Lolita (1997)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher Titel Lolita
Originaltitel Lolita
Produktionsland USA, Frankreich
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1997
Länge 132 Minuten
Altersfreigabe FSK 18
Stab
Regie Adrian Lyne
Drehbuch Stephen Schiff
Produktion Mario Kassar
Joel B. Michaels
Musik Ennio Morricone
Kamera Howard Atherton
Stephen Smith
Schnitt David Brenner
Julie Monroe
Besetzung

Lolita ist ein US-amerikanisch-französisches Filmdrama von Adrian Lyne aus dem Jahr 1997. Die Hauptrolle spielte Jeremy Irons, die Titelrolle übernahm die 1980 geborene Dominique Swain.

Die Handlung beruht auf dem Roman Lolita von Vladimir Nabokov aus dem Jahr 1955. Der Roman wurde bereits im Jahr 1962 von Stanley Kubrick unter demselben Titel verfilmt.

Handlung[Bearbeiten]

Der Beginn des Filmes zeigt den Hauptcharakter Humbert Humbert in seiner Jugend, als er sich im Alter von 14 Jahren in ein gleichaltriges junges Mädchen verliebt. Dieses stirbt jedoch bald darauf an Typhus, was ihn zeitlebens beeinflusst.

Später, im Jahr 1947, als Erwachsener mietet er in Ramsdale, New Hampshire, ein Zimmer bei der Witwe Charlotte Haze. Dort will er den Sommer verbringen, in dessen Anschluss er eine Stelle als Literaturprofessor in Beardsley, Ohio, antreten soll. Während seines Aufenthalts lernt er die Tochter seiner Vermieterin, die frühreife 12-jährige Dolores, Spitzname „Lolita“, kennen, in die er sich sofort verliebt. Dolores beginnt, ihn durch körperliche Annäherung für sich zu gewinnen.

Einige Zeit später gesteht Charlotte ihrem Untermieter mit einem Brief ihre Liebe und bittet ihn, das Haus zu verlassen, bevor sie zurückkommt, da sie sein Verbleiben als Zeichen gegenseitiger Liebe werten würde. Humbert entschließt sich jedoch zu bleiben und – obwohl er die Witwe zutiefst verachtet – heiratet er Charlotte, um weiterhin in der „Nähe“ Dolores' bleiben zu können. Charlotte Haze schickt das Mädchen mit der Zahnspange jedoch bald darauf in ein Ferienlager, danach soll es sofort in ein Internat ziehen. Humbert ist davon sehr betroffen. Seine Gedanken drehen sich nur um Dolores, während er seine Frau vernachlässigt und sogar mit Schlaftabletten ruhigstellt.

Einige Wochen später bricht Charlotte eine verschlossene Schublade seines Schreibtischs auf und entdeckt darin sein Tagebuch, aus dem sie von seiner Abneigung ihr gegenüber und seiner sexuellen Obsession für Dolores erfährt. Als Humbert nach Hause kommt, konfrontiert sie ihn damit und sagt ihm, dass er Dolores niemals wieder sehen werde. Während Humbert, der noch nicht so recht mit der Situation umzugehen weiß, sich entschließt, in die Küche zu gehen und zwei Drinks zuzubereiten, klingelt das Telefon und er erfährt, dass seine Frau, die fluchtartig das Haus verlassen hatte, vor ein Auto gelaufen und tödlich verunglückt sei. Er eilt nach draußen und findet sie tatsächlich überfahren, tot vor. Von einem Kind erhält er die kompromittierenden Briefe, die sie zur Post bringen wollte. Humbert verbrennt sie im Kamin des Hauses und so bleibt das Geheimnis der sexuellen Beziehung zu seiner Stieftochter gewahrt.

Nachdem Humbert sich gefasst hat, holt er Dolores vorzeitig aus dem Ferienlager ab, erzählt ihr jedoch zunächst nicht vom Tod ihrer Mutter. Er begibt sich mit ihr in ein Hotel, in dem die beiden zum ersten Mal flüchtig auf den Theaterautor Clare Quilty treffen. Clare Quilty zeigt sein Interesse an Dolores.

