Watzmann

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Dieser Artikel beschreibt das Bergmassiv. Weitere Bedeutungen sind unter Watzmann (Begriffsklärung) aufgelistet.
Watzmann
Watzmann, im Vordergrund die Kirchtürme von Berchtesgaden

Watzmann, im Vordergrund die Kirchtürme von Berchtesgaden

Höhe 2713 m ü. NN
Lage Bayern (Deutschland)
Gebirge Berchtesgadener Alpen
Dominanz 15,9 km → Hochseiler
Schartenhöhe 939 m ↓ Trischübelpass
Koordinaten 47° 33′ 19″ N, 12° 55′ 24″ O47.55527777777812.9233333333332713Koordinaten: 47° 33′ 19″ N, 12° 55′ 24″ O
Watzmann (Alpen)
Watzmann
Gestein Kalkstein, Dolomit
Alter des Gesteins Trias
Erstbesteigung im August 1800 durch Valentin Stanič
Normalweg vom Watzmannhaus (47° 34′ 16″ N, 12° 56′ 3″ O47.57111111111112.934166666667)

Der Watzmann ist der zentrale Gebirgsstock der Berchtesgadener Alpen. Das bekannte Kalksteinmassiv gipfelt in der 2713 m ü. NHN hohen Watzmann-Mittelspitze, die zugleich der höchste Punkt des Berchtesgadener Landes ist. Um den Watzmann und seine Nebengipfel Kleiner Watzmann (auch Watzmannfrau oder Watzfrau genannt) und Watzmannkinder rankt sich die Watzmannsage. Die Watzmann-Ostwand gilt als höchste Wand der Ostalpen.

Lage und Morphologie[Bearbeiten]

Watzmann von Süden (vom Ofenloch) aus gesehen: Südspitze (links) und Mittelspitze (rechts).
Watzmann von Nordosten (von Hinterbrand) aus gesehen: Kleiner Watzmann (links) und Großer Watzmann (rechts).

Der Watzmann liegt im äußersten Südosten Oberbayerns im Nationalpark Berchtesgaden in den Gemeinden Ramsau (Gemarkung Ramsauer Forst) und Schönau am Königssee (Gemarkung Forst St. Bartholomä). Er besitzt eine Grundfläche von rund 50 km². Der höchste Punkt, die Mittelspitze (2713 m), befindet sich etwa 10 km südwestlich von Berchtesgaden und 30 km südwestlich vom am Alpennordrand gelegenen Salzburg. Westlich des Watzmanns, jenseits des Wimbachtals erhebt sich der Hochkalter (2607 m), nördlich, jenseits des Tals der Ramsauer Ache, der Tote Mann (1392 m) und südlich der Schneiber (2330 m). Östlich, jenseits des Königssees, liegen der Jenner (1874 m) und der Kahlersberg (2350 m).

Der Watzmann ist nach den Gipfeln des Hochkönigstocks (bis 2941 m) die höchste Erhebung der Berchtesgadener Alpen, die zu den nördlichen Kalkalpen zählen. Der Zugang erfolgt meist von Norden, ausgehend vom Ramsauer Ortsteil Wimbachbrücke oder aus der Hinterschönau vom Parkplatz Hammerstiel über das Watzmannhaus (1928 m). Ramsau bzw. Schönau liegen als Talorte über 2000 Höhenmeter unter dem Gipfel – damit weist der Watzmann eine für die Ostalpen bemerkenswerte Höhendifferenz auf, die alpenweit oft nur von Viertausendern übertroffen wird.

Gipfelkreuz auf dem Hocheck, dahinter der Hochkalter.

Das größte Teilmassiv des Watzmannes wird Großer Watzmann genannt. Es besitzt einen etwa 4,5 km langen, annähernd NNO-SSW verlaufenden Hauptgrat, den Watzmanngrat. Dieser verbindet den Hauptgipfel, die Mittelspitze (2713 m), mit der Südspitze (2712 m, früher auch: Schönfeldspitze) und dem Hocheck (2651 m). Abgesehen von diesen drei dominierenden Erhebungen sind vor allem der östlich des Großen Watzmanns gelegene Kleine Watzmann („Watzmannfrau“, 2307 m) und die östlich der Mittelpitze an einem Quergrat aufgereihten Watzmannkinder (maximal 2270 m hoch) bekannt (siehe auch Andere Gipfel des Watzmannmassivs). Der Abschnitt des Watzmangrates nördlich der Mittelspitze, die Watzmannkinder und der Kleine Watzmann umschließen das Watzmannkar, an dessen oberen Ende sich der sehr kleine Watzmanngletscher befindet (siehe auch Schnee- und Eisfelder am Watzmann).

