John Prescott

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John Prescott

John Leslie Prescott, Baron Prescott (* 31. Mai 1938 in Prestatyn, Wales) ist ein britischer Politiker der Labour Party und war von 1997 bis 2007 stellvertretender Premierminister des Vereinigten Königreiches in der Regierung von Tony Blair.

Leben[Bearbeiten]

John Prescott, der Sohn eines Eisenbahn-Signalwärters, wuchs in Ellesmere Port in Cheshire auf. Er arbeitete als Frachtmeister auf Handelsschiffen der Cunard Line und war Gewerkschaftsaktivist. Danach studierte er am Ruskin College in Oxford und an der Universität Hull Wirtschaft und Wirtschaftsgeschichte. Er arbeitete nach dem Studium vollamtlich als Funktionär für die nationale Seemannsgewerkschaft (National Union of Seamen). 1970 wurde Prescott als Abgeordneter des Wahlkreises Kingston upon Hull East ins Unterhaus gewählt.

Prescott hatte mehrere Posten im Schattenkabinett der Labour Party. Nach dem plötzlichen Tod des Labour-Vorsitzenden John Smith, wurde Prescott zum stellvertretenden Parteichef gewählt.

Nach dem Sieg der Labour Party bei den Unterhauswahlen 1997 ernannte ihn Tony Blair zum stellvertretenden Premierminister. Als Minister leitete Prescott das neu geschaffene Ministerium für Verkehr, Umwelt und Regionen.

1998 war Prescott zu Gast bei der Verleihung der Brit Awards. Dort leerte Danbert Nobacon, Sänger der Band Chumbawamba, einen Krug Eiswasser über ihn aus und sagte: „Das ist für die Dockarbeiter in Liverpool“.

Während des Parteitages im Jahr 1999 ließ sich Prescott zusammen mit seiner Frau 250 Meter weit vom Hotel zum Kongresszentrum fahren. Dort hielt er dann eine Rede, wie man die Leute dazu bewegen könne, häufiger öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen.

Während des Wahlkampfs für die Unterhauswahlen 2001 machte Prescott Schlagzeilen, als er einen Demonstranten, der ihn mit Eiern beworfen hatte, einen linkshändigen Fausthieb auf den Kiefer gab. Nach den Wahlen wurde sein „Superministerium“ aufgeteilt, wodurch er an Einfluss verlor. Doch schon ein Jahr später übernahm er wieder die meisten Aufgaben im Bereich der lokalen und regionalen Verwaltung.

Am 26. April 2006 wurde bekannt, dass Prescott zwischen 2002 und 2004 eine Affäre mit seiner Sekretärin Tracey Temple gehabt hatte. Die heimlichen Treffen zwischen den beiden fanden in Prescotts Dienstwohnung in Whitehall statt. In den darauffolgenden Tagen verbreiteten die Medien Berichte über weitere außereheliche Affären Prescotts. Prescott habe zudem Frauen mehrfach sexuell belästigt.

Nach der Niederlage der Labour Party bei den Kommunalwahlen in England am 4. Mai 2006 und vor dem Hintergrund der Berichterstattung über Prescotts Affären und sexuelle Übergriffe nahm Premierminister Blair am 5. Mai 2006 eine Kabinettsumbildung vor und entzog Prescott sein Ministerium, beließ ihn aber im Amt des stellvertretenden Premierministers. Am 28. September kündigte Prescott an, an einem noch nicht näher genannten Termin in den darauffolgenden zwölf Monaten sein Amt als Vizepremier aufzugeben. Er erklärte seinen Rücktritt schließlich unmittelbar nach der Rücktrittsankündigung von Tony Blair am 10. Mai 2007.[1]

Prescott war von 1970 bis 2010 Abgeordneter im Britischen Unterhaus. 2010 wurde er in den nichterblichen Adelsstand erhoben und ist seit dem Abgeordneter im House of Lords.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. BBC News: Blair will stand down on 27 June, 10. Mai 2007.

Literatur[Bearbeiten]

  • Simon Hoggart: Punchlines: A Crash Course in English with John Prescott. Pocket Books, 2003, ISBN 0-7434-8397-9.
  • Colin Brown: Fighting Talk: Biography of John Prescott. Simon & Schuster, 1997, ISBN 0-684-81798-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: John Prescott – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien