Daressalam

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
دار السلام
Dar es Salaam
Dar-es-Salam
Daressalam
Daressalam (Tansania)
Red pog.svg
Koordinaten 6° 49′ S, 39° 17′ O-6.816666666666739.283888888889Koordinaten: 6° 49′ S, 39° 17′ O
Basisdaten
Staat Tansania

Region

Daressalam
Einwohner 4.364.541 (2012)
Stadtzentrum von Daressalam
Stadtzentrum von Daressalam

Daressalam (arabisch ‏دار السلام‎ Dār as-Salām, DMG Dār as-Salām ‚Haus des Friedens‘), auch Dar es Salaam oder Dar-es-Salam oder DSM, umgangssprachlich oft nur kurz Dar, ist mit mehr als 3 Millionen Einwohnern die größte Stadt in Tansania. Sie ist Regierungssitz sowie lutherischer und römisch-katholischer Bischofssitz. Mehrere Universitäten sind in Daressalam ansässig.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Stadt liegt im Osten von Tansania am Indischen Ozean.

Geschichte[Bearbeiten]

Daressalam zur deutschen Kolonialzeit, vor 1910. Links die katholische Kathedrale St. Joseph - rechts der Turm der evangelisch-lutherischen Azania-Kirche

Daressalam wird gewöhnlich mit dem antiken Rhapta gleichgesetzt, das nach dem Periplus Maris Erythraei (40–70 n. Chr.) an der Küste von Azania lag. Dem anonymen Autor zufolge erhielt es seinen Namen wegen der zusammengenähten Boote (rhapton ploiarion), die die Einheimischen benutzten. Man konnte hier Elfenbein und Schildkrötenpanzer einhandeln.

Kaiserstraße in Daressalam zur deutschen Kolonialzeit

Ab 1862 begann der Sultan von Sansibar, Sayyid Mâdjid, mit dem Ausbau des Dorfes Msisima; er wollte seine Residenz auf das Festland verlegen, gab dem Ort den Namen Bandar as-Salâm (arab. Hafen des Friedens) und begann mit dem Bau eines Palastes, der allerdings bei seinem Tode 1870 noch nicht vollendet war.

Sein Nachfolger Sayyid Barghash gab das Projekt auf, ließ aber seine Plantagen in der Nähe der Stadt bewirtschaften. 1888 verpachtete Sultan Sayyid Khalîfa Daressalam zusammen mit der gesamten Küste des heutigen Tansania an die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft. Am 28. Oktober 1890 verkaufte Sultan Sayyid ‘Alî Stadt und Küste. Ab 1890 hatte sich die Kolonialverwaltung im kleinen Küstenort Bagamoyo eingerichtet, doch dann wurde das rund 60 Kilometer weiter südlich gelegene Daressalam wegen seines Naturhafens für die Deutschen interessanter. Nur ein Jahr später bezog 1891 die deutsche Kolonialverwaltung von Deutsch-Ostafrika in Daressalam ihren Sitz.

Die St.-Josephs-Kathedrale des katholischen Erzbistums Daressalam wurde zwischen 1897 und 1902 errichtet, die evangelisch-lutherische Azania-Kathedrale 1898.[1] Am 1. Oktober 1897 wurde das erste große Regierungskrankenhaus, das Ocean Road Hospital (seit 1996 „Ocean Road Cancer Institute“), eröffnet. Das modernste biologisch-landwirtschaftliche Institut wurde 1902/03 von der deutschen Kolonialverwaltung in Amani eröffnet, wo unter anderen 1905 und 1906 die Mediziner Robert Koch und Zimmermann arbeiteten. Im Jahre 1909 weihte man in der Stadt ein Wissmann-Denkmal ein, dessen Plastik eine Arbeit des Bildhauers Adolf Kürle ist. Es wurde später demontiert und über Großbritannien nach Deutschland zurück geliefert.

Ab 1920 übernahm die Mandatsregierung Stadt und Kolonie, bis 1961 die Unabhängigkeit erklärt wurde. Ab 1964 war es Hauptstadt Tansanias, bis diese 1974 offiziell nach Dodoma verlegt wurde. Allerdings verbleiben wichtige Regierungsfunktionen in Daressalam.

Der südafrikanische African National Congress unterhielt in der Stadt eines seiner Hauptquartiere im Exil. Von hier übertrug er seit 1969 über die Anlagen des damaligen Radio Tanzania auf Kurzwelle das Programm seines Radio Freedom. Radio Tanzania gewährte als erste Radiostation diesem Programm eine Sendezeit.

