Johannes Hempel

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Dieser Artikel behandelt den 1929 geborenen Theologen Johannes Hempel. Zu dem gleichnamigen Theologen (1891–1964) siehe Johannes Hempel (Hochschullehrer).

Johannes Hempel (* 23. März 1929 in Zittau) ist ein evangelischer Theologe und ehemaliger Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens.

Johannes Hempel

Leben und Beruf[Bearbeiten]

Hempel studierte nach der Schule zunächst Germanistik und Philosophie in Tübingen und dann evangelische Theologie in Heidelberg und Berlin. 1949 kehrte er auf Bitte des damaligen sächsischen Landesbischofs nach Sachsen zurück. Ab 1955 war er Pfarrer in Gersdorf (Kirchenbezirk Glauchau) und ab 1959 Studieninspektor am Leipziger Predigerkolleg St. Pauli, wo auch die Promotion zum Dr. theol. erfolgte. 1961 wurde er Direktor dieser Einrichtung. Von 1963 bis 1966 war er Studentenpfarrer in Leipzig. Im Oktober 1971 wählte ihn die Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche Sachsens als Landesbischof, ein Amt, welches er von 1972 bis zu seinem Ruhestand 1994 ausübte. Im Oktober 1973 wurde er zum Vorsitzenden der Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR (BEK) gewählt. Dieses Amt hatte er bis 1977 inne. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde er durch die EKiD-Synode zum Mitglied des neuen Rates der EKiD und zum Stellvertreter des Ratsvorsitzenden gewählt.

1955 heiratete er Dorothea Schönbach. Es wurden drei Kinder geboren: Albrecht, Gabriele und Martin.

Im November 1981 wurde Hempel als Nachfolger von Bischof Heinrich Rathke zum leitenden Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD) - Bereich Ost (VELK DDR) gewählt. Ein Jahr später wurde er gleichzeitig Vorsitzender der Konferenz der Kirchenleitungen des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR (BEK) und damit Nachfolger des Bischofs der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen, Werner Krusche, der dieses Amt kurzzeitig innehatte. Im August 1983 wurde Hempel zugleich einer der sieben Präsidenten des Ökumenischen Rats der Kirchen. 1986 verzichtete Hempel auf eine weitere Kandidatur als Vorsitzender des Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR. Zu seinem Nachfolger wurde der thüringische Bischof Werner Leich gewählt. Sein Amt als Leitender Bischof der VELK DDR gab er bereits vorher auf, auch hier wurde Werner Leich sein Nachfolger. Hempel blieb aber weiterhin sächsischer Landesbischof bis zum Eintritt in den Ruhestand 1994. Zu seinem Nachfolger als Landesbischof wählte die sächsische Synode dann Volker Kreß. Hempel lebt in Dresden.

Schwerpunkte seiner Arbeit[Bearbeiten]

Hempel hat sich lebenslang für eine verständliche Verkündigung des Evangeliums und für eine demokratische Kirche eingesetzt. Darüber hinaus war er bemüht, die Sprachfähigkeit und das Selbstbewusstsein von Christen in der polemisierenden sozialistischen DDR zu stärken. Häufig benannte er Ungerechtigkeiten des Regimes gegenüber Christen, Studenten, Bürgern überhaupt, was zeitweise, z.B. in den Monaten vor dem Mauerfall 1989, zu Repressionen führte, sowohl ihm als auch anderen Amtsträgern der sächsischen Kirche gegenüber. 1989 fungierte er öffentlich als Interpret verbitterter, aufgebrachter Bürger gegenüber der DDR-Regierung und ermahnte diese wiederholt, direkt mit den Bürgern selbst zu sprechen und keine Gewalt anzuwenden.

Ehrungen[Bearbeiten]

Hempel erhielt die Ehrendoktorwürden folgender Universitäten: Karl-Marx-Universität Leipzig, Hochschule Muhlenberg (USA), University of Kent (Großbritannien). 2004 wurde ihm das Große Bundesverdienstkreuz verliehen. Die britische Königin verlieh ihm den Orden "HCB" (Honorary Commander of most excellent Order of the British Empire).

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Kirche wird auch in Zukunft sein – Vorträge und Predigten. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 1994, ISBN 3-374-01525-5.
  • Evangelisches Christsein – Kernpunkte, Erläuterungen, Impulse. Radius-Verlag, 2009, ISBN 978-3-87173-337-6.

Literatur[Bearbeiten]

  • Annehmen und frei bleiben Landesbischof i.R. Johannes Hempel im Gespräch mit Udo Hahn, Lutherisches Verlagshaus Hannover, 1996, ISBN 3-7859-0720-6
  • Johannes Hempel: Erfahrungen und Bewahrungen: ein biographischer Rückblick im Gespräch mit Udo Hahn. Leipzig: Evangelische Verlags-Anstalt 2004, ISBN 3-374-02162-X
  • Ulrich Kühn (Hrsg.): Kirche als Kulturfaktor: Festgabe der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig zum 65. Geburtstag von Landesbischof Dr. Dr. h.c. Johannes Hempel DD. Hannover: Lutherisches Verlags-Haus 1994, ISBN 3-7859-0691-9
  • Kurzbiografie zu: Hempel, Johannes. In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 1, Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.

Weblinks[Bearbeiten]