juris

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen Jazzgitaristen siehe Vic Juris.
Juristisches Informationssystem für die Bundesrepublik Deutschland
juris Logo
Rechtsform GmbH
Gründung 1985
Sitz Saarbrücken, Deutschland

Leitung

Mitarbeiter ca. 200 (März 2014)
Umsatz 40,9 Mio. Euro (2013)[1]
Branche Verlagswesen, Informationstechnologie, Informationsdienstleistungen
Produkte juristische Print- und Online-Produkte, DatenbankenVorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Produkte
Website http://www.juris.de/

juris, Juristisches Informationssystem für die Bundesrepublik Deutschland, ist ein juristischer Informationsdienstleister und Print-Online-Verlag.

Geschichte[Bearbeiten]

Die juris GmbH wurde 1985 gegründet. Der bereits im Jahre 1973 erteilte Gründungsauftrag der Bundesregierung lautete, zusammen mit dem Bundesverfassungsgericht und den obersten Gerichten des Bundes arbeitsteilig ein computergestütztes Rechtsinformationssystem aufzubauen. Dieses war 1984 fertig und bis 1985 beim Bundesministerium der Justiz angesiedelt; es wurde dann aus der Bundesverwaltung in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung, mit Sitz in Saarbrücken, ausgegliedert.

Anteilseigner[Bearbeiten]

Im Lauf der Jahre reduzierte der Bund seine Anteile an juris. Bis heute hält er mit 50,01 % die Anteilsmehrheit. 45,33 % der Anteile gehören dem niederländischen Verlag Sdu. Ein weiterer Anteilseigner ist das Saarland mit 2,99 %, ebenso die Bundesrechtsanwaltskammer und weitere Verlage mit jeweils 0,24 %.

Aufgaben, Inhalte und Dokumentation[Bearbeiten]

Aufgaben[Bearbeiten]

Die juris GmbH soll der Bundesrepublik Deutschland insbesondere ein leistungsfähiges computergestütztes Rechtsinformationssystem für die Gesetzgebung des Bundes, für die Zwecke der Bundesverwaltung sowie für die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts und der übrigen Bundesgerichte zur Verfügung stellen.[2] Damit sollen diese Informationen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Dokumentation[Bearbeiten]

Um die Neutralität des Informationsangebotes zu sichern und um ein Höchstmaß an Qualität, Objektivität, Vollständigkeit und Aktualität zu wahren, obliegen Auswahl und dokumentarische Erschließung der juristisch relevanten Daten für die juris-Datenbanken Rechtsprechung, Literatur und Verwaltungsregelungen den Dokumentationsstellen des BVerfG und den fünf obersten Gerichtshöfen des Bundes (BGH, BVerwG, BAG, BSG, BFH). Für Aufbau und Aktualisierung der Datenbank Bundesrecht (Gesetze und Verordnungen) ist die Dokumentationsstelle des Bundesministerium der Justiz verantwortlich. Ergänzt wird die Rechtsprechungsdatenbank durch die Auswertung von über 600 juristischen Fachzeitschriften durch eigene Dokumentationsstellen bei juris.

Inhalte[Bearbeiten]

Die juris GmbH ist Marktführer auf dem deutschen Markt für elektronische Rechtsinformationen und ermöglicht einen schnellen und zielgerichteten Zugriff auf ein umfangreiches Informationsangebot. Die Datenbank mit Entscheidungen, Rechtsnormen, Verwaltungsvorschriften und Europarecht bildet den Kern des juris-Angebotes. Neben dem Online-Angebot mit Fachportalen, Modulen, Kommentaren, Fachzeitschriften, Dienstleistungen und Informationsdiensten werden auch DVDs und Druckwerke angeboten.

  • Der Abruf von Daten ist kostenpflichtig.
  • Freilich stehen die Gesetzestexte des Bundes in überwiegender Anzahl für den privaten Gebrauch auch kostenlos zur Verfügung, zum Beispiel § 5 Urheberrechtsgesetz (UrhG). Allerdings ist nur die jeweils geltende Fassung einer Rechtsnorm abrufbar. Ältere Fassungen werden im freien Angebot von juris nicht nachgewiesen.

Neben den eigenen Inhalten hat juris in den letzten Jahren sein Angebot an Online-Rechtsinformationen mit Inhalten anderer Verlage ausgebaut. Inzwischen sind 54 Zeitschriften- und 129 Buchtitel bei juris im Volltext verfügbar.

