Burgau

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Dieser Artikel beschreibt die Stadt Burgau in Bayern. Für andere Bedeutungen siehe Burgau (Begriffsklärung)
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Burgau
Burgau
Deutschlandkarte, Position der Stadt Burgau hervorgehoben
48.43222222222210.406944444444462Koordinaten: 48° 26′ N, 10° 24′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Schwaben
Landkreis: Günzburg
Höhe: 462 m ü. NN
Fläche: 25,92 km²
Einwohner: 9384 (31. Dez. 2007)
Bevölkerungsdichte: 362 Einwohner je km²
Postleitzahl: 89331
Vorwahl: 08222
Kfz-Kennzeichen: GZ
Gemeindeschlüssel: 09 7 74 121
Adresse der Stadtverwaltung: Gerichtsweg 8
89331 Burgau
Webpräsenz:
Bürgermeister: Konrad Barm (Freie Wähler Vereinigung)

Burgau ist eine an der Mindel gelegene Stadt im schwäbischen Landkreis Günzburg.

Die Autobahn A 8 München-Stuttgart führt im Süden an ihr vorbei.

Die Stadt verfügt über eine wechselvolle Geschichte. Die einstige Markgrafschaft gehörte fast 500 Jahre zu Vorderösterreich.

Heute ist die bayerisch-schwäbische Stadt auch durch die hier beheimatete und vom Bezirk Schwaben geförderte Rehabilitationsklinik für schwer Schädel- und Hirnverletzte weithin bekannt.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

Anno 1147 wurden erstmals „Herren von Burguo“ urkundlich erwähnt. Das Entstehen ihrer „Burg ob der Au“ wird um das Jahr 1100 herum vermutet. Die Edlen wurden 1212 zu Markgrafen geadelt. Sie waren in der Gefolgschaft von Kaiser Friedrich II. vertreten. Zur Hochzeit des Markgrafen Heinrich III. von Burgau kam auch König Rudolf I. am 28. November 1288 nach Schwäbisch Gmünd. Es entstanden hierbei erste Kontakte zum Haus Habsburg. Der Wittelsbacher und Kaiser Ludwig IV. der Bayer belagerte im Jahr 1324 vergebens die Stadt.

Zur Geschichte der Markgrafschaft Burgau, siehe Markgrafschaft Burgau.

Im Bauernkrieg 1525 unterstützten die Burgauer die Leipheimer Aufständischen, konnten deren Niederlage aber nicht abwenden. Harte Zeiten erlebte die Stadt im 30-jährigen Krieg und im Spanischen Erbfolgekrieg.

1806 wurde Burgau ins Königreich Bayern eingegliedert. Im September 1853 wurde die Bahnlinie Augsburg-Ulm herangeführt und Burgau erhielt seinen Bahnhof. Die Eisenbahnstrecke wurde am 1. Mai 1854 offiziell eröffnet. Durch eine bayerische Verwaltungsreform im Jahr 1862 wurde ein Amtsgericht, ein Notariat und ein Finanzamt geschaffen. Im Folgejahr bewirkte ein Großbrand das Entstehen der Freiwilligen Feuerwehr.

Vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden im Februar 1945 ein Männerlager und im März ein Frauenlager als KZ-Außenlager errichtet. Die über 1.000 Häftlinge, darunter 500 jüdische Frauen und Mädchen aus Polen und Ungarn, hierher verlegt aus den Konzentrationslagern Dachau, Bergen-Belsen und Ravensbrück, mussten unter elenden Bedingungen in den Kuno-Werken im Scheppacher Forst beim Flugzeugbau Zwangsarbeit verrichten. 18 von ihnen starben und wurden auf dem Jüdischen Friedhof Ichenhausen begraben.[1]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden rund 1.600 Heimatvertriebene der Stadt zur Unterbringung zugewiesen.

[Bearbeiten] Eingemeindungen

Als Folge der bayerischen Gebietsreform vergrößerte sich Burgau 1978 um die zuvor selbstständigen Gemeinden Oberknöringen, Unterknöringen, Großanhausen, Kleinanhausen und Limbach.

