Ludwig Purtscheller

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Ludwig Purtscheller
Purtscheller und Karl Blodig in einer Zeichnung von E. T. Compton
Purtschellers Grab auf dem Salzburger Kommunalfriedhof [1]

Ludwig Purtscheller (* 6. Oktober 1849 in Innsbruck; † 3. März 1900 in Bern) war ein österreichischer Bergsteiger und Lehrer.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Sohn Tiroler Eltern (der Vater, ein k.k. Steuereinnehmer, aus Innsbruck, die Mutter aus dem Stubaital), besuchte Purtscheller ab 1859 die Realschule Innsbruck und ging danach noch für ein Jahr an die Realschule in Rovereto, um die italienische Sprache zu erlernen. Von dieser Zeit her stammte auch seine hervorragende Kenntnis des Italienischen in Wort und Schrift. [2]

1865 kam er nach Villach, wo er in der Bleiberger Bergwerksunternehmung eine Anstellung bekommen hatte; hier verschaffte er sich umfangreiche mineralogische und geologische Kenntnisse, die ihm in seiner späteren literarischen Beschäftigung zu statten kamen. Nachdem er in Graz die Prüfung zum Turnlehrer abgelegt hatte, wurde er 1872 in Klagenfurt in dieser Befähigung angestellt. In seiner Freizeit durchstreifte er die Karawanken, die Steiner Alpen, die Julischen und Karnischen Alpen und Teile der Tauern[2]

1874 übersiedelte Purtscheller nach Salzburg, wo er an der k.k. Lehrerbildungsanstalt sowie am k.k. Gymnasium als Lehrer tätig war. Während des Schuljahres durchwanderte er die Weststeiermark, das Salzburgerland, Nordtirol sowie die Bayerischen Alpen. Purtschellers Streben war hierbei darauf gerichtet, zunächst die Ostalpen gründlich kennen zu lernen. Er unternahm in allen größeren Gruppen der Ostalpen erfolgreiche Bergfahrten, insbesondere mit seinem Freund Heinrich Heß, mit dem er später Der Hochtourist in den Ostalpen verfasste. Nach dem intensiven Begehen der heimischen Berge wandte er sich den Westalpen zu. [3]

Ludwig Purtscheller gelangen viele Erstbesteigungen und Erstbegehungen ohne Bergführer. Zu seiner Zeit galt er als der beste Kenner der Alpen, in denen er über 1700[Anm. 1] Gipfel erstieg.

Mit den Brüdern Otto und Emil Zsigmondy gelang 1885 die erste Gesamtüberschreitung der Meije. Mit den Brüdern Zsigmondy hatte er zuvor bereits führerlos unter anderem die Kleine Zinne, den Ortler, die Monte-Rosa-Ostwand und die Bietschhorn-Südwand erstiegen sowie das Matterhorn überschritten. Mit Johann Punz aus der Ramsau durchstieg er am 12. Juni 1885 zum zweiten Mal die Watzmann-Ostwand.

Am 6. Oktober 1889 erreichten Purtscheller und seine Begleiter Hans Meyer und Yohani Kinyala Lauwo beim zweiten Versuch erstmals den Gipfel des Kilimandscharo. 1891 war Purtscheller mit Gottfried Merzbacher und den Glocknerführern Kerer und Unterweser im Kaukasus alpinistisch tätig (u. a. Elbrus).

1895 erkrankte Purtscheller schwer an Typhus,[4] was ihm von da an höchste Kraftanstrengungen versagte. [5] Im selben Jahr erfolgte die Heirat mit Hedwig von Helmreichen († 1942 in Salzburg[6]); aus der Ehe gingen eine Tochter und ein Sohn hervor.

Nach einer Besteigung der Aiguille du Dru am 25. August 1899 stürzte Purtscheller samt der beiden Seilgefährten in einen 4–5 Meter tiefen Bergschrund und brach sich dabei den rechten Oberarm. Nach fünfwöchiger stationärer Behandlung in Genf wurde er nach Bern in die Klinik des Chirurgen Otto Lanz überstellt, wo er sich langsam erholte und für Mitte März 1900 seine Rückkehr nach Salzburg plante. Ein Grippeanfall und eine damit einhergehende beidseitige Lungenentzündung führten jedoch in den frühen Morgenstunden des 3. März 1900 zum Ableben von Ludwig Purtscheller[7]: Die Beisetzung in einem Ehrengrab der Stadt Salzburg fand, unter großer Anteilnahme, am 11. März 1900 auf dem Salzburger Kommunalfriedhof statt. [8]

Am 28. Juni 1901 wurde im Auftrag des Zentralausschusses des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins das von Hans Bitterlich ausgeführte Grabdenkmal enthüllt. [1]

Ehrungen[Bearbeiten]

Zu seinen Ehren wurden das Purtschellerhaus (eine Alpenvereinshütte in den Berchtesgadener Alpen), eine Gasse im Salzburger Ortsteil Froschheim, eine Sackgasse in Innsbruck, sowie der Purtscheller-Steig am Schafberg benannt. Daneben trägt die Couloir Purtscheller genannte Rinne an den Dents d'Ambin nahe dem Col de Clapier und die 3478 m hohe Aiguille Purtscheller im Südgrat der Aiguille du Tour seinen Namen.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Personal-Nachrichten. (…) Allerlei. (…) Purtscheller-Denkmal. In: Mittheilungen des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1901 (Band XXVII), S. 173. (Online bei ALO).
  2. a b Blodig, S. 49.
  3. Blodig, S. 49 f.
  4. Personal-Nachrichten. Ludwig Purtscheller (…) In: Mittheilungen des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1895 (Band XXI), S. 175 f. (Online bei ALO).
  5. Blodig, S. 50.
  6. (…) Hedwig Purtscheller, die Witwe (…) In: Mitteilungen des Deutschen Alpenvereins, Heft 11, August (1942), Jahrgang 1941/42 (Oktober 1941 bis September 1942), S. 171. (Online bei ALO).
  7. H. H. (d.i. Heinrich Heß): Personal-Nachrichten. † Ludwig Purtscheller. In: Mittheilungen des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1900 (Band XXVI), S. 55 f. (Online bei ALO).
  8. H. H. (d.i. Heinrich Heß): Personal-Nachrichten. † L. Purtscheller. In: Mittheilungen des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1900 (Band XXVI), S. 65 f. (Online bei ALO).

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. 1898, zwei Jahre vor seinem Tod, hatte er Blodig mitgeteilt, dass er nun 1500 cotierte Gipfel bestiegen habe. – Siehe: Blodig, S. 50.

Weblinks[Bearbeiten]