Geologie des Watzmannmassivs[Bearbeiten]

Dachsteinkalk an der Ostwand (vom 2. Kind aus gesehen). Die Bankung des Kalksteins und das mittelsteile Einfallen nach Nord sind sehr deutlich zu erkennen.
Der weitgehend bewaldete quartäre Schwemmkegel des Eisbaches mit der Kapelle St. Bartholomä nahe dem Ufer am Fuß der Ostflanke des Watzmannmassivs.

Die Gipfelregionen des Großen und Kleinen Watzmanns bestehen aus relativ verwitterungsresistentem, gebanktem Dachsteinkalk und Plattenkalk. Diese Sedimentgesteine stammen aus der jüngeren Trias (Norium, um 215 mya). Die bankige Schichtung des Dachsteinkalkes ist besonders deutlich an der Ostwand zu erkennen. Die ehemals horizontalen Schichten fallen dort heute in einem Winkel von 30 bis 40 Grad nach Norden ein, da sie bei der Alpenentstehung gefaltet wurden.Typisch für diese Kalksteinformationen ist deren Fossilarmut. Lediglich stellenweise finden sich Massenvorkommen von Megalodonten („Kuhtritte“).

Der Sockel des Berges besteht aus einem relativ brüchigem Dolomit, dem sogenannten Karnisch-Norischen Dolomit, sowie aus Ramsaudolomit, einem lateralen Äquivalent des Wettersteinkalks. Diese Gesteinseinheiten sind erdgeschichtlich älter und stammen aus der frühen oberen bzw. mittleren Trias (Ladinium-Norium, ca. 235 bis 220 mya). Alle Gesteine des Watzmannmassivs bildeten sich auf dem Schelf der westlichen Tethys und wurden während der Alpenbildung in Form einer tektonischen Decke nach Norden an ihre heutigen Positionen verfrachtet. Die Dolomitgesteine treten vorwiegend auf der West- und Südwestseite des Großen Watzmannes im aufgeschotterten Wimbachtal sowie an den Hängen des Eisbachtals zu Tage.

Der Eisbach (oder auch Eisgraben) hat am Westrand des Königssees einen Schwemmkegel aufgeschüttet, der den ohnehin recht schmalen See an dieser Stelle zusätzlich eingeengt hat. Bei anhaltendem Transport von Schutt aus dem Eisbachtal nach Osten wird dieser Schwemmkegel den Königssee in erdgeschichtlich naher Zukunft schließlich in zwei Hälften geteilt haben.

Flora und Fauna des Watzmannmassivs[Bearbeiten]

Ein balzender Auerhahn am Watzmann

Der Watzmann hat aufgrund seiner großen Höhendifferenzen und der großen ökologischen Vielfalt eine besonders artenreiche Pflanzen- und Tierwelt. Dabei werden die Tieflagen besonders von montanen Buchenwäldern dominiert, welche in subalpine Mischwälder übergehen. Die obere Waldstufe wird bestimmt durch Nadelgehölze, vor allem durch Fichte, Lärche und Zirbe. Allerdings wurden diese natürlichen Wälder vor allem auf der leicht zugänglichen Nordseite des Massivs wegen des starken Holzbedarfs der Berchtesgadener Saline durch Fichten-Monokulturen ersetzt. Ab einer Höhe von etwa 2000 Metern ist kein Waldwuchs mehr möglich. Hier dominieren Zwergstrauchheiden, die beispielsweise aus der Bewimperten Alpenrose (Rhododendron hirsutum) gebildet werden, Latschen- und Grünerlengebüsche, Rasengesellschaften (Blaugras-Horstseggenrasen, Rostseggenrasen und Polsterseggenrasen) sowie Felsspalten- und Felsschuttgesellschaften.

Im Nationalpark und auch speziell am Watzmann kommen zahlreiche Pflanzenarten der Ostalpen vor, die im übrigen bayerischen Alpenraum fehlen, etwa das Wilde Alpenveilchen (Cyclamen purpurascens), die Schneerose (Helleborus niger), Einseles Akelei (Aquilegia einseleana), Clusius-Schlüsselblume (Primula clusiana), Bursers Steinbrech (Saxifraga burseriana), der Dolomiten-Mannsschild (Androsace hausmannii), das Tauernblümchen (Lomatogonium carinthiacum), der Österreichische Bärenklau (Heracleum austriacum) und das Eberrauten-Greiskraut (Senecio abrotanifolius).

Die Tierwelt des Watzmanns sowie des gesamten Nationalparks Berchtesgaden ist geprägt durch verschiedene Huftiere wie das Reh, Rot- und Gamswild. Hinzu kommen alpine Tiere wie der Schneehase, das Auerhuhn und das Birkhuhn sowie das Alpenschneehuhn und das Haselhuhn, der Steinadler, der Alpensalamander sowie die schwarze Kreuzotter. Das Murmeltier kommt nur in der Umgebung des Passes Trischübel vor. Der Alpensteinbock ist als Wechselwild aus dem Hagengebirge und der Röth nur gelegentlich am Watzmann anzutreffen. Viele weitere Tierarten sind in den verschiedenen Höhenlagen des Watzmanns heimisch.

Schnee- und Eisfelder am Watzmann[Bearbeiten]

Am Watzmann halten sich ganzjährig einige Schnee- und Eisfelder, von denen der so genannte Watzmanngletscher das größte und die Eiskapelle aufgrund ihrer leichten Erreichbarkeit von St. Bartholomä das bekannteste ist. Der bereits von Berchtesgaden aus sichtbare Watzmanngletscher wird seit 1959 von der Kommission für Glaziologie der Bayerischen Akademie der Wissenschaften wieder als Gletscher betrachtet. Die Einordnung als Gletscher ist aufgrund seiner Größe und seiner nur geringen Fließgeschwindigkeit unter Wissenschaftlern jedoch nicht unumstritten.

Der Watzmanngletscher liegt östlich des Grates zwischen dem Hocheck und der Mittelspitze mit einer mittleren Höhe von 2060 m im oberen Watzmannkar. Im Jahr 2007 betrug seine Fläche 5,6 ha bei einer mittleren Dicke von 3,8 m, einer maximalen Dicke von 16 m und einem Volumen von 600.000 m³. In den Jahren vor 2007 verlor das Eisfeld jährlich durchschnittlich einen Meter an Mächtigkeit, so dass bei gleichbleibenden klimatischen Bedingungen der Eiskörper bis etwa 2020 weitgehend verschwunden sein könnte.[1] Auf und westlich des Eisfeldes liegen die Überreste eines im Oktober 1940 abgestürzten Transportflugzeugs JU 52.

Eiskapelle mit Gewölbe im Sommer

Bei der Eiskapelle dürfte es sich um das am niedrigsten gelegene ganzjährig vorhandene Schneefeld der Alpen handeln. Bei der ersten vollständigen topografischen Aufnahme der bayerischen Gletscher durch Sebastian Finsterwalder 1892 stellte sich die Eiskapelle noch als eigenständiger kleiner Gletscher dar, der aber bereits zwischen 1920 und 1950 seine Gletscherzunge verlor und heute nurmehr ein Schneefeld ist.[2] Ihr unteres Ende liegt auf 930 Meter Höhe im oberen Eisbachtal und ist in etwa einer Stunde Fußmarsch von St. Bartholomä am Königssee erreichbar. Die Eiskapelle speist sich aus den gewaltigen Lawinen, die im Frühjahr die Ostwand des Watzmanns hinabstürzen und sich im Wandwinkel sammeln. Bisweilen bildet sich ein torartiges Gewölbe im Eis an der Stelle, wo der Eisbach aus der Eiskapelle hervortritt. Vor dem Betreten wird dringend gewarnt, es hat hier durch herabstürzendes Eis bereits Tote gegeben. In der Ostwand selbst befindet sich im so genannten Schöllhornkar ein weiteres Eisfeld, Schöllhorneis genannt, über das bei einer Durchsteigung des Kederbacher-Weges aufgestiegen wird. Kar und Eisfeld tragen den Namen des Müncheners Christian Schöllhorn, der das erste Opfer der Ostwand wurde. Am 26. Mai 1890 stürzte er am oberen Ende des Eisfelds in die Randkluft und verletzte sich tödlich. Ein weiteres kleines namenloses Schneefeld befindet sich einige hundert Meter unterhalb der Mittelspitze ebenfalls in der Ostwand.

Alpinismus[Bearbeiten]

Das Watzmannhaus

Die Mittelspitze wurde im August 1800 erstmals durch den Slowenen Valentin Stanič erstiegen, auch wenn andere Quellen bereits 1799 als Jahr der Erstbesteigung nennen. Wenige Tage nachdem Stanič den Gipfel des Großglockners am Tag nach dessen Erstbesteigung erreichte, erkletterte er auch den höchsten Punkt des Watzmanns vom Hocheck her kommend.[3]

Die Südspitze wurde erstmals 1832 von Peter Carl Thurwieser über das Schönfeld bestiegen.

Die erste Überschreitung des Großen Watzmanns (Hocheck, Mittelspitze, Südspitze) wurde 1868 vom Ramsauer Bergführer Johann Grill, dem Kederbacher, und Johann Punz durchgeführt. Diese beiden erreichten auch den Gipfel des Kleinen Watzmanns im Jahr 1852 als erste. Die Watzmann-Ostwand wurde zum ersten Mal 1881 ebenfalls von Johann Grill mit seinem Gast Otto Schück durchstiegen.

Grill war von 1888 bis 1905 der erste Wirt des Watzmannhauses. Die Alpenvereinshütte liegt nördlich unter dem Hocheck auf 1930 m Höhe auf dem Falzköpfl und ist ein wichtiger Stützpunkt für die Überschreitung des Gebirgsstocks.

Watzmannüberschreitung[Bearbeiten]

Überschreitung der Mittelspitze
Das Watzmann-Hocheck, unmittelbar bevor man es auf dem Normalweg erreicht.

Bei der Überschreitung des Watzmanngrates, kurz „Watzmannüberschreitung“ genannt, werden die drei Gipfel des Hauptkammes, Hocheck, Mittelspitze und Südspitze, meist von Norden nach Süden überschritten. Oft wird diese Tour in zwei Etappen gegangen. Am ersten Tag steigt man dann nur bis zum Watzmannhaus auf, um am zweiten Tag nach einer Übernachtung die drei Gipfel zu passieren und in das Wimbachgries abzusteigen.

Bei einer Watzmannüberschreitung von Norden nach Süden steigt man vom Watzmannhaus zunächst zum Hocheck auf und überwindet dann den exponierten und langen Grat, dessen höchste Erhebung die Mittelspitze ist. Von dieser aus führt die Überschreitung weiter zur Südspitze und das Gratende. Der Abstieg über 1.400 Höhenmeter in das Wimbachgries erfolgt über einen steilen, absturz- und steinschlaggefährdeten Pfad, auf dem unterschiedliche alpine Landschaftsformen passiert werden. Über das Gries, einen großen Schuttstrom, gelangt man zu den Ausgangspunkten zurück. Im Notfall ist auch eine Biwakierung in einer Unterstandshütte auf dem Hocheck möglich.

Die Gesamtgehzeit für die Überschreitung beträgt je nach Können, Kondition und Pausendauer im Regelfall 12 bis 15 Stunden. Spitzensportler bewältigen die Tour in nur fünf Stunden; andererseits kann sich die Dauer bei widrigen Verhältnissen und Konditionsproblemen durchaus auch auf deutlich über 15 Stunden erhöhen. Wegen der Beliebtheit der Tour kann es jedoch zu Verzögerungen kommen, da an manchen Tagen mehr als 100 Bergsteiger die Tour unternehmen. Den Begeher erwarten auf der Gratroute, die mal westlich, östlich oder auf dem Grat verläuft, verschiedene Schwierigkeitsabschnitte. Vom Hocheck zum Mittelgipfel sind diese noch relativ moderat, zwischen Mittelgipfel und Südgipfel sind Kletter-Schwierigkeiten bis zum II. Grad zu bewältigen. Schlechtwetter-Einflüsse erhöhen den Anspruch deutlich, da der von den vielen Begehern glatt geriebene Fels durch Feuchtigkeit von Schnee, Regen oder Nebel noch rutschiger wird. Durch Drahtseilversicherung wurden die Schlüsselstellen entschärft. Die Tour ist jedoch kein Klettersteig und wird in der Regel ohne Klettersteig-Selbstsicherung begangen, denn die Drahtseile erstrecken sich nur über einen Bruchteil der Wegstrecke, decken nicht unbedingt die ausgesetztesten Stellen ab und sind in wechselnden Höhen montiert, was das Umhängen der Selbstsicherungs-Karabiner mühsam macht.

Watzmann-Ostwand[Bearbeiten]

Höchste Wand der Ostalpen[Bearbeiten]

St. Bartholomä mit Watzmann-Ostwand im Hintergrund
Die Watzmann-Ostwand, von den hohen Roßfeldern aus gesehen.
Die Watzmann-Ostwand in ihrer ganzen Dimension, von der Eiskapelle aus gesehen.

Die Ostwand der Watzmann-Südspitze, auch Bartholomäwand genannt, ist eine der berühmtesten und bekanntesten Felswände der Alpen. Ob ihr auch das Prädikat der höchsten Ostalpenwand gebührt, war lange umstritten, sind doch die in der Literatur oft zitierten 1800 Meter Wandhöhe niedriger als die 1900 Meter, die der Alpenvereinsführer „Julische Alpen“ für die Westwand des Montasch (2754 m) angibt. Tatsächlich beziehen sich die 1900 m beim Montasch auf den Höhenunterschied zwischen einem vorgelagerten Tal und dem Gipfel, nicht aber auf die eigentliche Wand, die eine deutlich geringere Höhe – etwa 1400 m – aufweist.

Die Watzmann-Ostwand übertrifft mit ihrer Wandhöhe von etwa 1800 m auch alle weiteren hohen Wände der Ostalpen: Die Nordwand des Triglav (2864 m) in den Julischen Alpen (ca. 1500 Meter Wandhöhe), die Südwand des Birnhorns (2634 m) in den Leoganger Steinbergen und die Nordwand des Hochwanners im Wettersteingebirge (beide ca. 1400 bis 1500 m Wandhöhe), die Nordwand des Schermbergs im Toten Gebirge (1400 m Wandhöhe) und die Nordwand des Hochstadels (2680 m) in den Lienzer Dolomiten (ca. 1300 bis 1400 m Wandhöhe). Die Watzmann-Ostwand ist somit die höchste Felswand der Ostalpen. Höher sind nur deutlich weniger steile Flanken wie beispielsweise die Ostflanke des Wiesbachhorns mit 2400 Metern.

In der Zeitschrift des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins wurden 1922 die Triglav-Nordwand, die Hochstadel-Nordwand und die Watzmann-Ostwand als die drei höchsten Felswände der Ostalpen bezeichnet.[4] Früher wurde die Watzmann-Ostwand mitunter gar die „höchste durchkletterte Felswand der Alpen“ genannt.[5]

Die Watzmann-Ostwand und die Eiskapelle werden vom Bayerischen Landesamt für Umwelt zu den 100 schönsten Geotopen Bayerns gezählt (Geotop-Nr. 172R025).[6][7][8]

Schwierigkeiten und Gefahren[Bearbeiten]

Seit der Erstdurchsteigung 1881 durch Johann Grill, den „Kederbacher“, und den von ihm geführten Wiener Alpinisten Otto Schück fanden 100 Menschen in der Ostwand den Tod.[9] Damit hat sie mehr Todesopfer gefordert als die Eiger-Nordwand. Die höhere absolute Anzahl tödlicher Unfälle erwächst jedoch aus dem Umstand, dass sich eine insgesamt deutlich höhere Anzahl von Bergsteigern am Watzmann versucht, oft ohne die nötigen Fähigkeiten.

Mit etwa 1800 Metern Höhenunterschied von der Eiskapelle bis zum Gipfel ist die Watzmann-Ostwand eine der höchsten Wände alpenweit. Allerdings ist diese Riesenwand technisch nicht besonders schwierig: Auf dem leichtesten Weg, dem von Josef Aschauer 1947 zufällig gefundenen Berchtesgadener Weg, ist in einer 80 m langen Passage und mehreren weiteren kurzen Stellen „nur“ der dritte Schwierigkeitsgrad gefordert; der überwiegende Teil der Tour erfolgt in leichtem Fels- (I–II) und Gehgelände. Auch Sportkletterer, die viel höhere Schwierigkeitsgrade beherrschen, sollten die Wand jedoch nicht unterschätzen, da Schwierigkeiten hinzukommen, auf die man sich in kleineren Wänden und im Klettergarten kaum vorbereiten kann. Die Dimension der Ostwand, die damit für den Durchstieg erforderliche physische und mentale Kondition, die oft schwierige Orientierung und die fehlende Möglichkeit, von Westen heranziehende Schlechtwetterfronten frühzeitig zu erkennen, werden immer wieder unterschätzt. Ein Rückzug ist je nach eingeschlagener Route spätestens ab Wandmitte ebenso schwierig wie der weitere Aufstieg, im Kederbacher und Salzburger Weg je nach den Verhältnissen fast unmöglich. Des Weiteren besteht akute Steinschlaggefahr, insbesondere an schönen Wochenenden, wenn viele Seilschaften im Berchtesgadener Weg unterwegs sind. Im Winter oder Frühjahr, wenn die Felsen von Eis oder Schnee überzogen sind und Lawinengefahr herrscht, ist die Watzmann-Ostwand (wie auch die Watzmann-Überschreitung) selbstverständlich nur absoluten Profis und Gebietskennern vorbehalten. Insbesondere zur Zeit der Schneeschmelze, in den Monaten Mai und Juni, kommt es in der Watzmann-Ostwand immer wieder zu Todesopfern, da sich tonnenschwere Altschneemassen plötzlich von den abwärts geschichteten Bändern der Wand lösen und Bergsteiger erschlagen können. Erst wenn diese massiven Altschneeansammlungen abgerutscht oder abgeschmolzen sind, beginnen die Berchtesgadener Bergführer mit regelmäßigen Führungen durch die Wand.