Schließlich teilt Humbert Dolores den Tod der Mutter mit und begibt sich mit der schockierten Waise auf eine rastlose Autofahrt durch Amerika, wobei sich eine leidenschaftliche Liaison entwickelt. Auf dem Weg durch die Länder und Orte, durch die ihre Reise führt, plagt Humbert immer mehr aber auch sein schlechtes Gewissen. Eines Tages lassen sie sich in einer Kleinstadt Neuenglands nieder und beginnen dort ein neues Leben als Vater und Tochter. Humbert geht weiterhin seinem Beruf als Professor nach, Dolores, die mittlerweile schon 14 Jahre alt ist, geht zur Schule und spielt in einem Theaterstück, das Quilty geschrieben hat. Als Humbert eines Nachmittags einen Anruf erhält, erfährt er, dass Dolores unüblicherweise zwei Klavierstunden versäumt hat. Humbert stellt sie zu Rede. Dolores behauptet, dass sie im Park mit ihrer besten Freundin Mona für das Theaterstück geübt habe. Humbert glaubt ihr dies jedoch nicht und ruft Mona an, die die Behauptung von Dolores aber bestätigt. Es entsteht ein heftiger Streit, nach dem Dolores wegläuft. Humbert findet sie in einer Kneipe wieder und sie beschließen, den Wohnort zu verlassen und erneut eine Reise durch Amerika zu machen. Während ihrer Reise werden sie verfolgt, von Quilty, wie es sich später herausstellt, der es auf Lolita abgesehen hat. Humbert und Lolita lassen sich in einem Hotel nieder. Eines Tages bekommt Lolita ein Virus und muss ins Krankenhaus, dort wird sie nach einem Tag von Quilty abgeholt, der sich dem Krankenhaus gegenüber als ihr „Onkel Gustave“ ausgegeben hat. Humbert, getrieben von seiner Verzweiflung über ihr Verschwinden, begibt sich auf die Suche nach ihr. Er scheint ihr zunächst immer näher zu kommen, doch letztlich verliert er die Spur. Nach Jahren bricht er die Suche ab und kehrt nach Hause zurück.

Drei Jahre später erhält Humbert einen Brief von Dolores. Sie ist mittlerweile verheiratet, schwanger und in Geldnöten. Er besucht sie und versucht sie zu überreden, zu ihm zurückzukehren, doch sie weist ihn ab. Er erfährt von Lolita, dass Quilty der Mann war, der sie damals aus dem Krankenhaus mitgenommen hatte, dass dieser pornographische Filme mit Kindern drehte und Dolores sich damals sehr von ihm angezogen fühlte und daher mit ihm ging.

Völlig verzweifelt beschließt Humbert, Quilty zu erschießen. Als er eines Tages in Quiltys Haus eindringt, findet er dessen pädophile Neigungen bestätigt und auch, dass Dolores mit ihm mitkommen wollte, als er sie aus dem Krankenhaus "entführte". Er bietet Humbert an, bei ihm einzuziehen, woraufhin dieser Quilty mit mehreren Schüssen tötet.

Die Schlussszene zeigt den von Polizeiwagen und -motorrädern verfolgten Wagen mit dem zutiefst betrübten und enttäuschten Humbert am Steuer, der auf der Straße Schlangenlinien fährt. Schließlich biegt er vor einer Straßensperre in eine Weidewiese ab und bleibt darin stehen – die Polizisten bewegen sich auf Humbert, der aus dem Auto ausgestiegen ist, zu.

Kritiken[Bearbeiten]

James Berardinelli schrieb auf ReelViews, der Film provoziere nicht; die einzigen Bilder des nackten Mädchens seien unscharf. Das Thema des Sexuellen Missbrauchs von Kindern sei trotzdem für die Verleiher unangenehm, der Film wartete ein Jahr auf seine Veröffentlichung. Die Darstellung von Jeremy Irons mache aus dem Charakter von Humbert Humbert kein seelenloses Monstrum, sondern ein menschliches Wesen. Dominique Swain spiele ihre Rolle ausgezeichnet.[1]

Kenneth Turan schrieb in der Los Angeles Times über die Verzögerung der Veröffentlichung des Films. Er entspreche mehr der Romanvorlage als die Verfilmung von Stanley Kubrick aus dem Jahr 1962. Eine Belastung stelle die Tatsache dar, dass der Roman viel Narration und nur wenige Dialoge beinhalte.[2]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Dominique Swain gewann im Jahr 1999 den Young Artist Award; sie wurde 1999 für den YoungStar Award und den Chicago Film Critics Association Award nominiert. Jeremy Irons und Dominique Swain wurden 1999 für den MTV Movie Award nominiert.

Hintergründe[Bearbeiten]

Die Produktionskosten betrugen schätzungsweise 58 Millionen US-Dollar.

Eigentlich sollte Natalie Portman die Rolle der Lolita besetzen. Da sie jedoch nach der Rolle der „Mathilda“ im Film Léon – Der Profi fürchtete, für immer auf die Figur der kindlichen Verführerin festgelegt zu sein, sagte sie ab.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kritik von James Berardinelli
  2. Kritik von Kenneth Turan
  3. Eintrag auf abrauchen.de

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]