Langeais

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Langeais
Wappen von Langeais
Langeais (Frankreich)
Langeais
Region Centre
Département Indre-et-Loire
Arrondissement Chinon
Kanton Langeais
Gemeindeverband Communauté de communes Touraine Nord-Ouest.
Koordinaten 47° 20′ N, 0° 24′ O47.3255555555560.4061111111111145Koordinaten: 47° 20′ N, 0° 24′ O
Höhe 36–109 m
Fläche 60,38 km²
Einwohner 4.059 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte 67 Einw./km²
Postleitzahl 37130
INSEE-Code
Website http://www.langeais.fr

Langeais – Ortsbild

Langeais ist eine 4059 Einwohner (Stand 1. Januar 2011) zählende französische Gemeinde in der Region Centre im Département Indre-et-Loire. Das Gemeindegebiet ist Bestandteil des Regionalen Naturparks Loire-Anjou-Touraine.

Lage[Bearbeiten]

Langeais liegt in einer Höhe von ca. 50 Metern ü. d. M. auf dem Nordufer der Loire etwa 25 Kilometer (Fahrtstrecke) südwestlich von Tours. Der reizvolle Ort Azay-le-Rideau mit seinem Renaissanceschloss befindet sich in nur zehn Kilometer Entfernung südlich der Loire.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006
Einwohner 3.849 3.907 3.902 4.142 3.960 3.865 3.861

Im 19. Jahrhundert hatte die Gemeinde, zu der auch mehrere Weiler und Einzelgehöfte gehören, beständig zwischen 2.200 und 3.600 Einwohner.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Über Jahrhunderte war die heutige Kleinstadt Teil einer sich weitgehend selbstversorgenden Landwirtschaft in der auch der Weinbau eine Rolle spielte. Der von Ludwig XI. in Auftrag gegebene Bau des Schlosses an der Stelle eines hochmittelalterlichen Vorgängerbaus führte zum Entstehen von kleinen Handwerksbetrieben. Im 19. Jahrhundert war Langeais berühmt für seine Melonenzucht. Seit den 1960er Jahren spielen der Kultur- und Weintourismus eine wichtige Rolle im Wirtschaftsleben der Kleinstadt; die umliegenden Weinfelder gehören im Großraum der Loire-Weine zum Anbaugebiet der Touraine.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Maske von La Roche-Cotard ist ein aus dem Moustérien stammendes Artefakt, das als Proto-Figurine zu den Kunstwerken des Jungpaläolithikums bezeichnet wird. Sie wurde 2002 im Eingangsbereich der im Jahre 1912 entdeckten Grotte von La Roche-Cotard bei Langeais gefunden. Der neu entdeckte Moustérien-Horizont ist seit 25 Jahren bekannt.

Donjon im Schlossgarten

Der Ort bestand bereits im 5. Jahrhundert als Alangavia. Gegen Ende des 10. Jahrhunderts ließ Graf Fulko Nerra von Anjou auf dem Hügel oberhalb des heutigen Ortes eine Burg errichten um seine Gebietsansprüche gegenüber Graf Odo von Blois zu unterstreichen. Diese fiel im Jahre 1044 an das Haus Plantagenet und kam mit Heinrich II. im Jahre 1154 an die englische Krone. Anfangs des 13. Jahrhunderts fiel Langeais infolge eines Sieges des französischen Königs Philipp August über Johann Ohneland an Frankreich. Im Hundertjährigen Krieg (1428) gaben die bis dahin siegreichen Engländer sie nur unter der Bedingung frei, dass sie bis auf den Donjon geschleift wird. So sind von dieser Burg nur noch einige Mauerreste des Donjon geblieben. Eine imposante neue Burg entstand in den Jahren 1465–1469 auf Befehl des Königs zum Schutz der Krondomäne; hier fand am 6. Dezember 1491 die Hochzeit von König Karl VIII. und Anne de Bretagne statt. Langeais blieb bis 1631 königlicher Besitz. Im Jahr 1886 erwarb es Jacques Siegfried, dem die Ausstattung des Schlosses mit historischem Mobiliar zu verdanken ist; er vermachte die Burg samt Einrichtung und Kunstwerken 1904 dem Institut de France.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Église Saint-Jean-Baptiste
Maison de Rabelais

Schloss Langeais[Bearbeiten]

Hauptartikel: Schloss Langeais

Sonstige[Bearbeiten]

  • Die Reste des 950 errichteten rechteckigen Donjons, des ältesten Frankreichs, befinden sich auf einem künstlichen Hügel (Motte) im Gartenbereich des Schlossgeländes.
  • Die romanische Kirche Saint-Laurent aus dem 11./12. Jahrhundert war lange Zeit eine Prioratskirche der Abtei Beaulieu, später dann bis zum Beginn der Französischen Revolution Pfarrkirche. Der schmucklose Bau steht etwa einen Kilometer westlich des heutigen Ortskerns und ist seit 1990 als Monument historique[1] eingestuft.
  • Die einschiffige Pfarrkirche Saint-Jean-Baptiste ist Johannes dem Täufer geweiht. Sie stammt aus dem 12. Jahrhundert, wurde jedoch im 15. und 19. Jahrhundert verändert und zeigt romanische, gotische und neogotische Bauteile. Die Kirche ist seit 1914 bzw. 1933 als Monument historique[2] anerkannt.
  • Das Erdgeschoss des aus dem 16. Jahrhundert stammenden sogenannten Maison de Rabelais beherbergt heute ein Café. Seit 1943 ist es als Monument historique[3] anerkannt.
  • Zwei weitere Renaissancehäuser wurden ebenfalls in den Jahren 1943 und 1944 unter Denkmalschutz gestellt[4][5].
  • Die Hängebrücke über die Loire wurde zwischen 1846 und 1849 erbaut und nach ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg in den 1950er Jahren wiedererrichtet.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Honoré de Balzac verfasste den im Jahre 1834 erschienenen Roman „Die Herzogin von Langeais“ (La Duchesse de Langeais / Originaltitel: Ne touchez pas la hache).

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernard Bachrach: The Cost of Castle Building, The case of the tower at Langeais, 992-994, in: The Medieval castle, Romance and reality, Dubuque, Iowa 1984.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Langeais – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Église Saint-Laurent, Langeais in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  2. Église Saint-Jean-Baptiste, Langeais in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  3. Maison dite de Rabelais, Langeais in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  4. Immeuble, Langeais in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)
  5. Immeuble, Langeais in der Base Mérimée des französischen Kulturministeriums (französisch)