Julius Nyerere

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Julius Nyerere (1965)

Julius Kambarage Nyerere (* 13. April 1922 in Butiama (nahe dem Ostufer des Victoriasees); † 14. Oktober 1999 in London) war der erste Präsident von Tansania.

Leben[Bearbeiten]

Julius Nyerere 1977

Nyerere wurde als Sohn eines Oberhaupts der Zanaki, einem kleinen Volk in der Region Mara, geboren. Er war Katholik. Von 1949 bis 1952 studierte er als erster Tanganjikaner in Großbritannien an der Universität Edinburgh. Er wurde Lehrer[1] und gründete 1954 die Tanganyika African National Union (TANU) als nationale Massenpartei.

1960 wurde er Ministerpräsident und führte am 9. Dezember 1961 sein Land in die Unabhängigkeit von Großbritannien. 1962 wurde er erstmals zum Staatspräsidenten von Tanganjika gewählt; 1965, 1970, 1975 und 1980 wurde er wiedergewählt. Im April 1964 konnte Nyerere sein Land mit Sansibar zur Vereinigten Republik Tansania zusammenschließen. 1967 gab er seinen sozialistischen Überzeugungen in der „Deklaration von Arusha“ politischen Inhalt. Nyerere verstaatlichte die Banken und andere Wirtschaftsunternehmen, forderte die Neugründung sozialistischer Dorfgemeinschaften (Ujamaa) und eine Reform des Schulwesens. Ab 1977 gewährte er dem südafrikanischen ANC für dessen Exilschule, dem Solomon Mahlangu Freedom College, politische Unterstützung und stellte bei Morogoro großzügig die dafür benötigten Landflächen und einige ehemalige Farmgebäude zur Verfügung.

Bei einem Treffen mit Richard von Weizsäcker in Bonn (1985)

1985 trat er als Staatspräsident zurück, blieb aber bis 1990 Vorsitzender der Einheitspartei CCM („Chama Cha Mapinduzi“, „Revolutionäre Staatspartei“). Bis zu seinem Tod 1999 war Nyerere als Friedensvermittler in Afrika unterwegs.

Sonstiges[Bearbeiten]

Nyerere war mit Bernhard Grzimek befreundet. Ebenfalls befreundet war er mit dem zwei Jahre jüngeren Staatspräsidenten von Sambia, Kenneth Kaunda, der Nyerere als politisches Vorbild betrachtete. Als Kaunda in den 1990er Jahren von der neuen sambischen Regierung unter konstruierten Vorwürfen inhaftiert wurde, besuchte Nyerere ihn demonstrativ im Gefängnis und erreichte gemeinsam mit Nelson Mandela Kaundas Freilassung.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

1983 wurde Nyerere mit dem Nansen-Flüchtlingspreis ausgezeichnet. Die UNESCO würdigte ihn 1992 mit der Verleihung des Simón-Bolívar-Preises als „großen Humanisten, dessen Werte mehrere Generationen beeinflusst haben“.[2] 1995 war er erster Preisträger des Gandhi-Friedenspreises der Indischen Regierung.

Seligsprechungsverfahren[Bearbeiten]

Nyerere war ein frommer Katholik, der auch während seines öffentlichen Wirkens täglich zur Messe ging und häufig fastete. Das Bistum Musoma hat im Januar 2005 den diözesanen Prozess zur Seligsprechung eingeleitet.

Orden und Ehrenzeichen[Bearbeiten]

Am 21. März 2010 wurde Nyerere postum der höchste Orden der Republik Namibia im Rahmen des 20-jährigen namibischen Unabhängigkeitstages verliehen. Seine Ehefrau nahm den Welwitschia-Mirabilis-Orden 1. Klasse entgegen.[3]

Zitate[Bearbeiten]

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„Während arme Nationen wie Tansania für jene Strukturänderungen im Weltwirtschaftssystem kämpfen, ohne die unsere eigenen Entwicklungsanstrengungen nichtig gemacht würden, stellen wir fest, dass die amerikanische Wirtschaftsmacht sich auf der anderen Seite einreiht, das heißt, auf der Seite unserer andauernden Ausbeutung.“

1976

„Den armen Ländern wird gesagt, sie müssten hart arbeiten, mehr produzieren und wären dann in der Lage, ihre Armut zu überwinden. […] Nehmen wir den Fall von Sisal – früher Tansanias wichtigster Exportartikel – und beziehen ihn auf den Preis von Traktoren. 1965 konnte ich einen Traktor für 17,25 Tonnen Sisal kaufen; der gleiche Traktor kostete 1972 indes soviel wie 47 Tonnen Sisal. […] Die reichen Länder werden reicher, weil ihre wirtschaftliche Stärke ihnen wirtschaftliche Macht verleiht; die armen Länder bleiben arm, weil ihre wirtschaftliche Schwäche sie zu Marionetten im Machtspiel der Anderen macht.“

1977 geschrieben

Schriften von Julius Nyerere[Bearbeiten]

  • Freedom and Unity. A Selection from Writings and Speeches 1952–65; Dar es Salaam, 1966
  • Freedom and Socialism. A Selection from Writings and Speeches 1965–1967; Dar es Salaam, 1968
  • Ujamaa. Essays on Socialism; Dar es Salaam, 1968
  • Freedom and Development. A Selection from Writings and Speeches; Dar es Salaam, 1968–1973 (dt. in Auszügen Freiheit und Entwicklung; Stuttgart: Dienste in Übersee, 1975)
  • Bildung und Befreiung; Texte zum Kirchlichen Entwicklungsdienst 14. Frankfurt, 1977

Schriften über Julius Nyerere[Bearbeiten]

  • Victor Munnik: Julius Nyerere – That Rare Phenomenon, a Sincere Politician with Integrity; in: Africa Insight 16(2), 1986; S. 83–85.
  • Knud Erik Svendsen: Development Strategy and Crisis Management; in: Colin Legum, Geoffrey Mmari (Hrsg.): Mwalimu – The Influence of Nyerere; London, 1995
  • Asit Datta (Hrsg.): Julius Nyerere. Reden und Schriften aus drei Jahrzehnten; Bad Honnef: Horlemann, 2001; ISBN 3-89502-130-X

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Julius Nyerere – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Er war auch als Mwalimu (= Swahili für Lehrer) bekannt
  2. Official Ceremony for the Award of the 1992 International Simón Bolívar Prize (PDF; 1,3 MB), zuletzt abgerufen: 15. Februar 2012
  3. Dirk Heinrich: Großes Wiedersehen beim Staatsbankett in Windhoek; Allgemeine Zeitung (Windhoek), 24. März 2010