Am 7. August 1998 wurden bei einem Terroranschlag vor der US-Botschaft in Daressalam elf Menschen getötet. Die Botschaft wurde in der Zwischenzeit in den weniger belebten Stadtteil Msasani verlegt, wobei die Sicherheitsvorkehrungen verschärft wurden.

Einwohner[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahlen
Jahr Einwohner Nachw.
1867 3.500 [2]
1957 128.742
1967 272.821
1978 843.000
1988 1.360.850
2005 2.698.651
2009 3.207.000 [3]
2012 4.364.541 [4]
Makonde-Schnitzer auf dem Mwenge-Markt während einer Arbeitspause

Ursprünglich war die Stadt besonders von Angehörigen der Ethnie Zaramo und, zu einem geringeren Teil, der Ethnien Ndengereko und Kwere bewohnt. Mit der zunehmenden Urbanisierung in Tansania leben heute Angehörige vieler Ethnien des Landes in der Stadt. Die Stadt ist in drei Stadtteile gegliedert: 2002 lebten 1.083.913 Einwohner in Kinondoni, 768.451 in Temeke und 634.924 Einwohner in Ilala. Etwa 64 Prozent der Einwohner sind zwischen 15 und 64 Jahre alt, Kinder zwischen 0 und 14 Jahre stellen 33 Prozent der Bevölkerung dar und nur zwei Prozent der Einwohner sind älter als 65. Die Bevölkerungsdichte liegt bei 1787 pro km². Auf der zum Stadtteil Kinondoni gehörenden Halbinsel Msasani leben die meisten Ausländer und Diplomaten.

Mit einem erwarteten jährlichen Bevölkerungswachstum von 4,39 % im Durchschnitt ist Daressalam bei den am stärksten wachsenden Städten der Welt auf Platz 9.[5]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Daressalam unterhält Städtepartnerschaften mit der nordtürkischen Großstadt Samsun, der chinesischen Stadt Yiwu und seit 1. Juli 2010 mit der Freien und Hansestadt Hamburg.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Küstenabschnitt in Daressalam, der als öffentliche Müllkippe dient
Hafen von Daressalam
Künstlerkooperative in Daressalam

Daressalam ist das wirtschaftliche Zentrum von Tansania. In der Stadt gibt es etwa 575 größere Industriebetriebe, die tansanische Zentralbank sowie Filialen nationaler, wie die auf Mikrokredite spezialisierte Dar es Salaam Community Bank, und internationaler Banken und Versicherungen. An der Dar es Salaam Stock Exchange werden die Aktien der wichtigsten tansanischen Unternehmen gehandelt.

2002 lag das jährliche Pro-Kopf Einkommen bei 584.086 Tsh (rund 368 Euro), wobei 35 Prozent der Bevölkerung durchschnittlich nur 387.319 Tsh (rund 243 Euro) verdienen. Im Jahr 2000/2001 waren 7,5 Prozent der Bevölkerung zu arm, um sich ausreichend ernähren zu können, verglichen mit 13,6 Prozent im Jahr 1991/1992.[2]

Verkehr[Bearbeiten]

Der innerstädtische Verkehr wird durch Busse und Minibusse (die sogenannten Dalla-Dalla) bestritten. Die Hauptverkehrsstraßen sind gut ausgebaut, aber im Berufsverkehr chronisch verstopft. Nebenstraßen sind oft nicht asphaltiert und nachts nicht beleuchtet.

Daressalam hat einen großen Seehafen von internationaler Bedeutung. Er gilt als der Hauptgüterumschlagplatz und das Einfallstor für ganz Ostafrika. Unter anderem gibt es Fährverbindungen mit Schnellfähren nach Sansibar sowie regelmäßige Fährverbindungen nach Mombasa in Kenia.

Die Tanzania Railways Corporation (TRC) verbindet Daressalam mit Mwanza im Nordwesten sowie mit Kigoma im Westen Tansanias. Die Tanzania Zambia Railways Authority (TAZARA) verbindet Daressalam mit Mbeya im Südwesten sowie mit Sambia und dem übrigen südlichen Afrika.