Routen[Bearbeiten]

Abgesehen vom Berchtesgadener Weg ziehen noch einige weitere Routen durch die Wand zur Südspitze, namentlich sind dies der Kederbacherweg (benannt nach dem Erstdurchsteiger, obwohl die Seilschaft im oberen Teil den Weg zur Mittelspitze und nicht wie heute üblich zur Südspitze wählte), der Salzburger Weg, der Münchner Weg, der Frankfurter Weg, der Polenweg, der Franz-Rasp-Gedächtnisweg und noch einige weitere. Varianten sind in dieser stark gegliederten und nicht sonderlich steilen Wand oft möglich.

Besondere alpinistische Leistungen[Bearbeiten]

Eine der größten alpinistischen Leistungen, die am Watzmann vollbracht wurden, ist die Winterbegehung des Salzburger Weges durch Hermann Buhl in der Nacht vom 28. Februar auf den 1. März 1953. Für die Durchsteigung dieser schwierigen Route durch die tief verschneite Ostwand benötigte Buhl von St. Bartholomä bis zur Südspitze nur rund neun Stunden. Anschließend überschritt er noch den kompletten Watzmanngrat über Mittelspitze und Hocheck. Dem Ausnahmebergsteiger Buhl, der mit seiner Frau Eugenie in der nahegelegenen Ramsau lebte, diente diese Tour als Vorbereitung auf die im selben Jahr anstehende Nanga-Parbat-Expedition, die er – ebenfalls im Alleingang – mit der Erstbesteigung dieses Achttausenders krönte.

Die meisten Durchstiege der Ostwand kann mit 390 (Stand: April 2012) der Bergführer Heinz Zembsch vorweisen. Vor ihm war Franz Rasp der langjährige „Hausmeister“ der Ostwand: Er durchstieg mehrere Routen als erster im Alleingang und war wohl der beste Kenner der Wand. Am 1. Januar 1988 stürzte Rasp bei seiner 295. Durchsteigung mit einem weiteren Bergsteiger ab und kam dabei ums Leben.

Albert Hirschbichler rannte im Herbst 1988 von St. Bartholomä in nur 2:10:12 h durch die Ostwand zur Watzmann-Südspitze hinauf.[10]

Biwakschachtel[Bearbeiten]

Biwakschachtel in der Watzmann-Ostwand

Im oberen Wandteil der Watzmann-Ostwand befindet sich auf 2380 m (unter dem „Massigen Pfeiler“) eine Biwakschachtel, die vor allem bei Wetterstürzen eine wichtige Notunterkunft darstellt.

Westflanke[Bearbeiten]

Watzmann-Westwand mit Hocheck (links) und Mittelspitze (rechts)

Die Watzmann-Westflanke bricht zwischen Schüttalpelschneid und Griesspitze mit einer Wandhöhe von bis zu 1700 m gegen das Wimbachtal ab. Auf etwa 2000 m befindet sich die Grenze zwischen Ramsaudolomit und Dachsteinkalk. Oberhalb ist die Flanke im Allgemeinen vergleichbar mit der Ostwand, nur etwas flacher. Unterhalb durchziehen zwei mächtige Grabensysteme die hier sehr brüchige und latschenbewachsene Flanke. Die Routen durch die Westflanke sind sehr mühsam und stellen hohe Anforderungen an die Orientierung. Um die vorletzte Jahrhundertwende erfreute sich die Watzmann-Westwand noch einigen Interesses und wurde diverse Male auf verschiedenen Routen durchstiegen; auch kamen bei Durchsteigungsversuchen Bergsteiger ums Leben.[11] Heute werden die verschiedenen Durchstiege durch die Westflanke selten und dann meist im Abstieg begangen.

Klettern am Watzmann[Bearbeiten]

Die berühmtesten Kletterrouten am Watzmann sind die Ostwandführen, siehe oben. Darüber hinaus gibt es jedoch noch eine Vielzahl anderer, meist hochalpiner und anspruchsvoller Klettereien. Die meisten befinden sich in der Westwand des Kleinen Watzmanns, die fast senkrecht über dem Watzmannkar aufragt und auch vom Wanderweg, der zum Watzmannhaus hinaufführt, gut sichtbar ist. Es gibt hier Dutzende Kletterrouten verschiedener Schwierigkeitsgrade, darunter das Sakrische Eck, welches die erste Siebener-Kletterroute im Berchtesgadener Land ist. Weitere Kletterrouten finden sich hauptsächlich an den gewaltigen Südabstürzen der Watzmannkinder sowie an den Ostwänden von Hocheck und Mittelspitze. Besonders erwähnenswert ist dabei die Wiederroute durch die Ostwand der Mittelspitze, die eine landschaftlich sehr eindrucksvolle Kletterei in den unteren Schwierigkeitsgraden darstellt. Auch wurden Klettereien durch andere Wände des Watzmannmassivs durchgeführt, wie z. B. solo von Franz Rasp durch die Hachelkopf-Nordwand, doch liegen diese meist fernab schnell erreichbarer Zustiege und sind damit für viele Kletterer uninteressant.

Andere Gipfel des Watzmannmassivs[Bearbeiten]

Kleiner Watzmann (Watzmannfrau)[Bearbeiten]

Blick von Norden in das Watzmannkar: Watzmannfrau (links) und Watzmannkinder (rechts daneben).

Der bedeutendste Gipfel des Watzmannmassivs nach den Hauptgipfeln des Großen Watzmanns ist der Kleine Watzmann (2307 m), auch Watzmannfrau oder (selten) Watzfrau genannt. Der Normalweg auf diesen Gipfel, der als nicht einfach gilt, führt von der Kührointalm von Norden über die Kederbichel genannte eiszeitliche Moräne auf den Grat, der sich bald zu einer im Volksmund „Gendarm“ genannten ausgesetzten Kletterstelle verengt. Wie die noch folgenden Kletterpassagen überschreitet der Gendarm den zweiten Schwierigkeitsgrad der UIAA-Skala jedoch nicht. Abgesehen davon gilt der Aufstieg als nicht besonders schwierig, allerdings gibt es hier im Gegensatz zum Großen Watzmann weder Drahtseilsicherungen noch deutliche Markierungen. In den Platten kurz unterhalb des Gipfels befindet sich eine kleine Höhle mit engem Eingang, die gegebenenfalls auch zum Biwakieren genutzt werden kann. In Verbindung mit dem Abstieg über den Ostgrat zum Mooslahnerkopf lässt der Kleine Watzmann eine Überschreitung zu; diese Route stellt im Aufstieg die technisch einfachste Route auf die Watzmannfrau dar, ist aber deutlich länger als der Normalweg und nur stellenweise mit Steinmandln markiert. Vom Gipfel des Kleinen Watzmanns ist über die Scharte zum ersten Watzmannkind in östlicher Richtung weglos ein Abstieg zum Königssee möglich. Dabei kommt man am Watzmannlabl vorbei, einer kleinen Wiese, die unter Einheimischen als landschaftlich reizvoll gilt. Als markant gilt die Westwand des Kleinen Watzmanns. Diese annähernd senkrechte Wand ist nach der Südspitze-Ostwand die bedeutendste Kletterwand am Watzmann.

Watzmannkinder[Bearbeiten]

Familie Watzmann – Blick vom Gaisberg in Salzburg

Die Watzmannkinder schließen das Watzmannkar am oberen Ende ab. Der Sage nach sind es sieben; jedoch sind nur fünf als eigenständige Gipfel ausgeprägt; Nummerierung von Ost nach West: 1. Kind 2247 m, 2. Kind 2232 m, 3. Kind 2165 m, 4. Kind („Watzmann-Jungfrau“) 2270 m, 5. Kind 2225 m. Der neue Alpenvereinsführer Berchtesgadener Alpen alpin spricht auch von einem sechsten Watzmannkind (2225 m)[12] und meint damit den Aufschwung am Fuß der Mittelspitze-Ostwand, an dem sich die Watzmann-Skischarte befindet. Die genauen Höhen der einzelnen Watzmannkinder sind wiederholt Gegenstand von Diskussionen, da keine amtliche Karte alle Höhen angibt. Insbesondere das 3. Kind, das als Skitourenziel große Bedeutung hat, ist in der Literatur sehr häufig mit 2232 m angegeben, wobei es sich aber vermutlich um eine fälschliche Übernahme der Höhe des 2. Kindes handelt.

Die Watzmannkinder sind am leichtesten von Norden aus dem Watzmannkar zu erreichen (teils über Pfade, teils weglos und in Kletterei) und werden gerne im Winter im Zuge einer Skitour besucht. Nach Süden brechen die Watzmannkinder mit steilen Wänden von über 1000 Metern ins Eisbachtal ab. Eine selten durchgeführte, aber unter Gebietskennern hochgeschätzte Tour ist die Überkletterung aller Watzmannkinder.

