Venezianische Kolonien
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Das venezianische Kolonialreich entstand in erster Linie auf Grund der politischen und kulturellen, besonders aber der Handelsbeziehungen zum Byzantinischen Reich. Dabei bildete die Republik Venedig Handelsmonopole aus und dominierte so 300 Jahre lang den östlichen Mittelmeerraum. Dabei kam es zu Konflikten mit dem Konkurrenten Genua, die in vier Kriegen eskalierten. Zugleich schwächte Venedig entscheidend das Byzantinische Reich. Mit der Expansion des Osmanischen Reiches verlor Venedig seine ägaischen Kolonien – vor allem 1571 Zypern und 1669 Kreta.
Venedig profitierte durch die Kreuzzüge in mehrfacher Hinsicht. Zum einen intensivierten sich die Handelskontakte mit dem östlichen Mittelmeer, zum anderen fuhren zahlreiche Pilger per Schiff ins Heilige Land. Doch erst mit dem IV. Kreuzzug kam es zur Eroberung Konstantinopels, und Venedig wurden drei Achtel des Lateinischen Kaiserreiches zugesprochen. Dennoch besetzte Venedig fast ausschließlich Stützpunkte entlang der griechischen Küsten und zahlreiche Inseln. Es lehnte sogar das Angebot der fränkischen Herren von Achaia, ab, die Herrschaft über ihren Teil des Peloponnes zu übernehmen.
Das Kolonialreich erstreckte sich von Istrien und Dalmatien über Albanien, Epirus und den Peloponnes bis in die Ägäis. Schließlich reichte es sogar bis Zypern. Dazu kamen zahlreiche Kolonien venezianischer Kaufleute, die in eigenen Quartieren wohnten.
Ob man die oberitalienischen Gebiete zum Kolonialreich rechnen sollte, lässt sich nur schwer entscheiden, ist aber in der Geschichtsschreibung nicht üblich. Dass es Analogien, zum Beispiel hinsichtlich der Finanzpolitik gibt, steht außer Frage.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Istrien
Schon im Laufe des 9. Jahrhunderts hatten die Venezianer eine eigene Flotte aufgebaut, die die Byzantiner als Ordnungsmacht im nördlichen Teil der Adria ablöste. Zur selben Zeit standen die Städte Istriens, die nominiell noch zum Byzantinischen Reich gehörten, unter dem Expansionsdruck der Franken und litten bald auch unter den Einfällen der Ungarn. In dieser Situation begannen sie seit dem 10. Jahrhundert Bündnis- und Schutzverträge mit Venedig abzuschließen.
Diese Schutzverträge, unter anderem mit Capodistria und Pola waren der Türöffner für die spätere Herrschaft Venedigs über große Teile Istriens. Im Inneren des Landes konnten sich dagegen das Patriarchat von Aquileia und verschiedene Lehensmänner des römisch-deutschen Kaisers durchsetzen.
Obwohl manche Städte von den Venezianern im 13. Jahrhundert besetzt wurden, so z. B. Parenzo 1267, konnten sich die istrischen Städte lange Zeit einen hohen Grad an innerer Autonomie bewahren. Die Macht in den Städten wurde an den venezianerfreundlichen Teil des örtlichen Adels übertragen – eine Gruppierung, die es praktisch in jeder istrischen Kommune gab. Das Militärwesen und der Außenhandel standen jedoch unter der Herrschaft der Lagunenstadt. Später wurden venezianische Adlige an die Spitze der kommunalen Verwaltung gestellt. Zu einer regelrechten Kolonialisierung im Sinne einer Besiedlung kam es jedoch nicht.
Venezianische Städte in Istrien waren Cittànova, Parenzo, Capodistria Pola, Umago, Isola und Pirano sowie Muggia und Albona (die letzteren beiden erst seit 1420). Nur Triest wehrte die Venezianer mit Hilfe der Habsburger erfolgreich ab und unterstellte sich dem Kaiser.
Erst mit dem Frieden von Campo Formio 1797 endete die Herrschaft Venedigs und ganz Istrien kam an Österreich.
[Bearbeiten] Dalmatien
Die Städte Dalmatiens unterstanden, mal mehr, mal weniger formal, dem Kaiser in Byzanz. Die nördlichen Inseln und Städte standen in Handelskontakten mit Venedig, zumal die Küste zahlreiche gute und sichere Häfen bot, die den Handel ins östliche Mittellmeer erleichterten. Dabei kam es zu Konflikten mit den Narentanern, die sich nach Auffassung der Venezianer zu sehr als Piraten betätigten. Venedig setzte sich mit einer Flottenexpedition durch, doch war sein Spielraum gegenüber dem Byzantinischen Reich, dessen Übergewicht sich vor allem im Süden Dalmatiens festigte, sehr begrenzt. Jedoch gab es keine byzantinische Verwaltung oder einen direkten Leiter der Provinz. Venedig griff erst wieder militärisch ein, als die Normannen 1074 nach Dalmatien gerufen wurden. Die wichtigsten Städte mussten beeiden, die Normannen nie wieder um Hilfe zu bitten. Venedig fürchtete um die Freiheit seiner Handelswege in der Adria.
1105 gelang es Ungarn die Städte Zara, Trogir und Split, bald Krk und Osor in seinen Machtbereich einzubeziehen. Venedig, das die gleichen Befürchtungen hegte wie bei den Normannen, führte mehrere Kriegszüge gegen die Städte, was wiederum Ungarn zu Gegenzügen veranlasste. Erst nach Jahrzehnten errang Venedig die Oberhoheit über Zadar und die Inseln des Quarnero an sich ziehen konnte. Dies dokumentierte Venedig, indem es 1154 die Erhebung Zadars zum Erzbistum erfolgreich anstrebte, um es 1155 dem Patriarchen von Grado zu unterstellen – der zugleich der kirchliche Oberherr Venedigs war. Doch Zadar sträubte sich jahrzehntelang gegen Eingriffe in seine Autonomie und verbündete sich mit Ungarn. Nach dem Tod Kaiser Manuels I. (1180) ging die kurzlebige Provinz Dalmatien für Byzanz endgültig verloren und der ungarische König besetzte diese Gebiete – was bis 1204 zu fast ununterbrochenen Kriegshandlungen führte.
