Kloster Gengenbach

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Dieser Artikel beschreibt das Kloster Gengenbach es ist nicht zu verwechseln mit der Klostergemeinschaft der Gengenbacher Franziskanerinnen, dieses befindet sich seit 1886 im Mutterhaus der Franziskanerinnen
Stadtkirche von Gengenbach

Das Kloster Gengenbach war ein Benediktinerkloster in der freien Reichsstadt Gengenbach im heutigen Ortenaukreis im Bundesland Baden-Württemberg. Das Kloster besaß im hohen und späten Mittelalter ein Skriptorium und eine Buchbinderei, das berühmte Gengenbacher Evangeliar stammt aus der 1. Hälfte des 12. Jahrhunderts. Frühneuzeitlich ist die Gengenbacher Lateinschule.

Geschichte[Bearbeiten]

Am Rande des Schwarzwaldes, am Ausgang des Kinzigtales gründete der Abtbischof Pirmin († 753) irgendwann nach seiner Vertreibung von der Reichenau (727) mit Unterstützung des fränkischen Grafen Ruthard auch auf Reichsgut das Kloster Gengenbach. Besiedelt mit Mönchen aus dem lothringischen Gorze, wuchs der Konvent im 9. Jahrhundert bis auf 100 Mitglieder an. Die Beziehungen zu den karolingischen Herrschern sicherten dem Kloster den Status einer Reichsabtei. 1007 schenkte König Heinrich II. (1002–1024) Gengenbach seinem neu gegründeten Bistum Bamberg, die Mönchsgemeinschaft wurde bischöfliches Eigenkloster, das laut einer Urkunde Papst Innozenz’ II. (1130–1143) über freie Abts- und Vogtwahl sowie über königliche „Freiheit“ (libertas) verfügte (1139).[1] Im Investiturstreit stand Gengenbach auf der Seite der deutschen Herrscher, mit dem Bamberger Reformkloster Michelsberg war es über seine Äbte Poppo († 1071), Ruotpert († 1075) und Willo († 1085) verbunden. Willo wurde von Anhängern der gregorianischen Reformpartei zeitweise aus Gengenbach vertrieben, dasselbe geschah mit seinem Nachfolger Hugo I. (1080/90er-Jahre). Gegen 1117 veranlassten der St. Georgener Abt Theoger (1088–1119) und Bischof Otto I. von Bamberg (1102–1139) in Gengenbach eine Klosterreform im Hirsauer bzw. St. Georgener Sinne. Dem entsprach es, dass 1120 nach dem Abbruch der alten eine neue Klosterkirche entstand.

Die Stellung als Reichsabtei verdankte das spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Gengenbacher Kloster der Schirmvogtei der deutschen Herrscher, die ein wichtiger Bestandteil der Ortenauer Reichslandvogtei, eingerichtet unter König Rudolf von Habsburg (1273–1291), gewesen war. Doch blieb die Reichslandvogtei zumeist (bis 1551/56) an angrenzende Landesherren verpfändet. Zuvor waren die Herzöge von Zähringen Gengenbacher Klostervögte gewesen, dann (1218) die staufischen Könige, schließlich (1245) die Straßburger Bischöfe.

Im Umfeld der Mönchsgemeinschaft formte sich im hohen Mittelalter der Klosterort Gengenbach zur Stadt (opidum; 1231) aus. Unter Abt Lamprecht von Brunn (1354–1374), dem Kanzler Kaiser Karls IV. (1347–1378), wurde Gengenbach Reichsstadt (1360), wobei der Reichsschultheiß vom Klosterleiter zu ernennen war. Lambert, der Bischof von Brixen (1363–1364), Speyer (1364–1371), Straßburg (1371–1374) und Bamberg (1374–1399) war, reorganisierte die Wirtschaftsverhältnisse der Abtei, setzte sich gegen die benachbarten Herren von Geroldseck durch und führte in der Stadt die Zunftverfassung ein. Obwohl die geistliche Gemeinschaft der benediktinischen Ordensprovinz Mainz-Bamberg angegliedert war, erreichten in der Folgezeit Reformimpulse Gengenbach nicht. Im Kloster des 15. Jahrhunderts herrschte eine weltlich-stiftische Lebensweise adliger Konventualen vor, der Zugang zur Gemeinschaft wurde Nichtadligen verwehrt (1461). Doch scheiterte die Umwandlung in ein Chorherrenstift ebenso wie die Einführung der Bursfelder Reform zu Beginn des 16. Jahrhunderts. In der Folge des Übertritts der Stadt Gengenbach zum lutherischen Glauben (1525) geriet auch das Kloster in Gefahr, protestantisch zu werden. Im Zuge des Augsburger Interims (1548) blieb die Mönchsgemeinschaft indes katholisch, und auch die Stadt kehrte zum alten Glauben zurück. Das Kloster sollte noch bis zu seiner Säkularisation bestehen bleiben; 1803/1807 wurde Gengenbach, Stadt und (Reichs-) Abtei, badisch.

