Sprachen Eurasiens werden von der Mehrheit der Forscher heute für isoliert gehalten:

Sprache Zahl der Sprecher Vorkommen/Kommentar
Ainu fast † Japan, Sachalin; Kandidat für die eurasiatische Makrofamilie, schwacher Kandidat für Makro-Altaisch
Baskisch 800.000 Spanien, Frankreich; das ausgestorbene Aquitanische könnte ein Dialekt des antiken Baskischen gewesen sein; wohl nicht verwandt mit den altiberischen Sprachen. Evtl. Mitglied der dene-kaukasischen Makrofamilie.
Burushaski 100.000 Pakistan; vielleicht Beziehung zum Jenisseischen, Kandidat für Dene-Kaukasisch
Elamisch Iran: Chusistan; Verwandtschaft mit dem Drawidischen möglich: „Elamo-Drawidisch“
Hattisch Anatolien; vielleicht mit den ostkaukasischen Sprachen verwandt
Jukagirisch 200 Russland, Ostsibirien; evtl. mit den uralischen Sprachen verwandt: „Uralisch-Jukagirisch“
Koreanisch 78.000.000 Korea; möglicherweise mit dem Japanischen verwandt; vllt. zusammen mit Japanisch zu Makro-Altaisch
Kusunda fast † Nepal; aus der ältesten Sprachschicht des Himalayagebiets
Nahali 2.000 Indien; alternativ Kalto, Nahal, Nahale, Nihal; aus der ältesten Sprachschicht Indiens
Niwchisch 400 Russland, Ostsibirien; Kandidat für die eurasiatische Makrofamilie
Sumerisch südliches Mesopotamien; evtl. dene-kaukasisch

Unklassifizierte lebende Sprachen Eurasiens[Bearbeiten]

Diese Sprachen werden in Ethnologue als „unklassifiziert“ aufgeführt, da sie bisher nicht oder nicht genügend erforscht wurden, um sie genetisch klassifizieren zu können. Es ist eher unwahrscheinlich, dass es sich um „isolierte“ Sprachen handelt.

Sprache Zahl der Sprecher Vorkommen/Kommentar
Andh 80.000 Indien; nur als Zweitsprache, Muttersprache der Sprecher ist Marathi, wahrscheinlich indoarisch
Chak 25.000 Myanmar; wahrscheinlich sinotibetisch, Zweig unbekannt
Malakhel 2.000 Afghanistan; wohl identisch mit Ormuri, dann iranisch
Mukha-Dora 17.000 Indien; heute nur Zweitsprache, mögl. Muttersprache ist Telugu, Sprecher verwenden auch Adivasi Oriya; wahrscheinlich drawidisch
Warduji 5.000 Afghanistan; evtl. Dialekt des Persischen, sehr wahrscheinlich iranisch (Pamirsprache?)
Waxianghua 300.000 China; sehr wahrsch. sinitischer Zweig des Sinotibetischen

Unklassifizierte ausgestorbene Sprachen Eurasiens mit lesbaren Schriften[Bearbeiten]

Die ausgestorbenen alteuropäischen und orientalischen Sprachen in dieser Liste konnten bisher keiner Sprachgruppe zugeordnet werden, da sie nur sehr spärlich erhalten und dokumentiert sind. Ob es sich um isolierte Sprachen handelt, ist nicht abschließend zu klären.

