Kolomyja

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Kolomyja
(Коломия)
Wappen von Kolomyja
Kolomyja (Ukraine)
Kolomyja
Kolomyja
Basisdaten
Oblast: Oblast Iwano-Frankiwsk
Rajon: Kreisfreie Stadt
Höhe: 300 m
Fläche: 40,72 km²
Einwohner: 60.094 (2012)
Bevölkerungsdichte: 1.476 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 77212
Vorwahl: +380 3433
Geographische Lage: 48° 31′ N, 25° 2′ O48.52472222222225.038333333333300Koordinaten: 48° 31′ 29″ N, 25° 2′ 18″ O
KOATUU: 2610600000
Verwaltungsgliederung: 1 Stadt
Bürgermeister: Jurij Owtscharenko
Adresse: пр. Грушевського 1
78200 м. Коломия
Website: http://www.ko.if.ua/
Statistische Informationen
Kolomyja (Oblast Iwano-Frankiwsk)
Kolomyja
Kolomyja
i1

Kolomyja (ukrainisch Коломия; russisch Коломыя, polnisch Kołomyja, deutsch Kolomea, rumänisch Colomeea) ist eine Stadt in der westukrainischen Oblast Iwano-Frankiwsk am linken Ufer des Flusses Pruth. Die Stadt hat 60.094 Einwohner (2012)[1].

Die nördlich der Innenstadt liegende, 1818 von deutschen Siedlern gegründete Siedlung Baginsberg ist heute ein Teil der Stadt.

Geschichte[Bearbeiten]

Rathaus im Stadtzentrum

Gegründet wurde die Stadt vermutlich von Koloman, Fürst von Halicz, um 1200. Erstmals erwähnt wurde der Ort im Jahre 1240.

Die erste Siedlung erhielt unter Kasimir dem Großen (gestorben 1370) das Lokationsprivileg nach Magdeburger Recht. Die Stadt zeichnete sich bereits um 1370 durch ihre ethnische Vielfalt aus. Es kann davon ausgegangen werden, dass seit dem 15. Jahrhundert hier zwei administrativ eigenständige Gemeinden existierten.

Im 14. Jahrhundert wurde die Stadt Teil Polens und infolge dessen durch mehrere Ereignisse bedroht: so kam es zu Überfällen der Tataren aus dem Krimkhanat, das im Jahrhundert zuvor vom Osmanischen Reich unterworfen wurde. Dies und die Überschwemmung der Pruth bewogen die polnische Bevölkerung die Stadt in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts an einen anderen Ort zu verlegen. Damals (im 14 Jh.) gehörte sie zur historischen Region Pokucie, in der Zeit von 1569 bis 1772 Ziemia Halicka (Land von Halicz) genannt, in der Wojewodschaft Ruthenia, einer administrativen Teilungseinheit des Polnisch-Litauischen-Gemeinwesen mit der Hauptstadt Lemberg und dem Landtag in Sądowa Wisznia. Während der Teilung Polens im 18. Jahrhundert fiel die Stadt 1772 bis 1918 an die Habsburgermonarchie. Sie wurde zur Bezirksstadt ernannt und nach 1867 wieder zur Kreisstadt.

Seit dem 18. Jahrhundert bis zum Holocaust entwickelte sich die Stadt als ein großes jüdisches Zentrum mit einem um das Jahr 1900 jüdischem Bevölkerungsanteil von 49,3 %[2]. Die Stadt war ein Zentrum der jüdischen Chassidismus-Bewegung und erlebte zeitgleich eine wirtschaftliche Stagnation. Die Jüdische Gemeinde war seit dem 16. Jahrhundert aktiv; 1939 wurde die jüdische Bevölkerung auf ca. 15.000 geschätzt.

1886 wurde eine Strecke der mit Dampf betriebenen Kolomeaer Lokalbahnen eröffnet, die erst 1967 wieder eingestellt wurde. Die Bahnstrecke wurde gebaut, weil in der Nähe der Stadt eine Erdölquelle entdeckt wurde. Der Platz an der Quelle wurde mit "Sloboda Runhurska" genannt, was soviel wie "Freies Runhurska" bedeutet.

1842 errichtet die Jüdische Gemeinde in Kolomyia die Große Synagoge und auf dem Marktplatz der Stadt entstand 1877 einer der höchsten Rathhaustürme Polens und eine ganze Reiher brächtiger öffentlicher Verwaltungsgebäude.

Nach dem Ersten Weltkrieg war die Stadt kurzzeitig Teil der Westukrainischen Volksrepublik. Die rumänischen Truppen marschierten jedoch am 28. November 1918 in Kolomea und Pokutien ein, nachdem sie die ukrainischen Verbände, die dort aufmarschiert waren, um die Bukowina zu besetzen, aufgefordert hatten, sich in Galizien bis zur Linie Nietwiska – OttyniaNadwórna zurückzuziehen, was diese auch taten. Die Rumänen beherrschten die Stadt und das Gebiet daraufhin für einige Monate.[3][4] Von 1919 bis 1939 war sie unter dem Namen Kołomyja Sitz eines polnischen Powiat innerhalb der Woiwodschaft Stanislau.

