Karlino

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Karlino
Wappen von Karlino
Karlino (Polen)
Karlino
Karlino
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Landkreis: Białogard
Fläche: 9,00 km²
Geographische Lage: 54° 2′ N, 15° 53′ O54.03818888888915.876616666667Koordinaten: 54° 2′ 17″ N, 15° 52′ 36″ O
Höhe: 8 m n.p.m
Einwohner: 5982
(30. Jun. 2013)[1]
Postleitzahl: 78-230
Telefonvorwahl: (+48) 94
Kfz-Kennzeichen: ZBI
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 6 KołbaskowoPruszcz Gdański
DW 163 KołobrzegWałcz
Schienenweg: Bahnstrecke Szczecinek–Kołobrzeg
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goleniów
Gemeinde
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Gemeindegliederung: 28 Ortschaften
15 Schulzenämter
Fläche: 141,00 km²
Einwohner: 9318
(30. Jun. 2013)[2]
Bevölkerungsdichte: 66 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3201033
Verwaltung (Stand: 2009)
Bürgermeister: Waldemar Miśko
Adresse: Pl. Jana Pawła II 6
78-230 Karlino
Webpräsenz: www.karlino.home.pl
Kirche

Karlino (deutsch Körlin an der Persante) ist eine Stadt und Sitz der gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde im Powiat Białogardzki in der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Die Stadt Karlino sollte nicht mit dem Ort Korlino (deutsch: Körlin, im ehemaligen Kreis Schlawe) verwechselt werden.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Die Stadt liegt im Nordosten der Woiwodschaft Westpommern am Zusammenfluss von Persante und Radüe in Hinterpommern. Hier kreuzen sich die Landesstraße 6 (StettinDanzig, ehemalige deutsche Reichsstraße 2, heutige Europastraße 28) und die Woiwodschaftsstraße 163 (Kołobrzeg (Kolberg) –Wałcz (Deutsch Krone), ehemalige Reichsstraße 124), und es besteht Anschluss an die Bahnstrecke Szczecinek–Kołobrzeg.

Stadt Karlino (Körlin)[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Körlin hat lange von seiner einst günstigen Verkehrslage profitiert. Münzfunde aus der Eisenzeit (um 900 v. Chr.) lassen vermuten, dass bereits in dieser Epoche an der Kreuzung der Heerstraße nach Danzig und der Salzstraße nach Süden ein Handelsplatz bestanden hat. In einer Beschreibung über das Bistum Cammin aus dem Jahre 1240 gibt es erstmals einen Hinweis auf die Ortschaft Körlin. In einer Urkunde von 1299 ist von der „civis in Corlin“ die Rede. 1372 wurde Körlin von Bischof Philipp von Rehberg zu einer der Residenzen des Bistums Cammin erhoben, und mit finanzieller Hilfe der Stadt Stolp wurde eine Schutzburg errichtet. Im Jahre 1385 erhielt Körlin durch den Bischof das lübische Stadtrecht. Als es 1409 zu Streitigkeiten zwischen dem pommerschen Herzog Bogislaw VIII. und den Camminer Bischöfen kam, überfiel der Herzog Körlin und zerstörte es bis auf die bischöfliche Burg völlig.

Nach der Einführung der Reformation in Pommern verlor das Bistum Cammin 1556 seine politische Eigenständigkeit und kam unter die Herrschaft der pommerschen Herzöge. Die nunmehr evangelischen Bischöfe verwandelten die Körliner Burg in den folgenden Jahren in ein Schloss im Renaissancestil und sorgten für wirtschaftlichen Aufschwung in der Stadt. Auf Grund besonderer Privilegien entwickelte sich ab 1594 ein leistungsfähiges Braugewerbe, und ein Sägewerk entstand. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Körlin durch die kaiserlichen Truppen geplündert. 1668 wurde die Stadt zur brandenburgischen Staatsdomäne. Am Karsamstag 1685 brach ein Brand aus, der die Stadt mit Ausnahme der Kirche und des Schlosses einäscherte. Ein zweiter Brand vernichtete 1765 die Körliner Vorstadt. Während des Siebenjährigen Krieges überfielen russische Truppen die Stadt und zerstörten das bischöfliche Schloss, das danach nicht wieder aufgebaut wurde. Als im Februar 1807 die napoleonische Armee Kolberg belagerte, wurde Körlin zum französischen Hauptintendantenlager bestimmt. Durch die Stationierung der Soldaten kam es zum Ausbruch einer Ruhrepidemie, der ein Drittel der Bevölkerung zum Opfer fiel.

