Jakobsberg (Porta Westfalica)

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Jakobsberg
Jakobsberg von Norden

Jakobsberg von Norden

Höhe 235,2 m [1]
Lage Kreis Minden-Lübbecke, Nordrhein-Westfalen
Gebirge Wesergebirge
Koordinaten 52° 14′ 31″ N, 8° 56′ 10″ O52.2418055555568.9360833333333235.2Koordinaten: 52° 14′ 31″ N, 8° 56′ 10″ O
Jakobsberg (Porta Westfalica) (Nordrhein-Westfalen)
Jakobsberg (Porta Westfalica)
Besonderheiten Östliche Begrenzung der Porta Westfalica.
Panoramablick der Porta Westfalica vom Kaiser-Wilhelm-Denkmal mit Jakobsberg

Der Jakobsberg ist ein 235,2 m ü. NN[1] hoher und gleichzeitig der westlichste Berg des Wesergebirges und damit die östliche Begrenzung des Weser-Durchbruchstals Porta Westfalica in Nordrhein-Westfalen (Deutschland).

Der Berg ist Standort des Fernmeldeturm Jakobsberg, der an Stelle des ehemaligen Bismarckturms Porta Westfalica steht, der Gaststätte Bismarckburg, des Schlageter-Denkmals und der Porta-Kanzel. Sein Name ist seit 1788 gebräuchlich, als ein preußischer Zöllner mit dem Namen Jakob am Südhang des Bergs Wein anbaute.

Geographie[Bearbeiten]

Der Jakobsberg erhebt sich am Westrand des Wesergebirges im Landkreis Minden-Lübbecke direkt nordwestlich der Stadt Porta Westfalica bzw. etwa 6 km südlich der am Wasserstraßenkreuz Minden gelegenen Stadt Minden. Er befindet sich direkt östlich des Durchbruchstals Porta Westfalica, das am Nordrand des Weserberglands bzw. am Südrand der Norddeutschen Tiefebene liegt und durch das die Weser aus dem Bergland kommend in die Tiefebene einfließt. Der westlich gegenüber liegende Wittekindsberg (294,2 m), der den östlichsten Berg des Wiehengebirges darstellt, ist die westliche Begrenzung dieses Tals.

Umgeben ist der Jakobsberg von den äußersten östlichen Bereichen des Naturparks Nördlicher Teutoburger Wald-Wiehengebirge, die bis kurz vor Bückeburg in das Wiehengebirge reichen.

Bismarckturm Porta Westfalica[Bearbeiten]

Alter Fernmeldeturm („Bismarckturm“)
(1952 bis 1974), Reproduktion eines Dias von 1967

Neben der höchsten Stelle des Jakobsbergs (235,2 m ü. NN[1]) wurde 1902 zum Gedenken an Altreichskanzler Otto von Bismarck (1815–1898) der Bismarckturm Porta Westfalica von Bismarckverehrern gebaut. Der Turm bestand aus Sandsteinblöcken, war 22 m hoch und wurde vom Bismarckbund betrieben. Zu seinem 50-jährigen Bestehen (1952) wurde er abgerissen, um Platz für den ersten Fernmeldeturm auf dem Jakobsberg zu machen. Die Sandsteinblöcke des Bismarckturms wurden zum Wiederaufbau des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Rathauses von Minden benutzt.

Unterirdische Produktionsanlage[Bearbeiten]

In der Endphase des Zweiten Weltkrieges, mit großer Wahrscheinlichkeit im März 1944, wurde die Röhrenproduktion der Firma Philips aus den Niederlanden in den Jakobsberg verbracht. Hierzu wurden aufgegebene Bergwerksstollen des vormaligen Eisenerzabbaus erweitert. Solche Stollen durchziehen beträchtliche Teile des Wiehen- und Wesergebirges, die Eingänge sind heute im Regelfall vermauert und unkenntlich gemacht. In Hausberge und Barkhausen befanden sich Außenlager des KZ Neuengamme mit über tausend Häftlingen[2], von denen ein beträchtlicher Teil im Jakobsberg arbeitete. Unter deutlich besseren Bedingungen waren aber auch Frauen aus der Umgebung im Berg tätig.[3] Nach Kriegsende nutzte die örtliche Bevölkerung ihre überlegene Kenntnis des das Gebirge durchziehenden Stollensystems, um Material der Produktionsanlagen aus dem Berg zu schaffen und auf dem Schwarzmarkt zu tauschen. Die britische Besatzungsmacht setzte dem Treiben durch eine Sprengung ein Ende, die auch in 15 Kilometern Entfernung noch Bilder von den Wänden fallen ließ, und einen Teil der heutigen flussseitigen Front des Jakobsbergs formte.

Fernmeldetürme[Bearbeiten]

Fernmeldeturm Jakobsberg von Hausberge betrachtet

Alter Fernmeldeturm[Bearbeiten]

An Stelle des einstigen Aussichtsturms „Bismarckturm Porta Westfalica“ wurde 1952 ein auch „Bismarckturm“ genannter Fernmeldeturm in Stahlbetonbauweise mit 40 Meter Schafthöhe errichtet. Die Deutsche Bundespost, die das für diesen Turm benötigte Gelände dem Bismarckbund abgekauft hatte, wurde als Bauherr des Fernmeldeturms vertraglich verpflichtet, auf dem neuen Turm eine Bismarck-Gedenkstätte und eine öffentliche Aussichtsplattform einzurichten.