Der in Gengenbach umstrittene Abt-Coadjutor Graf Anton von Salm[2] wurde letzter Abt des Klosters Hornbach und rettete dort 1558 die Gebeine des gemeinsamen Stifters St. Pirminius.[3][4]

Seit 1978 befindet sich die Fakultät Betriebswirtschaft und Wirtschaftsingenieurwesen (B+W) der Hochschule Offenburg in den Klostergebäuden.[5]

Besitztümer[Bearbeiten]

Aufbauend auf Gründungsgut im Kinzigtal, entstand im Verlauf des frühen und hohen Mittelalters die Grundherrschaft des Klosters Gengenbach, die sich entlang der unteren und mittleren Kinzig, in der Ortenau, aber auch im Neckargebiet ausdehnte und auf Eigenwirtschaft und Fronhofsverwaltung (Dinghofverfassung) ausgerichtet war. Siedlungen einer ersten Rodungsstufe (bis 1139) entlang des Kinzigtals besitzen seit dem hohen Mittelalter die Dreifelderwirtschaft, Orte einer zweiten Rodungsphase (bis 1287) liegen in den Seitentälern des Kinzigtals und zeichnen sich durch eine geschlossene Hofwirtschaft aus. Patronatsrechte an der Martinskirche in Gengenbach, an den Pfarrkirchen in Biberach (Baden), Steinach, aber auch in Niedereschach u. a. kamen hinzu, ebenso die Wallfahrtskapelle St. Jakob auf dem Bergle bei Gengenbach, die 1294 geweiht wurde. Die Kirchen sind teilweise dem Kloster inkorporiert worden. Päpstliche (1139, 1235, 1252, 1287) und kaiserliche Besitzbestätigungen (1309, 1331, 1516) sollten der Abtei Güter und Rechte sichern helfen.

Klosterkirche/Stadtkirche[Bearbeiten]

Innenraum mit Altar

Die Klosterkirche, die ab 1120 errichtet wurde, orientierte sich an der Hirsauer Bauschule: eine dreischiffige Basilika mit Querhaus, einem Haupt- und je zwei Nebenchören und -konchen. Der Chorraum wurde 1398/1415 gotisch umgebaut, ein Westturm kam im späten Mittelalter hinzu, 1690/1722 wurde die Kirche barock umgebaut und instand gesetzt, 1892/1906 unter dem Freiburger Architekten Max Meckel neuromanisch umgestaltet. Der Prospekt der Orgel wurde (wie auch der Hauptaltar) von Max Meckel entworfen und von Schwarz in Überlingen in Zusammenarbeit mit dem Freiburger Bildhauer Joseph Dettlinger gefertigt. Die Orgel gilt als „zweitgrößte Romantikorgel Badens“.[6]

Äbte von Gengenbach[Bearbeiten]