Sprache Vorkommen/Kommentar
Eteokretisch Kreta; Sprache einiger eisenzeitlicher Inschriften
Eteokyprisch Zypern, Kreta; Sprache einiger eisenzeitlicher Inschriften im Kyprischen Syllabar
Etruskisch Italien; eine Verwandtschaft mit dem Lemnischen und anderen Ägäischen Sprachen sowie mit dem Rätischen als sogenannte Tyrsenische Sprachen wurden u. A. von Helmut Rix postuliert, ist allerdings nicht erwiesen.
Gutäisch Mesopotamien; nur Eigennamen bekannt, Keilschrift, aus dem Zagros-Gebirge, möglicherweise mit dem Lulubäischen verwandt
Iberisch Iberische Halbinsel; Verbindungen zum Baskischen eher unwahrscheinlich; klar gegen Tartessisch abgrenzbar; nicht mit Ibero-Keltisch zu verwechseln
Kassitisch Mesopotamien; nur Eigennamen und eine Schrifttafel bekannt, Keilschrift, aus Zagros-Gebirge
Lulubäisch Mesopotamien; nur Eigennamen bekannt, Keilschrift, aus dem Zagros-Gebirge, möglicherweise mit dem Gutäischen verwandt
Nord-Pikenisch Italien; im Gegensatz zum italischen Süd-Pikenischen sicher nicht-indogermanische Sprache
Piktisch Schottland; wird manchmal dem britannischen Zweig der inselkeltischen Sprachen zugerechnet
Sikanisch Sizilien; im Gegensatz zu den meist als italisch angesehenen benachbarten Sprachen Elymisch und Sikulisch wahrscheinlich nicht-indogermanisch
Tartessisch o.
Südlusitanisch
Verwandtschaft mit dem Iberischen unwahrscheinlich, sicher nicht ibero-keltisch

Unklassifizierte ausgestorbene Sprachen Eurasiens in bisher nicht entzifferten Schriften[Bearbeiten]

Die Sprachen dieser Liste können keiner Sprachgruppe zugeordnet werden, da ihre Schriften bisher nicht entziffert werden konnten. Es handelt sich also eigentlich um hypothetische Sprachen.

Sprache Vorkommen/Kommentar
Harappanisch Pakistan, Indien; Sprache der bisher nicht entzifferten Indus-Schrift; meist als verwandt mit dem Drawidischen angesehen, dann natürlich nicht isoliert
Minoisch Kreta; Sprache der Texte in der bisher nicht entzifferten Linear A-Schrift und einiger anderer nicht entzifferter kretischer Texte, z.B. des Diskos von Phaistos; mögliche Verwandtschaft mit dem Eteokyprischen und dem Eteokretischen
Kyprominoisch Zypern; Sprache der bisher nicht entzifferten bronzezeitlichen Inschriften Zyperns, vor allem aus Enkomi; mögliche Verwandtschaft mit dem Minoischen und Eteokyprischen

Oft fälschlicherweise als isoliert klassifizierte Sprachen Eurasiens[Bearbeiten]

Sprache Zahl der Sprecher Vorkommen/Kommentar
Hurritisch Syrien, Ostanatolien; bildet mit dem Urartäischen die hurritisch-urartäische Sprachfamilie; möglicherweise mit den nordkaukasischen Sprachen verwandt
Japanisch 126.000.000 Japan; nicht isoliert, da man die stark abweichenden Ryūkyū-Sprachen Okinawas meist als eigenständige Sprachen wertet; möglicherweise mit dem Koreanischen verwandt, evtl. Mitglied des Makro-Altaischen; Kandidat für Eurasiatisch und Nostratisch
Ket 200 Russland, Sibirien; jenisseische Sprache, verwandt mit den inzwischen ausgestorbenen jenisseischen Sprachen Yugh, Kott, Pumpokol, Assan und Arin; die jenisseischen Sprachen sind ein Kandidat für das Dene-Kaukasische; neuere Hypothesen der genetischen Beziehung zu den Na-Dené-Sprachen bzw. zum Burushaski
Urartäisch Ostanatolien, Armenien, Nordwestiran; bildet mit dem Hurritischen die hurritisch-urartäische Sprachfamilie; möglicherweise mit den nordkaukasischen Sprachen verwandt

Indopazifik[Bearbeiten]

Zum Bereich Indopazifik gehören die austronesischen und die sog. Papua-Sprachen. Während die austronesischen Sprachen eine klar identifizierbare genetische Einheit bilden – es gibt kaum Zweifel, ob eine bestimmte Sprache austronesisch ist oder nicht –, ist die genetische Situation der Papua-Sprachen sehr komplex. Von den nicht-austronesischen und nicht-australischen Sprachen Neuguineas und einiger Nachbarinseln (also den sog. Papua-Sprachen) sind einige in dem Sinne isoliert, dass sie keiner „Familie“ (und sei es auch nur einer mit zwei Mitgliedern) zugeordnet werden können. Außerdem gibt es einige wenig erforschte bisher unklassifizierte Papua-Sprachen, die durchaus zu einer der etwa zehn Papua-Sprachfamilien gehören könnten.