Der IV. Kreuzzug fand unter venezianischem Einfluss sein erstes Ziel in Zara. 1202, endgültig 1205, wurde die Stadt unterworfen. Comes und Bischof wurden nun von Venedig bestimmt, bzw. genehmigt. Als sich Zara 1242 erneut erhob, siedelte Venedig erstmals Venezianer in der Stadt an, baute eine Festung vor die Stadt und kürzte die Mittel des Großen Rates, der Hauptversammlung der Stadtadligen. Ihnen verbot Venedig die Ehe mit Kroaten.
Die lokalen Herrenfamilien weiter im Süden Dalmatiens verfolgten hauptsächlich das Ziel städtischer Autonomie und wechselten dementsprechend ihre Bündnisse. 1321 unterstellten sich Sibenik und Trogir Venedig, 1327 folgten Split und Nin. Außer Kotor und dem Gebiet der Narentaner beherrschte damit Venedig den weitaus größten Teil Dalmatiens, eroberte zudem Korčula, Hvar und Brač.
Doch dieser Herrschaft machte ein Bündnis unter der Führung der Anjou unter Ludwig I. ein Ende. Sie beherrschten Ungarn und Süditalien gleichermaßen. 1358 musste Venedig das gesamte Gebiet zwischen Kvarner und Durazzo an die Anjou abtreten. Der Doge musste auf seinen Titel Dux Dalmatiae et Croatiae verzichten. Letztlich kulminierte dieser Dauerkrieg im Chioggia-Krieg, in dem die verbündeten Anjou und Genua 1381 unterlagen und Frieden schließen mussten (Friede von Turin).
1409 verkaufte Ladislaus von Anjou nach jahrelangen Verhandlungen seine Rechte auf Dalmatien und die ihm unterstehenden Städte Zadar, Vrana, Novisad und die Insel Pag für 100.000 Dukaten an Venedig. Bis 1423 unterwarfen sich die meisten Städte Dalmatiens, so dass eine durchgängige Verbindung zu den venezianischen Gebieten in Albanien entstand. 1480 kam noch Krk hinzu.
Doch durch die Expansion des Osmanischen Reiches verlor Venedig große Teile Dalmatiens. Nur einige Küstenstädte blieben formal unter seiner Herrschaft. Erst im Frieden von Karlowitz 1699 bekam dann Venedig ganz Dalmatien zugesprochen, mit Ausnahme von Dubrovnik, das unter osmanischer Oberhoheit blieb. Trotz dieses Friedensvertrags kam es immer wieder zu kleinen Konflikten mit dem Osmanischen Reich, Österreich und Ungarn. 1797 kam Dalmatien endgültig an Österreich.
[Bearbeiten] Albanien
Wenn von den venezianischen Kolonien in Albanien die Rede ist, sind zwei Regionen zu unterscheiden, die zu unterschiedlichen Zeiten im Besitz der Republik waren. Vom 4. Kreuzzug (1202–04) bis gegen Ende des 14. Jahrhunderts konnte Venedig verschiedene Häfen an der albanischen Küste zwischen Valona im Süden und Alessio im Norden erwerben. Diese gingen bis 1500 ausnahmslos an die Osmanen verloren.
Seit Ende des 14. Jahrhunderts brachten die Venezianer dagegen eine Reihe von Städten an der Bucht von Kotor und in der nähren Umgebung unter ihre Herrschaft, und sie behielten diese größtenteils bis zum Ende der Republik. Dieses im heutigen Montenegro gelegene Gebiet wurde seit dem 15. Jahrhundert Albania Veneta genannt. Wie die dalmatinischen Häfen waren auch die Orte an der albanischen Küsten Stationen des im 10. Jahrhundert an Bedeutung zunehmenden Orienthandels. Die Straße von Otranto, an der die albanische und die italienische Küste nur rund 70 km auseinander liegen, bildet die Engstelle für den gesamten Schiffsverkehr zwischen Ägäis und Levante sowie der Adria. Von größerer strategischer Bedeutung war dabei die albanische Seite, denn aufgrund der Wind- und Strömungsverhältnisse verlief an dieser Küste die am besten befahrbare Route. Solange beide Ufer des Meeres in byzantinischer Hand waren und die Flotte die südliche Adria kontrollierte, mussten sich die mit Byzanz verbündeten Venezianer wenig Sorgen um die sichere Passage machen. Dies änderte sich um die Mitte des 11. Jahrhundert mit dem Niedergang der byzantinischen Seemacht und der Eroberung Süditaliens durch die Normannen. Zwischen 1081 und 1107 konnte Kaiser Alexios I. die Expansionsversuche der Normannen auf den Balkan nur mit Mühe und mit Hilfe venezianischer Flotten zurückschlagen. Die Seemacht der Republik war seitdem ein entscheidender Faktor in der Region. Im Zuge des Bündnisses mit Alexios I. wurde die Stadt Durazzo, Ausgangspunkt der alten Via Egnatia nach Konstantinopel, für den venezianischen Handel freigegeben.
Während Kaiser Manuel I. († 1180) und einige seiner Nachfolger versuchten, den wirtschaftlichen Einfluss der Venezianer im Byzantinischen Reich zurückzudrängen, verbündete sich Isaak II. gegen seine Feinde im Inneren wieder mit der Republik. Unter anderem schenkte er den Venezianern 1192 ein eigenes Quartier in Durazzo, die so den ersten permanenten Stützpunkt an der albanischen Küste gewannen.
Nicht zuletzt weil an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert die unsichere innenpolitische Situation in Byzanz den Handel der Republik bedrohte, nutzte der Doge Enrico Dandolo den 4. Kreuzzug, durch den das Byzantinische Reich zerschlagen wurde, um für Venedig zahlreiche Stützpunkte und Inseln zu gewinnen. Insgesamt sollten drei Achtel der fränkischen Eroberungen an die Republik fallen. Die albanische Küste hatte bei der venezianischen Expansion nach 1204 jedoch nur eine nachgeordnete Bedeutung.
1205 gründete der lateinische Patriarch von Konstantinopel, Tomaso Morosini, auf dem Weg zu seinem Bischofssitz Konstantinopel den Dukat Durazzo. Der Handel Venedigs wurde deutlich intensiviert, die dortigen Italiener erhielten Abgabenfreiheit und Venedig 1210 das Recht auf freie Getreideausfuhr. Dieses wurde 1213/14 aufgehoben, als der Despot von Epirus die Stadt eroberte. Erst 1217 gab es hier wieder Handelsbeziehungen. Ende 1228 wurde Venedig erneut die Freiheit des Handels garantiert. 1230–42 befand sich Durazzo jedoch in bulgarischer Hand, womit Venedig vermutlich vom Export ausgeschlossen war, fiel dann nochmals kurzfristig in venezianische Hände. 1246 errang Epirus abermals die Hoheit über die Stadt. Nach dem Intermezzo der Eroberung durch die Truppen König Manfreds, fiel Durazzo erneut an Byzanz.
Byzanz sperrte die Ausfuhr, als sich Venedig mit Karl von Anjou zur Rückeroberung Konstantinopels verbündete, das seit 1261 wieder Hauptstadt des Byzantinischen Reiches war. Damit geriet Albanien abermals in den Fokus westlicher Eroberungspläne. Albanien fiel 1270 an Karl von Anjou, der im von ihm geschaffenen Regnum Albanie durch seinen Fiskalismus sowohl Ragusaner, als auch Venezianer vertrieb. Diese Herrschaft der Anjou hatte bis weit ins 14. Jahrhundert Bestand.
Der Tod Karls und Kaiser Michaels (1282) öffnete den Weg zu einer Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen. 1290 fiel Durazzo erneut an Byzanz. Offenbar kehrten damit auch Venezianer zurück, denn wenig spater kam es im Verlauf der Eroberung durch die Serben zu Schädigungen der ortsansässigen Händler.
Der Despotat Epirus löste sich ab 1318 rapide auf und fiel zunächst in die Hände einer venezianischen Familie (1323–1335), denen bereits seit längerem die vorgelagerte Insel Kephalenia unterstand, dann für wenige Jahre in die der Byzantiner, denen bereits vor der Mitte des Jahrhunderts wiederum die Serben folgten. Aber auch deren Herrschaft war nur von kurzer Dauer – Aufstände und vor allem die Kämpfe der Adelsfamilien untereinander, sowie das Vordringen der Osmanen, dürften in der Folgezeit dem Handel schwer zugesetzt haben.
Während der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts stritten albanische Klans und die Anjou um die Vorherrschaft. Karl Thopia, ein illegitimer Nachkomme König Roberts von Anjou, vertrieb die Anjou ab 1358 aus Albanien, eroberte schließlich 1367 mit dem stillschweigenden Einverständnis Venedigs auch Durazzo. 1386 schloss man ein regelrechtes Bündnis.
Nach 1400 griff Venedig wieder intensiver südwärts aus, nachdem es Dalmatien an Ungarn hatte abtreten müssen. 1392 und 1396 fielen Durazzo und Scutari, dann Alessio und Drivasto. In den nächsten Jahrzehnten folgten weitere Städte wie Budua und Antivari. Neben Holz wurde das örtliche Getreide die Grundlage des Reichtums von Ishmi und Suffada, den Handelszentren des Nordens.
Durazzo hingegen verarmte. Bereits 1401 galt die einstmals florierende jüdische Kolonie als völlig verarmt, bis 1430 war Durazzos Bevölkerung stark zurückgegangen. Bezeichnenderweise wurde die Stadt nicht in die entstehende Kolonie Venezianisch Albanien einbezogen und fiel 1503 an die Osmanen.
1432 bis 1436 und erneut ab 1443 unter Skanderbeg erhoben sich die Albaner gegen die osmanische Herrschaft. Aber Skanderbeg bedrohte zugleich die venezianischen Besitzungen, so dass es 1447–48 zu einem venezianisch-albanischen Krieg kam. Venedig scheute sich nicht, sich mit den Osmanen gegen Skanderbeg zu verbünden. Die Handelsinteressen, vor allem der Import von Holz und Getreide, die Unterdrückung eines eigenständigen Salzhandels, die Bevorzugung eines einheitlichen Handelsraums mit Zugriffsmöglichkeiten bis Thessaloniki, hatten Vorrang.
Nach dem zweiten Osmanenkrieg (1463–79) verblieb Venedig nur der Besitz einiger Städte südlich von Ragusa. Die Städte Kotor, Téodo, Budua, Antivari und Dulcigno, bildeten den Kern der Provinz Albania veneta. Vor allem die Bucht von Kotor war ein wichtiger Anlaufpunkt für die Flotte und eine geschützte Etappe des Fernhandels. Außerdem blühte ein reger Schiffbau.
Im Osmanenkrieg von 1570 bis 1573 verlor Venedig vor allem Zypern, musste aber auch Antivari und Dulcigno abtreten.
1699 gelang Venedig die Eroberung von Castelnuovo, womit die Bucht von Kotor vollständig in seiner Hand war. 1718 wurde die Grenze zum Osmanenreich anerkannt.
[Bearbeiten] Korfu und die Ionischen Inseln
Korfu gehörte zu den drei Achteln des Byzantinischen Reichs, die Venedig von den Teilnehmern des IV. Kreuzzugs zugesprochen worden waren. Zwar gelang 1207 die Besetzung der Insel nach der Vertreibung des Genuesen Leone Vetrano, aber schon 1214 fiel sie an den Despotat Epirus.
Erst 1386 konnte Venedig die Insel erwerben und sie blieb bis zum Ende der Republik in ihrem Besitz (1797). Sie wurde in vier Balleien unterteilt. Neben der Hauptstadt waren Angelokastron und Gardiki die wichtigsten Festungen. Die Hauptrolle der Insel bestand für Venedig darin, dass sichere Häfen den Seeverkehr schützten und die Schiffe dort Proviant aufnehmen konnten. Darüber hinaus exportierte Korfu Oliven, Weizen und Zucker.
Die rund 750 km² große Insel Kefalonia, die größte der Ionischen Inseln, kam 1194 an die aus Venedig stammenden Orsini, die sie bis 1323 beherrschten. Nach mehrfachem Besitzerwechsel kam die Inselgruppe endgültig 1500 an Venedig (bis 1797).
[Bearbeiten] Morea (Peloponnes)
Drei Achtel des Byzantinischen Reichs, dessen Hauptstadt die Kreuzfahrer 1204 unter Führung des Dogen Enrico Dandolo erobert hatten, wurden Venedig zugesprochen. Dazu gehörte auch der Peloponnes. 1206 besetzte eine Flotte Modon und Koron auf dem Südwestzipfel der Fastinsel. Diese Augen der Serenissima, wie die Doppelfestung genannt wurde, spielten als Drehscheibe und Kontrollpunkt für den Handel eine bedeutende Rolle. Die Festungen dienten den Handelsflotten als sichere Häfen, aus dem Lager für Schiffszwieback deckten die Besatzungen ihren Bedarf, Waren konnten hier gelagert werden. Der Rest der Peloponnes unterstand zunächst den lateinischen Fürsten von Achaia. Als die türkische Armee 1422 vor Konstantinopel gescheitert und sich daraufhin erstmals der Halbinsel zugewandt hatte, boten die verbliebenen lateinischen Fürsten Venedig die Unterwerfung unter ihre Oberherrschaft an. Fünf Weise prüften dieses Angebot im Auftrag des Senats und kamen zu dem Schluss, dass die wirtschaftlichen Schätze des Landes durchaus einer Ausbeutung würdig seien – trotzdem lehnte der Große Rat das Angebot ab. So fiel 1432 fast die gesamte Morea an die Byzantiner von Mistra, denen sogar ein Vordringen bis nach Athen und an den Fuß des Pindos-Gebirges gelang. Aber dies konnte die Osmanen bei ihren Verwüstungszügen durch den Peloponnes (1446, 1452, 1458, 1460) nicht aufhalten. Nach der endgültigen Eroberung (1459/60) – nur das verbliebene Monemvasia unterstellte sich 1464 dem Schutz Venedigs – fielen 1470 auch Negroponte und im Jahr 1500 Koron und Modon an die Hohe Pforte. Nur wenige Felsensiedlungen, wie das besagte Monemvasia, konnten sich noch jahrzehntelang halten.
Nur für einige Jahrzehnte gelang Venedig ab 1686 die erneute Eroberung der Morea, doch schon 1715 nahm ein osmanisches Heer die Halbinsel wieder ein. Hauptstadt der venezianischen Morea war Nauplia, das auch Napoli di Romania genannt wurde. [1]
[Bearbeiten] Thessaloniki
1423–1430
[Bearbeiten] Candia (Kreta)
Der Anspruch Venedigs auf den Besitz von Kreta basierte auf einer Vereinbarung über die Aufteilung des Byzantinischen Reiches, die bei der Belagerung von Konstantinopel getroffen worden war. Das ihnen zugesprochene Gebiet um Saloniki tauschten sie 1204 gegen die Insel Kreta ein, die der Markgraf Bonifatius II. von Montferrat erhalten hatte. Hauptstadt und Insel erhielten den italienisierten Namen Candia. Erster Gouverneur war Jacopo Tiepolo. Doch von 1204 bis 1207 fiel die Insel zunächst fast gänzlich an genuesische Piraten, bevor Venedig die Insel erobern konnte - wie sich zeigen sollte, ein instabiler Besitz. Denn bald begann eine Kette von Aufständen der griechischen Bevölkerung, die sich durch das gesamte erste Jahrhundert venezianischer Herrschaft zog: 1217–19, 1222–24 und 1228–36, erneut ab 1254, wiederum 1262–68 und abermals 1273–82. Fast die ganze Insel wurde schließlich von dem Aufstand unter Alexios Kalergis erfasst (1283–1299). Darüber hinaus versuchten Byzantiner 1230–1236 und 1262–65, dann Genuesen 1265 die Insel zu erobern.
Dennoch hielt Venedig am Besitz der Insel fest. Sie bot ihrem Handel im östlichen Mittelmeerraum sichere Häfen und Versorgung der Schiffsmannschaften. Darüber hinaus bot sie der völlig von Lebensmitteleinfuhren abhängigen Stadt die Möglichkeit, das Grundnahrungsmittel Getreide, vor allem Weizen, aus eigenem Gebiet zu beziehen. Dazu schickte sie mehrere tausend Siedler auf die Insel, die bald auch Schiffe und ihre Besatzungen zu stellen hatten.
[Bearbeiten] Venezianische Siedler
Die Labilität der Herrschaft hing damit zusammen, dass das Land der Kreter – gegen ihren Willen – ab 1211 in Lehen zerteilt wurde, die ausschließlich an Venezianer weiterverkauft werden durften. Binnen weniger Jahre kamen 3.500 als Milites[2] bezeichnete Siedler und wurden entsprechend den sechs Stadtteilen der Mutterstadt (Sestieri) auf der Insel angesiedelt, die in gleichnamige Bezirke aufgeteilt worden war. Die Sechstel wurden wiederum in Turme eingeteilt und diese wiederum in Cavallerie. Zwei Drittel der insgesamt 200 Cavallerie wurden an Kolonisten verliehen, sowie gut ein Drittel der 1.200 Güter an einfache Milites. Pro Militia, also dem jedem Siedler zustehenden Gebiet mit den daran hängenden Rechten an Land und Leuten, standen sieben bis maximal 25 Hörige zur Verfügung – von denen allerdings viele flohen. Um 1330, als die durchschnittliche Hörigenzahl pro Militia bei zwölf bis 15 lag, hatten viele nur noch sieben oder acht. So entstand eine wachsende Gruppe von Siedlern, deren Existenz bedroht war.
Gleichzeitig erzwang Venedig, dass jeder Hörige pro Jahr einen Hyperperon, eine Silbermünze, entrichtete. Dieses Mittel, um Erwerbsarbeit zu erzwingen, hat in späteren Kolonien weltweit Schule gemacht. Um das Ausweichen auf Erwerb durch Handel zu unterdrücken, wurde ihnen diese Tätigkeit strikt untersagt. Dennoch wurde der Mangel an Arbeitskräften, auch bedingt durch die Verluste der Aufstände, so groß, dass man Anfang des 14. Jahrhunderts eine umfangreiche Einfuhr von Sklaven begann, von denen aber wiederum viele flohen. Trotzdem wurden die Lehensnehmer gezwungen, mindestens die Hälfte ihres Landes zu bebauen.
Als weitere Kraft auf der Insel trat die Hauptstadt Candia (heute Iràklion) auf. Sie verschärfte das Problem noch weiter. Als Besitzerin von 800 km² Ländereien, was fast einem Zehntel der Inselfläche entsprach, zog sie geflohene Hörige an, indem sie ihnen die Freiheit ermöglichte. Dazu kam, dass die Hörigen, meist griechisch-orthodoxen Glaubens, hier nicht zur Konvertierung zum römisch-katholischen Bekenntnis gedrängt wurden. Dazu trieb Candia die Kolonisten in die Enge, indem sie 1302 verfügte, dass automatisch der Kommune Candia unterstehen sollte, wer seinen Lehnsherrn nicht kannte. Landflucht und ein Brigantentum größten Ausmaßes hingen aufs engste mit diesem Kolonialsystem zusammen, das praktisch nur die Bedürfnisse der Mutterstadt zu befriedigen hatte.
Dabei glichen sich die Interessen der Grundbesitzer nach und nach einander an. Bei der Aufteilung der Insel wurden die führenden kretischen Familien jedoch zunächst kaum berücksichtigt. Erst nach 1300 versuchte man, diese Archonten bis zu einem gewissen Maß zu integrieren. So erhielt Alexios Kalergis, der mächtigste Aufstandsführer, 1302 das Recht 15 Milliaria zu halten, zwei Jahre später Getreide auf eigene Rechnung zu verkaufen. Doch erst 1407 erhielt, in Durchbrechung der Grundsätze der Serrata, mit der sich der venezianische Adel nach unten gegen Aufsteiger abgeriegelt hatte, ein Angehöriger der Kalergis Sitz und Stimme im ansonsten nur venezianischen Adligen vorbehaltenen Großen Rat von Candia. Angesichts der Tatsache, dass zwischen Venezianern und Kretern ein Eheverbot bestand, und Venezianer unter keinen Umständen Lehen an Kreter abgeben durften, war dies ein bedeutender Schritt.
Die Milites, die sich zugleich im Laufe der Generationen immer mehr den griechischen Archontenfamilien assimilierten, zersplitterten im Gegensatz zu diesen durch immer weitergehende Unterverpachtungen ihr Land. Dadurch fiel am Ende ein Teil des Landes in die Hände des Stadtbürgertums.
[Bearbeiten] Forderungen der Mutterstadt
Zwischen 1211 und 1300 hatte Kreta kaum mehr als 50.000 Einwohner. Diese Zahl stieg jedoch wieder an, so dass sie um 1400 auf etwa 100.000 geschätzt wird – von denen fast ein Fünftel in den größeren Städten wohnte –, um 1500 etwa 200.000. Damit stieg der Eigenbedarf der Inselbewohner im Verhältnis zur stagnierenden Produktion, die unter dem geschilderten Mangel an Arbeitskräften litt. Dennoch bestand Venedig auf seiner Quote am Getreide zu seinen Konditionen und Preisen. Die Kolonisten bekamen meist weniger, als sie durch privaten Verkauf auf der Insel oder gar Export hätten erhalten können. Außerdem mussten sie einen Pflichtteil von einem Drittel abliefern, der anhand der Saatmenge, nicht anhand der Erntemenge errechnet wurde. Das bedeutete bei schlechten Ernten in den Augen der Siedler eine unerträgliche Ungerechtigkeit in der Berechnung. Hier standen Fiskalismus in Verbindung mit Versorgungsinteressen auf Seiten Venedigs und Verwertungsinteressen auf Seiten der Siedler in schärfstem Widerspruch, der sich im großen Aufstand von 1363 bis 1366 entlud.
Drei Ziele versuchte Venedig gleichzeitig zu erreichen. Zum einen sollte den Siedlern ein ausreichendes Einkommen verschafft werden, zum anderen sollte Venedig festgesetzte Weizenmengen zu von ihr bestimmten Preisen und Bedingungen bekommen, um den Preis- und Mengenschwankungen auf dem venezianischen Markt die Spitzen nehmen zu können. Gefährlicher, weil willkürlicher und sprunghafter, war das dritte Ziel, die Versorgung der Flotten mit Schiffszwieback. So bürdete man solche „überraschenden“ Lasten gern den jüdischen Gemeinden in Form von Sonderabgaben auf, um beispielsweise mit 1000 Dukaten eine burgundische Kreuzzugsflotte zu verproviantieren. Normalerweise teilten sich diese Aufwendungen die Milites, die Stadt Candia und die jüdische Gemeinde im Verhältnis 2:1:1.
[Bearbeiten] Der Aufstand der Siedler
Viele Siedler wehrten sich gegen dieses koloniale System. 1354 kam es zu einer ersten Verschwörung unter Führung der Familien der Gradenigo und Venier, die aber schnell zusammenbrach. 1362 zog eine Pestwelle über die Insel. Als in dieser Situation auch noch eine große Schiffsladung von Silbermünzen einlief und Venedig verlangte, sie zu einem viel zu hohen Kurs einzutauschen, sich zudem Soldzahlungen verzögerten, Steuern erhöht wurden, da stand die Insel vor der offenen Empörung.
Am 8. August 1363 widersetzten sich die Siedler einem jährlichen Extrazoll zur Reinigung des Hafens und der Ausbesserung der Dämme. Die Hauptstadt Candia rebellierte. Bald erfasste der Aufstand die gesamte Insel und auch in anderen Kolonien in der Ägäis fürchtete man Unruhen.
Ende Januar 1364 brachen unter dem Condottiere Luchino dal Verme drei Galeeren auf. Sein Heer besiegte die Aufständischen und eroberte Candia. Gegen die Führer der Rebellion wurde mit größter Härte vorgegangen. Das galt vor allem für Micheletto Falier, ein Mitglied der Familie jenes Marin Falier, der zehn Jahre zuvor als Doge einen Umsturzversuch unternommen hatte. Nach dem Winter 1364/65 wurden bis zu 5.000 türkische Söldner angeworben, daneben Sklaven. Die Zerstörungen gingen so weit, dass sie noch nach langer Zeit zu spüren waren. Die Lasithi-Ebene wurde bis 1463 zur Strafe für den Aufstand nicht bebaut – erst ab 1497 betrieb man hier wieder Landbau.
[Bearbeiten] Wirtschaftspolitische Versuche in einem engen Rahmen
1367–71 versuchte man vergeblich, die eingezogenen Lehen zu versteigern, und nur langsam lockerte Venedig seine restriktive Politik. Lokale Teuerungen waren weiterhin keine Seltenheit, so etwa 1385 und 1386 um Rethymno. Erstmals gestattete man aber dortigen Siedlern, ein Viertel der Ernte innerhalb des Kolonialreichs auf eigene Rechnung auszuführen. Dennoch lohnte sich der Weizenanbau immer weniger. Die Siedler zogen spätestens um 1400 Wein und Käse, Zucker, Mastix, Honig und Wachs sowie Baumwolle dem Anbau von Weizen vor. Zu einer Zeit, als Kreta unter Mangel an Brotgetreide litt, wie der Doge Michele Steno dem Duca und seinen Räten vorhielt, die die Insel führten, eine angesichts der bisherigen Erfahrungen gefährliche Situation. Zur Linderung zwang man kurzerhand die jüdische Gemeinde erneut, neben den üblichen Lasten auch noch Getreide zu importieren, doch die Grundsätze blieben bestehen.
Erst der wirtschaftliche Aufschwung Venedigs stabilisierte für einige Zeit die Situation, die Stadt schlug einen weniger restriktiven Kurs gegenüber ihren Kolonien ein. Die Mangeljahre (wie 1403 und 1421) wurden seltener. Außerdem spielte Kreta nur noch sporadisch eine Rolle als Kornreservoir für Venedig, so etwa 1423 bis 1430, als Venedig das von den Osmanen belagerte Saloniki vor allem mit kretischem Korn versorgte. Auch anlässlich des Kreuzzuges von Varna (1444) wurde Kreta zur Versorgung der Truppen herangezogen. Um genügend Getreide stellen zu können, wurden sogar die griechischen Kleriker zu einer Abgabe herangezogen, die sie in Getreideform leisten durften.
Im Verlauf des 15. Jahrhunderts sorgten wachsende Bevölkerungszahl – immerhin hatte die Insel am Ende des Jahrhunderts mehr Einwohner als Venedig selbst –, sinkende Erträge durch Mangel an Arbeitskräften, und wenig lockende Preise sowie die Bevorzugung anderer Kulturen für immer kleinere Weizenernten. Dazu erlebte die Insel 1455 und 1456 – neben der für ihre Wirtschaft offenbar katastrophalen Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen im Jahr 1453 – eine zweijährige Hungersnot. Spürbar blieb sie noch bis 1462, mit Ausnahme des Jahres 1460, als der Senat zur Entlastung der Insel befahl, 50.000 Stück Zwieback bereitzustellen. Als 1464 eine Kreuzzugsflotte versorgt werden musste, entstand in Candia ein einschneidender Getreidemangel. Im folgenden Jahr verweigerte Rethymno sogar die Abgabe von Zwieback an die Galeeren. Die Versorgungslage blieb angespannt und schwankte von Jahr zu Jahr, doch kam es zu keinen weiteren Aufständen.
[Bearbeiten] Osmanische Eroberung
Nach dem Fall von Konstantinopel 1453 wurde Candia gleichsam als Nachfolgerin ein künstlerisches und geistiges Zentrum. Obwohl Venedig und das Osmanenreich mehrere Kriege führten, blieb Kreta fast unberührt davon. Das änderte sich 1645. Ein osmanisches Heer landete mit 50.000 Mann und schloss Candia zügig ein. Rethymno fiel 1646 und 1648 intensivierten die osmanischen Truppen die Belagerung Candias. Sie sollte als die längste Belagerung aller Zeiten im Gedächtnis bleiben. 1667 drängte der Großwesir Ahmed Köprülü auf Verschärfung, und er zwang die Stadt im September 1669 zur Kapitulation. Es blieben Venedig noch für einige Zeit die Festungen von Gramvousa (bis 1692), Souda and Spinalonga im Norden, aber 1718 mussten auch sie abgetreten werden.
[Bearbeiten] Inseln in der Ägäis
Die Inseln der Ägäis hatten innerhalb des Kolonialreichs eine Art Sonderstatus, denn sie unterstanden nicht einem von Venedig entsandten Sachwalter, sondern gerieten auf verschiedenen Wegen in die Hand von Feudalherren venezianischer Herkunft. So fiel Naxos an die Sanudo, Tinos und Mykonos an die Ghizi, Cérigo an die Venier, Santorin an die Barozzi und Karpathos an die Corner.
Karpathos fiel beispielsweise im Zuge der Eroberung von Rhodos durch den Hospitaliterorden an Andrea Corner. Jedoch machte ihm der Orden den Besitz nach 1306 streitig. Es erforderte erheblichen diplomatischen Druck von Seiten Venedigs, bis Andrea Corner wieder in den Besitz der Insel kam.[3]
Die bedeutendste Eroberung gelang jedoch dem Neffen des Dogen Enrico Dandolo, Marco Sanudo. Zusammen mit Marino Dandolo, Andrea und Geremia Ghisi, Ravano dalle Carceri, einem der Herren von Negroponte, und Philocalo Navigaioso, dem Herrn von Lemnos, gelang ihm die Eroberung von Naxos und bis 1210 auch der übrigen Kykladeninseln. Er zog es vor, sich als Vasall dem Lateinischen Kaiserreich zu unterstellen. So begründete er das Herzogtum Archipelagos und wurde selbst Herzog von Naxos (1207–27). Er teilte das Herzogtum in 56 Lehen auf.
Auch später wechselte das Herzogtum immer wieder den Oberherrn, je nach politischer Großwetterlage. Nachdem Giovanni dalle Carceri, Lehnsherr von zwei Dritteln von Negroponte und Sohn der Herzogin Fiorenza Sanudo, die Insel als Lehen erhalten hatte, erlangten die Crispi die Herzogswürde, unterstellten sich 1418 aber Venedig. Es hatte die Crispi schon 1383 unterstützt, zumal Francesco Crispo auf seine Lehen auf Negroponte verzichtete. Die Herzöge sahen darin wohl das einzige Mittel, dem zunehmenden Druck durch Osmanen und Genuesen entgegenzuwirken. Letztere eroberten 1431 sogar Naxos, erstere griffen es 1477 an. Das Herzogtum blieb jedoch bis 1566 unter venezianischer Oberhoheit.
Spannungen innerhalb der Inselherrschaft führten dazu, dass der Herzog Giovanni Crispo in seiner Hauptstadtfestung belagert wurde. Nur die Johanniter von Rhodos retteten seine Herrschaft. Erst sein Tod 1494 veranlasste Venedig einzugreifen und bis 1500 das Herzogtum direkter Herrschaft zu unterstellen. Francesco III., den Venedig 1500 als Herzog einsetzte, musste 1507 auf Druck der Bevölkerung wieder abgesetzt werden, kehrte für kurze Zeit zurück, endete aber schließlich im Gefängnis von Candia.
Venedig setzte weiterhin auf die Crispi, zumal die Angriffe türkischer Korsaren, allen voran Khair ad-Din Barbarossa ab 1532 stark zunahmen. Nur Tributzahlungen an die Osmanen ab 1536 retteten die Inselherrschaft bis 1566. Tinos und Mykonos waren bereits seit 1520 direkter venezianischer Herrschaft unterstellt.
Insgesamt waren die Inseln für Venedig wirtschaftlich bedeutungslos, lieferten allerdings eine militärische Reserve gegen die wechselnden politischen Rivalen. Den Griechen gelang es immer wieder, die venezianischen Feudalherren zu vertreiben, wie zuletzt 1566 auf Andros.
[Bearbeiten] Zypern
Schon lange vor der Inbesitznahme der großen Insel im östlichen Mittelmeer waren dort Venezianer tätig. 1366 war es der Familie Corner di San Luca gelungen, von der Dynastie der Lusignan, die Zypern beherrschten, umfangreiche Ländereien zu erwerben. Das dortige Zuckerrohr machte sie zu einer der reichsten Familien Venedigs.
Doch der Dauerstreit mit Genua schwächte auf lange Zeit die venezianische Position, nachdem es in Famagusta 1374 zu schweren Straßenschlachten zwischen Venezianern und Genuesen gekommen war.
Zypern kam durch dynastische Verbindungen an Venedig, 1468 heiratete Katharina Cornaro, die Tochter des Dogen Marco Corner, König Jakob II. von Lusignan. Als ihr Mann und ihr Kind bereits 1474 starben, wurde sie zur Königin von Zypern und übergab schließlich 1489 die Insel an die Republik Venedig.
Die venezianischen Interessen wurden von einem in Nikosia ansässigen Rettore wahrgenommen. Diese Einrichtung bestand aus einem Statthalter und zwei Beratern (Consiglieri), deren Amtszeit auf zwei Jahre begrenzt war. Der Rat der Zehn, der sie beaufsichtigte, kontrollierte auch ihre Tätigkeit im Bereich der Gerichtsbarkeit und vor allem der Steuereinziehung. Die Beteiligung der Zyprioten beschränkte sich auf die Ämter der Vicecomites von Famagusta und Nikosia, doch lässt sich um 1500 zunehmend eine Beteiligung der griechischen Magnaten feststellen[4]. Dies ist wohl einerseits auf den zunehmenden osmanischen Druck zurückzuführen, andererseits auf wirtschaftliche Erfolge und die zunehmende Einbindung in den Machtapparat.
Salz war eines der wichtigsten Ausfuhrgüter der Insel. Es wurde vorrangig um Larnaka gewonnen. Zuckerrohr und Weizen wurden hingegen zunehmend durch Baumwolle verdrängt. Die Abgaben waren hoch und auf dem Land dominierte ein Feudalsystem, ähnlich wie auf Kreta. Zwar erhielt die orthodoxe Kirche alle Rechte der Religionsausübung und die wirtschaftliche und politische Beteiligung der orthodoxen Bevölkerung nahm langsam zu, doch die Venezianer sahen sich gezwungen, zur Finanzierung ihrer Kriege und Tributleistungen die Abgabenlast weiter zu erhöhen. 1519 machte Bartolomeo Contarini den Vorschlag, die Besatzungen der Festungen, allen voran Kantara, durch die Männer der umliegenden Dörfer zu verstärken, und ihnen dafür Abgaben und Dienste zu erlassen, doch zog man es offenbar vor, die Besatzungen abzuziehen, und die Festungen zu schleifen. 1562 entlud sich diese Spannung in einem Bauernaufstand unter Führung des Jakob Didaskalos aus Nikosia.
Venedig entrichtete anfangs Tributzahlungen an das mamelukische Ägypten, dann (ab 1520) an den osmanischen Sultan, um Zypern halten zu können. Trotzdem fiel die Insel 1570 an die Osmanen, im Folgejahr fiel als letzte Festung Famagusta. Dieser Verlust war ein schwerer Schlag, er setzte die Schrumpfung des venezianischen Kolonialreichs fort. Die wirtschaftliche Bedeutung der Insel darf zwar nicht unterschätzt werden, doch war der Schaden für den Fernhandel wohl viel größer, denn es wurde immer schwieriger, die langen Handelsfahrten zu schützen und zu versorgen.
