Zhou Enlai

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Zhou Enlai. Photographie aus dem Jahr 1946

Zhou Enlai, auch Tschu En Lai oder Chou En-Lai (chinesisch 周恩來 / 周恩来Pinyin Zhōu Ēnlái, W.-G. Chou Ên-lai; * 5. März 1898 in Huai’an, Provinz Jiangsu; † 8. Januar 1976, Peking) war ein wichtiger Führer der Kommunistischen Partei Chinas und der Premierminister der Volksrepublik China von 1949 bis zu seinem Tod.

Der langjährige Mitstreiter von Mao Tsetung galt innerhalb der revolutionären Bewegungen und auch aus Sicht seiner politischen Gegner als intellektuell führender Kopf der KPCh.[1]

Kindheit und Jugend[Bearbeiten]

Zhou Enlai, 1917
Zhou Enlai, 1940
Deng Yingchao und Zhou Enlai, 1954

Zhou Enlai wurde in Huai’an, Provinz Jiangsu, als Sohn einer Großbürger-Familie geboren.

Die ersten Lebensjahre verbrachte er beim Großvater Tschu, einem ehemaligen hohen Staatsbeamten der Mandschu-Dynastie, der auch Bürgermeister von Huai’an war und von dem er eine klassische Ausbildung erhielt. Im Alter von etwa zehn Jahren übertrug die Familie seine Erziehung einem Onkel in Shenyang, wo er dann eine moderne Grundschule besuchte.

Von 1913 bis 1917 ging Zhou Enlai auf die von amerikanischen Missionaren geleitete Nankai-Mittelschule in Tientsin, wo er bald in der Schülerbewegung eine führende Rolle spielte und an revolutionäres Gedankengut kam.

Studium und Auslandsaufenthalte[Bearbeiten]

Im Jahr 1917 ging Zhou Enlai nach Japan und studierte ein Jahr lang Japanisch an der Waseda-Universität, dann wechselte er an die Universität Kyōto.

1919 kehrte er nach China zurück und schrieb sich an der Nankai-Universität in Tianjin ein. Bereits im folgenden Jahr machte er zusammen mit 1.500 anderen jungen Chinesen von der Möglichkeit zu einem Werkstudium in Frankreich Gebrauch. Allerdings gibt es keinen Beweis, dass er je Vorlesungen besucht hätte. Zhou war von seiner wohlhabenden Familie mit genügend Geld ausgestattet. Dies ermöglichte ihm Reisen nach England, Belgien und Deutschland. Er hielt sich dabei in Berlin und Göttingen auf.

Als er nach China zurückkam, wurde er wegen seiner angeblich radikalen Ansichten verhaftet. Im Jahre 1920 wurde Zhou wieder freigelassen, danach studierte er in Frankreich, England und Deutschland.[2] Im Jahr 1921 trat Zhou der Kommunistischen Partei Chinas bei und kehrte 1924 nach China zurück, wo in der Zwischenzeit die Einheitsfront zwischen der KPCh und der Kuomintang gebildet worden war. Zhou bekleidete in den Institutionen beider Parteien gleichzeitig wichtige Ämter; u.a. war er Vorsitzender des politischen Ausschusses der Whampoa-Militärakademie.[3]

1925 heiratete er in Tianjin Deng Yingchao, eine Führerin der Studentenorganisation.[4] Sie wurde später zu einer wichtigen Führerin der Kommunistischen Partei Chinas. Das Paar hatte keine Kinder, aber sie adoptierten viele Waisenkinder von „Märtyrern der Revolution“. Eines dieser Kinder war der spätere Premierminister Li Peng.

Politische Karriere[Bearbeiten]

Zhou wurde während der Bewegung des vierten Mai 1919 landesweit berühmt. Er führte einen Angriff auf ein Büro der Regierung während der Studentenproteste gegen die Verträge von Versailles an. Im Jahre 1920 zog er nach Frankreich, dort war er bei revolutionären chinesischen Studenten aktiv, trat 1921 der französischen kommunistischen Partei bei und bereiste halb Europa.

Als Zhou nach China zurückgekehrt war, begann er 1926 als Vorsitzender des politischen Ausschusses in der Whampoa-Militärakademie zu arbeiten. Die Militärakademie wurde von den Kommunisten und Nationalisten gemeinsam gegründet. Die Kommunisten installierten Zhou als Ausgleich gegen den Nationalismus von Chiang Kai-shek.

Nach dem Beginn der Nordexpedition der Kuomintang arbeitete Zhou als Arbeiteragitator. Im Jahre 1926 organisierte Zhou einen Generalstreik in Shanghai und öffnete die Stadt für die Kuomintang. Nach dem Bruch der Kommunisten mit der Kuomintang gelang es Zhou, vor dem weißen Terror zu fliehen. Er schaffte es, sich in die Provinz Jiangxi, die Hochburg der Kommunisten, durchzuschlagen. Dort bewegte sich Zhou weg von dem orthodoxen, auf die Städte konzentrierten Kommunismus hin zur maoistischen Ideologie der Revolution auf dem Land. Hier wurde Zhou zu einem der wichtigsten Führer der Kommunistischen Partei. Dieser Übergang endete mit dem Beginn des Langen Marsches. Im Januar des Jahres 1935 half Zhou Mao bei der Bekämpfung der 28 Bolschewiken.

