Gengenbach

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel befasst sich mit der Stadt Gengenbach in Baden-Württemberg. Für weitere Bedeutungen siehe Gengenbach (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Gengenbach
Gengenbach
Deutschlandkarte, Position der Stadt Gengenbach hervorgehoben
48.4052777777788.0130555555556175Koordinaten: 48° 24′ N, 8° 1′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Freiburg
Landkreis: Ortenaukreis
Höhe: 175 m ü. NHN
Fläche: 61,91 km²
Einwohner: 10.666 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 172 Einwohner je km²
Postleitzahl: 77723
Vorwahl: 07803
Kfz-Kennzeichen: OG, KEL, LR, WOL
Gemeindeschlüssel: 08 3 17 034
Adresse der
Stadtverwaltung:
Hauptstraße 17
77723 Gengenbach
Webpräsenz: www.stadt-gengenbach.de
Bürgermeister: Thorsten Erny
Lage der Stadt Gengenbach im Ortenaukreis
Ill (Elsass) Ill (Elsass) Frankreich Landkreis Rastatt Baden-Baden Landkreis Calw Landkreis Emmendingen Landkreis Freudenstadt Rheinau (Baden) Lauf (Baden) Sasbach Landkreis Rastatt Landkreis Rottweil Schwarzwald-Baar-Kreis Achern Achern Achern Appenweier Bad Peterstal-Griesbach Berghaupten Biberach (Baden) Durbach Ettenheim Fischerbach Friesenheim (Baden) Gengenbach Gutach (Schwarzwaldbahn) Haslach im Kinzigtal Hausach Hofstetten (Baden) Hohberg Hornberg Kappel-Grafenhausen Kappel-Grafenhausen Kappelrodeck Willstätt Kehl Kehl Kippenheim Kippenheim Kippenheim Lahr/Schwarzwald Lauf (Baden) Lauf (Baden) Lautenbach (Ortenaukreis) Mahlberg Mahlberg Mahlberg Meißenheim Mühlenbach (Schwarzwald) Neuried (Baden) Nordrach Oberharmersbach Oberkirch (Baden) Oberkirch (Baden) Oberkirch (Baden) Oberkirch (Baden) Oberwolfach Offenburg Ohlsbach Oppenau Ortenberg (Baden) Ottenhöfen im Schwarzwald Renchen Renchen Ringsheim Ringsheim Rust (Baden) Rheinau (Baden) Rheinau (Baden) Rheinau (gemeindefreies Gebiet) Sasbach Sasbach Sasbach Sasbachwalden Schuttertal Schutterwald Schwanau Seebach (Baden) Seelbach (Schutter) Steinach (Ortenaukreis) Willstätt Willstätt Wolfach Zell am Harmersbach RheinKarte
Über dieses Bild

Gengenbach ist eine Stadt im Ortenaukreis in Baden-Württemberg.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Gengenbach liegt an der Kinzig im unteren Kinzigtal auf 175 Meter über NN am Rande des mittleren Schwarzwalds. Der höchste Punkt der Gemarkung ist der Mooskopf mit 875 Meter Höhe. Durch den Ort fließt die Haigerach.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Zur Stadt Gengenbach gehören die ehemals selbstständigen Gemeinden Bermersbach, Reichenbach und Schwaibach, diese bilden Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzender.

Zur ehemaligen Gemeinde Bermersbach gehören die Höfe Bermersbach, das Dorf Fußbach mit dem Brandenhof, den Gehrenhöfen, das Dorf Strohbach mit dem Strohnhof und der Weiler Wingerbach. Zur Stadt Gengenbach in den Grenzen vom 31. Dezember 1970 gehört die Stadt Gengenbach. Zur ehemaligen Gemeinde Reichenbach gehören das Dorf Reichenbach, die Höfe Binzmatte, Haigerach, Höllhof, Hohgrund, Mittelbach, Mooshof, Pfaffenbach, Schlehwald, Schwärzenbach und Sondersbach und die Wohnplätze Gaishut und Sägmühle. Zur ehemaligen Gemeinde Schwaibach gehören die Höfe Schwaibach, Dantersbach und Hüttersbach, die Weiler Bergach und Schönberg, der Wohnplatz Einach und der Ort Bermersbach. Im Stadtteil Bermersbach liegen die abgegangenen Ortschaften Beigern und Bransbach, in die Stadt Gengenbach aufgegangen sind die Ortschaften Brückenhäuser und Castelberg, in Reichenbach aufgegangen sind die Ortschaften Grube und Schnaiberg und im Stadtteil Schwaibach liegt die abgegangene Ortschaft Hetzental.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Gengenbach im Schwarzwald
Gengenbach bei Nacht

Eine Siedlung im Stadtgebiet in der Römerzeit ist durch einen 1974 entdeckten und im 2. Jahrhundert n. Chr. betriebenen Ziegelbrennofen belegt, der wahrscheinlich zu einem römischen Gutshof gehörte.[3]

Im Umfeld des Benediktinerklosters Gengenbach bildete sich aus einer bäuerlichen Ansiedlung mit grundherrschaftlichem Markt im Verlauf des hohen Mittelalters die Stadt Gengenbach aus. Zu 1231 ist das opidum Gengenbach erstmals belegt, 1366[4] wurde Gengenbach Reichsstadt. Das reichsstädtische Territorium umfasste die Dörfer Reichenbach, Schwaibach, Ohlsbach und Bermersbach als „Landstäbe“. Seit 1500 gehörte der Ort zum Schwäbischen Reichskreis. Pfarrkirche war bis 1803 die Martinskirche außerhalb des Mauerrings, von dem Schwedenturm, Obertor, Kinzigtor und Niggelturm (14. bis 16. Jahrhundert) erhalten geblieben sind.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Stadt belagert und verwüstet. Am 1. März 1643 wurde in der Nähe der Stadt eine reitende Abteilung der Weimarischen Armee gesichtet, welche unter dem Kommando Bernhards von Weimar ihr Lager aufschlug. Selbiger Reitertrupp wurde von einer von Offenburg kommenden 100 Mann starken Kavallerie-Einheit (unter Oberstleutnant Beysinger) das Kinzigtal hinauf bis kurz vor Haslach gejagt. In Haslach lagerte allerdings eine andere Abteilung der Weimarischen Armee. Diese nahm die 100 Mann Beysingers gefangen, während Letzterer entkommen konnte. Am 2. März 1643 begann eine ca. 1000 Mann starke Kavallerieeinheit der Schweden (unter Obrist Roßwurm) mit der Belagerung Gengenbachs. Am 3. März folgte der Rest der Armee unter dem Oberkommando des General Graf von Guebriant, welcher die Wehranlagen mit Artillerie beschießen ließ. Der General zwang den Kommandanten der Wehranlagen, Michael Schöffen, zum Abzug, der dies auch sofort tat, auf Grund einer Geiselnahme des Generals. Als die 70 Soldaten Schöffels abgezogen waren, ließ Guebriant seine schottischen Söldner die Stadt plündern. Mehrere Türme und Abschnitte der Wehrmauer wurden gesprengt.

Der Pfälzische Erbfolgekrieg (1688–1697) führte zur fast völligen Zerstörung Gengenbachs.

1803 wurde die Stadt dem Großherzogtum Baden eingegliedert. Sie wurde zunächst Sitz des Amtes Gengenbach, das 1872 dem Bezirksamt Offenburg (ab 1939: Landkreis Offenburg) zugeschlagen wurde. Seit 1973 gehört sie zum Ortenaukreis.

Stadtkirche von Gengenbach

Die Reichsschultheißen bis 1810[Bearbeiten]

