Kommunistische Partei Vietnams

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Đảng Cộng sản Việt Nam
Kommunistische Partei Vietnams
Flagge der KPV
Parteivorsitzender Phú Trọng
Partei­vorsitzender Nguyễn Phú Trọng
General­sekretär Nguyễn Phú Trọng
Gründung 3. Februar 1930 als:
Kommunistische Partei Indochinas
Haupt­sitz Ba Đình Bezirk, Hà Nội
Farbe(n) Rot, Gelb
Mitglieder­zahl 3,6 Millionen (2011)
Website dangcongsan.vn

Die Kommunistische Partei Vietnams (KPV) (französisch Parti communiste vietnamien, vietnamesisch Đảng Cộng sản Việt Nam) ist die einzige legale Partei in der Sozialistischen Republik Vietnam (SRV).[1]

Ihre Rolle im politischen System des Landes wird in Artikel 4.1 der vietnamesischen Verfassung wie folgt definiert:

„Die Kommunistische Partei Vietnams, die Vorhut der vietnamesischen Arbeiterklasse […] und der ganzen Nation, die sich vom Marxismus-Leninismus und dem Ho Chi Minh−Denken leiten lässt, ist die führende Kraft im Staate und in der Gesellschaft.“[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Am 18. Februar 1930 gründete Ho Chi Minh gemeinsam mit weiteren Kommunisten die Kommunistische Partei Vietnams. Die Gründung der Organisation fand in Hong Kong statt um den Zugriff der französischen Polizei zu vermeiden. Die Partei formierte ihre Kernziele als Überwindung der französischen Kolonialherrschaft und Überwindung des kapitalistischen Systems durch Errichtung eines sozialistischen Staates. Hinsichtlich der Sozialpolitik stellte die Partei den Achtstundentag, die Literalisierung der Bevölkerung sowie die Gleichstellung von Mann und Frau in Aussicht. Wirtschaftlich sah das Programm die Abschaffung der hohen kolonialen Steuerlast der Mehrheit der Bauern sowie die Errichtung einer sozialistischen Wirtschaft mit verstaatlichten Banken und Industrieunternehmen vor. Nachbesserungen dieses Programms von 1930 erfolgten wenige Monate später um die Konformität mit der Komintern sicherzustellen. Im Zuge dessen benannte sich die Partei in Kommunistische Partei Indochinas um. Trotz dieser Änderungen standen Ho und seine Partei in der Komintern eine Vernachlässigung der sozialen marxistischen Revolution gegenüber der nationalen Frage der Unabhängigkeit vor. Die Praxis auch kleine und mittlere Landbesitzer in die Partei aufzunehmen wurde ebenso als Mangel an Linientreue bemängelt.[3]

In Teilen Vietnams kam es 1930 aufgrund der hohen Steuerlast und drohender Nahrungsmittelknappheit zu rund 100 spontanen Streiks und Protesten von Bauern gegen die Kolonialmacht. Die Parteiführung war vom Ausmaß dieser Bewegung initial überrascht´versuchte jedoch der Bewegung durch den Aufbau von Dorfsowjets welche durch Maßnahmen auf lokaler Ebene wie Landumverteilung, Arbeitszeitverkürzung und Einrichtung von Alphabetisierungsprorgammen die Forderungen der Partei umzusetzen. Diese Bemühungen waren bis Mitte 1931 in zwei Provinzen Zentralvietnams soweit erfolgreich dass 31 Dorfsowjets gegründet wurden. Die Bewegung wurde schließlich durch französische Kolonialtruppen unter anderem durch Zuhilfenahme von Luftangriffen niedergeschlagen. Die Repressionsmaßnahmen forderten mehrere tausend Todesopfer. Rund 9.000 Vietnamesen wurden inhaftiert. Der französischen Sicherheitspolizei Sûreté zerschlug den konspirativen Apparat der Partei im Land 1931 wurde Ho von den britischen Behörden in Hong Kong verhaftet, konnte jedoch flüchten. 1932 waren alle Mitglieder des Zentralkomitees sowie alle Leiter der Regionalkomitees entweder inhaftiert oder getötet. Da sich die bürgerlichen Parteien des Landes sich von den Aufständen distanzierten gewann die Kommunistische Partei jedoch enorme Popularität unter der Bevölkerung der Kolonie. Nach dem Niedergang der Front populaire und dem damit verbundenen Rechtsruck der französischen Politik kam es zu einer erneuten Verhaftungswelle bei der rund 2.000 Menschen interniert wurden.[4][5]