  • Rustenus (8. Jh.)
  • Burkhard, Leutfried, Cosman, Anselm, Gauthier, Volmar, Otho, Benno, Rado, Ammilo (?)
  • Alfram (-ca. 820)
  • Germunt (ca. 826)
  • Lando (ca. 840)
  • Dietrich I., Dietrich II., Gottfried I., Walther I., Walther II. u.a. (?)
  • Reginald (vor 1016–1028)
  • Rusten (1028–1034)
  • Berthold I. (-1052)
  • Bruning (-1065)
  • Poppo (-1071)
  • Acelinus (-1074)
  • Ruotpert (-1075)
  • Willo (-1085)
  • Hugo I. (1089, 1096)
  • Friedrich I. (vor 1109–1120)
  • Gottfried II. (vor 1140–1162)
  • Anselm (-1147?)
  • N.N. (-1173)
  • Friedrich II. (-1182)
  • Landofrid (-1196)
  • Salomon (-1208)
  • Gerbold (1210)
  • Eggenhard (-1218)
  • Gottfried III. (1218–1237)
  • Walther III. (1237–1248)
  • Dietrich III. (1248–1263?)
  • Hugo II. (1263?-1270?)
  • Gottfried IV. (1270?-1276)
  • Berthold II. (1276–1297)
  • Gottfried V. (1296)
  • Berthold III. (1297–1300)
  • Dietrich IV. (1300–1323)
  • Albero (1323–1324)
  • Walther IV. (1324–1345)
  • Berthold IV. (1345–1354)
  • Lambert von Brunn (1354–1374)
  • Stephan von Wilsberg (1374–1398)
  • Konrad von Blumberg (1398–1415)
  • Berthold V. Mangolt-Venser (1416–1424)
  • Egenolf von Wartenberg (1424–1453)
  • Volzo von Neuneck (1454–1461)
  • Sigismund von Neuhausen (1461–1475)
  • Jakob von Bern (1475–1493)
  • Beatus II. von Schauenburg (1493–1500)
  • Konrad von Mülnheim (1500–1507)
  • Philipp von Eselsberg (1507–1531)
  • Melchior Horneck von Hornberg (1531–1540)
  • Friedrich von Keppenbach (1540–1555)
  • Gisbert Agricola (1556–1586)
  • Johann Ludiwig Sorg (1586–1605)
  • Georg Breuning (1605–1617)
  • Johann Caspar Liesch (1617)
  • Johann Demler (1617–1626)
  • Jakob Petri (1626–1636)
  • Erhard Marx (1636–1638)
  • Columban Meyer (1638–1660)
  • Roman Suttler (1660–1680)
  • Placidus Thalmann (1680–1696)
  • Augustinus Müller (1696–1726)
  • Paulus Seeger (1726–1743)
  • Benedikt Rischer (1743–1763), Sohn des Kurpfälzer Baumeisters Johann Jakob Rischer
  • Jakob Trautwein (1763–1792)
  • Bernhard Maria Schwörer (1792–1803/07)

Literatur[Bearbeiten]

  • Udo Hildenbrand (Hrsg.): Benediktinerabtei und Reichsstadt Gengenbach.
    • Band 1, Winfried Lederer: Äbte und Mönche der Abtei: Leben und Wirken, 727 - 1807. Lindenberg, Kunstverl. Fink, 2007. ISBN 978-3-89870-441-0
  • Udo Hildenbrand: Bilder künden Gottes Heil: die künstlerische Ausstattung von St. Marien in Gengenbach; betrachtet - gedeutet - dokumentiert. Lindenberg : Kunstverl. Fink, 1998. ISBN 3-931820-97-1
  • Michael Buhlmann: Benediktinisches Mönchtum im mittelalterlichen Schwarzwald. Ein Lexikon. Vortrag beim Schwarzwaldverein St. Georgen e.V., beim Verein für Heimatgeschichte St. Georgen und bei den St. Georgener Klosterspuren 2004. St. Georgen im Schwarzwald, 10. November 2004 (= Vertex Alemanniae, H.10), [erscheint 2004]
  • Otto Kähni; Herwig John (Bearb.): Gengenbach, in: Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, Bd.6: Baden-Württemberg, hg. v. Max Miller u. Gerhard Taddey (= Kröner Tb 276), Stuttgart 2. Aufl. 1980, S. 247f
  • Karlleopold Hitzfeld (Bearb.): Gengenbach, in: Die Benediktinerklöster in Baden-Württemberg, bearb. v. Franz Quarthal (= Germania Benedictina, Bd.5), Ottobeuren 1976, S. 228-242
  • Klaus Schubring: Kloster Gengenbach und sein Besitz in Irslingen - Untersuchung einer Rechtsquelle. In: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte. 43. Jahrgang, 1984

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stephan Molitor: Das Privileg Papst Innozenz' II. für Kloster Gengenbach von 1139 Februar 28 (JL. 7949). In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 141 (1993) S. 359-373.
  2. Webseite zur Geschichte von Gengenbach, mit mehrfacher Erwähnung Antons von Salm
  3. Franz Maier: Der Heilige Pirmin und seine Memoria in der Pfalz, in: Klaus Herbers, Peter Rückert: Pilgerheilige und ihre Memoria, 2012, Seite 158, ISBN 3-8233-6684-X; Digitalscan
  4. Webseite mit Informationen zu den Pirminiusreliquien und Erwähnung der Grafen Salm und Helfenstein
  5. Fakultät Betriebswirtschaft und Wirtschaftsingenieurwesen. Abgerufen am 24. Dezember 2014.
  6.  Werner Wolf-Holzäpfel: Der Architekt Max Meckel 1847–1910. Studien zur Architektur und zum Kirchenbau des Historismus in Deutschland. Josef Fink, Lindenberg 2000, ISBN 3-933784-62-X., S. 212 ff.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kloster Gengenbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.40428.0171Koordinaten: 48° 24′ 15″ N, 8° 1′ 2″ O