  • 1240 Reimboldus (wahrscheinlich aus dem Geschlecht der Sweipach)[5]
  • 1265 Johannes (vermutlich ebenfalls Sweipach)
  • 1291 Bertholdus, Ritter (sehr wahrscheinlich ebenfalls Sweipach)
  • 1306 Berthold Haberstroh
  • 1331 Johann, Ritter genannt von Sweipach
  • 1336 Hermann, Edelknecht vom Freihof Oberschopfheim
  • 1344 Johannes Sweipach, Ritter aus Schwaibach
  • 1346 Berthold von Grebern aus der freien Reichsstadt Zell
  • 1354 Berthold v. Schneyt aus Steinach
  • 1360 Johannes Sweipach aus Schwaibach
  • 1363 Wilhelm v. Buren, Edelknecht aus dem Elsaß, Bruder des gleichzeitigen Abtes
  • 1382 Michael
  • 1390 Reimbold v. Tunzenheim, zuvor Lehensmann auf Hohenberg (Durbach)
  • 1396 Cunz v. Bärenbach von der Bärenburg im Renchtal
  • 1406 Andreas Manegolt aus der Zeller Herrschaft
  • 1428 Junker Erasmus v. Harmersbach
  • 1437 Egnolf v. Waltstein von Fischerbach
  • 1443 Balthasar v, Wartenberg genannt v. Wildenstein, Berghaupten
  • 1461 Hans Stollen v. Staufenburg aus Durbach
  • 1470 Hans Meyger vom Fußbacher Freihof
  • 1477 Wilhelm von Landeck
  • 1483 Erasmus v. Harmersbach
  • 1491 Jacob Schawenburg aus dem Berghauptener Lehen
  • 1497 Obrecht v. Berwangen
  • 1498 Wolf Dietrich v. Hornberg, Schultheißen-Amtsverweser
  • 1499 Balthasar v. Brandeck vom Freihof in Ohlsbach
  • 1520 Trudbrecht v. Krotzingen
  • 1525 Gabriel Rebstock aus einem Gengenbacher Geschlecht
  • 1527 Hans v. Hornberg (vom Freihof im Mittelbach)
  • 1550 Hans Marschalk v. Zimbern
  • 1557 Klaus Marschalk v. Zimbern
  • 1573 Junker Schöner v. Stubenbach
  • 1583 Hans Dietrich v. Hornberg (Sohn von Hans v. Hornberg)
  • 1587 Eberhart Holdermann v. Holderstein (Berghauptener Lehen)
  • 1593 Junker Balthasar v. Brandeck, Ohlsbacher Geschlecht
  • 1598 Hans Philipp v. Kippenheim
  • 1599 Junker Wolf Dietrich v. Hornberg
  • 1615 Johann Andreas Wurmbser v. Fendenheim, Meißenheimer Freihof
  • 1624 Wolf Dietrich v. Hornberg (Sohn von Hans Dietrich)
  • 1628 Joh. Pleyer von und zu Ramstein (aus Fußbach)
  • 1633 Junker Joh. Ludwig Wurmbser aus Gengenbach (Sohn von Johann Andreas)
  • 1646 Andreas Schaidt von Hornberg
  • 1654 Andreas Schnait aus der freien Reichsstadt Zell
  • 1662 Johann Erhard Kuelbronn, beider Rechte Doctor
  • 1668 Martinus Pistorius aus Gengenbach
  • 1679 Johann Konrad Bischler aus Gengenbach
  • 1686 Johann Bender aus Gengenbach
  • 1694 Georg Friedrich Dornblüth aus Gengenbach
  • 1703 Johann Bender aus Gengenbach
  • 1705 Georg Friedrich Dornblüth aus Gengenbach
  • 1718 Johannes Bender aus Gengenbach
  • 1721 Johann v. Bender aus Gengenbach
  • 1740 Joachim v. Bender aus Gengenbach
  • 1752 Johann v. Bender aus Gengenbach
  • 1761 Franz Karl Rienecker aus Offenburg
  • 1771 Anton Seger aus Gengenbach
  • 1781 Victor Kretz, Schultheißen-Amtsverwalter
  • 1786 Franz Anton Rienecker aus Gengenbach

Religionen[Bearbeiten]

1525 wurde Gengenbach protestantisch, kehrte aber 1547/48 zum katholischen Glauben zurück. In der Stadt befindet sich das Mutterhaus der Franziskanerinnen vom Göttlichen Herzen Jesu, ein Orden, der in Deutschland mehrere soziale Einrichtungen betreut und in Südamerika in der Mission tätig ist. Im Vorstadtgebiet wurde eine muslimische Moschee (Schwarzwald-Moschee) errichtet.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Wappen der Ortsteile[Bearbeiten]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahlen in Baden-Württemberg 2014 führten zu folgendem Ergebnis:

Partei / Liste Sitze
CDU 9
Grüne Liste Gengenbach 6
SPD 4
Freie Wähler Gengenbach 3

Bürgermeister[Bearbeiten]

  • 1810: Leopold Wolf, Oberbürgermeister[6]
  • 1822: Karl Quintenz (Amtsverweser)
  • 1823: Matthias Usländer
  • 1832: Karl Schmidt
  • 1838: Georg Kretz (Amtsverweser)
  • 1838: Franz Wolf
  • 1845: Ferdinand Erhard
  • 1848: Franz Wolf
  • 1848: Gregor Ernst (Amtsverweser)
  • 1849: Franz Fidel Kaiser (Amtsverweser)
  • 1851: Eduard Stein
  • 1863: Franz Abel
  • 1875: Josef Wetterer
  • 1878: Josef Isenmann
  • 1898: August Herb
  • 1921: Eduard Mack
  • 1933: Dr. Ritter (Amtsverweser)
  • 1935: Franz Geiger
  • 1939: Anton Hägele
  • 1945: Julius Bruder sen. (Amtsverweser)
  • 1945: Eduard Mack
  • 1946: Erhard Schrempp (CDU)
  • 1971: Otto Fellhauer (SPD)
  • 1980: Jürgen Eggs
  • 1996: Michael Roschach
  • seit 2011 Thorsten Erny

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Seit 1958 besteht eine Partnerschaft mit Obernai im Elsass.

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Stadtwappens lautet: „In Silber ein rotbezungter, schwarzer Adler, belegt mit einem roten Herzschild, darin ein gekrümmter silberner Gangfisch.“

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Gengenbach ist Ausgangspunkt des Schwarzwald-Querweg Gengenbach–Alpirsbach und liegt am Kinzigtäler Jakobusweg und am Kandelhöhenweg, die jeweils an vielen Sehenswürdigkeiten vorbei führen.

Museen[Bearbeiten]

  • Flößerei- und Verkehrsmuseum
  • Museum Haus Löwenberg
  • Narrenmuseum im Niggelturm
  • Kunst- und Paramentenmuseum im Mutterhaus der Franziskanerinnen
  • Wehrgeschichtliches Museum im Kinzigtor

Gedenkstätten[Bearbeiten]

  • Am Städtischen Verkehrsamt, dem Alten Kaufhaus auf dem Marktplatz, erinnert seit 1986 eine Gedenktafel an die Jüdische Gemeinde Gengenbach, die hier bis zu ihrer Auslöschung ihre Gottesdienste hielt[7].
  • Das Hermann-Maas-Gemeindezentrum ehrt mit diesem Namen einen protestantischen Pastor, der in der NS-Diktatur zahlreiche Juden vor der Verfolgung schützte.[8]

Waldschulheim[Bearbeiten]

  • Gengenbach besitzt ein Waldschulheim, das „Höllhof“ heißt.

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Gengenbach hat sich eine historische Türmesilhouette bewahrt, gebildet von zwei Kirchtürmen und fünf Türmen der einstigen Stadtbefestigung
  • Die Jakobuskapelle („Bergle“) auf einer Anhöhe über der Stadt – ein im Kinzigtal weithin sichtbares Wahrzeichen Gengenbachs
  • Historische Altstadt mit vielen Fachwerkhäusern
  • Reste der Stadtbefestigung: Schwedenturm, Prälatenturm, Obertor, Kinzigtor und Niggelturm (14. bis 16. Jahrhundert)
  • Die Engelgasse (bis 1877 Judengasse genannt, weil dort die Gengenbacher Juden wohnten), leicht geschwungene Fachwerkgasse. Reste der Stadtmauer dienen den Häusern als Rückwand
  • Stadtkirche mit bedeutenden Resten des ehemaligen Klosters Gengenbach
  • Sankt Martinskirche, bis zur Aufhebung des Klosters die Pfarrkirche („Leutkirche“), im Stil ruhiger Landgotik, außerhalb der ehemaligen Befestigung gelegen
  • Alte Kanzlei (1699)
  • Löwenbergsches Haus
  • Haus der Thurn und Taxisschen Post
  • Das Rathaus, erbaut 1784 von Viktor Kretz, ein Werk des Frühklassizismus in Baden (ein barocker „Nachhall“ ist noch erkennbar)
  • Kauf- und Kornhaus, erbaut 1699 im Stil der Renaissance.
  • Scheffelhaus, Wohnhaus von Magnus Scheffel, dem Großvater des Dichters Victor von Scheffel. Magnus Scheffel war der letzte Oberschaffner der Benediktinerabtei.
  • Färberhaus, Fachwerkhaus von 1747. Es zeigt ein offenes, hervorragendes Dachgeschoss, in dem die Stoffe getrocknet wurden. Ein Teil der Stadtmauer dient wie in der Engelgasse als Rückwand, ebenfalls auch der Nachbarhäuser.
  • Stadtbrunnen mit Ritterfigur (Figur 1975 durch eine Kopie ersetzt, Original von 1582 im Museum Haus Löwenberg)
  • Großer Narrenbrunnen im Winzerhof von Bildhauer Friedhelm Zilly[9]
  • Kinzigtalstadion, Sportplatz mit Blick auf die Kapelle

Fasend[Bearbeiten]

Gengenbacher Hexe
Spättlehansel beim „Schnurren“ in einem Gengenbacher Gasthaus

Gengenbach ist eine Hochburg der schwäbisch-alemannischen Fastnacht, die dort „Fasend“ genannt wird. Bereits in dem zwischen 1460 und 1480 entstandenen Gengenbacher Stadtbuch wird das Tragen von "Fastnachtskleidern" am Aschermittwoch bei Strafe verboten.[10] 1499 nahmen einige Gengenbacher Bürger in der Fasendzeit den größten Feuerhaken von der Stadtmauer ab, bemalten und schmückten ihn und zogen damit vermummt durch die Stadt.[11] Bis ins 18. Jahrhundert hinein blieb die Fasend offiziell verboten.[12] Im 19. Jahrhundert entwickelte sich schließlich ein reges Fasendbrauchtum. 1875 wird der "Fidele Narrenverein" erstmals erwähnt, 1896 gründete sich der "Faschingsverein Humor", der in der Folgezeit große Fasendspiele zur Aufführung brachte, beispielsweise am Fasendmontag 1897 das historische Festspiel "Die Verleihung der bürgerlichen Freiheiten und Rechte durch Kaiser Karl IV. an die Stadt Gengenbach 1347".[13]

Ende des 19. Jahrhunderts lässt sich auch erstmals eine maskierte Gengenbacher Hanselfigur nachweisen, die auf Fotos aus dem Jahre 1897 zu erkennen ist und eine spitze Gugelkappe trug.[14]

1925 wurde die Narrenzunft Gengenbach e. V. 1499 gegründet, die Mitglied in der Vereinigung Schwäbisch-Alemannischer Narrenzünfte (VSAN) ist. Die Narrenzunft ist mit 1.205 Mitgliedern der größte Verein der Stadt (Stand November 2013).[15] Die Gengenbacher Hexe wurde Mitte der 1930er Jahre eingeführt und gilt zusammen mit der Offenburger Hexe als älteste Fastnachtshexe überhaupt. 1938 gesellte sich die nur von Frauen verkörperte Narrenfigur des Spättlehansel der Männern vorbehaltenen Hexe hinzu. Die Hexen und Spättle ziehen insbesondere an den Abenden von Fasendsamstag und -sonntag durch die Wirtshäuser der Stadt und unterhalten Gengenbacher und Gäste mit „Schnurren und Schnaigen“. Bei diesem traditionellen Rügebrauch lesen die Maskenträger den nicht-vermummten Narren in hoher, verstellter Stimme die Leviten („schnurren“) und stehlen dann etwas vom Teller oder aus dem Glas („schnaigen“).[16] 2014 waren in Gengenbach 180 Hexen und 162 Spättle aktiv.[15]

Neu in die Zunft aufgenommene Hexen nehmen beim großen Umzug am Fasendsonntag als wüster Lumbehund teil, der als älteste Gengenbacher Fasendsfigur gilt und in den letzten Jahren wiederbelebt wurde. Einzelfiguren der Gengenbacher Narrenzunft sind der Gengenbacher Schalk und der Bott (Narrenbüttel). Jungen und Mädchen nehmen als Klepperlisbuben und Klepperlismaidli an der Fasend teil. Der Name rührt von ihrem stets mitgeführten Instrument „Klepperli“, einer Art Kastagnetten. Die Zunft wird durch den Narrenrat und die Trachtengruppe der Alt-Gengenbacherinnen repräsentiert.

Weitere Gengenbacher Fasendgruppen die Narrenzunft Backstein und Matrazenbourg 1953 mit den Figuren Binzmatthansel und Hund und die Ewerderfler Narrengemeinschaft (aus dem Gengenbacher Oberdorf) mit ihrer Narrenfigur Rotzlöffel sowie die Narrenzunft Höllteufel 1971 im Ortsteil Reichenbach, die Narrenzunft Bergwalddeifel im Ortsteil Schwaibach und die Narrengemeinschaft Strohhansel im Ortsteil Strohbach mit den Narrenfiguren Strohhansel, s’Unkrut und der Einzelfigur Schierewächter. Auch andere Vereine und Gruppen in Gegenbach veranstalten eigene Fasendsabende („Turnerfasent“, „Kolpingfasend“, „Pfarrfasend“).

Das Narrenmuseum im Niggelturm zeigt auf sieben Stockwerken Masken, Narrenkleider und Dokumente zur Geschichte der Gengenbacher Fasend.

Weitere regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Alljährlich verwandelt sich das Gengenbacher Rathaus im Advent zum weltgrößten „Adventskalenderhaus“.
  • Alle zwei Jahre wird die Hermann-Maas-Medaille von der evangelischen Kirchengemeinde Gengenbach an Personen, Gruppen und Institutionen, die sich um die Völkerverständigung im ökumenischen Sinne verdient gemacht haben, verliehen.
  • Konzertreihe in den Gengenbacher Kirchen.
  • Immer am 3. Wochenende im September findet auf dem Marktplatz der Stadt das traditionelle Stadt- und Weinfest statt.
  • Martinimarkt (zweitägiger Jahrmarkt) im November
  • Nachtwächterrundgänge

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Gengenbach ist ein Weinbauort. Die Lagen gehören zur Weinbauregion Ortenau im Weinbaugebiet Baden. An Rebsorten werden u.a. angebaut: Spätburgunder, Müller-Thurgau, Riesling (Klingelberger), Ruländer (Grauer Burgunder).

Verkehr[Bearbeiten]

Durch die Schwarzwaldbahn (OffenburgSingen (Hohentwiel)) ist Gengenbach an das überregionale Schienennetz angebunden. Ebenfalls bestehen drei Auf- bzw. Abfahrten für die Bundesstraße 33 Richtung Offenburg und Konstanz.

Medien[Bearbeiten]

Die historische Altstadt ist Drehort für mehrere Fernsehserien und Kinofilme:

Justiz[Bearbeiten]

Das Amtsgericht Gengenbach gehört zum Landgerichtsbezirk Offenburg und zum Oberlandesgerichtsbezirk Karlsruhe.

Bildung[Bearbeiten]

Die Hochschule Offenburg unterhält in der Stadt die Außenstelle Gengenbach mit den Studienschwerpunkten Technische Betriebswirtschaft, Wirtschaftsingenieurwesen und International Business Consultant. Das Gymnasium Gengenbach geht in seiner Tradition auf die 1895 gegründete „erweiterte Bürgerschule“ zurück. Seit Oktober 2005 trägt es den Namen „Marta-Schanzenbach-Gymnasium“. Außerdem bestehen eine Haupt- und Realschule, eine Grundschule und eine Förderschule. Im Übrigen soll das Erhard-Schrempp Schulzentrum durch einen Bildungs-Campus erweitert werden. Dieser soll Räumlichkeiten für Gymnasium, Realschule und Hauptschule, sowie für die Hochschule Offenburg, Campus Gengenbach enthalten. Bis 2013 soll das Gebäude stehen. Ca. 500 Studenten werden dort ihr Studium aufnehmen.

Daneben gibt es fünf Kindergärten, die katholische Fachschule für Sozialpädagogik und das Forstliche Ausbildungszentrum Mattenhof.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger Gengenbach[Bearbeiten]

  • 1850: Johann von Löwenberg (1807–1858); Freiherr, k. k. österreichischer Rittmeister[17]
  • 1901: Theodor Burger (1827–1911); Pfarrer der Stadt Gengenbach[18]
  • 1920: August Herb (1862–1921); Bürgermeister, Gerbermeister
  • 1941: Wolfdieter Huy (1917–2003); Ritterkreuzträger[19]; am 5. September 1941 zum „Ehrengast“[20] der Stadt Gengenbach ernannt
  • 1948: Ignaz Blöder (1864–1951); Stadtpfarrer Gengenbach 1914–1935
  • 1949: Franz Hasselbach (1878–1957); Oberlehrer
  • 1969: Otto Ernst Sutter (1884–1970); Dipl. Ing., Schriftsteller
  • 1989: Helmut Eberwein (1913–2002); Geistlicher Rat, Dekan, 1964–1989 Pfarrer an St. Marien (Klosterkirche), 1989 zum Ehrenbürger ernannt
  • 1997: Marta Schanzenbach (1907–1997); Politikerin (SPD), MdB 1949–1972, Fürsorgerin, AWO

Ehrenbürger des Ortsteils Bermersbach[Bearbeiten]

  • Karl Herbst (1856–1923); Hauptlehrer in Bermersbach-Strohbach, am 2. Mai 1922 zum Ehrenbürger ernannt
  • Franz Malzacher (1855–1929); Hauptlehrer in Bermersbach-Fußbach, am 2. Mai 1922 zum Ehrenbürger ernannt

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Träger des Bundesverdienstkreuzes[Bearbeiten]

  • Annemarie Renner (1896–1983), Dozentin für Soziologie und politische Bildung an der pädagogischen Akademie in Gengenbach
  • 1963, 1969, 1972: Marta Schanzenbach (SPD-Politikerin)
  • 1969: Elfriede Lang (langjährige Pflege ihres Mannes)
  • 1981: Günther Junk (Unternehmer; langjähriger Gemeinderat)
  • 1985: Heinz Hempel (stellvertr. Bürgermeister)
  • 1985: Reinhold Späth (Ortsvorsteher Reichenbach)
  • 1987: Margarete Länger (langjährige Pflege ihrer schwerbehinderten Tochter)
  • 1987: Albert Suhm (langjähriger Gemeinderat)
  • 1988: Julius Roschach (langjähriger Gemeinderat, Heimatforscher)
  • 1990: Egon Kipper (langjähriger ev. Kirchengemeinderat)
  • 2001: Hubert Boden (langjähriger Gemeinderat)
  • 2001: Ewald Lohrmann (langjähriger Gemeinderat)
  • 2005: Ingeborg Schäuble
  • 2007: Ernst Discher (langjähriger Gemeinderat)
  • 2008: Barbara End (Leitung Museum Haus Löwenberg)
  • 2008: Reinhard End (Leitung Museum Haus Löwenberg)
  • 2009: Rita Böhm (soziales Engagement für Mitbürger)

Andere Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Hl. Pirminius, Gründer des Klosters Gengenbach
  • Pamphilus Gengenbach, Sohn des aus Gengenbach stammenden Druckers Ulrich[25]
  • Franz von Mercy, ca. 1597–1645, bedeutender Heerführer des Dreißigjährigen Kriegs (Tuttlingen, Mergentheim, Alerheim), besaß in Gengenbach ein Haus und heiratete dort M. von Schauenburg.
  • Else Eisner (Witwe von Kurt Eisner (USPD) erster Ministerpräsident des von ihm 1918 ausgerufenen Freistaat der bayerischen Republik) lebte ab 1919 bis zur Flucht mit zwei Töchtern in Gengenbach.[26]
  • Emil Joseph Diemer (1908–1990), deutscher Schachspieler, lebte seit 1964 im Kreispflegeheim in Gengenbach-Fußbach
  • Schwester Marziana (Theresia Hermann, * 1913 in Tennenbronn; † in Gengenbach), Ordensschwester, 1939–1989 Krankenschwester und medizinisch-technische Assistentin in der Gengenbacher Stadtklinik St. Martin, 1988 ausgezeichnet mit der Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg
  • Wolfgang Schäuble, CDU-Politiker und Bundesfinanzminister, lebte bis Anfang 2011 in Gengenbach.
  • Max Rieger, Fußballspieler, lebte bis zu seinem Tod im Jahr 1989 in Gengenbach

Literatur[Bearbeiten]