[Bearbeiten] Politik

[Bearbeiten] Stadtrat

Der Stadtrat hat 20 Mitglieder. Bei den Kommunalwahlen verteilten sich die Sitze auf folgende Listen:

Sitzverteilung bei der Kommunalwahl 2002 2008
CSU 6 5
Freie Wähler Vereinigung 7 5
Christliche Wählergemeinschaft 3 3
SPD 3 3
FDP/Freie Bürger 1 2
Aktive Bürger Burgau 2

[Bearbeiten] Bürgermeister

Bürgermeister ist seit 2002 Konrad Barm (FWV).

[Bearbeiten] Wappen

Das Wappen zeigt in einem blauen Feld einen altgotischen Turm, der aus weißen Quadersteinen besteht und von vier Zinnen bekrönt wird. Zwei Schießscharten und ein offenes Tor schmücken den Turm. Rechts und links von ihm steht jeweils eine Tanne. Symbolisiert wird damit eine „Burg in der Au“, woraus sich der Ortsname herleitet.

[Bearbeiten] Städtepartnerschaften

Bereits seit Mitte der 1970er Jahre bestehen Kontakte zur Marktgemeinde Burgau (Steiermark) in Österreich. Offiziell besiegelt wurde die Städtepartnerschaft im Jahr 1982. Genauso lange pflegen insbesondere die Einwohner der Stadtteile Ober- und Unterknöringen den Kontakt zur Partnergemeinde Knöringen (bei Landau in der Pfalz).

[Bearbeiten] Kultur und Sehenswürdigkeiten

[Bearbeiten] Museen

  • Heimatmuseum in der Burg / Schloss
  • Tiermuseum

[Bearbeiten] Bauwerke

Das Stadtbild prägen:

  • der 1614 errichtete Blockhausturm (das einzig erhaltene Stadttor)
  • der Marienbrunnen (sog. „Röhrenkasten“) am Kirchplatz mit einer von Franz Schäfferle 1696 konzipierten, 1731 aufgestellten Figur
  • die Sankt-Leonhards-Kirche von 1667 mit barocker Fassade
  • die von 1788 – 1791 errichtete Stadtpfarrkirche
  • die hoch über dem Mindeltal thronende Burg / Schloss
  • das ehemalige Kapuzinerkloster. Hier befand sich ursprünglich in der Apsis das Bild von Leonardo da Vinci „Madonna mit der Nelke“, welches sich heute in der Münchner Alten Pinakothek befindet.
  • die Loretokapelle mit schwarzer Madonna
  • die alte Mädchenschule
  • das alte Rathaus. Im ehemaligen Sitzungssaal ist in der Stuckdecke noch der österreichische Adler zu sehen.
  • das älteste Wohnhaus Burgaus aus der Zeit des 30-jährigen Kriegs, auf dem Weg zum Schloss
  • die alte Münzprägestätte. Auch hier ist noch eine Stuckdecke mit dem österreichischen Adler zu sehen.

[Bearbeiten] Regelmäßige Veranstaltungen

[Bearbeiten] Historische Feste

Im Jahr 1997 feierte die Stadt das 850-jährige Jubiläum der ersten urkundlichen Erwähnung mit einem aufwändigen „Historischen Fest“. In etwas verkleinerter Form wurden weitere historische Feste in den Jahren 2001 und 2005 gefeiert.

Die gefeierten Anlässe hierzu waren:

Das nächste Historische Fest ist für Juli 2009 geplant.

[Bearbeiten] Burgauer Fasching

Bereits seit dem 30-jährigen Krieg ist der Brauch der „Kinderbrotspeisung“ bekannt. Anfang der 1950er Jahre wurde dieser Brauch wieder von Albert Vogele sen. belebt. In der Verkleidung eines Burgauer Stadtsoldaten „befreit“ heute sein Sohn als Trommler-Albert mit seiner Trommel am Rosenmontag die Kinder aus der Schule und zieht mit ihnen durch die Stadt. Vor den Geschäften rufen die Kinder dann alte überlieferte Faschingssprüchlein um die Inhaber aufzufordern ihre Gaben zu verteilen.