Ebenso sind fünf weitere Fachportale in Kooperation mit Fachverlagen entstanden, unter anderem speziell für Anwälte, Steuerberater, Sozialrechtsexperten:

Gemeinsam mit der Verlagsgruppe Hüthig Jehle Rehm wurde das Fachportal Öffentliche Verwaltung angeboten.[8] Es richtet sich insbesondere an die Bundes-, Landes- und Kommunalverwaltungen sowie die Rechtsberatungspraxis. Es hat den Betrieb zum 29. Juli 2013 eingestellt.[9]

Technik[Bearbeiten]

Bisher basierten alle Online-Angebote auf einem BS2000-Host und dem Retrievalsystem Golem. Der Zugriff auf die Rechtsinformationen wurde (in zeitlicher Reihenfolge) über die Oberflächen jurisControl, jurisFormular, jurisFormular für Windows und schließlich jurisWeb ermöglicht. Seit 2005 wurde das Online-Angebot der juris GmbH schrittweise auf eine neue Plattform unter Linux umgestellt. Diese Umstellung ist mittlerweile abgeschlossen und alle produktiven Systeme werden nun unter Linux betrieben. Besonders die darin integrierte Crossrecherche stellt einen deutlichen Fortschritt für die Suchmöglichkeiten dar.

Die Daten werden in zwei redundanten, gespiegelten Rechenzentren vorgehalten, um die Ausfallsicherheit zu erhöhen. Insgesamt werden über 600 Server (teils auch mittels Virtualisierung) in Saarbrücken betrieben.

Führungspersonal[Bearbeiten]

Samuel van Oostrom (seit 2001), Johannes Weichert (seit 1. Januar 2010)

Die fünf Mitglieder des Aufsichtsrates werden vom Bund und Sdu entsandt. Den Vorsitz hält satzungsgemäß ein Angehöriger des Bundesministerium der Justiz.

Beraten wurde juris von einem 15-köpfigen Sachverständigenbeirat. Vorsitzender war Maximilian Herberger. Mit Ablauf der letzten Amtszeit Ende 2005 hat juris die Arbeit dieses Gremiums beendet.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Harald H. Zimmermann: JURIS – die Chance für den Einstieg in die Informationstechnologie an der Saar, Professur für Informationswissenschaft/Universität des Saarlandes, Saarbrücken 1984.
  • Gerhard Wolf: juris – Ein denkbar einfacher Zugang zu allen Informationen, die Sie brauchen? (mehrere Teile). In: JurPC. Heft 04, 1992, ISSN 0937-1125, S. 1524–1536 (online).
  • Maximilian Herberger (Hrsg.): Standort juris: Festschrift zum 10-jährigen Bestehen der juris GmbH, juris, Saarbrücken 1995, ISBN 3-929579-58-8.
  • Matthias Kraft: Juristische Online-Datenbanken in der Praxis – Eine Einkaufshilfe, Soldan, Dienste für Anwälte, Essen 2006.
  • Daniel Schnabl: Juristische Online-Datenbanken im Lichte der Anwaltshaftung. In: Neue juristische Wochenschrift, Bd. 60, 2007, ISSN 0341-1915, S. 3025–3030.
  • Melanie Amann: Streit unter den Paragraphen-Sammlern. Juris ist größter Anbieter juristischer Daten / Die Konkurrenz beschwert sich bei der EU. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. Mai 2009.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. buchreport.magazin, April 2014
  2. Informationen über die juris GmbH im Portal des Bundes
  3. Meldung auf juris.de: juris startet zur Buchmesse mit neuem Anwaltportal
  4. Meldung auf juris.de: Bundesanzeiger und juris präsentieren gemeinsames Gesetzesportal auf der CeBIT
  5. Meldung auf juris.de: Vorschriftensammlung der Bundesfinanzverwaltung jetzt in neuem Portal
  6. Meldung auf juris.de: juris stellt zum DAT neues Fachportal Sozialrecht vor
  7. Meldung auf juris.de: juris und Verlag Dr. Otto Schmidt vereinbaren strategische Kooperation
  8. Meldung auf juris.de: juris präsentiert neues Fachportal Öffentliche Verwaltung
  9. Wichtige Kundeninformation. Auf: juris.de. Ohne Datum. Abgerufen am 20. September 2013.