  • Christa Indruch: Gengenbach. Kleine Stadt mit großer Vergangenheit. Richter, Gengenbach 1999, ISBN 3-86134-652-4 (Bildband).
  • Manfred Liewald u.a.: Liebenswerte, alte Stadt, Gengenbach. 2. Auflage. Schillinger, Freiburg i. Br. 1987, ISBN 3-921340-47-0 (Bildband).
  • Berthold Schaaf: Gengenbach – ehemalige freie Reichsstadt. (= Die großen Kunstführer; 8). Schnell & Steiner, München 1971, ISBN 3-7954-0508-4.
  • Paul Schaaf (Hrsg.): Gengenbach. Vergangenheit und Gegenwart. Thorbecke, Konstanz 1960.
  • Stadt Gengenbach (Hrsg.): Heimatgeschichtliche Literatursammlung der Stadt Gengenbach : Verzeichnis der heimatkundlichen und stadtgeschichtlichen Literatur. Stadt Gengenbach, Gengenbach 1969 (49-seitige heimatkundliche Bibliographie).
  • Stadt Gengenbach (Hrsg.), Reinhard End (Bearb.): Das Gengenbach-Buch. Ein Streifzug durch Geschichte und Gegenwart von Gengenbach und den Ortschaften Bermersbach, Reichenbach und Schwaibach. Stadt Gengenbach, Gengenbach 1990.
  • Frank Flechtmann: Das „Haus an der Stirn“. Familie Eisner in Gengenbach. In: Die Ortenau. Zeitschrift des Historischen Vereins für Mittelbaden 72, 1992, S. 303–339.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gengenbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2. S. 320–325
  3. Ulrich Brandl und Emmi Federhofer: Ton + Technik. Römische Ziegel. Theiss, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8062-2403-0 (Schriften des Limesmuseums Aalen. Nr. 61)
  4. Badische Heimat, 30. Jg., 1950, Heft 2, S. 16ff.: „Gengenbach: Zähringergründung – Reichsstadt – Benediktinerabtei“
  5. Quelle für die Reichsschultheißen: Paul Schaaf (Hrsg.): Gengenbach. Vergangenheit und Gegenwart. Thorbecke, Konstanz 1960, Seite 111f.
  6. Quelle für die Bürgermeister von 1810 bis 1996: Stadtarchiv Gengenbach: Liste der Bürgermeister der Stadt Gengenbach (ab 1810).
  7. Martin Ruch: 700 Jahre Geschichte der Juden in Gengenbach 1308-2008, 115f.
  8. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Bd.I, Bonn 1995, S. 39, ISBN 3-89331-208-0
  9. Großer Narrenbrunnen im Winzerhof von Bildhauer Friedhelm Zilly
  10. Weistümer der Ortenau. Hg. von K. Walter. Offenburg o. J., Seite 76.
  11. 500 Jahre Gengenbacher Fasend 1499-1999. Hg. von der Narrenzunft Gengenbach. Gengenbach 1999, Seite 7f.
  12. 500 Jahre Gengenbacher Fasend 1499-1999. Hg. von der Narrenzunft Gengenbach. Gengenbach 1999, Seite 16f.
  13. Originales Textheft im Stadtarchiv Gengenbach, Bestand Büchersammlung, Signatur 130.
  14. Stadtarchiv Gengenbach, Bestand S01 Fotosammlung, Signaturen 01.05950, 06.06229.
  15. a b Mittelfristig ein Zunfthaus nötig, baden-online.de, 13. November 2013; abgerufen am 5. März 2014
  16. Narrenzunft Gengenbach
  17. Quelle zu den Ehrenbürgern: Diverse Jahrgänge der „Gengenbacher Blätter“
  18. Burger war bis 1888 Pfarrer in Hüfingen und wurde dort ebenfalls zum Ehrenbürger ernannt. Julius Roschach: Die Ehrenbürger unserer Stadt. In: Gengenbacher Blätter 1988, 53.
  19. http://en.wikipedia.org/wiki/Wolf-Dietrich_Huy
  20. Da im 3. Reich die Verleihung des Ehrenbürgerrechts stark eingeschränkt war, schuf die Stadt Gengenbach als Ersatz dafür die Bezeichnung „Ehrengast“. Julius Roschach: Die Ehrenbürger unserer Stadt. In: Gengenbacher Blätter 1988, 53.
  21. Vetter, Ferdinand: Neues zu Justinger : Kunrat Justinger als Schüler und Fortsetzer Königshofens und die ältesten Geschichtsschreiber Berns und des Laupenstreites. In: Jahrbuch für schweizerische Geschichte 31 (1906) http://dx.doi.org/10.5169/seals-39752; Neu vermehrte- und verbesserte Schweitzer-Chronica oder Geschicht-Buch von Hans Rudolff Grimm. Basel 1796, Seite 39; Bernsche Neujahrsstücke: Vollständige Sammlung vom Jahrgang 1808 bis 1838, Seite 4
  22. Taufbuch kath. Pfarrgemeinde Gengenbach
  23. vgl. Badische Biographien und Ein Leben voller Kompositionen bei Baden-Online
  24. vgl. Thomas Adam: Der Dichter und sein Sänger. Otto Oppenheimer und Dr. Hans Albert Ebbecke oder: wie das Lied vom „Brusle Dorscht“ seine Verbreitung fand. In: Kurpfälzer Winzerfestanzeiger 2013, S. 56–59; sowie Thomas Adam, Thomas Moos, Rolf Schmitt (Hrsg.):Oppenheimer – Eine jüdische Familie aus Bruchsal: Spuren – Geschichten – Begegnungen. Ubstadt-Weiher 2012, passim
  25. Rüdiger Zymner: Gengenbach, Pamphilus im Historischen Lexikon der Schweiz
  26. Vgl. Frank Flechtmann, Das Haus an der Stirn, in: Die Ortenau, 72. Jahresband 1992, S. 303–339.