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Das Städtchen war von 1829 bis 1834 Hauptstadt des unabhängigen Griechenland.
- ↑ Miles bezeichnet ursprünglich Ritter, doch muss man sich hierunter eher Militärsiedler vorstellen, die nur z. T. beritten waren.
- ↑ Freddy Thiriet: La Romanie vénitienne au Moyen Age. Le développement et l'exploitation du domaine colonial vénitien (XII-XV siècles). 2. Auflage. Paris 1975.
- ↑ Arbel, Magnates
[Bearbeiten] Literatur
- Benjamin Arbel, Cyprus, the Franks and Venice. 13th–16th centuries, Aldershot [u.a.] 2000 ISBN 0-86078-824-5
- Benjamin Arbel, Slave Trade and Slave Labor in Frankish and Venetian Cyprus (1191–1571), in: Studies in Medieval and Renaissance History, n.s. 14 (1993) 151–190.
- A. Biagini, Storia dell’Albania dalle origini ai nostri giorni, Mailand 1999
- S. V. Bliznjuk, Die Venezianer auf Zypern im 13. und in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, in: Byzantinische Zeitschrift 84/85 (1991/92) 441–451
- Alain Ducellier, La facade maritime de l'Albanie au Moyen Age. Durazzo et Valona du XIe au XVe siècle, Thessaloniki 1981
- Alain Ducellier, L’Albanie entre Bysance et Venise, Variorum Reprints, London 1987
- Marco Folin, Spunti per una ricerca su amministrazione veneziana e società ionia nella seconda metà del Settecento, in: Studi Veneti offerti a Gaetano Cozzi, Venedig 1992, 333–347, auch als PDF verfügbar
- Maria Georgopoulou: Venice’s Mediterranean colonies. Architecture and urbanism, Cambridge 2001 ISBN 0-521-78235-X
- Jennifer Glaubius, The Venetian Period in Vostizza, Greece, 1685–1715: A Gis Analysis, University of Cincinnati 2005, Download von dieser Site (PDF, 33 MB)
- Hans-Jürgen Hübner, Quia bonum sit anticipare tempus. Die kommunale Versorgung Venedigs mit Brot und Getreide vom späten 12. bis ins 15. Jahrhundert, Peter Lang 1998, S. 211–245 ISBN 3-631-32870-2
- J. Jegerlehner, Der Aufstand der kandiotischen Ritterschaft gegen das Mutterland Venedig (1363–1365), in: Byzantinische Zeitschrift 12 (1903) 78–12
- Thomas F. Madden: Enrico Dandolo & the rise of Venice. Baltimore 2003 ISBN 0-8018-7317-7
- Chryssa A. Maltezou und Peter Schreiner (Hrsg.): Bisanzio, Venezia e il mondo franco-greco (13.–15. secolo). Atti del Colloquio Internazionale Organizzato nel Centenario della Nascità di Raymond-Joseph Loenertz O.P., Venedig, 1.–2. Dezember 2000 Venedig 2002 ISBN 960-774322-9
- R. Paci, La ‘scala’ di Spalato e il commercio veneziano nei Balcani fra Cinque e Seicento, Venedig 1971
- Filippo Maria Paladini: Un caos che spaventa: poteri, territori e religioni di frontiera nella Dalmazia della tarda età veneta, Venedig 2002 ISBN 88-317-8016-6
- Gerhard Rösch, Zypern und der Levantehandel Venedigs im Mittelalter, in: Sabine Rogge (Hrsg.), Zypern – Insel im Brennpunkt der Kulturen, Münster 2000 ISBN 3-89325-878-7
- Hans Schmidt, Il salvatore di Corfù. Matthias Johann von der Schulenburg (1661–1747). Una carriera militare europea al tempo dell'Alto Assolutismo, Venedig 1991
- Oliver Jens Schmitt, Das venezianische Albanien (1392–1479), Oldenbourg 2001, ISBN 3486565699
- E. Valet, Marchands vénitiens en Syrie à la fin du XVe siècle, Paris 1999
[Bearbeiten] Quelleneditionen
Zur Romania, dem ehemaligen Gebiet des Byzantinischen Reichs:
- Freddy Thiriet (Hrsg.), Délibérations des assemblées vénitiennes concernant la Romanie, Bd. I: 1160–1363, Bd. II: 1364–1463, Paris 1966 und 1971
- Freddy Thiriet (Hrsg.), Régestes des déliberations du Sénat de Venise concernant la Romanie, Bd. 1 (1329–1399), Paris 1958
Zu Albanien:
- Acta Albaniae Veneta saeculorum 14 e 15, 24 Bde, München 1967
Zu Kreta:
- Hippolyte Noiret, Documents inédits pour servir à l’histoire de la domination vénitienne en Crète de 1380 à 1485, Paris 1892
- J. Jegerlehner, Der Aufstand der kandiotischen Ritterschaft gegen das Mutterland Venedig (1363–1365), in: BZ 12 (1903) 78–120, Teil II, ab S. 101: Urkunden, die den Aufstand betreffen
- Lettere di Mercanti a Pignol Zucchello (1336–1350), Hg. Raimondo Morozzo della Rocca, Venedig 1957
- Freddy Thiriet (Hrsg.), Duca di Candia. Ducali e lettere ricevute (1358–60; 1401–1405), Venedig 1978
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Weblinks
- Zeittafel, weitere Beiträge zur venezianischen Geschichte, deutsch
- Italiens Kolonialexpansion im östlichen Mittelmeer (Quelle: Querschnitte 2: Von der mediterranen zur atlantischen Expansion. Herausgegeben von Peter Feldbauer, Gottfried Liedl, John Morrissey, Wien: Turia + Kant 1999)
- Foundation for Medieval Genealogy, ansässig in England und Wales, Abschnitt Griechenland, Lateinische Dynasten (englisch)
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