Kommodore
Der Begriff Kommodore ist eine Funktions- und Rangbezeichnung in der Schifffahrt und der militärischen Luftfahrt.
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[Bearbeiten] Herkunft des Begriffes
Die Bezeichnung Kommodore entstand gegen Ende des 17. Jahrhunderts in der niederländischen Marine. Er bezeichnete einen Offizier, der einen Schiffsverband führte, ohne den Dienstgrad eines Admirals zu haben.[1]
[Bearbeiten] Seestreitkräfte und Schifffahrt
Diese Bedeutung hat sich im Sprachgebrauch vieler Marinen im Wesentlichen bis heute erhalten. Insofern ist die Bezeichnung Kommodore zugleich eine Funktionsbezeichnung als Führer eines Verbandes und eine Rangbezeichnung zwischen den Dienstgraden eines Kapitäns zur See und dem des Konteradmirals als niedrigstem Flaggoffizier. In einigen Marinen zählt hingegen bereits der Kommodore als Flaggoffizier. In einigen Marinen wird oder wurde der Rang als Dienstgrad dauerhaft verliehen, in anderen nur zeitweise für die Dauer eines Kommandos oder Krieges.[1]
[Bearbeiten] Großbritannien
In der britischen Royal Navy wurde 1690 der Titel Commodore als Bezeichnung des ältesten Kommandanten im Kapitänsrang eines Geschwaders eingeführt, ohne einen eigenen Dienstgrad darzustellen. 1747 wurde festgelegt, dass ein Commodore dem Brigadier im Heer entspricht. 1805 wurde der Dienstgrad eines Kommodore formell geschaffen und zugleich zwischen Kommodores erster und zweiter Klasse unterschieden. Erstere hatten noch mindestens einen Captain, entsprechend dem Dienstgrad Kapitän zur See unter sich und wurden wie Konteradmirale bezahlt. Kommodores 2. Klasse kommandierten zugleich ihr eigenes Schiff und den unterstellten Verband und bekleideten faktisch den Dienstgrad eines Captains.[2] Heute bezeichnet Commodore sowohl einen Rang unterhalb der Flaggoffiziere als auch eine Dienststellung wie z.B. Commodore Faslane Flotilla.[3]
[Bearbeiten] USA
In der United States Navy wurde der Begriff während des Unabhängigkeitskriegs als Ehrentitel für Kommandanten im Kapitänsrang verwandt, denen gleichzeitig weitere Schiffe unterstellt waren, oder die besondere Verantwortung trugen. 1862 wurde der Dienstgrad Commodore eingeführt, der bis 1899 bestand. Kennzeichen eines Commodore waren ein breiter goldener Ärmelstreifen an der Uniform und als Kommandozeichen ein Doppelstander oder Breitwimpel. Diese Kennzeichen wurden in vielen Marinen übernommen. Nach 1899 wurde der Dienstgrad nur noch an in den Ruhestand tretende Marineoffiziere im Dienstgrad Captain verliehen, die am Bürgerkrieg 1861 – 1865 teilgenommen hatten.
1943 wurde die Bezeichnung als zeitweiliger Dienstgrad wieder eingeführt, jedoch bereits 1950 wieder abgeschafft. 1982 wurde kurzzeitig die Bezeichnung Commodore Admiral als neuer niedrigster Admiralsdienstgrad eingeführt und bereits 1983 in Rear Admiral (Lower Half) geändert. Derzeit wird die Bezeichnung nicht offiziell verwandt.[1]
[Bearbeiten] Deutschland
In der Kaiserlichen Marine war der Kommodore die Dienststellung eines Kapitäns zur See, der als Befehlshaber eines (kleineren) Schiffsverbandes eingesetzt war und anderen Kapitänen zur See vorgesetzt sein konnte wie zum Beispiel der Chef des 1881 aufgestellten ständigen Ostasiengeschwaders Louis von Blanc oder der Kommandant des Kreuzers Vineta, Kapitän zur See Georg Scheder, der 1902/03 zeitweilig als Chef der Ostamerikanischen Kreuzerdivision eingesetzt wurde.
In der Reichsmarine gab es keine aktiven Kommodores.[4] In der Kriegsmarine der Wehrmacht wurde der Rang kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs wieder eingeführt.[A 1]
In der Bundesmarine wurde 1956 an Stelle der Bezeichnung Kommodore der Admiralsdienstgrad Flottillenadmiral eingeführt.
[Bearbeiten] Handels- und Sportschifffahrt
Der Führer eines Geleitzugs aus Handelsschiffen wird als Konvoikommodore bezeichnet. Für diese Aufgabe können Marine- und Handelschiffsoffiziere eingesetzt werden.
