Joseph von Radowitz

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Dieser Artikel befasst sich mit dem General Joseph von Radowitz. Zu anderen Personen siehe Joseph Maria von Radowitz.
Joseph von Radowitz

Joseph Maria Ernst Christian Wilhelm von Radowitz (* 6. Februar 1797 in Blankenburg; † 25. Dezember 1853 in Berlin) war preußischer Generalleutnant, Diplomat und Politiker.

Leben[Bearbeiten]

Herkunft[Bearbeiten]

Radowitz entstammte einer katholischen, ungarischen Familie. Er war der Sohn des gleichnamigen herzoglich braunschweigischen Kommissionsrates (* 1746; † 25. Dezember 1819 in Kassel) und dessen Ehefrau Friederike Therese, geborene Freiin von Könitz (* 20. Oktober 1766; † 28. Februar 1828 in Berlin).

Karriere[Bearbeiten]

Er besuchte ab 1808 Militärschulen in Mainz, Charleroi, Straßburg, Paris und Kassel. 1812 trat er in die westfälische Armee ein und nahm auf der Seite der napoleonischen Truppen im Hauptquartier des Marschalls Jacques MacDonald an den Befreiungskriegen teil. Er kämpfte bei Großgörschen und bei Leipzig. Für die Schlacht bei Bautzen, in der er verwundet wurde, erhielt Radowitz das Kreuz der französischen Ehrenlegion. 1814 trat er in die kurhessische Armee ein und nahm an den Befreiungskriegen gegen Napoleon teil. Anschließend unterrichtete er an hessischen Militärschulen.

Radowitz war Mitglied im Schönfelder Kreis um die von ihrem Ehemann getrennt lebende Kurfürstin Auguste, eine Tochter von König Friedrich Wilhelm II. von Preußen. Der Schönfelder Kreis opponierte gegen Kurfürst Wilhelm II. von Hessen-Kassel und seine Mätresse und später zweite Ehefrau, Emilie Ortlöpp. Bei der Auflösung des Schönfelder Kreises durch den Kurfürsten wurde Radowitz in die bedeutungslose Provinzfestung Ziegenhain (heute: Treysa) strafversetzt. Er trat daraufhin als Hauptmann in die preußische Armee ein. Dort machte er als Parteigänger von Kurfürstin Auguste unter ihrem Bruder, König Friedrich Wilhelm III., schnell Karriere. Nach dem Regierungsantritt von König Friedrich Wilhelm IV. 1840 wurde er einer der engsten Berater des Königs. Seit 1842 wurde er als Gesandter eingesetzt, unter anderem in Karlsruhe, Wien – wo er die Revolution von 1848/49 erlebte – und beim Deutschen Bund in Frankfurt am Main.

1848 trat er aus dem preußischen Staatsdienst aus, nachdem er zuvor vom hoch konservativen Kurs des Freundeskreises um Friedrich Wilhelm IV. abgewichen war, und war vom 20. Mai 1848 bis zum 30. Mai 1849 Abgeordneter in der Frankfurter Nationalversammlung für den westfälischen Wahlkreis Rüthen, wo er insbesondere auch in militärischen Ausschüssen aktiv war. Radowitz war Abgeordneter der konservativen Fraktion „Café Milani“ und engagierte sich gegen den Willen des preußischen Königs Friedrich Wilhelms IV. für die kleindeutsche Lösung unter der Vorherrschaft Preußens. In enger Abstimmung mit seinem König setzte er sich dagegen für eine Reform des Deutschen Bundes ein, die aber nie umgesetzt wurde. Nachdem Friedrich Wilhelm die Kaiserkrone abgelehnt hatte, beauftragte er Radowitz mit Verhandlungen im Sinne der preußischen Unionspolitik mit dem Ziel einer lockeren Staatenunion, in die auch Österreich eingebunden werden sollte. Dieser Plan scheiterte jedoch am Widerstand der Mittelstaaten, allen voran Bayern.