Einige Beispiele für solche Faschingssprüchlein und Rufe:

  • Burga zua, Burga zua - Ohne Strempf und ohne Schuah! Hio!
  • I ond Du, ond no a paar, sind mas rechte Lompa, und wenn ma s'Geld versoffa hand, dann mias ma Wassr gompa. Hio!
  • I bin a kloina Pumprnikl, i bin a kloina Bär, ond wia mi Gott erschaffa hat, so trab i halt daher. Hio!
  • Brezga raus, Brezga raus! Hio!
  • Beim Käppelewirt, beim Käppelewirt, dau kehrat d' Maschker ei. Sie saufat Bier und Branntawei und schiabat d' Gläsla ei! Hio!
  • D' Fischer-Bäs, d' Fischer-Bäs hat da beschta Leaber Käs'! Hio!

Die Kinderbrotspeisung ist auch der Startschuss für den „Straßenfasching“ in Burgau, der am Nachmittag in den traditionellen Rosenmontagsumzug mündet, welcher jährlich tausende Zuschauer anlockt - Schwabens längster Gaudiwurm. Am besten beschreibt die „Faschingsverrücktheit der Burgauer“ der Spruch: „Am Rosenmontag ist in Burgau selbst das Straßenpflaster narrisch!“.

[Bearbeiten] Kulinarische Spezialitäten

Neben den Burgauer Busserln, die Mozartkugeln ähneln, werden als Bonbons sogenannte Schloßbergkiesel angeboten. Als alkoholische Spezialitäten sind Burgauer Obstwasser, Burgauer Schloßgeist und Markgräflicher Burgauer Rat regional bekannt.[2]

[Bearbeiten] Wirtschaft und Infrastruktur

Die größten Arbeitgeber bzw. die bekanntesten Unternehmen sind:

  • BSB Metallverformung GmbH + Co. Stanzwerk (Metallverarbeitung, Stanzwerk, Beschichtungstechnik)
  • BWB Behälterwerk Burgau GmbH + Co. KG (Behälter u. Ölabscheider für Druckluft)
  • Frey Sofortreinigung GmbH (Sofortreinigungen)
  • Hammerschmidt, Karl & Söhne GmbH (Klarinettenherstellung, Marke „Klingson“)
  • Klimmer Ernst GmbH (Werkzeugbau, Stanz- und Umformtechnik für Automobilindustrie)
  • Nova Nutria International AG (Erforschung, Entwicklung und Herstellung von Produkten auf Basis der Bio-Signal-Theorie)
  • petra-electric GmbH & Co KG (Elektrokleingeräte für den Haushalt)
  • Roma Rolladensysteme GmbH (Rollladen Raffstore Garagentore)
  • Silit-Werke GmbH & Co.KG (Töpfe, Pfannen)
  • Therapiezentrum Burgau (Klinik zur Rehabilitation von Patienten mit schwerer Gehirnschädigung, etwa nach Unfall oder Schlaganfall)
  • robatherm GmbH + Co. KG (Klimaanlagen)

[Bearbeiten] Persönlichkeiten

[Bearbeiten] Ehrenbürger

Jakob von Türk (1826–1912), Probst im Erzbistum München und Freising

[Bearbeiten] Söhne und Töchter der Stadt

[Bearbeiten] Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben

  • Albert Auffinger (1839–1912), Maler

[Bearbeiten] Literatur

Wolfgang Wüst: Burgau und die habsburgische Städtepolitik in Vorderösterreich, in: Franz QUARTHAL/ Gerhard FAIX (Hgg.: Die Habsburger im deutschen Südwesten. Neue Forschungen zur Geschichte Vorderösterreichs, Stuttgart 2000, S. 137-152.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 149
  2. „Augsburger Allgemeine“ vom 3. Juni 2006: Schönheiten im Verborgenen

[Bearbeiten] Weblinks

Commons Commons: Burgau – Bilder, Videos und Audiodateien
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