Isolierte und unklassifizierte Papua-Sprachen[Bearbeiten]

Sprache Zahl der Sprecher Vorkommen/Kommentar
Abinomn 300 Indonesien: West-Neuguinea; vielleicht zu Yoke-Warembori
Burmeso 250 Indonesien: West-Neuguinea; vielleicht zu Ost-Vogelkopf
Doso ? 700 Papua-Neuguinea
Karkar-Yuri 1.100 Papua-Neuguinea; vielleicht zu Pauwasi
Kembra fast † Indonesien: West-Neuguinea
Kibiri 1.100 Papua-Neuguinea; vielleicht zu Trans-Neuguinea, Kiwai-Gruppe
Lepki 500 Indonesien: West-Neuguinea; vielleicht mit Murkim verwandt
Murkim 300 Indonesien: West-Neuguinea; vielleicht mit Lepkin verwandt
Odiai oder Busa 250 Papua-Neuguinea
Yale 600 Papua-Neuguinea

Australien[Bearbeiten]

Nach neuen Erkenntnissen eines der besten Kenner dieser Sprachen, R.M.W. Dixon (siehe Literaturangabe), lässt sich die genetische Einheit der australischen Sprachen nicht nachweisen, da die Phase einer möglichen Einheitlichkeit viel zu weit zurückliegt (mindestens 20.000 Jahre). Insbesondere wird die genetische Einheit der bisher größten Gruppe australischer Sprachen, der Pama-Nyunga-Sprachen, von Dixon aufgegeben. Es gibt nach diesem Modell verschiedene kleinere genetische und areale Einheiten, viele Sprachen bleiben „isoliert“. Hier sind nur die noch lebenden „isolierten Sprachen“ aufgeführt, zu ihnen gehören die sprecherreichsten Sprachen Australiens. Insgesamt sprechen nur noch 40.000 Personen der Völker der Aborigines eine der rund 80 einheimischen Sprachen, vor der Kolonisierung gab es mindestens 350 Sprachen.

Sprache Zahl der Sprecher Kommentar
Kala Lagaw Ya oder West Torres 1.000 Queensland: Western Torres Strait; Papua-Sprache mit australischem Substrat
Kuku-Yalandji 240 Queensland; die Dialekte Yalandji, Djangun und Muluridji werden teilweise als separate Sprachen betrachtet, dann kleine Sprachfamilie
Tiwi 1.800 Northern Territory; möglicherweise kleine Sprachfamilie
Warumungu 500 Northern Territory
Western Desert Language 6.500 Western Desert; die Dialekte Martu Wangka (700 Sprecher), Karkutja (300 Sprecher), Pintupi-Luritja (1.000), Ngaatjatjarr (1.200), Pitjantjatjara (2.500) und Yankuntjatjarra (200) werden teilweise als separate Sprachen gewertet; dann ist die Western Desert Language Group eine kleine Sprachfamilie

Darüber hinaus muss eine ganze Reihe ausgestorbener oder fast ausgestorbener Sprachen Australiens als isoliert oder unklassifiziert gelten. Siehe dazu den externen Link „Die Klassifikation der australischen Sprachen“.

Afrika[Bearbeiten]

Nach J. Greenbergs heute wohl unbestrittener Leistung einer Gesamtklassifikation der afrikanischen Sprachen in die vier großen Phyla Afroasiatisch, Niger-Kongo, Nilosaharanisch und Khoisan (letzte Fassung veröffentlicht 1963) blieb zunächst keine afrikanische Sprache „isoliert“, da sie alle einem der vier Phyla angehörten.

Manche Afrikanisten sind jedoch davon überzeugt, dass Khoisan und Nilosaharanisch keine Sprachfamilien im engeren Sinne, sondern nur Gruppen von Sprachen sind, die sich typologisch ähneln und einen arealen Sprachbund bilden. (Details zu diesem Thema im Artikel Afrikanische Sprachen.) Während also von einigen Fachleuten bestimmte Sprachen zu den Phyla Nilosaharanisch oder Khoisan gerechnet werden, werden sie – falls keine näheren Verwandten erkennbar sind – von anderen als „isoliert“ oder „unklassifiziert“ betrachtet. Darüber hinaus gibt es in Afrika eine Reihe von unklassifizierten und hybriden Sprachen (Mischsprachen).

