Girne

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Kyrenia)
Wechseln zu: Navigation, Suche

35.34027777777833.319166666667Koordinaten: 35° 20′ N, 33° 19′ O

Karte: Zypern
marker
Girne
Magnify-clip.png
Zypern
Die Festung im Hafen von Kyrenia

Girne (griechisch Kerýnia Κερύνεια, deutsch auch Kyrenia, italienisch Cerine, im Altertum unter anderem Keryneia altgriechisch Κερύνεια und Kyrēnia Κυρηνία) ist eine Hafenstadt mit etwa 26.000 Einwohnern im Distrikt Girne der Türkischen Republik Nordzypern, dessen Verwaltungssitz sie ist. Formal ist sie auch Hauptort des Bezirks Kyrenia der Republik Zypern.

Geschichte[Bearbeiten]

Im 10. bis 9. Jahrhundert v. Chr. wurde Keryneia eines der neun Stadtkönigreiche auf Zypern.[1] Bekannt wurde die Stadt unter Archäologen und Althistorikern durch das Schiff von Kyrenia, das sich im Schiffswrack-Museum der namensgebenden Stadt befindet. Das knapp 15 m lange Schiff sank um 300 v. Chr.

Möglicherweise unter dem römischen Kaiser Claudius erhielt die Stadt ein Aquädukt;[2] die Stadt wird auch in einer Inschrift aus flavischer Zeit erwähnt. Ob sie den Status einer civitas innehatte, ist nicht gesichert.

Unter dem byzantinischen Kaiser Alexios I. Komnenos wurde die Burg stark ausgebaut. Nachdem sich die Insel 1185 von Byzanz unabhängig gemacht hatte, eroberte der englische König Richard Löwenherz 1191 die Insel und erbeutete in Kyrene den Staatsschatz.

Die venezianische Festung von Kyrenia um 1900, Henry Rider Haggard: A Winter Pilgrimage; being an account of travels through Palestine, Italy, and the land of Cyprus, accompished in the year 1900, London 1901, S. 181
Vedute von Pierre Nicolas Ransonnette ((1745-1810)), abgedruckt bei Adrien Egron La terre-sainte et les lieux illustrés par les apôtres. Vues pittoresques, Paris 1837

Die Venezianer bauten die Befestigungsanlagen der Stadt um 1540 massiv aus, um die Insel gegen die Osmanen verteidigen zu können. Diese eroberten die Insel dennoch 1571. Kyrenia ergab sich, nachdem Efgenios (Zeno der jüngere) Synglitico, Graf von Rocca, der Anführer der venezianischen Truppen, mit seinem Bruder Tommaso, dem Vizegrafen von Nikosia, getötet worden war. Im 18. Jahrhundert war die osmanische Herrschaft durch Ämterkauf gekennzeichnet, gegen den es zu Aufständen kam. Führer des Aufstandes von 1765 war Khalil Agha, dessen Anhängerschaft sich im Juni angesichts der von Konstantinopel ausgesandten mehr als 5000 Mann aufzulösen begann, so dass ihm bald nur noch 200 Mann zur Verfügung standen. Sie wurden in Kyrenia belagert, Khalil musste aufgeben.

1878 kam die Insel an Großbritannien und wurde 1960 unabhängig. 1946 zählte man in Kyrenia 550 Türken und 2200 Griechen.

1974 begann hier die Invasion türkischer Truppen mit der Errichtung eines Brückenkopfes (Attila I). Die griechische Bevölkerung der Stadt floh in den Inselsüden.[3] Umgesiedelte Zyperntürken aus dem Süden der Insel siedelten sich unter anderem in Girne an.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung Kyrenias

Die Bevölkerung Kyrenias hat sich seit 1985 etwa vervierfacht:[4]

  • 1881: 1.192[5]
  • 1911: 1.726[5]
  • 1946: 2.916[5]
  • 1954: 3.400[5]
  • 1985: 6.902
  • 1997: 17.000
  • 2006: 26.067[6]

Geographie[Bearbeiten]

Der Pentadaktylos

Südlich der Stadt erstreckt sich der Pentadaktylos/Beşparmak, ein Gebirge, das bis zu 1.000 Metern hoch ist und im Nordosten in der schmalen Halbinsel Karpas/Karpaz und im Westen am Kap Kormakitis/Koruçam Burnu ausläuft.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Im Personenschiffverkehr bestehen Autofährverbindungen nach Taşucu und Mersin, das auch durch eine Tragflügelbootlinie angebunden wird.[7]

Bildung und Forschung[Bearbeiten]

Seit 1974 ist Girne Sitz des Türkisch-Zypriotischen Archivs.[8]

Die Stadt beherbergt auch die Amerikanische Universität Girne.

