Gordon Brown

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Gordon Brown (2008)

James Gordon Brown (* 20. Februar 1951 in Glasgow) ist ein britischer Politiker und war von Juni 2007 bis Mai 2010 Premierminister des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland und Vorsitzender der Labour Party. Derzeit ist er Sonderbeauftragter der Vereinten Nationen für Bildung.

Seit 1983 gehörte er dem britischen Unterhaus als Abgeordneter für den Wahlbezirk Dunfermline East an, seit einer Reorganisation der schottischen Wahlbezirke im Jahr 2005 vertritt er den Wahlbezirk Kirkcaldy and Cowdenbeath in der Grafschaft Fife. Brown war von Mai 1997 bis Juni 2007 Schatzkanzler in der Regierung von Tony Blair und war damit der am längsten amtierende Schatzkanzler seit Nicholas Vansittart (1812–1823).

Leben[Bearbeiten]

Studium und akademische Laufbahn[Bearbeiten]

Gordon Brown, dessen Vater John Ebenezer Brown Pfarrer der (reformierten) Church of Scotland war[1][2], besuchte die Kirkcaldy High School. Im Alter von 15 Jahren wurde Brown als einer der jüngsten Studenten seit dem Zweiten Weltkrieg an der Universität Edinburgh zugelassen.[2] Zu Beginn seiner Studienzeit verletzte er sich bei einem Rugbyspiel, erlitt eine Netzhautablösung und erblindete auf dem linken Auge. Die ersten Jahre an der Universität verbrachte Brown aufgrund seiner Verletzung zeitweise wiederholt in einem Krankenhaus.[2]

1972 graduierte er als Master of Arts in Geschichte und blieb weiter an der Universität, um zu promovieren. Im selben Jahr wurde Gordon Brown der jüngste Rektor in der Geschichte der Universität Edinburgh.[2] 1982 erhielt er den Doktortitel. Browns Doktorarbeit befasste sich mit der Geschichte der schottischen Labour Party in den Jahren 1918 bis 1929. Gordon Brown errang als Rektor der Universität Edinburgh, als Vorsitzender des Universitätsgerichts (noch während seines Studiums) und als Herausgeber von „The Red Paper on Scotland“ Ansehen.

Er lehrte an der Glasgow Caledonian University, bevor er als Journalist zu Scottish Television (Teil des ITV-Netzwerks) wechselte. 1986 veröffentlichte er eine Biografie über den Labour-Politiker James Maxton.

Politische Karriere[Bearbeiten]

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Bei den Unterhauswahlen 1979 kandidierte Brown für den Wahlbezirk Edinburgh South, verlor aber gegen Michael Ancram von der Konservativen Partei. Beim zweiten Anlauf bei den Unterhauswahlen 1983 wurde Brown als Abgeordneter von Dunfermline East ins Unterhaus gewählt. Er teilte in dieser Zeit ein Büro mit dem späteren Premierminister Tony Blair.[2] 1985 wurde er Sprecher der Opposition für Handel und Industrie. Ab 1987 gehörte er dem Schattenkabinett an, zunächst als Schattenchefsekretär der Treasury, dann ab 1989 als Schattenminister für Handel und Industrie und ab 1992 als Schattenschatzkanzler.

Nach dem plötzlichen Tod des Labour-Vorsitzenden John Smith im Mai 1994 wurde Brown als potenzieller Nachfolger gehandelt, verzichtete jedoch zugunsten von Tony Blair auf eine Kandidatur. Es gibt Gerüchte, wonach Blair während einer Mahlzeit in einem italienischen Restaurant in Islington versprach, Brown die Kontrolle über die Wirtschaftspolitik zu geben und nach einer gewissen Zeit zurückzutreten, damit Brown selber Premierminister werden konnte. Die Zusammenarbeit zwischen Blair und Brown spielte eine zentrale Rolle für die Entwicklung von New Labour. Beide hielten trotz öffentlich berichteter Spannungen zusammen.

Als Schatzkanzler arbeitete Brown daran, seine Kenntnisse in finanziellen Fragen auszubauen. Der Wirtschaft und der Mittelklasse wollte er damit die Kompetenz von Labour in Wirtschaftsfragen und bei der Inflationsbekämpfung beweisen. Prudence („Besonnenheit“) wurde Browns Schlagwort und er pflegte ein mürrisches und sogar geiziges Auftreten, obwohl er von Freunden als humorvoller und romantischer Mann beschrieben wird. Er überzeugte die Labour Party, den Ausgabenplan der Konservativen für zwei Jahre nach der Machtübernahme zu übernehmen.

