Vlastimil Hort

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VlastimilHort10.jpg
Vlastimil Hort (2010)
Land TschechoslowakeiTschechoslowakei Tschechoslowakei
DeutschlandDeutschland Deutschland
Geboren 12. Januar 1944
Kladno
Titel Internationaler Meister (1962)
Großmeister (1965)
Aktuelle Elo-Zahl 2434 (Oktober 2014)
Beste Elo-Zahl 2620 (Januar 1978)
Karteikarte bei der FIDE (englisch)

Vlastimil Hort (* 12. Januar 1944 in Kladno) ist ein tschechisch-deutscher Schachspieler, der erst für die Tschechoslowakei, seit 1986 für Deutschland gespielt hat.

Leben[Bearbeiten]

Vlastimil Hort, Gewinner der Dortmunder Schachtage 1982.[1]

Hort absolvierte ein Studium mit Schwerpunkt Außenhandel. 1960 in Leipzig nahm er erstmals an einer Schacholympiade teil. 1965 errang er den Titel eines Großmeisters.[2] Beim Interzonenturnier in Sousse 1967 kam Hort auf Rang 6. 1970 wurde er für den Wettkampf UdSSR gegen den Rest der Welt an Brett 4 eingesetzt, er besiegte Lew Polugajewski mit 2,5:1,5. Die Landesmeisterschaft der Tschechoslowakei gewann er 1970, 1971, 1972, 1975, 1977 und 1984. Im Viertelfinale des Qualifikationswettkampfs zur Schachweltmeisterschaft 1978 unterlag Hort 1977 in Reykjavík gegen Boris Spasski knapp mit 7,5:8,5. In der 15. Partie verlor er in klarer Gewinnstellung durch Zeitüberschreitung und konnte diese unglückliche Niederlage in der letzten Partie nicht mehr ausgleichen. Damals gehörte Hort zur Weltspitze, seine beste Platzierung war der sechste Platz, den er 1977 gleichauf mit Lew Polugajewski und Michail Tal belegte.

Hort übersiedelte 1979 nach Deutschland und schloss sich dem Schachbundesligaclub SG Porz an, wo er bis 2001 spielte. Mit Porz wurde er 1979, 1982, 1984, 1994, 1996, 1998, 1999 und 2000 deutscher Mannschaftsmeister. In der Schweizer Nationalliga A spielte er von 2004 bis 2012 für die Schachfreunde Reichenstein, mit denen er 2006 Meister wurde, seit 2013 ist der SK Luzern sein Verein. Er behielt die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft, gewann 1982 das Großmeisterturnier der Dortmunder Schachtage und mit der Tschechoslowakei die Silbermedaille bei der Schacholympiade in Luzern. Hort nahm an insgesamt 14 Schacholympiaden teil, elfmal für die Tschechoslowakei (1960 in Leipzig bis zur Schacholympiade 1984 in Thessaloniki) und dreimal für Deutschland (1988 in Thessaloniki, 1990 in Novi Sad und 1992 in Manila).[3] In der Einzelwertung erhielt er 1972 Silber am ersten Brett und 1962 Bronze an Brett 3. Außerdem nahm Hort zwischen 1961 und 1992 an fünf Mannschaftseuropameisterschaften teil (drei mit der Tschechoslowakei, zwei mit Deutschland), wobei sein größter Erfolg der dritte Platz mit der deutschen Mannschaft 1989 in Haifa war.[4]

Nachdem Hort Ende 1986 die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen hatte, gewann er 1987, 1989 und 1991 die Deutsche Meisterschaft. 2006 wurde er in Mainz Seniorenweltmeister im Chess960. Hort spielt beim Oberhausener Schachverein 1887. Er ist in dritter Ehe verheiratet mit Brigitte Hort und hat einen Sohn Daniel (* 1967). Dieser blieb in der Tschechoslowakei zurück. Hort stellte 1977 in Reykjavík einen Weltrekord im Blindschach auf. Außerdem ist er bis heute (2009) ein sehr guter Simultanspieler; 1985 stellte er bei einer Simultanvorstellung gegen 636 Gegner[5] einen Rekord für das Guinness-Buch auf. Bekannt wurde Hort auch als sehr guter, manchmal humoristischer Kommentator bei den Schachsendungen „Schach der Großmeister“ im Fernsehprogramm des WDR an der Seite von Helmut Pfleger. Nach Hort ist ein System zur Preisgeldverteilung bei Turnieren benannt, das Hort-System.

Publikationen[Bearbeiten]

  • Vlastimil Hort, Vlastimil Jansa: Der beste Zug (1982, ISBN 3-7919-0214-8), eine Sammlung von Teststellungen für das Schachtraining
  • Vlastimil Hort: Begegnungen am Schachbrett. Rau-Verlag, Düsseldorf 1984, ISBN 3-7919-0218-0
  • Vlastimil Hort: Schwarzweisse Erzählungen (belletristisches Werk). Bärenhort Verlag, Köln 1989
  • Meine Partien gegen die Weltmeister (DVD), Chessbase, Hamburg 2008, ISBN 978-3-86681-103-4

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Vlastimil Hort – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dortmunder Schachtage 1982 auf TeleSchach
  2. Willy Iclicki: FIDE Golden book 1924-2002. Euroadria, Slovenia, 2002, S. 75
  3. MEN'S CHESS OLYMPIADS - Hort, Vlastimil auf Olimpbase (englisch)
  4. Vlastimil Horts Ergebnisse bei Mannschaftseuropameisterschaften auf olimpbase.org (englisch)
  5. Meldung auf tec-darmstadt.net