Medien[Bearbeiten]

In Girne erscheint seit 2005 die englischsprachige Wochenzeitung Cyprus Observer.[9]

Girne kommt im Videospiel Assassin’s Creed: Bloodlines vor. Allerdings heißt es dort einfach „Kyrenia“.

Von 1955 bis 1960, dem Zeitpunkt der Unabhängigkeit Zyperns, betrieb die später in Deutschland sehr bekannte Schauspielerin Lotti Huber am Hafen von Kyrenia das Lokal „The Octopus“. Sehr ausführlich berichtet sie hierüber in ihrer Autobiografie Diese Zitrone hat noch viel Saft und auch im Semi- Dokumentarfilm Affengeil von Rosa von Praunheim.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Der Hafen von Kyrenia
Die Abtei Bellapais

Zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt gehören vor allem die Festung von Kyrenia, der alte Stadtkern mit seinen engen steilen Gassen und der Fischerhafen mit dem alten Leuchtturm. Mit 96 Hotels ist Kyrenia der wichtigste Standort der Tourismusbranche in der Türkischen Republik Nordzypern.

Kyrenia hat drei Museen:

Besonders sehenswert sind zudem:

  • Die „Abtei Bellapais“: Das Kloster des Prämonstratenser-Ordens liegt an den Hängen des Pentadaktylos. Das Bauwerk gilt als Meisterwerk gotischer Architektur und als eines der schönsten im gesamten Nahen Osten. Der Name „Abtei Bellapais“ ist eine irrtümliche Übersetzung von „Abbaye de la Paix“ („Abtei des Friedens“).
  • Die felsige Ebene von „Chrysokava“ wurde in der Römerzeit als Friedhof und danach als Kalksteinbruch genutzt.
  • Die „Tekke von Hazreti-Ömer“: Das kleine Mausoleum des Hazreti Ömer ist eine muslimische Pilgerstätte.
  • Die jungsteinzeitliche Siedlung Ayios Epiktitos Vrysi (Çatalköy) liegt auf einem kleinen Küstenvorsprung und erweckt den Anschein, als könne sie ins Meer rutschen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kyrenia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. J. C. Peristianes: A Cypriote Inscription from Keryneia. In: The Journal of Hellenic Studies. 34, 1914, S. 119-121, S. 119.
  2. Stephen Mitchell: Imperial Building in the Eastern Roman Provinces. In: Harvard Studies in Classical Philology. 91, 1987, S. 333-365, S. 353..
  3. Andreas Constandinos: America, Britain and the Cyprus Crisis of 1974. Calculated Conspiracy or Foreign Policy Failure?, AuthorHouse, 2009, S. 279.
  4. http://bevoelkerungsstatistik.de/wg.php?x=&men=gcis&lng=de&dat=32&geo=-59&srt=3npn&col=aohdq&pt=c&va=&geo=-1070 (Version vom 30. September 2007 im Internet Archive)Vorlage:Webarchiv/Wartung/Linktext_fehlt
  5. a b c d Alexander Melamid: The Geographical Distribution of Communities in Cyprus. In: Geographical Review. 46, Nr. 3, 1956, S. 355-374, S 360..
  6. KKTC (Hrsg., 2006): KKTC de-facto ve de-jure nüfusunun ilçe, bucak ve cinsiyete göre dağilimi (PDF; 180 kB), S. 4.
  7.  The Middle East and North Africa 2004. ISBN 978-1-85743-184-1, S. 289.
  8. Mustafa Hasim Altan, James A. McHenry, Ronald C. Jennings: Archival Materials and Research Facilities in the Cyprus Turkish Federated State: Ottoman Empire, British Empire, Cyprus Republic. In: International Journal of Middle East Studies. 8, Nr. 1, 1977, S. 29-42..
  9. Cyprus Observer: Contact Us. Abgerufen am 7. September 2009..
  10. Thomas W. Davis: A History of American Archaeology on Cyprus. In: The Biblical Archaeologist 52/4, 1989, S. 163–169