Kerenski-Offensive

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Kerensky Offensive
Operationen an der Ostfront 1917
Operationen an der Ostfront 1917
Datum 1. Juli bis 19. Juli 1917
Ort Galizien / Bukowina
Ausgang Vormarsch der Mittelmächte
Konfliktparteien
Russische Republik 1917Russische Republik Russland Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich
Osterreich-UngarnÖsterreich-Ungarn (Handelsflagge) Österreich-Ungarn
Befehlshaber
Russische Republik 1917Russische Republik Alexei Brussilow Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Felix von Bothmer
Truppenstärke
Russische Republik 1917Russische Republik Südwestfront:
7., 8. und 11. Armee
Heeresgruppe Böhm-Ermolli:
Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Südarmee
Osterreich-UngarnÖsterreich-Ungarn (Handelsflagge) 2. und 3. Armee

Die Kerenski-Offensive, benannt nach dem damaligen russischen Kriegs- und Marineminister Alexander Kerenski, war eine Offensive der russischen Truppen gegen die Mittelmächte an der deutschen Ostfront im Ersten Weltkrieg. Sie hatte das Ziel, die von Revolution und Kriegsniederlagen gebeutelte russische Nation zu stabilisieren und die Mittelmächte an ihrem weiteren Vormarsch in russisches Gebiet zu hindern. Mit der Offensive wollte Kerenski einen Annexionsfrieden verhindern und fairere Bedingungen für die Friedensverhandlungen schaffen.

Hintergrund[Bearbeiten]

Alexander Kerenski
(Isaak Brodsky 1918)

Im Jahre 1917 war es zu großen politischen und sozialen Umbrüchen im Russischen Reich gekommen. Nach der Februarrevolution, in der der Zar gestürzt worden war, suchten mehrere politische Gruppierungen die Macht zu ergreifen. Die Provisorische Regierung wurde zunächst unter Ausschluss der linken Parteien gebildet. Nach der Aprilkrise, ausgelöst durch die Miljukow-Note, traten Sozialrevolutionäre und Menschewiki in die Regierung ein. Neuer Kriegsminister wurde im Mai der Sozialrevolutionär Kerenski.

Nach der Februarrevolution war es zu Fraternisierung zwischen den Fronten gekommen. Die deutsche Führung vermied es, diese Entwicklung durch Offensivhandlungen zu stören und setzte auf einen inneren Zerfall Russlands. In dieser Lage ordnete Kerenski eine neue Offensive an, um die Position des jungen Staates gegenüber den Mittelmächten zu bessern und um die innere Lage zu stabilisieren. Außerdem drängten die verbündeten Staaten der Entente auf ein rasches Vorgehen, denn sie fürchteten um den russischen Zusammenbruch. Eine amerikanische Mission unter Elihu Root bot der provisorischen Regierung Kredite als Gegenleistung für eine Fortsetzung des Kampfes. Die Vorbereitungen zur Offensive wurden von einer Propagandakampagne begleitet. Kerenski bereiste persönlich die Front und setzte Kommissare ein, um die Kampfmoral wieder zu stärken. Zudem ersetzte er den als Anhänger des Zaren geltenden Oberkommandierenden der Streitkräfte Michail Alexejew durch Alexei Brussilow, der die Revolution unterstützt hatte.

Den Hauptschlag sollte die Südwestfront unter Alexei Gutor führen, während die übrigen Fronten Ablenkungsangriffe durchführen sollten. Ziel der Offensive war die Eroberung Lembergs, das bereits Ziel der Brussilow-Offensive vom Vorjahr gewesen war. Zudem sollten die Ölquellen von Drohobytsch erobert werden, die für die Kriegsführung der Mittelmächte von besonderer Bedeutung waren.

Offensive[Bearbeiten]

Ende Juni hatte Kerenski die meisten russischen Soldaten von der Notwendigkeit einer neuen Offensive überzeugt. Die Offensive, die er plante, sollte gegen die deutschen Verbände im Südwesten der Ostfront gehen, wo schon ein Jahr zuvor die Brussilow-Offensive relativ erfolgreich verlaufen war. Da die Deutschen zudem Truppen für die geplante Einnahme Rigas von ihrem südlichen Flügel abgezogen hatten, schien ein erfolgreicher Vorstoß am ehesten möglich.

Am 1. Juli startete die Offensive, und in den ersten drei Tagen sah es ganz nach einem Erfolg aus: Die größtenteils österreichisch-ungarischen Truppen wurden zurückgeworfen, und die russischen Truppen drangen bei mildem Wetter schnell vorwärts. Die aus Kriegsgefangenen gebildete Tschechoslowakische Schützenbrigade errang in der Schlacht bei Zborów in Galizien gegen eigene Landsleute der k. u. k. Armee trotz militärischer Unterlegenheit einen Überraschungssieg und schrieb damit (tschechoslowakische) Geschichte.

Doch schon am 8. Juli konnte Ludendorff mit eilig zusammengewürfelten Reserven die Offensive stoppen. Die Verluste der Russen stiegen immer mehr, viele Soldaten weigerten sich weiterzukämpfen. Am 14. Juli musste Kerenski die Offensive abbrechen, ohne die erhofften Ziele erreicht zu haben. Im folgenden Gegenstoß der Mittelmächte wurden die russischen Truppen bis Anfang August nahezu vollständig aus Galizien vertrieben.

Während der Offensive verschärfte sich auch die innenpolitische Lage: In Petersburg und Moskau brach ein Aufstand der Bolschewiki gegen die neue Offensive aus, der jedoch rasch niedergeschlagen wurde. Die Bolschewiki wurden entwaffnet, Lenin musste nach Finnland fliehen. Nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Lwow wurde Kerenski am 21. Juli 1917 neuer Chef der Provisorischen Regierung.

Folgen[Bearbeiten]

Die Offensive beschleunigte den Kriegsaustritt Russlands. Die russischen Truppen waren nun endgültig moralisch und physisch ermüdet und zeigten erste Anzeichen der Meuterei. Mit dem Scheitern der Offensive ging auch die zunehmende Ablehnung der Regierung Kerenskis einher, was insbesondere zur Stärkung des linken Flügels führte. Dies konnte Lenin wenige Monate später nach seiner Rückkehr ausnutzen. Somit führte die Offensive auch unmittelbar zur Oktoberrevolution und zu den Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk.

Literatur[Bearbeiten]

  • Alexander Fjodorowitsch Kerenski: Die Kerenski-Memoiren. Russland und der Wendepunkt der Geschichte. Zsolnay, Wien u. a. 1966 (Lizenzausgabe: Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1989, ISBN 3-499-12477-7 (Rororo 12477)).