1850 wurde Radowitz zum Vorsitzenden des Verwaltungsrats der Union bestellt, daneben gehörte er dem Erfurter Unionsparlament auch als Abgeordneter an. Letztlich scheiterte seine Unionspolitik an den altkonservativen Strömungen sowohl in Preußen als auch in Österreich.

Vom 26. September bis 3. November 1850 war Radowitz für kurze Zeit preußischer Außenminister und musste zurücktreten, als sich Friedrich Wilhelm IV. offiziell vom Unionsprojekt abwandte. Sein Gegenspieler Bismarck kommentierte diesen Abgang in einem Brief an Hermann Wagener: bin „vor Freude auf meinem Stuhl rund um den Tisch geritten…“ Anschließend wurde Radowitz Sonderbotschafter in London. Seit August 1852 war er als Generalinspekteur des militärischen Erziehungs- und Bildungswesens für die preußische Armeeausbildung zuständig.

Familie[Bearbeiten]

Radowitz verheiratete sich am 23. Mai 1828 in Berlin mit Maria Auguste Karoline Luise Gräfin von Voß aus dem Hause Groß-Gievitz (* 27. April 1807 in Berlin; † 1. Oktober 1889 ebenda). Aus der Ehe gingen folgende Kinder hervor:

  • Marie Luise Auguste Mathilde Christiane Gerhardine Albertine (* 13. April 1829 in Berlin)
  • Julius Felix Joseph Maria Friedrich August Karl Wilhelm (* 5. Dezember 1830 in Berlin; † 26. April 1834 ebenda)
  • Klemens Maria Ludwig Georg Hermann Leopold Alexis (* 25. September 1832 in Berlin; † 26. Januar 1890 in Berlin), preußischer Generalleutnant
  • Paul Maria Ludwig Eugen (* 15. Juni 1835 in Berlin)
  • Joseph Maria (* 19. Mai 1839 in Frankfurt am Main; † 15. Januar 1912 in Berlin), zuletzt deutscher Botschafter in Madrid

Literatur[Bearbeiten]

  • Konrad Canis: Joseph Maria von Radowitz. Konterrevolution und preußische Unionspolitik. In: Helmut Bleiber u.a. (Hrsg.): Männer der Revolution von 1848. Band 2. Akademie, Berlin 1987, ISBN 3-05-000285-9, S. 449-486.
  • Walter Möring (Hrsg.): Joseph Maria von Radowitz. Nachgelassene Briefe und Aufzeichnungen zur Geschichte der Jahre 1848–1853. Stuttgart, Berlin 1922. Nachdruck Osnabrück 1967.
  • Rüdiger Hachtmann: Joseph Maria von Radowitz. Ein in preußischem Boden verwurzelter deutscher Staatsmann. In: Die Achtundvierziger. Lebensbilder aus der deutschen Revolution 1848/49. München 1998, S. 277–289.
  • Wilhelm Corvinius (Hrsg.): Radowitz – Ausgewählte Schriften. 3 Bände. Habbel, Regensburg 1911.
  • Emil Ritter: Radowitz – Ein katholischer Staatsmann in Preußen. Bachem, Köln 1948.
  • Paul Hassel: Joseph Maria von Radowitz. Mittler, Berlin 1905.
  • Friedrich Meinecke: Radowitz und die deutsche Revolution. Mittler, Berlin 1913.
  • Kurt von Priesdorff: Soldatisches Führertum. Band 6. Hanseatische Verlagsanstalt Hamburg. o.J. S. 222–225.
  • Rochus von Liliencron: Radowitz, von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 27, Duncker & Humblot, Leipzig 1888, S. 141–152.
  • Bärbel Holtz: Radowitz, Joseph Maria Ernst Christian Wilhelm. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 21, Duncker & Humblot, Berlin 2003, ISBN 3-428-11202-4, S. 99 f. (Digitalisat).

Weblinks[Bearbeiten]