Neuer Fernmeldeturm[Bearbeiten]

An Stelle des einstigen Fernmeldeturms „Bismarckturm“ wurde von 1974 bis 1978 der Fernmeldeturm Jakobsberg (im Volksmund „Langer Jakob“ genannt) auch in Stahlbetonbauweise errichtet, ein 142 m hoher Fernmeldeturm (Typenturm).

Wieder wurde die Deutsche Bundespost als Bauherr des Fernmeldeturms vertraglich verpflichtet, auf dem neuen Turm eine Bismarck-Gedenkstätte und eine Aussichtsplattform einzurichten. Betrieben wird der Turm heutzutage von der Deutschen Telekom AG.

Auf 50 m Höhe hat der Fernmeldeturm Jakobsberg einen Betriebsraum und auf 23,26 m Höhe eine für den Publikumsverkehr geöffnete Aussichtsplattform, von der man eine gute Rundumsicht genießen kann, zum Beispiel auf Teile von Weserbergland und Norddeutscher Tiefebene sowie zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf dem Wittekindsberg.

Gaststätte Bismarckburg

Gaststätte Bismarckburg[Bearbeiten]

Wenige Meter westlich des Fernmeldeturms Jakobsberg steht die traditionsreiche Gaststätte Bismarckburg, die Ende des 18. Jahrhunderts errichtet wurde und neben einer Falknerei als beliebtes Ausflugsziel für die Umgebung diente. In mehreren Umbauten wurde sie über die Zeit den neuen Gegebenheiten angepasst. Nach langem Leerstand wurde die baufällige Bismarckburg im November 2013 abgebrochen.[4]

Schlageter-Denkmal

Schlageter-Denkmal[Bearbeiten]

Auf der Kammlinie des Jakobsbergs Richtung Südwest bzw. knapp 650 m (Luftlinie) westlich der Gaststätte Bismarckburg befinden sich auf 216,5 m ü. NN[1] die Reste des Schlageter-Denkmals.

Das Denkmal wurde 1933/1934 nach einem Entwurf des Mindener Architekten Hans Korth (1886–1949) errichtet, jedoch nicht vollständig fertiggestellt. Ein blockartiger Sockel aus Porta-Sandstein trug – in Anlehnung an die damals viel beachtete Schlageter-Gedenkstätte in Düsseldorf von Clemens Holzmeister – ein großes stählernes Kreuz, das aber als christliches Symbol für eine nationalsozialistische Gedenkstätte unerwünscht war. Das Kreuz wurde deshalb nach kurzer Zeit auf den Nordfriedhof in Minden umgesetzt und dort in eine Gedenkstätte für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs integriert.

1958 ließ die Stadtverwaltung von Porta Westfalica auf dem erhaltenen Denkmal-Sockel eine Aussichtsplattform errichten, die einen weiten Blick nach Süden und Westen ermöglicht, zum Beispiel die Aussicht zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf dem Wittekindsberg.

Blick von der Porta-Kanzel aus

Porta-Kanzel[Bearbeiten]

Die Porta-Kanzel (188,6 m ü. NN[1]) befindet sich etwa 150 m nordwestlich des Schlageter-Denkmals am Westhang des Jakobsbergs oberhalb einer steil nach Südwesten abfallenden Felsklippe.

1887 wurde die Klippe als Porta-Kanzel durch Mitglieder des damaligen Verschönerungsvereins Hausberge zugänglich gemacht. Von dort bietet sich ein guter Blick zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf dem Wittekindsberg und auf die Weser im Durchbruchstal Porta Westfalica.

Standortübungsplatz[Bearbeiten]

An den nördlichen Bereichen des Jakobsbergs (Ortsteil Lerbeck) befindet sich der Standortübungsplatz Minden-Bückeburg, Blauer See der Bundeswehr.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Nahe dem Wittekindsberg kreuzen sich die Bundesstraßen 61, 65 und 482, über die Anschluss an die unweit südlich verlaufenden Bundesautobahnen 2 und 30 besteht und über deren Nebenstraßen man zum Berg gelangen kann.

Außerdem ist der Jakobsberg durch den Bahnhof Porta, der zur Stadt Porta Westfalica gehört und am Westfuß des Bergs am östlichen Weserufer steht, an das Eisenbahnnetz der Deutschen Bahn angebunden bzw. von dort kommend zu erreichen.

Der Jakobsberg ist durch ein gutes Netz von Wanderwegen erschlossen, zu dem auch der Europäische Fernwanderweg E 11 gehört und über die die auf dem Berg befindlichen Sehenswürdigkeiten zu erreichen sind. Der Zufahrtsweg für PKWs ist der Ortsteil Hausberge.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Topographisches Informationsmanagement, Bezirksregierung Köln, Abteilung GEObasis NRW (Hinweise)
  2. International Tracing Service HQ. Catalogue of Camps and Prisons in Germany and German-occupied Territories. Arolsen, April 1950
  3. Ein polnischer Häftling hat die Arbeit im Jakobsberg detailliert beschrieben: Wieslaw Kielar: Anus Mundi. Krakow 1972. Die Ankunft aus Auschwitz in Porta Westfalica findet sich im Kapitel XCVII.
  4. Ende eines Schandflecks - Bagger reißt "Bismarckburg" ab. 8. November 2013, abgerufen am 30. November 2013.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Jakobsberg (Wesergebirge) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien