Lamioideae

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Lamioideae
Gefleckte Taubnessel (Lamium maculatum)

Gefleckte Taubnessel (Lamium maculatum)

Systematik
Kerneudikotyledonen
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Unterfamilie: Lamioideae
Wissenschaftlicher Name
Lamioideae
Harley

Die Lamioideae sind eine Unterfamilie der Lippenblütler (Lamiaceae). Die etwa 63 Gattungen mit rund 1260 Arten gedeihen vorwiegend als krautige Pflanzen und Sträucher und kommen überwiegend in Eurasien und Afrika vor.

Beschreibung[Bearbeiten]

Illustration vom Breitblättrigen Hohlzahn Galeopsis ladanum

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Die Arten der Unterfamilie sind vorwiegend krautige Pflanzen oder Sträucher, selten kleine Bäume. Die Pflanzenteile sind meist nicht-aromatisch. Sie weisen die charakteristischen Merkmale der Familie auf.[1] Sie besitzen meist vierkantige Sprossachsen und gegenständige Laubblätter.

Generative Merkmale[Bearbeiten]

Ihre Blütenstände sind Thyrsen oder traubenähnlich, die Zymen sind ein- bis vielblütig. Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die Krone ist zygomorph und meist zweilippig. Von den Vertretern der Nepetoideae unterscheiden sie sich dadurch, dass sie tricolpate Pollenkörner besitzen, die beim Entlassen zweizellig sind; die Samen sind albuminhaltig und der Embryo ist spatelförmig. Von den anderen Vertretern der Familie unterscheiden sie sich durch das Vorhandensein von gynobasischen (an der Basis des Gynoeceums ansetzenden) Griffeln. Die Klausenfrüchte zerfallen in vier einsamige Teilfrüchte (Klausen). Die Klausen sind nicht schleimführend.[1]

Tribus Gomphostemmateae: Habitus, Laubblätter und zygomorphe Blüten von Chelonopsis moschata
Tribus Leonureae: Leonurus sibiricus
Tribus Leucadeae: Leonotis leonurus
Tribus Marrubieae: Blütenstände von Moluccella laevis
Tribus Phlomideae: Eremostachys laciniata
Tribus Pogostemoneae: Anisomeles indica
Tribus Stachydeae: Phyllostegia haliakalae
Tribus Synandreae: Gelenkblume (Physostegia virginiana)
incertae sedis: Bunter Hohlzahn (Galeopsis speciosa)

Systematik und Verbreitung[Bearbeiten]

Die Lamioideae sind die zweitgrößte Unterfamilie der Familie Lamiaceae und enthält etwa 63 Gattungen. Rund ein Drittel davon ist monotypisch, besteht also aus einer einzigen Art. Rund die Hälfte der etwa 1260 Arten gehört zu nur vier Gattungen (Leucas, Phlomis, Sideritis und Stachys).[1]

Die Lamioideae im Sinne von Scheen et al. (2010) sind monophyletisch. Ihre Schwestergruppe ist die Gattung Cymaria Benth.[1]

Die Lamioideae sind weltweit verbreitet. Hauptsächlich kommen sie in Eurasien und Afrika vor. Die meisten Arten kommen auf der Nordhalbkugel vor. Ein Schwerpunkt der Unterfamilie liegt in den tropischen Gebieten vor allem Afrikas und Südostasiens. Ein zweiter Schwerpunkt der Artenvielfalt liegt mit viele Gattungen im gemäßigten und subtropischen Eurasien. In der Neuen Welt gibt es nur sechs Gattungen mit etwa 70 Arten.[1]

Scheen et al. 2010 gliederten die Lamioideae neu in Tribus:[1][2][3]

  • Tribus Gomphostemmateae Scheen & Lindqvist:
  • Tribus Lamieae Coss. & Germ.:
    • Taubnesseln (Lamium L., Syn.: Galeobdolon Adans., Lamiastrum Heist. ex Fabr., Lamiella Fourr., Lamiopsis Opiz, Orvala L., Pollichia Schrank, Psilopsis Neck., Wiedemannia Fisch. & C.A.Mey.): Die 25 bis 28 Arten sind im gemäßigten Eurasien, Makaronesien und Nordafrika bis Äthiopien verbreitet.[2]
  • Tribus Leonureae Dumort.:
    • Chaiturus Willd.: Sie enthält nur eine Art:[2]
    • Lagochilus Bunge ex Benth. (Syn.: Chlainanthus Briq., Lagochilopsis Knorring, Yermoloffia Bél.): Die etwa 47 Arten sind in gemäßigten Gebieten Asiens verbreitet.[2]
    • Herzgespann (Leonurus L., Syn.: Cardiaca Mill., Marrubiastrum Ség.): Die etwa 24 Arten sind in Eurasien verbreitet,[2] darunter:
    • Panzerina Soják (Syn.: Leonuroides Rauschert nom. superfl., Panzeria Moench nom. illeg.): Die nur zwei Arten sind Sibirien, in der Mongolei und China verbreitet.[4][2]
    • Lagopsis (Benth.) Bunge: Die etwa fünf Arten sind von Sibirien bis China verbreitet.[2]
  • Tribus Leucadeae Scheen & Ryding:
    • Acrotome Benth. ex Endl.: Die etwa acht Arten sind vom südlichen tropischen Afrika bis ins südliche Afrika verbreitet.[2]
    • Isoleucas Schwartz: Von den nur zwei Arten kommt eine nur im nördlichen Somalia und die andere nur im Jemen vor.[2]
    • Löwenohren (Leonotis (Pers.) R.Br., Syn.: Leonurus Mill. nom. illeg. non L., Hemisodon Raf.): Die etwa neun Arten sind in Afrika und Madagaskar verbreitet.
    • Leucas R.Br. (Syn.: Hemistemma Rchb., Hemistoma Ehrenb. ex Benth., Lasiocorys Benth., Blandinia Raf., Elbunis Raf., Eneodon Raf., Heptrilis Raf., Hetrepta Raf., Isodeca Raf., Leucasia Raf., Physoleucas Jaub. & Spach): Die etwa 100 Arten sind von Afrika bis Australien verbreitet. Einige Arten sind Invasive Pflanzen.
    • Otostegia Benth.: Die etwa acht Arten sind in Afrika im nordöstlichen Kamerun und im nordöstlichen tropischen Afrika und von Israel bis zur Arabischen Halbinsel verbreitet.[2]
    • Rydingia Scheen & V.A.Albert: Die etwa vier Arten sind vom nordöstlichen tropischen Afrika über die Arabische Halbinsel und den Iran bis zum westlichen Himalaja verbreitet.[2]
  • Tribus Marrubieae Vis.:
    • Acanthoprasium (Benth.) Spach (Syn.: Ballota sect. Acanthoprasium Benth.): Die nur zwei Arten wurden 2011 aus der Gattung Ballota ausgegliedert:[5]
    • Schwarznesseln (Ballota L., Syn.: Beringeria Neck., Pseudodictamnus Fabr., Zapateria Pau): Die seit 2011 nur mehr etwa 30 Arten[5] sind von Makaronesien und Afrika bis Europa und Westasien verbreitet.
    • Andorn (Marrubium L., Syn.:Padota Adans., Atirbesia Raf., Maropsis Pomel): Die etwa 50 Arten sind ursprünglich in Nordafrika und Eurasien verbreitet. Einige sind weltweit Neophyten.
    • Moluccella L. (Syn.: Molucca Mill., Chartocalyx Regel nom. illeg., Chasmonia C.Presl, Harmsiella Briq., Sulaimania Hedge & Rech. f.): Die seit 2011 etwa acht Arten sind vom Mittelmeerraum bis Zentralasien verbreitet.[5]
  • Tribus Paraphlomideae Bendiksby:[5]
    • Ajugoides Makino: Sie enthält nur eine Art:
    • Matsumurella Makino (Syn.: Galeobdolon sect. Matsumurella (Makino) C.Y.Wu & Hsuan): Die seit 2011 etwa fünf Arten[5] kommen vom japanischen Japan südlichen Kyushu und Taiwan bis ins südliche China vor.[2]
    • Paraphlomis Prain: Die etwa 24 Arten sind in Asien und Malesien verbreitet.
  • Tribus Phlomideae Mathiesen:
    • Notochaete Benth. (manchmal in Phlomoides): Von nur zwei Arten kommt eine nur im autonomen Gebiet Tibet sowie in Yunnan vor und die andere ist von Yunnan, Bhutan, Nepal bis Indien sowie Myanmar verbreitet.[4]
    • Brandkräuter (Phlomis L., Syn.: Anemitis Raf., Beloakon Raf., Blephiloma Raf., Hersilia Raf.): Die etwa 178 Arten sind vom Mittelmeerraum bis Zentralasien und im westlichen Himalaya verbreitet.[2]
    • Phlomoides Moench (Syn.: Phlomidopsis Link nom. superfl., Phlomitis Rchb. ex T.Nees nom. superfl., Orlowia Gueldenst. ex Georgi, Eremostachys Bunge, Notochaete Benth., Clueria Raf., Trambis Raf., Lamiophlomis Kudô, Pseuderemostachys Popov, Paraeremostachys Adylov, Kamelin & Makhm.): Die etwa 100 Arten sind von Mittel- und Osteuropa bis zum Himalaja und Korea verbreitet.[2] Darunter:
    • Pseuderemostachys Popov (manchmal in Phlomoides): Sie enthält nur eine Art:
  • Tribus Stachydeae Dumort.:[7][8]
    • Chamaesphacos Fisch. & C.A.Mey.: Sie enthält nur eine Art:
    • Haplostachys (A.Gray) Hillebrand: Die etwa fünf Arten kommen nur in Hawaii vor.
    • Melittis L.: Sie enthält nur eine Art:
      • Immenblatt (Melittis melissophyllum L.): Es kommt in drei Unterarten in Europa und Westasien vor.[2]
    • Phlomidoschema (Benth.) Vved.: Sie enthält nur eine Art:
    • Phyllostegia Benth.: Die etwa 35 Arten kommen auf Hawaii und Tahiti vor.
    • Prasium L.: Sie enthält nur eine Art:
    • Gliedkräuter (Sideritis L., Syn.: Brugsdorfia Moench, Burgsdorfia Moench, Cunila Mill., Empedoclia Raf., Fracastora Adans., Hesiodia Moench, Leria Adans., Leucophae Webb & Berthel., Marrubiastrum Tourn. ex Moench, Navicularia Heist. ex Fabr.): Die über 100 Arten sind vom gemäßigten Eurasien und Makaronesien bis China verbreitet.[2][4]
    • Zieste (Stachys L.): Die mehr als 300 Arten sind in Eurasien, Afrika, Nord- sowie Südamerika verbreitet.[4]
    • Stenogyne Benth.: Die mehr als 20 Arten kommen nur auf Hawaii vor.
    • Suzukia Kudô: Die nur zwei Arten kommen nur auf den Ryūkyū-Inseln und in Taiwan vor.
    • Thuspeinanta T.Durand: Die nur zwei Arten sind in West- und Zentralasien bis Pakistan verbreitet.[2]
  • Tribus Synandreae Raf.: Sie kommt nur in Nordamerika vor:
    • Brazoria Engelm. ex A.Gray: Die etwa drei Arten sind in Nordamerika verbreitet.
    • Macbridea Elliott ex Nutt.: Die etwa zwei Arten sind in Nordamerika verbreitet.
    • Gelenkblumen (Physostegia Benth.): Die etwa zwölf Arten sind in Nordamerika verbreitet.
    • Synandra Nutt.: Sie enthält nur eine Art:
    • Warnockia M.W.Turner: Sie enthält nur eine Art:
  • incertae sedis innerhalb der Lamioideae:[1]
    • Betonien (Betonica L., Syn.: Stachys subg. Betonica): Die etwa 15 Arten sind in Eurasien verbreitet.
    • Colquhounia Wallich: Die etwa fünf Arten sind in Asien verbreitet.[1]
    • Eriophyton Benth. (Syn.: Erianthera Benth. nom. illeg., Alajja Ikonn., Susilkumara Bennet nom. superfl.): Sie enthält seit 2011 etwa sechs Arten[5] von Zentralasia über Himalaya bis China[2], darunter:
    • Hohlzahn (Galeopsis L., Syn.: Cannabinastrum Heist. ex Fabr., Tetrahit Adans. non Gérard, Ladanum Gilib. non Spach, Tetraith Bubani, Dalanum Dostál, Ladanella Pouzar & Slavíková): Die etwa elf einjährigen Arten sind in Eurasien verbreitet, mit dem Zentrum der Artenvielfalt in Europa.[1] Einige Arten sind in gemäßigten Gebieten Neophyten.
    • Roylea Wallich ex Benth.: Sie enthält nur eine Art:

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i j Anne-Cathrine Scheen, Mika Bendiksby, Olof Ryding, Cecilie Mathiesen, Victor A. Albert, Charlotte Lindqvist: Molecular Phylogenetics, Character Evolution, and Suprageneric Classification of Lamioideae (Lamiaceae). In: Annals of the Missouri Botanical Garden. Band 97, 2010, S. 191–217, DOI:10.3417/2007174, Digitalisat.
  2. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa Rafaël Govaerts (Hrsg.): Lamiaceae - Datenblatt bei World Checklist of Selected Plant Families des Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. Zuletzt eingesehen am 23. Februar 2015
  3. Lamioideae im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
  4. a b c d e Xi-wen Li, Ian C. Hedge: Lamiaceae, S. 50 - textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China, Volume 17 - Verbenaceae through Solanaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 1994. ISBN 0-915279-24-X
  5. a b c d e f  Mika Bendiksby, Lisbeth Thorbek, Anne-Cathrine Scheen, Charlotte Lindqvist, Olof Ryding: An updated phylogeny and classification of Lamiaceae subfamily Lamioideae. In: Taxon. 60, Nr. 2, 2011, S. 471–484 (Abstract).
  6. a b  David John Mabberley: Mabberley’s Plant-Book. A portable dictionary of plants, their classification and uses.. 3. Auflage Auflage. Cambridge University Press, 2008, ISBN 978-0-521-82071-4 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  7. Yasaman Salmaki, Shahin Zarre, Olof Ryding, Charlotte Lindqvist, Christian Bräuchler, Günther Heubl, Janet Barber, Mika Bendiksby: Molecular phylogeny of tribe Stachydeae (Lamiaceae subfamily Lamioideae). In: Molecular Phylogenetics and Evolution, Volume 69, Issue 3, Dezember 2013, S. 535–551: doi:10.1016/j.ympev.2013.07.024
  8. Tilottama Roy, Tien-Hao Chang, Tianying Lan, Charlotte Lindqvist: Phylogeny and biogeography of New World Stachydeae (Lamiaceae) with emphasis on the origin and diversification of Hawaiian and South American taxa. In: Molecular Phylogenetics and Evolution 69, Issue 1, Oktober 2013, S. 218-238: doi:10.1016/j.ympev.2013.05.023

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lamioideae – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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