Kloster Tennenbach
| Zisterzienserabtei Tennenbach | |
|---|---|
| Lage | Deutschland Baden-Württemberg |
| Koordinaten: | 48° 9′ N, 7° 54′ O48.14497.8961Koordinaten: 48° 8′ 42″ N, 7° 53′ 46″ O |
| Ordnungsnummer nach Janauschek |
361 |
| Patrozinium | Hl. Maria |
| Gründungsjahr | 1158 |
| Jahr der Auflösung/ Aufhebung |
1806 |
| Mutterkloster | Kloster Frienisberg später Kloster Salem unterstellt |
|
Tochterklöster |
keine |
Das Kloster Tennenbach ist eine ehemalige Zisterzienserabtei, gelegen bei Freiamt und Emmendingen, Baden-Württemberg (circa 1160–1807). Nach seiner Gründung entwickelte sich das Kloster zu einem der bedeutendsten und größten Klöster[1] im südwestdeutschen Raum.[2] Dies ist zum einen an den mehr als 200 Gütern, die im Besitz des Klosters waren, als auch an der sehr großen Anzahl (672) der Reliquien und Heiligenpartikeln, die die Zahl Mutterhauses (374) weit übertraf, zu sehen.[3]
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte [Bearbeiten]
Das Zisterzienserkloster Tennenbach – zunächst Porta Coeli („Himmelspforte“) genannt – wurde wahrscheinlich 1158 gegründet. Zwölf Mönche unter ihrem Abt Hesso übersiedelten damals vom bernischen Kloster Frienisberg – ob auf Veranlassung Herzog Bertholds IV. von Zähringen (1152–1186), ist zweifelhaft. Eine in der Mitte des 13. Jahrhunderts gefälschte Gründungsnotiz, die angeblich 1161 auf der Hochburg abgeschlossen wurde, nennt den Besitz bestimmter Güter und Rechte in der Nachbarschaft Tennenbachs und führt eine Zeugenliste an, zu der auch Herzog Berthold und Markgraf Hermann III. oder IV. von Baden (1130–1160 oder 1160–1190) gehören. Rechte und Güter der Zisterzienserabtei am Westabhang des Schwarzwalds sind aber schon in dem Privileg Papst Alexanders III. vom 5. August 1178 aufgeführt worden. Von weltlicher Seite her soll Kaiser Friedrich I. Barbarossa (1152–1190) für Tennenbach geurkundet haben, während die Wegnahme von Klostergut in Neuenburg zwecks Gründung der gleichnamigen Stadt durch Herzog Berthold IV. (zwischen 1170 und 1180) auch noch im Tennenbacher Güterbuch des 14. Jahrhunderts Protest hervorrief.
Tennenbach unterstand ab Ende des 12. Jahrhunderts der Reichsabtei Salem. Grangien, also vom Kloster in Eigenbewirtschaftung betriebene Ländereien, waren wesentlich für das Gefüge des Grundbesitzes, der sich in der Oberrheinebene und im westlichen Schwarzwald konzentrierte, während der Tennenbacher Besitz in der Baar weitgehend davon isoliert war. Die Klostervogtei hatten im 13. und 14. Jahrhundert die Markgrafen von Hachberg inne, ab 1373 beanspruchten sie die Habsburger.
1444 wurde das Kloster Tennenbach von den Armagnaken verwüstet, 1525 im Bauernkrieg wurde es bis auf die Klosterkirche niedergebrannt und war für 30 Jahre unbewohnt. Von 1632 bis 1647 wurde der Konvent als Folge des dreißigjährigen Krieges nochmals von den Mönchen verlassen. Archive und Sakralschätze wurden nach Freiburg ausgelagert, später nach Breisach, dort fielen sie in Teilen an Herzog Bernhard von Weimar als dieser Breisach eroberte, allerdings wurde das Klosterarchiv und das Güterbuch in das schweizerische Wettingen gerettet. Zufluchtsort war auch das abgelegene Kloster Friedenweiler.[4] 1723 wurden die meisten Gebäude durch eine Brand zerstört. Der Wiederaufbau als Barockkloster wurde vom Abt Leopold Münzer – der aus Freiburg stammte – betrieben. Im Rahmen der Säkularisation von 1806 wurde das lukrative Kloster vom Großherzogtum Baden übernommen – es stellte einen Wert von 550000 Gulden dar – und aufgehoben. Das Kloster wurde abgerissen und die gewonnen Steine versteigert.[5]
Bauten und Anlage [Bearbeiten]
Durch den Abriss ist die Klosteranlage nur noch aus zeitgenössischen Ansichten und Plänen nachvollziehbar. Die einzigen vorhandenen Reste sind der Chor der Hospitalkapelle[6]. und ein ehemaliges Ökonomiegebäude, das heutige Gasthaus Engel.
Die romanische Klosterkirche nach dem Vorbild der Abtei Fontenay wurde 1829/30 abgetragen und in Freiburg als erste evangelische Kirche, die alte Ludwigskirche, wieder aufgebaut. Nach der völligen Zerstörung der Ludwigskirche im Jahre 1944 wurden etliche Werksteine gerettet und 1952-1954 als Spolien in der neuen Ludwigskirche eingebaut. Seit 2007 wurden weitere wiedergefundene Steine als Erinnerungsstücke neben der Kirche aufgestellt. Der Marienaltar aus der Kapelle steht heute im Augustinermuseum in Freiburg[7].
Die Klausur lag auf der Südseite der Kirche. Die barocken Klostergebäude wurden bis auf die Reste eines Ökonomiegebäudes und Teilen der gotischen Krankenkapelle abgebrochen. Die Westfront zeigt deutlich das diese Kapelle nicht freistehend war, sondern an ein Gebäude dem Infirmarium angebunden war. Dieser klösterliche Krankentrakt war in allen Zisterzerklöstern vorhanden. Nach Einführung der Reformation in Baden (1556) diente die Kapelle bis 1836 als Pfarrkirche für die ca. 25 Handwerkerfamilien, die in Diensten des Klosters standen. Die Bauweise mit gotischen Bögen zeigt, dass sie aus dem 13. Jahrhundert stammt. An dieser Westfront ist auch die Inschrift In honorem Sanctissimae Virginis Mariae hoc sacellum restauravit A(ntonius Merz) A(bt) Z(ue) T(ennenbach) [8] in den Sandstein graviert. Der Nachweis dafür ergibt sich aus einem Codex der Reichsabtei Salem der in der Universitätsbibliothek Heidelberg verwahrt wird. In diesem Codex ist auch die Lebensgeschichte Hugo von Tennenbachs enthalten. Verfasser ist sehr wahrscheinlich ein Gottfried von Freiburg. Er war Schreiber und für die Abfassung von Urkunden im Breisgau im 13. Jahrhundert verantwortlich. Nachdem er dem Kloster in Tennenbach beigetreten war, erlebte er dort den Tod Hugos und hat als Auftragsarbeit des Abtes Heinrich von Falkenstein dessen Biographie verfasst.
In diese Wand sind auch Grabplatten eingelassen, die aus dem 18. Jahrhundert stammen.[3]
Nach einem Bericht des Badischen Zeitung vom 31. Mai 2012 sollen auf dem 5 Hektar großen Gelände die genauen Ausmaße des Klosters festgestellt werden. Dazu wurden im Mai 2012 ca 3000 Messpunkte auf dem Gelände abgesteckt und der Boden mit einem Bodenradar bis in eine Tiefe von 2,70 m untersucht, Mit diesen Daten ist die Baustruktur erkennbar, also die Lage der Gebäude, Brunnen, Pfeiler und Anbauten. Die Daten sollen in der nächsten Zeit weiter ausgewertet werden, um alle Details zu erfassen. Ein interessantes Ergebnis der Untersuchung ist, dass von der Klostermühle zur Krankenstation eine Wasserleitung verlief, diese diente nach Bertram Jenisch vom Denkmalamt als Zuleitung für die erste Wassertoilette der Gegend.[1]
Aus den Aufnahmen lassen sich bereits jetzt die grundlegenden Strukturen erkennen. So sind die Umfassungsmauern deutlich sichtbar. Kirche und Klausur waren von einem engen Mauerring umgeben, ein Areal, welches nur den Mönchen vorbehalten war. An diesen inneren Bereich schloss sich der öffentlich zugängliche äußere an. Auch der Wirtschaftstrakt mit zahlreichen Nebengebäuden ist klar zu erkennen.[9] Die neuen Untersuchungen liefern exakte Daten über die Klosteranlage, welche die bisherigen ungenauen Skizzen aus historischen Überlieferungen ergänzen.
Siehe auch [Bearbeiten]
- Liste der Äbte von Tennenbach
- Tennenbacher Altar, spätgotisches Kunstwerk aus dem Kloster
Literatur [Bearbeiten]
- J. Alzog: Reisbüchlein des Conrad Burger (Itinerarium oder Raisbüchlein des Paters Conrad Burger, Conventual des Cistercienser-Klosters Thennenbach und Beichtiger im Frauenkloster Wonnenthal 1641–1678) Zur Geschichte des Klosters Tennenbach im Dreißigjährigen Krieg, Reprint von 1870/71 Freiburger Echo Verlag, ISBN 3-86028-074-0 Original befindet sich im Armarium des Zisterzienserklosters Wettingen-Mehrerau, Reprint aus dem Freiburger Diözesan Archiv Band 5/6 1870/71.