1931 wurde sie auf der XI. Tagung des EKKI als selbständige Sektion in die Komintern aufgenommen[6]. Der I. Parteitag der KP Indochinas fand im Jahre 1935 in Macau statt.

1941 wurde auf Initiative der KP Indochinas[7] die Viet Minh gegründet.

1945 im Zuge der Augustrevolution bei der die Viet Minh kurzzeitig die Kontrolle über Vietnam von den japanischen Besatzungstruppen übernahm und Ho eine souveräne Regierung in Hanoi ausrief löste sich die Partei im November selbst auf. Die Partei operierte jedoch mindestens auf Distriktebene unverändert weiter. Dieser taktische Schritt war der Versuch die nichtkommunistischen Kräfte die Furcht vor dem politischen Allmachtsanspruch der Partei zu nehmen. Bei Josef Stalin löste die Selbstauflösung Zweifel an der ideologischen Linientreue der Führung der Partei um Ho aus und verschlechterte das Klima zwischen den vietnamesischen Kommunisten und der Sowjetunion.[8]

Auf dem II. Parteitag im Jahre 1951, auf dem die KP Indochinas in Partei der Werktätigen Vietnams (PdWV) (vietnamesisch Lao Dong) umbenannt wurde, stellte sich die Partei folgende hauptsächliche Aufgaben:

  1. Den Widerstandskampf gegen die französischen Kolonialisten bis zum endgültigen Sieg zu führen.
  2. Die PdWV zu organisieren.[9]

In der Demokratischen Republik Vietnam (Nordvietnam) war die PdWV die Führungskraft.

Im September 1960 wurde der III. Parteitag der PdWV einberufen. Er verallgemeinerte die bisher gewonnenen Erfahrungen und legte die Generallinie für die Übergangsperiode zum Sozialismus fest:

  • Die Diktatur des Proletariats sollte weiter gefestigt,
  • die Zusammenarbeit mit den sozialistischen Bruderländern vertieft und
  • drei Revolutionen (die der Produktionsverhältnisse, die wissenschaftlich−technische Revolution und die Kulturrevolution) sowie die
  • sozialistische Industrialisierung durchgeführt werden.[10]

Auf dem IV. Parteitag im Jahre 1976, auf dem die PdWV ihren jetzigen Namen erhielt, ging es um

  • Fragen der Wiedervereinigung mit (dem 1975 militärisch niedergerungenen) Südvietnam und um die
  • Begründung von Sonderbeziehungen mit den beiden Nachbarländern Laos und Kambodscha.[11]

Vertreter des ZK der KPV nahmen an der 11. internen Chinaberatung von Vertretern der ZK mehrerer Kommunistischer Parteien des Ostblocks teil, die vom 11. bis zum 13. Juni 1980 in Mierki (VR Polen) stattfand.[12]

„Der Leiter der Delegation der KP Vietnams machte die chinesische Aggression gegen die SRV und ihre Auswirkungen auf alle Gebiete des gesellschaftlichen Lebens und der Politik der Pekinger Führung zum Ausgangspunkt seiner Darlegungen.

Südostasien bleibe eine hauptsächliche Richtung der Expansionspolitik Pekings. Eine neuerliche Aggression gegen die SRV wie auch militärische Aktionen gegen Laos könnten nicht ausgeschlossen werden. Er erklärte, dass die reaktionäre Politik der in China Herrschenden zu einer Destabilisierung des politischen Lebens des Landes geführt habe.“[12]

Auf dem VI. Parteitag der KPV im Jahre 1986 wurde der Kurs der Erneuerung (vietnamesisch Đổi mới) eingeleitet, der vor allem eine Öffnung der Wirtschaft gegenüber dem Ausland mit sich brachte.