Schatzkanzler[Bearbeiten]

Nachdem Brown im Mai 1997 das Amt als Schatzkanzler angetreten hatte, gewährte er der Bank of England uneingeschränkte Freiheit in der Geldpolitik und somit die Verantwortung für die Festlegung der Zinssätze. Die Konservativen waren gegen die Maßnahme, da sie diese als ersten Schritt zur Abschaffung des Pfund Sterling und den Beitritt zur Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion betrachteten. Die Liberaldemokraten hingegen sahen eines ihrer Hauptanliegen erfüllt. Tatsächlich wird Brown als weniger Euro-freundlich angesehen als die meisten Mitglieder der Blair-Regierung, und es wurden Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und den Euro-Befürwortern in der Regierung wie z. B. Peter Hain und Jack Straw deutlich.

Gordon Brown mit Brasiliens Präsident Lula da Silva am World Economic Forum 2007 in Davos

Unter Brown sind die Einkommensteuern und die Unternehmenssteuern merklich gesunken. Sobald der Ausgabenplan der Konservativen abgelaufen war, setzte Brown ab 2000 größere Ausgaben in den Bereichen Gesundheit und Bildung durch. Von 1997 bis 2006 betrug laut OECD das durchschnittliche jährliche Wirtschaftswachstum 2,7 Prozent, rund 0,6 Prozent höher als in der Eurozone. Die Arbeitslosenquote sank von 7 auf 5,5 Prozent.

Am 15. Juni 2004 wurde Brown der am längsten ununterbrochen amtierende Schatzkanzler seit Nicholas Vansittart (1812–23). Im Mai 2004 zeigten Umfragewerte, dass Labour nur dann die Mehrheit im Parlament wiedergewinnen würde, wenn Gordon Brown anstelle von Tony Blair sie anführen würde. Der seinerzeitige Vizepremierminister John Prescott kündigte an, es würde gravierende Änderungen geben, doch im Oktober 2004 gab Tony Blair bekannt, dass er für eine dritte Amtsperiode antreten werde.

Premierminister und Parteichef[Bearbeiten]

Brown erhielt am 17. Mai 2007 die Unterstützung von 313 der 353 Parlamentsmitglieder seiner Partei. Daraufhin bestimmte ihn das Labour-Exekutivkomitee offiziell zu Blairs Nachfolger. Zunächst übergab Tony Blair am 24. Juni auf einem Sonderparteitag in Manchester das Amt des Parteiführers an Brown. Seit dem 27. Juni 2007 führte Brown als Premierminister die Regierungsgeschäfte.

Im Herbst 2008 wurde in Medien thematisiert, dass die Sehkraft seines verbliebenen Auges sehr schwach ist.[3]

Während seiner Zeit als Premierminister litt Browns Image darunter, dass er als unzugänglich, misstrauisch und autoritär wahrgenommen wurde. Innerparteiliche Konflikte und Intrigen verstärkten diesen Eindruck noch. Politische Beobachter wie Robert Harris und Christopher Hitchens verglichen Browns politischen Stil mit jenem von Richard Nixon.[4]

Nach den verlorengegangenen britischen Unterhauswahlen am 6. Mai 2010 und dem darauf folgenden Scheitern von Verhandlungen mit der Liberaldemokratischen Partei ist Brown am 11. Mai 2010 von seinen Ämtern als Premierminister und Vorsitzender der Labour Party zurückgetreten[5] und gehört nun dem Unterhaus als einfacher Abgeordneter an.

Rücktritt McBrides[Bearbeiten]

Am 11. April 2009 musste ein enger Berater Browns, Damian McBride zurücktreten, weil er in E-Mails, die von Downing Street 10 an Journalisten und Blogger abgesandt wurden, konservative Politiker verleumdete. Unter anderem behauptete McBride, David Cameron leide an Geschlechtskrankheiten. Ein Sprecher Browns distanzierte sich daraufhin von McBride.[6]

Gordon Browns Kabinett[Bearbeiten]

Hauptartikel: Kabinett Brown

Privatleben[Bearbeiten]

Gordon Brown mit seiner Frau Sarah Macaulay (links) und dem damaligen US-Präsidenten George W. Bush mit seiner Frau Laura Bush (rechts) im Juni 2008

Gordon Brown ist seit dem 3. August 2000 mit Sarah Macaulay verheiratet.[2] Im Gegensatz zu Cherie Blair trat Sarah Macaulay selten in der Öffentlichkeit auf. Macaulay ist von Beruf PR-Managerin und war bis 2001 Co-Geschäftsführerin der Beratungsfirma Hobsbawm Macaulay, zusammen mit Julia Hobsbawm, der Tochter des Historikers und Sozialwissenschaftlers Eric Hobsbawm. Am 28. Dezember 2001 brachte Macaulay eine zu früh geborene Tochter zur Welt; sie starb am 8. Januar 2002.[7] Das zweite Kind, ein Sohn, wurde am 17. Oktober 2003 geboren. Am 17. Juli 2006 kam ein weiterer Sohn zur Welt. Seit Ende 2006 ist bekannt, dass das Kind an Mukoviszidose leidet.[8]

Brown selbst verlor bei einem Rugby-Unfall als Teenager die Sehkraft eines Auges. Wie ein Brief an die Mutter eines getöteten britischen Soldaten offenbarte, leiden seine handschriftlichen Fähigkeiten darunter erheblich.[9] Mangels Sehkraft erwarb er auch nie einen Führerschein.[10]

Brown hat zwei Brüder. John Brown leitet die Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit der Stadtverwaltung von Glasgow; Andrew Brown leitet die PR-Abteilung von EDF Energy, der britischen Tochtergesellschaft von Électricité de France.

