Langer Marsch 2

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Modell der Trägerrakete CZ-2F

Langer Marsch 2 (chinesisch 长征二号Pinyin Chángzhēng 2 , abgekürzt LM-2 oder CZ-2) bezeichnet eine Familie von Trägerraketen der Langer-Marsch-Reihe der Volksrepublik China, wobei die einzelnen Versionen teilweise recht unterschiedlich sind.

Geschichte[Bearbeiten]

2 2C 2D 2E 2F
CZ-2A.svg CZ-2C.svg CZ-2D.svg CZ-2E.svg CZ-2F.svg

Langer Marsch 2/2A/2C[Bearbeiten]

Die Entwicklung der Langer Marsch 2 (ab hier mit CZ-2 abgekürzt) wurde größtenteils durch die Chinesische Akademie für Trägerraketentechnologie durchgeführt. Die CZ-2 (ohne Zusatzbuchstabe oder als CZ-2A bezeichnet) ist das Basismodell der Langer Marsch 2 Raketenfamilie und wurde aus der Interkontinentalrakete DF-5 abgeleitet. Die Entwicklungsarbeit begann 1970, wobei die Rakete als Träger für die FSW-1-Rückkehrsatelliten vorgesehen war. Der erste (und einzige) Start der Rakete erfolgte am 5. November 1974, war jedoch ein Misserfolg. Daraufhin wurde die Rakete modifiziert und in CZ-2C umbenannt (2B gab es nicht). Der Erststart dieser Variante erfolgte am 29. November 1975. Es gab sie in einigen Untervarianten. So wurden die Raketen für den Start von Iridium-Satelliten von Motorola als CZ-2C/SD bezeichnet. Eine weitere Variante mit dreiachsenstabilisierter Oberstufe wurde für das Double-Star-Programm der ESA und das KOMPSat-Programm von Südkorea eingesetzt. Die CZ-2C ist das mit über 30 Starts am häufigsten eingesetzte Muster der Langer-Marsch-Familie und bis heute im Einsatz.

Langer Marsch 2D/E/F/G/H[Bearbeiten]

Die CZ-2D wurde von der Weltraumbehörde Shanghai entwickelt und hatte am 9. August 1992 ihren Erststart. Trotz ihres Namens ist sie keine Variante der CZ-2 sondern eine zweistufige Ableitung der Langer Marsch 4A. Sie wurde bisher nur selten eingesetzt (alle sechs Starts waren erfolgreich und erfolgten von Jiuquan aus) und brachte bei ihrem bisher letzten Flug am 25. Mai 2007 den Erdbeobachtungssatelliten Yaogan 2 in den Orbit.[1]

Die CZ-2E stellt eine Weiterentwicklung der CZ-2D durch die China Academy of Launch Vehicle Technology dar, deren Entwicklung 1986 begann. Sie wurde mit vier zusätzlichen Boostern ausgerüstet, welche das gleiche Triebwerk wie die Zweitstufe verwenden. Der Erststart erfolgte am 16. Juli 1990. Die Geschichte dieser Rakete ist von zwei Fehlstarts überschattet, die unverständlicherweise auf den gleichen, nicht behobenen Fehler zurückzuführen sind. Bei beiden Malen kam die eingesetzte Software nicht mit der plötzlich einsetzenden Änderung der Windverhältnisse beim Verlassen des Talkessels vom Startplatz Xichang zurecht. Beim ersten Unfall am 21. Dezember 1992 wurde durch Windböen und die dadurch ausgelösten Steuerungsmaßnahmen der Rakete die Belastung so hoch, dass die Nutzlastverkleidung zerstört und abgeworfen wurde. Die Rakete erreichte dennoch ihren vorgesehenen Orbit und setzte dort den (allerdings komplett zerstörten) Satellit aus. Beim zweiten Unfall am 25. Januar 1995 geriet die Rakete in der gleichen Situation vollends außer Kontrolle und stürzte einige Kilometer vom Startplatz entfernt in ein Dorf, wobei offiziell 21 Menschen umkamen. Westliche Beobachter gehen allerdings von etwa 120 Toten aus. Insgesamt wurde die Rakete sieben Mal eingesetzt (letzter Start am 28. Dezember 1995). Eine Weiterentwicklung „CZ-2E(A)“ mit längeren Boostern wurde im Jahr 2000 angekündigt, aber nie realisiert.[1]

Die Entwicklung von Langer Marsch 2F begann 1992 auf Basis der CZ-2E. Da sie für bemannte Missionen gedacht war, wurden dazu umfangreiche Maßnahmen zur Erhöhung der Zuverlässigkeit umgesetzt. So wurden redundante Systeme eingeführt und die zweite Stufe strukturell verstärkt. Der unbemannte Erststart erfolgte am 19. November 1999 vom Startplatz (wie bei allen anderen Starts der CZ-2F) Jiuquan aus (siehe auch Shenzhou 1). Nach drei weitere unbemannten Testflügen folgte dann mit Shenzhou 5 der erste bemannte Flug. Die Rakete ist bisher das zuverlässigste Modell in der Langer Marsch 2-Familie.

Nach dem Start von Shenzhou 7 gab die chinesische Regierung bekannt, dass dies vorläufig der letzte Flug einer Langer Marsch 2F war. Die Rakete soll ab 2011 (für Shenzhou 8) durch eine leistungsgesteigerte Version ersetzt werden, welche über 11 t in eine niedrige Erdumlaufbahn bringen kann. Diese Version für unbemannte Missionen wird Langer Marsch 2G genannt.

Spezifikationen[Bearbeiten]

Langer Marsch 2F[Bearbeiten]

  • Booster (4*)
    • Gesamtmasse: 41.000 kg
    • Leermasse: 3.200 kg
    • Vakuumschub: 4 x 814 kN
    • Isp: 291 Sekunden (2,9 kN·s/kg)
    • Brennzeit: 128 Sekunden
    • Durchmesser: 2,3 m
    • Spannweite: 8,0 m
    • Länge: 15,3 m
    • Treibstoffe: Distickstofftetroxid/UDMH
    • Triebwerke: je Booster ein YF - 20B (also insgesamt 4)
  • 1. Stufe
    • Gesamtmasse: 196.500 kg
    • Leermasse: 9.500 kg
    • Vakuumschub: 3.256 kN
    • Isp: 289 Sekunden (2,8 kN·s/kg)
    • Brennzeit: 166 Sekunden
    • Durchmesser: 3,4 m
    • Länge: 23,7 m
    • Treibstoffe: Distickstofftetroxid/UDMH
    • Triebwerk: 4 x YF - 20B
  • Stufe: 2. Stufe
    • Gesamtmasse: 91.500 kg
    • Leermasse: 5.500 kg
    • Vakuumschub: 831 kN
    • Isp: 425 Sekunden (4,2 kN·s/kg)
    • Brennzeit: 295 Sekunden
    • Durchmesser: 3,4 m
    • Länge: 15,5 m
    • Treibstoffe: LH2/LO2
    • Triebwerk: 1 x YF - 25/23

Spezifikationen für ältere Versionen[Bearbeiten]

Model Stufen Länge (m) Max. Durchmesser (m) Startmasse (t) Startschub (kN) Nutzlast (LEO, kg)
Langer Marsch 2/2A 2 31,170 3,35 190 2786 1800
Langer Marsch 2C 2 35,15 3,35 192 2786 2400
Langer Marsch 2D 2 33,667
(ohne Schild)
3,35 237 2961 3100
Langer Marsch 2E 2 (plus Booster) 49,686 11,45 462 5923 9200

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Eugen Reichl, Das Raketentypenbuch, ISBN 978-3-613-02788-6, 1. Auflage 2007