Auch nach der preußischen Verwaltungsneuordnung von 1818 verblieb Körlin vorerst in dem unveränderten Verwaltungsbereich „Camminer Fürstenthum“. 1849 war die Straße von Kolberg nach Neustettin in eine moderne Chaussee umgebaut worden, und Körlin kam dadurch zu einer günstigen Nord-Süd-Verbindung. Allerdings gelang es nicht, die Stadt auch an die wirtschaftlich wichtige Bahnlinie Stettin–Köslin anzubinden, diese wurde sechs Kilometer südlich durch Belgard verlegt. Nur durch die Stichbahn Belgard–Kolberg wurde Körlin 1859 überhaupt an das Bahnnetz angeschlossen. So hielt die moderne Industrie erst im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts Einzug. Es wurde mehrere neue Mühlen, darunter eine Spezialmühle zum Mahlen von Eichenrinde, eingerichtet, ein großes Sägewerk und eine Maschinenfabrik entstanden, und auf dem Gelände des ehemaligen Bischofsschlosses wurde ein großer Speicher gebaut. Zu dieser Zeit gehörte Körlin bereits zum 1872 neu gebildeten Kreis Kolberg-Körlin und hatte rund 3.100 Einwohner.

1905 wurde in der Stadt ein Neubau für das Amtsgericht eingeweiht, und zwei Jahre später musste ein neues Rathaus gebaut werden, weil das bisherige einem Feuer zum Opfer gefallen war. Nach dem Ersten Weltkrieg kam es zu einem Bevölkerungszuwachs durch ehemalige Bewohner der durch den Versailler Vertrag verloren gegangenen Ostprovinzen. Dadurch weitete sich die Stadt nach Norden hin aus.

Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden noch ein Sportzentrum und eine Jugendherberge errichtet. Am 3. März 1945 erhielt die Stadt den Befehl, die Zivilbevölkerung zu evakuieren. Der Aufruf kam jedoch zu spät, denn bereits einen Tag danach wurde Körlin von den sowjetischen Truppen eingenommen. Anschließend wurde die Stadt zusammen mit ganz Hinterpommern unter polnische Verwaltung gestellt. Es begann die Zuwanderung von Polen, die die Deutschen aus ihren Häusern und Wohnungen drängten. Die angestammte deutsche Bevölkerung wurde in den nachfolgenden Monaten von den nach Kriegsende zugewanderten Polen aufgrund der sogenannten Bierut-Dekrete aus Körlin vertrieben.

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten]

  • 1740: 566[3]
  • 1782: 894, davon 32 Juden[4]
  • 1791: 898, davon 19 Juden[5]

Bevölkerungsentwicklung Körlin.png

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Gmina Karlino[Bearbeiten]

Das Gemeindewappen am Rathaus von Karlino (Körlin)

Allgemeines[Bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Karlino umfasst eine Fläche von 141,03 km² und zählt etwas mehr als 9.000 Einwohner. Bei insgesamt 114 Gemeinden in der Woiwodschaft Westpommern steht die Gmina Karlino an 75., einwohnermäßig an 41. Stelle. Vom Gebiet des Powiat Białogardzki nimmt sie 16,7 % ein.

Im Gemeindegebiet ist die einheitliche Postleitzahl 78-320 gültig.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Zur Gmina Karlino gehören insgesamt 28 Ortschaften, die 17 Ortsteilen („Schulzenämtern“)[7] zugeordnet sind:
Ortsteile:

Übrige Ortschaften:

Die frühere Ortschaft Fuchsmühle (polnischer Name: Lisiny) ist nicht mehr existent.

Verweise[Bearbeiten]

Literatur, Quellen[Bearbeiten]

  • Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern - Abriss ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1965, S. 67-70 (online).
  • Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogtums Pommern und des Fürstentums Rügen. Teil III, Band 1, Anklam 1867, S. 162-168 (online)
  • Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königlich-Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil II, Band 2, Stettin 1784, S. 518-525 (online)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Karlino – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 15. Dezember 2013.
  2. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 15. Dezember 2013.
  3. Christian Friedrich Wutstrack, Hrsg.: Kurze historisch-geographisch-statistische Beschreibung des königlich-preußischen Herzogtums Vor und Hinterpommern. Stettin 1793, S. 600
  4. Christian Friedrich Wutstrack (1793), loc. cit., S. 600.
  5. Christian Friedrich Wutstrack (1793), loc. cit., S. 600.
  6. http://www.karlino.home.pl
  7. http://www.karlino.home.pl/_portal/118188720646722ae650d66/So%C5%82ectwa.html