Gordon Brown erhielt 2006 einen Ehrendoktortitel von der New York University (zusammen mit Alan Greenspan).[11]

Werke[Bearbeiten]

  • Gordon Brown: Was folgt: Wie wir weltweit neues Wachstum schaffen. Campus Verlag, 2011. ISBN 978-3-593-39453-4.
  • Gordon Brown: Speeches 1997–2006. Bearbeitet von Wilf Stevenson. Bloomsbury Publishing, 2006. ISBN 0-74758-837-6.
  • Gordon Brown, Tony Wright: Values, Visions and Voices - An Anthology of Socialism. Mainstream Publishing, 1995. ISBN 1-85158-731-4.
  • Gordon Brown: Where There's Greed - Margaret Thatcher and the Betrayal of Britain's Future. Mainstream Publishing, 1989. ISBN 1-85158-228-2.
  • Gordon Brown, Robin Cook: Scotland - The Real Divide, Poverty and Deprivation in Scotland. Mainstream Publishing, 1987. ISBN 0-906391-18-0.
  • Gordon Brown: Maxton - A Biography. Mainstream Publishing, 1986. ISBN 1-85158-042-5.

Literatur[Bearbeiten]

Biografien[Bearbeiten]

  • Tom Bower: Gordon Brown. HarperCollins, 2003. ISBN 0-00-717540-X.
  • Brian Brivati: Kapitel über Gordon Brown in Labour Forces. IB Taurus Publishing, 2002, ISBN 1-41751-633-X
  • William Keegan: The Prudence of Mr Gordon Brown. John Wiley, 2003. ISBN 0-470-84697-6.
  • Kevin Maguire: Kapitel über Gordon Brown in Dictionary of Labour Biography. Politicos Publishing, 2001. ISBN 1-90230-118-8.
  • James Naughtie: The Rivals - The Intimate Story of a Political Marriage. Fourth Estate, 2001. ISBN 1-84115-473-3.
  • Robert Peston: Brown's Britain - How Gordon Runs the Show. Short Books, 2005. ISBN 1-904095-67-4.
  • Paul Routledge: Gordon Brown - The Biography. Simon & Schuster, 1998. ISBN 0-684-81954-6.
  • Steven Richards: Whatever it takes. The real story of Gordon Brown and New Labour. Harper Collins, 2010 ISBN 978-0-00-732032-5

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Hugh Pym, Nick Kochan: Gordon Brown - The First Year in Power. Bloomsbury Publishing, 1998. ISBN 0-74753-701-1.
  • Andrew Rawnsley: Servants of the people - The inside story of New Labour. Penguin Books, 2001. ISBN 0-14-027850-8.
  • Greg Rosen: Old Labour to New. Politicos Publishing, 2005. ISBN 1-84275-045-3.
  • Paul Routledge: Bumper Book of British Lefties. Politicos Publishing, 2003. ISBN 1-84275-064-X.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gordon Brown – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. radiovaticana.org: Jordanien: Einladung an den Papst, Zugriff am 12. Mai 2010
  2. a b c d e f Offizielle Biografie Gordon Browns der Downing Street 10. 2. Juli 2008. Abgerufen am 6. September 2009 (Englisch)
  3. Rheinische POst, Guardian, The Telegraph
  4. Christopher Hitchens: No, Prime Minister! Vanity Fair
  5. Gordon Brown's resignation speech in full. The Guardian, 11. Mai 2010.
  6. timesonline.co.uk: Damian McBride, advisor to Gordon Brown, resigns over smear emails, Zugriff am 12. Mai 2010
  7. http://www.stern.de/politik/ausland/gordon-brown-nah-am-wasser-gebauter-wueterich-1543681.html
  8. http://www.sueddeutsche.de/politik/gordon-brown-und-der-news-of-the-world-skandal-spaetes-entsetzen-1.1119520
  9. sueddeutsche.de: Peinlicher Brief des Premiers - Gordons Gekrakel, Zugriff am 12. Mai 2010
  10. http://woodz.schwarzwaelder-bote.de/alltag/specials/1419-zehn-facts-ueber-gordon-brown.html
  11. http://www.berlinkontor.de/24.06.2007/gordon-brown-uebernimmt-downing-street-10.html