In den Jahren, als die Kommunistische Partei ihre Basis in Yan’an hatte, kämpfte Zhou für eine vereinigte Front gegen Japan. So spielte Zhou eine wichtige Rolle im Zwischenfall von Xi'an. Er verhandelte im chinesischen Bürgerkrieg mit den Nationalisten. Während des Chinesisch-japanischen Krieges war Zhou Botschafter bei der Kuomintang in deren Übergangshauptstadt Chongqing. Er nahm auch an den gescheiterten Verhandlungen nach Ende des Zweiten Weltkriegs teil.

Im Jahre 1949, nach der Errichtung der Volksrepublik China, war Zhou Premierminister und Außenminister. Im Juni 1953 verkündete er die Fünf Deklarationen für Frieden. Er war Vorsitzender der kommunistischen chinesischen Delegation bei der Genfer Konferenz von 1954 und der Konferenz von Bandung 1955. Im Jahr 1958 gab der den Posten des Außenministers an Chen Yi ab, blieb aber Premierminister. Er war ein populärer Politiker und behielt seine Ämter auch während des Großen Sprunges nach vorn und der Kulturrevolution; danach zeichnete er sich für die Vier Modernisierungen verantwortlich, welche die Schäden der Kulturrevolution beseitigen sollten.

Henry Kissinger, Zhou Enlai und Mao Zedong

Zhou war gegenüber Mao stets loyal und genoss auch während der Wirren der Kulturrevolution das Vertrauen Maos. Zhou war, während andere das Durcheinander der Kulturrevolution betrieben, dafür zuständig, dass die Wirtschaft und damit die Lebensgrundlage des Volkes möglichst störungsfrei weiterlief. Für Wirtschaft interessierte Mao sich nie und bekannte offen, dass er davon wenig Ahnung hatte. Seine Loyalität zu Mao hatte ihren Grund auch in seiner tiefen Sorge, dass China wieder auseinanderfallen und im Krieg versinken könnte.

Am Ende seines Lebens fasste Zhou seine Sorge um die Zukunft und innere Einigkeit Chinas in einem pessimistischen Vermächtnis ab, das er unter den höheren Funktionären in Umlauf brachte: „Unsere Generation hatte noch nie ruhige Tage. Würden wir sorglos schlafen gehen, würden unser Volk und unsere Partei auseinanderfallen, und Millionen Köpfe müßten rollen.“[5]

Zhou ermöglichte die Aufnahme von Beziehungen mit dem Westen in den 1970er Jahren.[6] Er begrüßte im Februar 1972 den amerikanischen Präsidenten Richard Nixon zu seinem Besuch in China und unterzeichnete mit ihm das Communiqué von Shanghai.

Nach einer Krebsdiagnose gab er 1973 viele seiner Funktionen an Deng Xiaoping ab. Am 8. Januar 1976 starb Zhou einige Monate vor Mao Zedong. Im April 1976 wurden Trauermärsche für Zhou von der „Viererbande“ (Maos Frau und anderen) gewaltsam aufgelöst, was allgemein als Tian’anmen-Zwischenfall bezeichnet wird.

Nachfolger von Zhou Enlai wurde Hua Guofeng.

Siehe auch[Bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten]

  • Zhou Enlai, Ausgewählte Schriften. Band I. Verlag für fremdsprachige Literatur, Beijing 1981.
  • Tschou En-lai, Reden und Schriften 1949–1976. Verlag Rote Fahne, Köln 1976 ISBN 3-8106-0024-5.

Literatur[Bearbeiten]

  • Percy Jucheng Fang, Lucy Guinong J. Fang: Zhou Enlai – ein Porträt. Aus dem Englischen übersetzt von Ruth F. Weiß. Verlag für fremdsprachige Literatur, Peking 1990; ISBN 7-119-00815-3.
  • Thomas Weyrauch: Chinas unbeachtete Republik. 100 Jahre im Schatten der Weltgeschichte, Band 1: 1911 – 1949. Longtai, Gießen (i. e.) Heuchelheim 2009; ISBN 978-3-938946-14-5.
  • Chou En-lai, in: Internationales Biographisches Archiv 14/1976 vom 22. März 1976, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Zhou Enlai – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen[Bearbeiten]

  1. Tschiang Kai Schek 1954: „Er ist der mächtige, der gefährlichere kluge Kopf.“ Interview in Zeit 1954/28, Der rote Star: Tschu En-lai
  2. Anna Wang: Ich kämpfte für Mao. Eine deutsche Frau erlebt die chinesische Revolution. Christian Wegner, Hamburg 1964, S. 125.
  3. Anna Wang: Ich kämpfte für Mao. Christian Wegner, Hamburg 1964, S. 126.
  4. Anna Wang: Ich kämpfte für Mao. Christian Wegner, Hamburg 1964, S. 123.
  5. Teng: Hauptsache, die Katze fängt Mäuse. Der Spiegel, 12. Januar 1976
  6. Wolfram Eberhard: Geschichte Chinas. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Kröner, Stuttgart, 3., erw. Aufl. 1980. ISBN 3-520-41303-5. S. 426.
Vorgänger Amt Nachfolger
Premier der VRC
1949–1976
Hua Guofeng
Chinesische Eigennamen Anmerkung: Bei diesem Artikel wird der Familienname vor den Vornamen der Person gesetzt. Dies ist die übliche Reihenfolge im Chinesischen. Zhou ist hier somit der Familienname, Enlai ist der Vorname.