Vom 18.−25. April 2006 fand der X. Parteitag der KPV statt. Er „hat die sozialistische Orientierung der Entwicklung des Landes nachdrücklich bekräftigt“.[13] Im Politischen Bericht des ZK an den Parteitag wurde unter anderem festgestellt: „Die Ergebnisse beweisen die Richtigkeit des … Kurses der Erneuerung (Doi Moi) …“[13] Zudem wurde auf dem Parteitag eine überarbeitete Fassung des Parteistatuts angenommen.

Ziele der KPV[Bearbeiten]

„In dem überarbeiteten Statut der Partei wird das Ziel formuliert, ein ‚unabhängiges, demokratisches und starkes Vietnam mit einer gerechten und zivilisierten Gesellschaft frei von Ausbeutung zu errichten, die erfolgreich den Sozialismus und Kommunismus als endgültiges Ziel verwirklicht.‘“[13]

Generalsekretäre der KPV[Bearbeiten]

Name Beginn der Amtszeit Ende der Amtszeit
Tran Phu 27. Oktober 1930 6. September 1931
Lê Hồng Phong 27. Oktober 1931 26. Juli 1936
Hà Huy Tập 26. Juli 1936 30. März 1938
Nguyễn Văn Cừ 30. März 1938 9. November 1940
Trường Chinh Mai 1941 24. September 1956
Hồ Chí Minh 24. September 1956 10. September 1960
Lê Duẩn 10. September 1960 10. Juli 1986
Trường Chinh (2. Mal) 14. Juli 1986 18. Dezember 1986
Nguyễn Văn Linh 18. Dezember 1986 28. Juni 1991
Đỗ Mười 28. Juni 1991 26. Dezember 1997
Lê Khả Phiêu 26. Juni 1997 22. April 2001
Nông Đức Mạnh 22. April 2001 19. Januar 2011
Nguyễn Phú Trọng 19. Januar 2011 amtierend

Leitende Organe der KPV[Bearbeiten]

Die Kommunistische Partei Vietnams führt innerhalb eines Blockparteiensystems die front nationale, die Front de la Patrie du Viêt Nam.

Zentralkomitee[Bearbeiten]

Dem ZK gehören 160 Vollmitglieder und 21 Kandidaten an.

Die Kandidaten nehmen an Tagungen des ZK mit beratender Stimme teil.

Politbüro der KPV[Bearbeiten]

Dem Politbüro gehören vierzehn Personen an.

  • Nguyễn Phú Trọng
  • Le Hong Anh
  • Nguyễn Tấn Dũng (Ministerpräsident der SRV)
  • Nguyễn Minh Triết (Präsident der SRV)
  • Truong Tan Sang (Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses des ZK)
  • Nguyen Phu Trong (Vorsitzender des Parteiausschusses von Hanoi)
  • Phạm Gia Khiêm (Vizeministerpräsident und Außenminister der SRV)
  • Phung Quang Thanh (Vizeverteidigungsminister der SRV)
  • Truong Vinh Trong (Vorsitzender des Innenausschusses des ZK)
  • Le Thanh Hai (Vorsitzender des Parteiausschusses von Ho-Chi-Minh-Stadt)
  • Nguyen Sinh Hung (Finanzminister der SRV)
  • Nguyen Van Chi (Vorsitzender des Kontrollausschusses des ZK)
  • Ho Duc Viet (Vorsitzender des Ausschusses für Wissenschaft und Technologie in der Nationalversammlung der SRV)
  • Pham Quang Nghi (Minister für Kultur und Information der SRV)

Sekretariat des ZK[Bearbeiten]

Dem Sekretariat des Zentralkomitees gehören acht Personen an.