Die deutschstämmigen Siedler, die seit dem 19. Jahrhundert in die Stadt und deren Umgebung kamen, wurden 1940 auf Grund des Hitler-Stalin-Paktes nach Deutschland ausgesiedelt. Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde die Stadt am 17. September 1939 von der Sowjetunion und im Sommer 1941 zunächst von ungarischen Truppen und ab August von der deutschen Wehrmacht besetzt. Unter deutscher Besatzung im Distrikt Galizien bestand vom 25. März 1942 bis zum Februar 1943 ein Ghetto, in welchem über 18.000 Juden leben mussten. Über 16.000 Menschen wurden in das Vernichtungslager Belzec deportiert. Im Laufe des Krieges wurde die polnischen Bevölkerung größtenteils vertrieben. Am 28. März 1944 wurde die Stadt durch die Rote Armee von der Besetzung durch das Dritte Reich befreit und nach 1945 Teil der Ukrainischen SSR. Seit der Auflösung der Sowjetunion 1991 gehört sie zur Ukraine.

Heute ist die Stadt ein Eisenbahnknotenpunkt und ein Agrarhandelszentrum, auch für den Handel mit Mitteleuropa.

Museen[Bearbeiten]

Ein Teil der Ausstellung des Heimatmuseums in Kolomyja

In Kolomyja gibt es vier Museen, die Geschichte und Kultur der Stadt und der Region widerspiegeln. Im Einzelnen sind dies das J. Kobrynskyj-Museum der Huzulischen Volkskunst (Musej narodnoho mysteztwa Huzulschtschyny ta Pokuttja im. J. Kobrynskoho, wul. Teatralna 25), das Museum der Ostereierbemalung (Musej pysanskoho rospysu, prosp. W. Tschornowola 43b) und das Stadtgeschichtliche Museum Kolomyjas. Das 1986 gegründete Heimatmuseum "Proswita" in der wul. W. Blawazkoho 2 beruht auf einer Privatinitiative des Eigentümers und einzigen Mitarbeiters, des ehemaligen Biologielehrers Roman Jaworskyj (geb. 1927). Das Museum, das laut eigener Werbung rund um die Uhr zugänglich ist (Jaworskyj bewohnt die untere Etage des Gebäudes), stellt in drei völlig überfüllten Räumen Gegenstände aus den verschiedensten Epochen und Regionen aus, darunter eine große Anzahl von Münzen. Die Mehrzahl der durchgängig nicht mit Annotationen versehenen Exponate sind Gegenstände des Alltags aus der Region.

Denkmäler[Bearbeiten]

Wie in vielen anderen westukrainischen Städten, wurden auch in Kolomyja nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Denkmäler entfernt oder umgewidmet sowie neue für Aktivisten der nationalistischen Organisationen errichtet. Anstelle des Lenindenkmals auf dem Platz der Wiedergeburt (pl. Widrodschennja) befindet sich nun ein sitzender Taras Schewtschenko auf dem alten Sockel. Eine Büste des Dichters befindet sich außerdem im Schewtschenko Park, eine Gedenktafel erinnert darüber hinaus auf dem Schewtschenko-Platz an ein 1914 zerstörtes Denkmal für den "ukrainischen Goethe". Die große Anlage für die Gefallenen des "Großen Vaterländischen Krieges ist nun den im Zweiten Weltkrieg "für die Freiheit der Ukraine gefallenen" Kämpfern (Inschrift) gewidmet - man hat es allerdings versäumt auch die Jahresangaben dieser neuen Ausrichtung anzupassen: Nach wie vor stehen die Zahlen 1941 und 1945 am Eingang der Anlage. Auf den maroden Betonsockeln des früheren Revolutionsdenkmals steht nun ein aus Marmor gehauener Kämpfer der Ukrainischen Aufstandsarmee, die im Zweiten Weltkrieg mit den Deutschen kollaborierte. Eine Büste des Führers der OUN-B, Stepan Bandera, ist auf dem Bahnhofsvorplatz aufgestellt. Ein 1967 errichtetes Mahnmal erinnert an die während der deutschen Besatzung ermordeten Menschen, ohne allerdings zu benennen, dass es sich bei den Toten in erster Linie um Juden gehandelt hat. Eine kleine Gedenkstätte ist den in Afghanistan gefallenen Bewohnern Kolomyjas gewidmet, die namentlich aufgeführt sind. Wie in vielen anderen ukrainischen Städten gibt es auch in Kolomyja ein stark religiös gestaltetes Tschernobyl-Denkmal (Ecke wul. Masepy/wul. W. Blawazkoho).[5]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Demographie[1]
1979 1989 2001 2005 2012
52.146 63.323 61.989 61.210 60.094

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

Die Stadt ist Namensvetter des gleichnamigen ukrainischen Volkstanzes.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kolomyja – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[1] [2] Vorlage:Toter Link/bevoelkerungsstatistik.deBevölkerungszahlen auf World Gazetteer
  2. Magocsi, P. R. (2002): Historical Atlas of Central Europe. Seattle: University of Washington Press. S. 109
  3. Societatea de Științe Istorice și Filologice din Republica Socialistă România: „Magazin istoric“, Band 29, Bukarest 1995, S. 11
  4. Florin Pintescu, Daniel Hrenciuc: „Din istoria polonezilor în Bucovina: 1774-2002“, Verlag Uniunea polonezilor din România, Suceava 2002, S. 100, ISBN 9730027846, 9789730027846
  5. Die Veröffentlichung von Photos von Denkmälern ist laut den Bestimmungen des ukrainischen Urheberrechts, das keine Panoramafreiheit kennt, ohne Genehmigung des jeweiligen Künstlers nicht möglich, daher kann der Artikel in diesem Bereich nicht bebildert werden.