Schlacht um Łódź

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Schlacht um Łódź
Ostfront November 1914
Ostfront November 1914
Datum 11. November bis 5. Dezember 1914
Ort Łódź , Polen
Ausgang Unentschieden, Folgen strategisch günstig für das Deutsche Reich
Konfliktparteien
Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich Russisches Kaiserreich 1883Russisches Kaiserreich Russland
Befehlshaber
Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Erich Ludendorff
Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich August Mackensen
Russisches Kaiserreich 1883Russisches Kaiserreich Nikolai Russki
Russisches Kaiserreich 1883Russisches Kaiserreich Pawel Plehwe
Russisches Kaiserreich 1883Russisches Kaiserreich Sergei Scheideman
Truppenstärke
15 Divisionen etwa 225.000 Mann 24 Divisionen etwa 380.000 Mann

Die Schlacht um Łódź war eine Schlacht an der Ostfront des Ersten Weltkrieges vom 11. November bis zum 5. Dezember 1914 zwischen der deutschen 9. Armee unter General Mackensen und der 2. und 5. russischen Armee um die Stadt Łódź in Polen.

Hintergrund[Bearbeiten]

Trotz der gescheiterten Offensive zu Beginn des Krieges gegen Ostpreußen im August 1914 war die Entschlossenheit des russischen Großen Generalstabs ungebrochen, den Krieg auf deutsches Territorium zu tragen.

Hierfür konzentrierte Nikolaj Nikolajewitsch, der Oberbefehlshaber der Stawka die 2. Armee unter General Sergei Scheideman im Raum Warschau und die 5. Armee unter Pawel Plehwe südlich davon. Die russische Nordwest-Front unter Oberbefehl des General Nikolai Russki, welchem beide Armeen unterstellt waren, befahl bereits Ende Oktober erneut acht Korps nach Westen vorgehen zu lassen.

August von Mackensen

Der deutsche Stabschef an der Ostfront, Erich Ludendorff, wollte die russische Offensive noch in ihrer Aufbauphase stören und dann auf das Nachschubzentrum beider Armeen, die Stadt Łódź, vorstoßen. Sein strategisches Ziel war es, zwischen deutschem Gebiet und dem russischen Kriegsgegner einen Puffer zu gewinnen, um die erneute Bedrohung Ostpreußens abzuwenden. Im Raum Thorn sammelte sich für einen Gegenschlag die deutsche 9. Armee unter dem Oberbefehl des General der Kavallerie August von Mackensen.

Verlauf[Bearbeiten]

Deutscher Durchbruch[Bearbeiten]

Am 11. November 1914 starteten die Truppen Mackensens ihre Offensive, der linke Flügel der 9. Armee – das I. und XXV. Reserve-Korps stand an der Weichsel und ging aus dem Raum Thorn nach Süden gegen Kutno vor.[1] Gedeckt durch das Kavalleriekorps Richthofen gingen vier Korps gegen die Nord- und Nordostfront von Lodz vor. Vom Westen her ging das deutsche XI. Armee-Korps unter General der Infanterie Otto von Plüskow und das XVII. Armee-Korps (General Pannewitz) frontal auf Lodz vor. Der nördliche Zangenarm, der zum Durchbruch angesetzt war, wurde aus dem XX. Armee-Korps (General Scholtz), dem I. Reserve-Korps (General Kurt von Morgen) und dem XXV. Reserve-Korps gebildet. Am Südflügel der 9. Armee sicherten derweil die Kavallerie-Korps der Generale Frommel und Hauer gegenüber dem Südflügel der russischen 5. Armee (Plehwe) und hielten Anschluss an die k.u.k. 2. Armee im Raum Belchatow.