  • Nông Đức Mạnh
  • Truong Tan Sang
  • Truong Vinh Trong
  • Nguyen Van Chi
  • Pham Quang Nghi
  • Le Van Dung
  • Tong Thi Phong
  • To Huy Rua

Zentrale Kontrollkommission[Bearbeiten]

Der Zentralen Kontrollkommission des Zentralkomitees gehören vierzehn Personen an.

  • Nguyen Van Chi
  • Nguyen Thi Doan
  • Tran Van Truyen
  • Pham Thi Hai Chuyen
  • Tran Hoa
  • Pham Chi Hoa
  • Pham Thi Hoe
  • Le Hong Lien
  • Le Van Giang
  • Nguyen Van Dam
  • Sa Nhu Hoa
  • Nguyen Minh Quang
  • Bui Van The
  • To Quang Thu [14]

Literatur[Bearbeiten]

In den Protokollen des IV.−XI. Parteitages der SED befinden sich Grußworte der vietnamesischen Partei an die Parteitage. Hier sind weitere Dokumente aufgeführt.

  • Kurze Geschichte der Partei der Werktätigen Vietnams. Verlag Rote Fahne, Dortmund 1972.
  • Vermächtnis des Präsidenten Ho Chi Minh. Aufruf und Trauerrede des Zentralkomitees der Partei der Werktätigen Vietnams. Verlag für fremdsprachige Literatur, Hanoi 1969.
  • IV. Parteitag der Partei der Werktätigen Vietnams. Dietz Verlag Berlin (DDR) 1977.
  • Statut der Kommunistischen Partei Vietnams. Angenommen auf dem IV. Parteitag. 1976. (englisch in: The Party Statutes of the Communist World. Martinus Nijhoff Publishers, The Hague 1984. ISBN 90-247-2975-0)
  • Dokumente und Materialien der Zusammenarbeit zwischen der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands und der Kommunistischen Partei Vietnams. 1973 bis 1979. Dietz Verlag Berlin (DDR) 1980.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Spiegel Online, Vietnamesische Regierung: Die alten Kämpfer gehen in Rente
  2. Verfassung der Sozialistischen Republik Vietnam, Artikel 4.1
  3. Marylin B. Young : The Vietnam Wars 1945 - 1990, New York, 1991, S. 3 - 5
  4. Marylin B. Young : The Vietnam Wars 1945 - 1990, New York, 1991, S. 5
  5. Pierre Brocheux, Daniel Hémery : Indochina – An Ambigous Colonization 1858–1954, Berkeley, 2009, S. 317 - 320
  6. Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der KPdSU, Die Kommunistische Internationale. Kurzer historischer Abriß. Verlag Marxistische Blätter GmbH, Frankfurt am Main 1970. S. 388
  7. ebenda, S. 605
  8. Frederick Logevall: Embers of War – The Fall of an Empire and the Making of America's Vietnam, New York 2013, S. 126, S. 172, S. 194, S. 225
  9. Ho Chi Minh, Politischer Bericht an den II. Parteitag der Partei der Werktätigen Vietnams. Auszug. 11. Februar 1951 (Version vom 20. November 2007 im Internet Archive)
  10. Uwe Klenner, Zur ökonomischen Entwicklung und sozialen Struktur der Gesellschaft in Nordvietnam. 1945 bis 1975 (PDF; 3,3 MB)
  11. Oskar Weggel, Der X. Parteitag der KP Vietnams. Ein Ereignis ohne hervorstechendes Profil (PDF; 361 kB)
  12. a b Bericht über die 11. interne Chinaberatung der Vertreter der Zentralkomitees der Bulgarischen Kommunistischen Partei, der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, der Kommunistischen Partei Kubas, der Mongolischen Revolutionären Volkspartei, der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei, der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei, der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei und der Kommunistischen Partei Vietnams
  13. a b c RotFuchs, Ausgabe Juni 2006, S. 22
  14. Alle Angaben über die Zusammensetzung dieser leitenden Organe der KPV sind Quelle 8 entnommen.