Isolierte Sprachen[Bearbeiten]

Die folgenden Sprachen gelten heute als isoliert, früher wurden sie zu den Khoisan-Sprachen hinzugerechnet (so noch immer in Ethnologue):

Sprache Zahl der Sprecher Vorkommen/Kommentar
Hadza 800 Tansania
Sandawe 40.000 Tansania
Kwadi Angola
ǂHoa 200 Botswana; möglicherweise eine Süd-Khoisan-Sprache

Unklassifizierte afrikanische Sprachen[Bearbeiten]

Folgende Sprachen gehören wahrscheinlich einem der großen afrikanischen Phyla an, eine sichere Zuordnung war bisher nicht möglich:

Sprache Zahl der Sprecher Vorkommen/Kommentar
Bung fast † Kamerun; wahrsch. Niger-Kongo-Sprache, bantoid
Centúúm 200 Nigeria
Kujarge 1.000 Tschad
Lufu fast † Nigeria; vielleicht Niger-Kongo-Sprache, jukunoid
Luo Kamerun; nicht mit dem nilosaharanischen Luo zu verwechseln
Meroitisch Sudan; die Sprache des nubischen Königreichs Meroe; möglicherweise nilosaharanisch
Mpre Ghana; wahrsch. Niger-Kongo-Sprache, vielleicht Kwa-Zweig; nur einmal 1931 beschrieben
Pré 200 Elfenbeinküste; wahrscheinlich Niger-Kongo-Sprache; eher zum Volta-Kongo-Zweig als zum Mande-Zweig

Hybride afrikanische Sprachen (Mischsprachen)[Bearbeiten]

Folgende Sprachen weisen Merkmale aus verschiedenen Sprachfamilien auf:

Sprache Zahl der Sprecher Vorkommen/Kommentar
Imeraguen 500 Mauretanien; Merkmale des Afroasiatischen (Semitisch: Hassaniya) und Niger-Kongo (Mande: Soninke)
Laal 750 Tschad; Merkmale des Afroasiatischen (Tschadisch) und Niger-Kongo (Adamawa); unbekanntes Substrat
Shabo 450 Äthiopien; Merkmale des Afroasiatischen (speziell Omotisch) und Nilosaharanischen
Weyto Äthiopien; möglicherweise nilosaharanisch (ostsudanisch?) oder afroasiatisch (kuschitisch?); wahrscheinlich hybrid

Manchmal fälschlicherweise als isoliert klassifizierte Sprachen Afrikas[Bearbeiten]

Sprache Zahl der Sprecher Vorkommen/Kommentar
Kara (Fer) 4.800 Zentralafrikanische Republik; nilosaharanisch, zentralsudanisch, Bongo-Bagirmi-Gruppe; bei Ethnologue fälschlicherweise als „unklassifiziert“ angegeben
Ongota (Birale) fast † Äthiopien; nach Harold Fleming ein separater Zweig des Afroasiatischen; jedenfalls afroasiatisch

Amerika[Bearbeiten]

Hier sind nur die lebenden Sprachen aufgeführt. Eine vollständige Übersicht über den heutigen Kenntnisstand – inklusive der ausgestorbenen, aber irgendwie überlieferten Sprachen – geben die angeführten Weblinks „Klassifikation der nord-, meso- und südamerikanischen Sprachen“ und der Artikel Sprachfamilien der Welt. Wenn J. Greenberg mit seiner Klassifikation der amerikanischen Sprachen in nur drei genetische Einheiten – Na-Dene, Eskimo-Aleutisch und Amerind – recht hätte, gäbe es keine isolierten amerikanischen Sprachen. Die vorliegende Darstellung beruht auf den heute allgemein anerkannten genetischen Gruppen Amerikas, wobei durchaus immer wieder Versuche unternommen werden, größere Einheiten nachzuweisen, in denen dann auch hier aufgeführte „isolierte“ Sprachen aufgehen können. Nach der heutigen Mehrheitsmeinung der Forscher ist Amerika (vor allem Südamerika) der Kontinent mit den meisten – teilweise auch recht großen – isolierten Sprachen.