General Ludendorff hatte seinen Hauptangriff gegen den Abschnitt des sibirischen V. Korps (General Sidorin) – Teil der 1. Armee – angesetzt, dabei sollten das I. und XXV. Reservekorps aus der Linie Thorn-Hohensalza auf Wieniec-Wloclawek vorgehen. Den deutschen Kräften gelang es, die Infanterie des feindlichen Korps fast vollständig aufzureiben, die ihm zugeordnete Artillerie zog sich zurück. Bei der Erstürmung von Wloclawek am 12. November wurde die Vorhut des XXV. Reserve-Korps in schwere Kämpfe verwickelt, dabei fiel der Führer der 49. Reserve-Division, General Alfred von Briesen. Es gelang der deutschen 9. Armee, bis zur Bzura durchzustoßen und die Russen bis zum 17. November auf eine Entfernung von 50 Kilometer zu ihrem Versorgungszentrum Łódź zurückzudrängen. General Russki schätzte die Situation an der Front vollkommen falsch ein. Er meinte, das beste Mittel, den deutschen Angriff abzuschlagen, sei der schnellstmögliche Gegenangriff der 1. und 2. Armee auf deutsches Gebiet in Richtung Norden. Entgegen den Befehlen ihres Vorgesetzten gaben die Generale Rennenkampff und Scheideman sämtliche Offensivepläne in Richtung Ostpreußen auf. Die am Südflügel von Lodz stehende 5. Armee unter General Plehwe verstärkte die Südfront von Łódź. Die Russen erreichten die Stadt noch vor den heranrückenden Deutschen und bauten eine starke Verteidigungslinie auf. Somit trafen die Truppen Mackensens nicht auf eine desorganisierte einzelne Armee, sondern auf sechs feindliche Korps. Die russische Heeresleitung hatte um Lodz das 4., 19. und 23. Korps, das 1. und 2. sibirische Korps und das Kavalleriekorps Nowikow mit fast 250.000 Mann konzentriert und war entschlossen, die bedrohte Stadt energisch zu verteidigen.

Russische Konsolidierung[Bearbeiten]

Der Schlüssel zur Abwehr des deutschen Vorstoßes lag in einer Befehlsverweigerung der russischen Armeekommandeure Plehwe und Scheideman. Von Nordosten griff ab 20. November die russische 1. Armee (General Rennenkampff) in die linke Flanke der durchgebrochen deutschen Truppen an. Das XVII. und XX. Armeekorps hatten nördlich Lodz plötzlich drei neue russische Korps vor sich. Das XX. Armee-Korps (Scholz) musste an der Moszcenica bei Strykow wieder Front nach Norden machen und den Gegenangriffen des 1. Korps, des sibirischen 5. und 7. Korps standhalten. Im westlichen Vorfeld von Lodz, zwischen den Flüssen Ner und Bzura, lief derweil auch das deutsche XI. Korps (General der Infanterie Otto von Plüskow) am starken Abwehrriegel der russischen 2. Armee fest.

R. von Scheffer-Boyadel

Entsprechend mäßig fielen die weiteren deutschen Erfolge aus. Am 21. November war Lodz beinahe vollständig umklammert. Im Osten der Stadt gelang es dem XXV. Reserve-Korps (General Reinhard von Scheffer-Boyadel) mit der 49. und 50. Reserve-Division südlich der Stadt zur Miazga durchzubrechen. Drei deutsche Divisionen wurden aber am 22. November durch Gegenstöße des sibirische I. Korps aus dem Osten abgeschnitten und im Süden von Lodz für kurze Zeit eingeschlossen. Das russische 4. Korps konnte das deutsche XX. Korps bei Strykow zurückwerfen und sich zwischen die beiden durchgebrochenen deutschen Korps schieben. Die Verbindung des XXV. Reserve-Korps mit dem XX. Armee-Korps wurde dadurch abgeschnitten. Von Osten her aus Skierniewice drangen die westlich Warschau gesammelten Truppenteile der 1. Armee nach Brzeziny vor. Um nicht selbst mit seinem Korps in Gefangenschaft zu fallen, gab General von Scheffer am 24. November den sofortigen Ausbruchsbefehl. Die Truppen der 3. Gardedivision unter General Karl Litzmann erkämpften sich unter hohen Verlusten über Brzeziny den Rückzug nach Norden. Diesen glimpflichen Ausgang verdankte man allerdings nicht nur der eigenen Leistung sondern auch der Ineffizienz der russischen Armee, die unfähig schien die kleinere deutsche Truppe einzukreisen. Ab dem 25. November verfestigten sich die Fronten und Ludendorff musste einsehen, dass die deutschen Kräfte viel zu schwach angesetzt waren.