15 Kilometer südwestlich des Stadtzentrums liegt der internationale Mwalimu Julius K. Nyerere International Airport, von dem Flugverbindungen innerhalb des Landes sowie in andere afrikanische Länder, den Nahen Osten, Indien und Europa angeboten werden.

Fernbusverbindungen gibt es zu zahlreichen nationalen Zielen sowie nach Nairobi und Mombasa in Kenia, nach Lilongwe in Malawi, nach Lusaka in Sambia und nach Kampala in Uganda.

Bildung[Bearbeiten]

Die wichtigste Universität der Stadt ist die University of Dar es Salaam mit rund 12.000 Studenten. Außerdem gibt es die Open University of Tanzania, die Hubert Kairuki Memorial University (HKMU), die Mwalimu Nyerere Memorial Academy (MNMA), die International Medical and Technological University (IMTU) sowie das Institute of Financial Management (IFM), das Dar es Salaam Institute of Technology (DIT), die Ardhi University Dar es Salaam (ARU), das College of Business Education (CBE) und das Institute of Social Work (Ustawi wa jamii).

Sport[Bearbeiten]

Das 2007 eröffnete Benjamin-Mkapa-Nationalstadion ist eine Mehrzweckarena und bietet 60.000 Besuchern Platz.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Der Schriftsteller Roald Dahl lebte von 1936 bis 1939 in Daressalam. Jane Goodall lebte ebenfalls dort und lehrte in den 1970er Jahren an der Universität von Daressalam.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Klimatabelle[Bearbeiten]

Daressalam
Klimadiagramm
J F M A M J J A S O N D
 
 
76
 
32
24
 
 
55
 
32
23
 
 
138
 
32
23
 
 
254
 
31
22
 
 
198
 
30
21
 
 
43
 
29
19
 
 
26
 
29
18
 
 
24
 
29
18
 
 
23
 
30
18
 
 
69
 
31
20
 
 
126
 
31
21
 
 
118
 
32
23
Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: Tanzania Meteorological Agency, Daten: 1971-2000[6]; wetterkontor.de
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Daressalam
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 31,8 32,4 32,1 30,7 29,8 29,3 28,9 29,4 30,3 30,9 31,4 31,6 Ø 30,7
Min. Temperatur (°C) 23,5 23,3 22,8 22,4 21,3 19,2 18,2 18,1 18,4 19,7 21,3 22,8 Ø 20,9
Niederschlag (mm) 76,3 54,9 138,1 254,2 197,8 42,9 25,6 24,1 22,8 69,3 125,9 117,8 Σ 1.149,7
Sonnenstunden (h/d) 7,6 7,9 6,9 5,2 6,9 7,4 7,2 8,6 8,4 8,9 8,4 7,8 Ø 7,6
Regentage (d) 7 4 11 18 13 5 4 4 3 5 8 9 Σ 91
Wassertemperatur (°C) 28 28 28 28 27 26 25 25 25 26 27 28 Ø 26,7
Luftfeuchtigkeit (%) 77 76 80 84 81 78 77 76 75 76 78 78 Ø 78
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
31,8
23,5
32,4
23,3
32,1
22,8
30,7
22,4
29,8
21,3
29,3
19,2
28,9
18,2
29,4
18,1
30,3
18,4
30,9
19,7
31,4
21,3
31,6
22,8
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
76,3
54,9
138,1
254,2
197,8
42,9
25,6
24,1
22,8
69,3
125,9
117,8
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: Tanzania Meteorological Agency, Daten: 1971-2000[6]; wetterkontor.de

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Daressalam – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Daressalam – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Literatur[Bearbeiten]

  • Jürgen Becher: Dar es Salaam, Tanga und Tabora – Stadtentwicklung in Tansania unter deutscher Kolonialherrschaft (1885–1914). Franz Steiner, Stuttgart 1997, ISBN 3-515-06735-3

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Carola Frentzen: Deutsche Historie am Indischen Ozean In: Mainzer Allegemeine Zeitung vom 24. Januar 2014
  2. a b Dar es Salaam city profile Kinondoni Municipal Council, Daressalam Region; im Internet Archive
  3. CIA Factbook: Tanzania, abgerufen am 23. Januar 2013
  4. Population Distribution by Administrative Units, United Republic of Tanzania, 2013
  5. [1] City Mayors: World's fastest growing urban areas
  6. Tanzania Meteorological Agency: Klimainformationen Daressalam. World Meteorological Organization, abgerufen am 27. Oktober 2012.