Nordamerika[Bearbeiten]

Hinweis: Die Gruppen Hoka-Sprachen und Penuti-Sprachen werden hier nicht als genetische Einheiten betrachtet. (Vgl. L. Campbell, American Indian Languages (1997) und diverse andere aktuelle Quellen.)

Sprache Zahl der Sprecher Vorkommen/Kommentar
Haida 50 Kanada; oft zu Na-Dene gerechnet
Karuk (Karok) fast † USA
Keres 8.000 USA; möglicherweise Familie von 2 Sprachen mit 7 Varietäten
Klamath-Modoc fast † USA; möglicherweise mit den Sahapti-Sprachen und dem Molala verwandt
Kutenai fast † Kanada
Washo fast † USA
Yuchi fast † USA
Zuñi 10.000 USA

Mittelamerika[Bearbeiten]

Sprache Zahl der Sprecher Vorkommen/Kommentar
Huave 19.000 Mexiko; vier Dialektgruppen, die auch als Sprachen gewertet werden könnten
Seri 700 Mexiko
Taraskisch 120.000 Mexiko
Tol 350 Honduras
Lenca fast † Honduras, San Salvador; möglicherweise zwei Sprachen: Honduras- und San Salvador-Lenca

Südamerika[Bearbeiten]

Sprache Zahl der Sprecher Vorkommen/Kommentar
Agavotaguerra Brasilien; unklassifiziert; vielleicht Arawak-Sprache
Aikaná (Tubarao) 100 Brasilien; unklassifiziert; vielleicht Arawak-Sprache
Amikoana fast † Brasilien
Andoque 600 Kolumbien
Camsá 4.000 Kolumbien
Candoshi-Shapra 3.000 Peru
Carabayo 150 Kolumbien
Chiquitano 6.000 Bolivien; nach Kaufmann eine Makro-Gé-Sprache
Cofán 2.500 Ecuador, Kolumbien; Entlehnungen aus den Chibcha-Sprachen
Guarao (Warao) 18.000 Venezuela, Guayana
Himarimã fast † Brasilien
Irantxe 200 Brasilien; vielleicht Arawak-Sprache
Itonama fast † Bolivien
Karahawyana fast † Brasilien
Leco fast † Bolivien
Mapudungun 400.000 Chile, Argentinien
Movima 1.500 Bolivien
Paez 80.000 Kolumbien
Puinave 2.000 Kolumbien
Taushiro wahrsch. † Peru
Ticuna 41.000 Brasilien, Kolumbien, Peru
Trumaí 100 Brasilien
Tsimané 5.500 Bolivien; nicht identisch mit Mosetén, sondern bildet mit diesem eine Zweierfamilie, die – nach Kaufmann – mit der Chon-Familie verwandt ist; Fehler in Ethnologue; also nicht isoliert
Urarina 3.000 Peru
Uru-pa-in 200 Brasilien
Waorani (Sabela) 1.700 Ecuador
Yámana wahrsch. † Chile
Yarí 800 Kolumbien; vielleicht zu Carib oder Huitoto
Yaruro (Jaruro, Pumé, Llaruro, Yuapin) 3.400 Venezuela; vielleicht verwandt mit dem Esmeralda †
Yuracare 3.000 Bolivien
Yuwana (Joti, Waruwaru, Chicano) 300 Venezuela

Literatur[Bearbeiten]

  • Dixon, R. M. W.: Australian Languages: their Nature and Development. Cambridge University Press 2002, ISBN 0-521-47378-0.
  • Campbell, Lyle: American Indian Languages: the Historical Linguistics of Native America. Oxford University Press 1997, ISBN 0-19-514050-8.
  • Mithun, Marianne: The Languages of Native North America. Cambridge University Press 1999, ISBN 0-521-23228-7.
  • Adelaar, Willem F. H.: The Languages of the Andes. Mitarbeit von Pieter C. Muysken. Cambridge University Press 2004, ISBN 0-521-36275-X. (areal, nicht genetisch gegliedert)
  • Dixon, R. M. W. und Alexandra Y. Aikhenvald: The Amazonian Languages. Cambridge University Press 1999, ISBN 0-521-57021-2.

Weblinks[Bearbeiten]