Resultat[Bearbeiten]

Der Stab des V. Sibirischen Korps
Der Stab der 8. Armee unter Hindenburg

Nach dem Ende der Kampfhandlungen bot sich ein differenziertes Bild. Beide Seiten hatten starke Verluste erlitten und keiner Seite war es gelungen, ihre strategischen Ziele zu erreichen. Der russische Angriff auf Ostpreußen war in weite Ferne gerückt, da er noch in der Aufbauphase gestört worden war. Das Ziel der deutschen Führung, durch die Eroberung von Łódź eine strategische Sicherung für Ostpreußen zu erhalten und die Eroberung Polens vorzubereiten, wurde aber vorerst noch nicht erreicht. Ludendorff stellte die unentschiedene Schlacht allerdings als großen Erfolg dar. Infolgedessen gelang es ihm, seinem eigentlichen Vorgesetzten von Falkenhayn, dem Chef der OHL, gegen dessen ursprüngliche Entscheidung vier Korps für seine Operationen auf dem östlichen Kriegsschauplatz abzutrotzen.

Die Befehlsverweigerung der drei russischen Generäle hatte zwar eine Katastrophe verhindert, doch war der General Russki nicht willens, dies anzuerkennen. Alle beteiligten Armeeführer wurden nacheinander abgelöst. Am 1. Dezember 1914 wurde bei der 2. Armee General Scheidemann durch General der Infanterie Wladimir Smirnow ersetzt, am 6. Dezember musste Paul von Rennenkampff seine 1. Armee an General der Infanterie Alexander Litwinow abgeben. Zuletzt wurde auch General Plehwe ersetzt, seine 5. Armee wurde ab Januar 1915 von General Alexei Tschurin übernommen.

Allerdings änderte jetzt auch General Russki seine Befehle radikal. Nachdem er während des Geschehens vollkommen auf seine Offensivstrategie fixiert war, ging er nun zur Defensive über. Er argumentierte, dass für einen neuerlichen Angriff erst einmal die Flanke der drei Armeen gesichert werden müsse. Dies sei am besten durch eine Rücknahme der Front bei Łódź durchzuführen, da die Stadt ungünstig gelegen sei. Außerdem machte er Nachschubprobleme für seine Entscheidung verantwortlich. Nach einem neuen deutschen Vorstoß in Richtung auf Lowicz, gaben die Russen daher am 6. Dezember 1914 die Stadt Lodz freiwillig auf, obwohl sie diese vorher so verbissen und erfolgreich verteidigt hatten.

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • John Keegan: Der Erste Weltkrieg. Eine europäische Tragödie, Rowohlt-Taschenbuch-Verlag, Reinbek bei Hamburg 2001. ISBN 3-499-61194-5.
  • Christian Zentner: Der erste Weltkrieg. Daten, Fakten, Kommentare, Moewig, Rastatt 2000. ISBN 3-8118-1652-7.
  • Norman Stone: The Eastern Front 1914-1917, Penguin Books Ltd., London 1998 ISBN 0-14-026725-5.
  • General Friedrich von Bernhardi: Deutschlands Heldenkampf J. Lehmanns Verlag, München 1922, S.120-130

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Schlacht um Łódź – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. Reichsarchiv 6. Band – Der Herbstfeldzug 1914, Berlin 1929, Seite 63–69, Lagekarte Nr. 9 – Die Schlacht bei Kutno.