Ein Kommodore konnte in der Handelsschifffahrt bei großen Reedereien der dienstälteste Kapitän sein, wie zum Beispiel:
- Nikolaus Johnsen; Kapitän und Kommodore u. a. 1924 der Columbus und 1930 der Europa III beim Norddeutschen Lloyd (NDL)
- Leopold Ziegenbein; Kapitän und Kommodore u. a. auf der Bremen IV beim NDL
- Adolf Ahrens (Bremen); Kapitän und Kommodore u. a. der Columbus und der Bremen IV beim NDL
In der Sportschifffahrt wird oft der (Ehren-)Vorsitzende eines Yachtclubs so bezeichnet. So bekleidete Kaiser Wilhelm II. die Funktion des Kommodores des Kieler Yacht-Clubs, der damals noch Kaiserlicher Yacht-Club hieß.
[Bearbeiten] Marineinsignien
- Flaggen und Doppelstander
-
Deutschland (Kriegsmarine)[A 2]
- Schulterstücke
- Ärmelstreifen
-
USA[A 3]
[Bearbeiten] Luftstreitkräfte und Luftfahrt
In den Luftstreitkräften verschiedener Staaten wird der Begriff Kommodore sowohl als Rang wie auch als Dienststellung benutzt. Außerdem kennen größere Luftfahrtgesellschaften die Ehrenbezeichnung für ältere Flugkapitäne in leitender Funktion.
[Bearbeiten] Deutschland
[Bearbeiten] Wehrmacht und NVA
In der Luftwaffe der Wehrmacht wurde die Funktionsbezeichnung Kommodore für einen Kommandeur eines Geschwaders oder fliegenden Verbandes eingeführt. Sie war unabhängig vom Dienstgrad, der zwischen Hauptmann und Oberst variieren konnte. In den Luftstreitkräften der NVA und der Volksmarine hingegen fand Kommodore weder als Funktionsbezeichnung noch als militärischer Rang Anwendung.
[Bearbeiten] Bundeswehr
In der Luftwaffe und der Marine der Bundeswehr ist Kommodore die Funktionsbezeichnung für einen Kommandeur eines fliegenden Geschwaders, meist im Range eines Obersten bzw. Kapitäns zur See. Hierarchisch entspricht der Kommodore dem Kommandeur eines Schiffsgeschwaders der Marine bzw. dem Kommandeur eines Regiments des Heeres. Als Kommodore oder Geschwaderkommodore werden außerdem die Kommandeure der Flugabwehrraketengeschwader der Luftwaffe bezeichnet.[5]
[Bearbeiten] Andere Länder
In Großbritannien und vielen Commonwealth-Staaten[A 4] entspricht der Rang Air Commodore dem Commodore der Marine und dem Brigadier der Landstreitkräfte. In den Niederlanden heißt der entsprechende Luftwaffendienstgrad einfach Commodore, während die Marinebezeichnung Commandeur lautet.
- Dienstgradabzeichen
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ a b c Naval Historical Center: Entstehung und Bedeutung des Begriffs in der britischen und US-amerikanischen Marine
- ↑ National Museum of the Royal Navy (Portsmouth)
- ↑ Commodore Faslane Flotilla auf der Seite der Royal Navy
- ↑ Köhlers Flottenkalender 1926 listet für 1925 10 Admirale und 30 Kapitäne zur See, aber keinen Kommodore
- ↑ Bundesarchiv/Militärarchiv Bestände BL 10, BL 26, BM 24
[Bearbeiten] Anmerkungen
- ↑ Mit Verfügung vom 13. März 1939 wurden die Dienstgradabzeichen eines Kommodores folgendermaßen festgesetzt: Auf beiden Unterarmen 1 Streifen von 5,2 cm Breite sowie 2 Reihen Eichenlaubstickerei auf dem Mützenschirm (wie Admirale). Die im Großtopp zu führende Rangflagge eines Kommodores war ein weißer Doppelstander, der auf einem weißen, in zwei Spitzen auslaufenden Quadrat ein Eisernes Kreuz zeigte, dessen Enden das Liek bzw. den oberen und den unteren Rand des Standers berührten. Standerlänge und Standerbreite standen im Verhältnis 2:5, der Standereinschnitt betrug 3/5 der Standerlänge.
- ↑ seit 1956 Stander eines Geschwaderkommandeurs
- ↑ ehemals für Commodore, jetzt für Rear Admiral (Lower Half) benutzt
- ↑ u.a. Australien, Indien, Kanada, Neuseeland