- Michael Buhlmann: Der Tennenbacher Güterstreit (= Quellen zur mittelalterlichen Geschichte St. Georgens, Teil VII = Vertex Alemanniae, H.12). St. Georgen 2004
- Immo Eberl: Die Zisterzienser. Geschichte eines europäischen Ordens. Darmstadt 2002, ISBN 3-7995-0103-7.
- Martin Flashar, Rainer Humbach: Stein auf Stein. Architekturteile der alten Ludwigskirche kehren zurück. Hrsg. vom Evangelischen Gemeindeverein der Ludwigskirche Freiburg e. V., Freiburg 2007, ISBN 978-3-923288-57-1.
- Eduard Heyck: Geschichte der Herzoge von Zähringen. 1891, Nachdruck Aalen 1980
- Eduard Heyck: Urkunden, Siegel und Wappen der Herzoge von Zähringen. Freiburg i.Br. 1892
- Rainer Humbach: Von Tennenbach nach Freiburg – der erste Bau der Ludwigskirche. In: Freiburger Diözesan-Archiv 115 (1995), S. 279–314.
- Ludwig Köllhofer: Die Äbte von Tennenbach. ein Beitrag zum Emmendinger kath. Pfarrblatt von St.Bonifatius.
- Franz Xaver Kraus: Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Breisach, Emmendingen, Ettenheim, Freiburg (Land), Neustadt, Staufen und Waldkirch (=Die Kunstdenkmäler des Großherzogthums Baden, sechster Band. Kreis Freiburg), Tübingen und Leipzig 1904; hier: Tennenbach, S. 230–237.
- Albert Krieger: Regesten der Markgrafen von Baden von 1453 – 1475. Innsbruck 1915; darin Urkunden zum Kloster Thennenbach.
- Ernst-Friedrich Majer-Kym: Die Bauten der Cistercienser-Abtei Tennenbach. Freiburg i. Br., Univ., Diss., 1922.
- Pater Gallus Mezler, monachus Sanct Galli OSB.: Die Äbte von Thennenbach und St. Georgen. Unter: Monumenta historico-chronologica monastica in: Freiburger Diözesan Archiv, Band 15, 1882, 225-246. (Findmittel UB Freiburg i.Br. : Z-Gl. 440) herausgegeben von J. G. Mayer, Pfarrer in Oberurnen.
- Helmut Maurer: Die Tennenbacher Gründungsnotiz. In: Schau-ins-Land 90 (1972), S. 205–211.
- A. Mezger: Thennenbach. erschienen in der Zeitschrift des Breisgauer Geschichtsvereins "Schau-ins-Land" Bd. 3; 1876; ca. 50 Seiten.
- Josef Michael Moser: Das Ende des Klosters Tennenbach. Verlag Kesselring, Emmendingen, 1981, 72 Seiten
- Stefan Schmidt: Das Chorgestühl von Marienau und die Geschichte der Abtei ein Beitrag zur Geschichte der Zisterzienserabtei Thennenbach während des Bauernkrieges S. 20 ff. ersch. 2004 im Selbstverlag des Verfassers, Exemplar im Stadtarchiv Breisach am Rhein.
- Anton Schneider: Die ehemalige Zisterzienser-Abtei Tennenbach Porta Coeli im Breisgau. Wörishofen 1904
- Berent Schwineköper: Das Zisterzienserkloster Tennenbach und die Herzöge von Zähringen. Ein Beitrag zur Gründungs- und Frühgeschichte des Klosters. In: Heinrich Lehmann (Hrsg.): Forschen und Bewahren. Das Etztäler Heimatmuseum in Waldkirch. Kultur- und landesgeschichtliche Beiträge zum Etztal und zum Breisgau, Waldkirch 1983, ISBN 3-87885-090-5, S. 95–157.
- Max Weber: Der Tennenbacher Besitz im Villinger Raum. In: Wolfgang Müller (Hrsg.): Villingen und die Westbaar (= Veröffentlichungen des Alemannischen Instituts Freiburg i.Br., Band 32), Bühl 1972, S. 175–191.
- Max Weber; Günther Haselier. u. a. (Bearb.): Das Tennenbacher Güterbuch (1317–1341). (= Veröffentlichungen der Kommission für Geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg: Reihe A, Quellen; Band 19), Stuttgart 1969
- Paul Zinsmaier: Zur Gründungsgeschichte von Tennenbach und Wonnental. In: ZGO 98 (1950), S. 470–479.
- Badische Zeitung BZ-Serie 850 Jahre Kloster Tennenbach:
- Die schwarze Madonna Hans-Jürgen Günther, 26. Februar 2011
- Ein Schloss gebaut wie das Kloster, Hans-Jürgen Günther (vacr), 19. März 2011
- Eine Glocke erzählt ihre Geschichte Hans-Jürgen Günther, 2. April 2011
- Die alten Kirchenbücher sind wahre Schätze Hans-Jürgen Günther, 23. April 2011
- Nach der Blütezeit kam das Aus für das Kloster Hans-Jürgen Günther (vacr), 30. April 2011
- "Tor und Herz stehen offen" Hans-Jürgen Günther, 13. Mai 2011
- Das Tennenbacher Ärar: "Truhen sind doch nicht so praktisch" Hans-Jürgen Günther, 24. März 2012
- Der letzte Täufling war Theresia Obergfell Hans-Jürgen Günther, 14. April 2012
- Die Pforte des Himmels, Christian Stahmann, Badische Zeitung, 14. Mai 2011
- Von Glanz und Gloria, 300 Jahre dauerte die Blüte des Klosters Tennenbach, dann kamen die Plünderer. Prof. Werner Rösener, Badische Zeitung, 14. Mai. 2011
- Forscher wollen Fakten liefern: Wie groß war das Kloster Tennenbach?, Gerhard Walser, Badische Zeitung 31. Mai 2012, abgerufen 1. Juni 2012
- Boden gibt Geheimnis preis, Gerhard Walser, Badische Zeitung, 1. Juni 2012, abgerufen 2. Juni 2012
Weblinks [Bearbeiten]
- Zisterzienserabtei Tennenbach in der Datenbank Klöster in Baden-Württemberg des Landesarchivs Baden-Württemberg
- 850 Jahre Kloster Tennenbach - Festschrift zum Gründungsjubiläum (PDF-Datei; 675 kB)
- youtube.com: Porta Coeli - Tennenbach 1750, Visualisierung des Bauzustandes um 1750
Anmerkungen [Bearbeiten]
- ↑ a b Forscher wollen Fakten liefern: Wie groß war das Kloster Tennenbach?, Gerhard Walser, Badische Zeitung 31. Mai 2012, abgerufen 1. Juni 2012
- ↑ 850 Jahre Zisterzienserkloster Tennenbach. Aspekte seiner Geschichte von der Gründung (1161) bis zur Säkularisation (1806). Tagungsflyer des Colloquium der Abteilung Landesgeschichte des Historischen Seminars der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Abteilung Mittelalter des Historischen Seminars der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Stadt Emmendingen
- ↑ a b Die Pforte des Himmels, Christian Stahmann, Badische Zeitung, 14. Mai 2011
- ↑ J. Alzog: Reisbüchlein des Conrad Burger (Itinerarium oder Raisbüchlein des Paters Conrad Burger, Conventual des Cistercienser-Klosters Thennenbach und Beichtiger im Frauenkloster Wonnenthal 1641–1678) Zur Geschichte des Klosters Tennenbach im Dreißigjährigen Krieg, Reprint von 1870/71 Freiburger Echo Verlag
- ↑ Von Glanz und Gloria, 300 Jahre dauerte die Blüte des Klosters Tennenbach, dann kamen die Plünderer. Prof. Werner Rösener, Badische Zeitung, 14. Mai. 2011
- ↑ vgl. Franz Xaver Kraus: Die Kunstdenkmäler der Amtsbezirke Breisach, Emmendingen, Ettenheim, Freiburg (Land), Neustadt, Staufen und Waldkirch (=Die Kunstdenkmäler des Großherzogthums Baden, sechster Band. Kreis Freiburg), Tübingen und Leipzig 1904; hier: Tennenbach, S. 230–237 auf Wikisource.
- ↑ Der letzte Täufling war Theresia Obergfell Badische Zeitung, Hans-Jürgen Günther, 14. April 2012 abgerufen 14. April 2012
- ↑ Zu Ehren der allerseligsten Jungfrau Maria hat Antonius Merz, Abt zu Tennenbach, diese Kapelle renoviert.
- ↑ Boden gibt Geheimnis preis, Gerhard Walser, Badische Zeitung, 1. Juni 2012, abgerufen 2. Juni 2012