Bei der Watzmann-Skischarte handelt es sich nicht um den tiefsten Punkt zwischen dem fünften Watzmannkind und der Watzmann-Mittelspitze, sondern um eine höher gelegene, wenig deutliche Einschartung unmittelbar am Fuß der Mittelspitze-Ostwand. Der tiefste Punkt zwischen den Watzmannkindern und dem Großen Watzmann trägt keinen eigenen Namen.

Grünstein[Bearbeiten]

Grünstein, vom Schönauer Ortsteil Königssee aus gesehen.

Der Grünstein ist mit 1304 m Höhe der kleinste und zugleich der am leichtesten zu besteigende Gipfel des Watzmannmassivs. Er erhebt sich unmittelbar über der Schönau und ist über Wanderwege entweder vom Parkplatz Hammerstiel oder von der Königssee-Rodelbahn aus erreichbar. Etwas unterhalb des Gipfels befindet sich eine bewirtschaftete Hütte, die Grünsteinhütte. Aufgrund seiner relativ geringen alpinistischen Anforderungen und des möglichen Rundblicks über den Berchtesgadener Talkessel ist der Grünstein ein beliebtes Wanderziel.

Am 21. Juni 2009 wurde mit dem Bau eines Klettersteigs auf den Grünstein begonnen.[13] Acht Wochen später war der Bau abgeschlossen, und der Isidor-Klettersteig (benannt nach Isidor Grassl[14]) wurde eröffnet. Der Steig führt im Schwierigkeitsgrad C auf den Gipfel, außerdem gibt es noch die schwierige Variante im Schwierigkeitsgrad D/E, deren Einstieg weiter rechts liegt, und nach ca. einem Drittel der Steiglänge über eine Hängebrücke in die Isidor-Variante mündet.[15] Seit 2011 gibt es einen dritten Einstieg, die sogenannte Räuberleiter, ebenfalls im Grad D/E, jedoch länger als die schwierige Variante. Die Räuberleiter mündet kurz unter der Hängebrücke in die schwierige Variante.[16]

Hirschwiese[Bearbeiten]

Die Hirschwiese (auch Hirschwieskopf), 2114 m, ist der südlichste Gipfel des Watzmannmassivs und stellt die Verlängerung des Felsgrates dar, der von der Watzmann-Südspitze südlich herabzieht und der in der Schönfeldscharte seinen tiefsten Punkt erreicht. Vom Trischübel (1765 m), dem Nahtpunkt zwischen Watzmann und Steinernem Meer, führt ein markierter Pfad durch steiles Grasgelände auf die kleine Gipfelhochfläche mit den beiden Gipfeln, die wenige Minuten auseinanderliegen. Die Erreichbarkeit über diesen Weg sowie die landschaftliche Entlegenheit und Schönheit, insbesondere aber auch die ungewohnte Perspektive auf den alles dominierenden Watzmann machen die Beliebtheit der Hirschwiese bei Wanderern aus. Außerdem ist sie der einzige Zweitausender des gesamten Watzmannstocks, der über einen Wanderweg erreichbar ist.

Weitere Gipfel[Bearbeiten]

Aufgrund seiner Kompaktheit und geringen Fläche weist der Watzmannstock nur noch wenige weitere Gipfel auf:

  • Großer Hachelkopf (2065 m): Dieser Gipfel ist der höchste der Hachelköpfe, des Grates also, der von der Hirschwiese ostwärts abzweigt und über den Burgstallstein schließlich nach St. Bartholomä hinabzieht. Er ist von der Hirschwiese aus weglos und mühsam, aber ohne besondere alpinistische Schwierigkeiten erreichbar. Der Große Hachelkopf wird wegen seiner Entlegenheit und mangelnden Bekanntheit nur selten besucht, ist jedoch ein lohnendes Ziel, vor allem wegen der einzigartigen Einblicke in die Watzmann-Ostwand, die seine Lage ermöglicht.
  • Grießspitze (auch Griesspitze, 2257 m): Die Grießspitze ist die einzige markante Erhebung des Westsüdwest-Grates der Watzmann-Südspitze, der zusammen mit dem Südgrat der Watzmann-Südspitze das Schönfeld einrahmt. Sie ist nur weglos und in Kletterei zu erreichen, weshalb sie nur äußerst selten bestiegen wird.
  • Mooslahnerkopf (1815 m): Der Mooslahnerkopf ist streng genommen kein eigenständiger Gipfel, sondern nur eine untergeordnete Erhebung im Kamm, der vom Kleinen Watzmann ostwärts hinabzieht. Er ist jedoch von Kühroint aus ohne klettertechnische Schwierigkeiten über einen Pfad erreichbar und bietet imposante Tiefblicke zum Königssee, weshalb er in der Reihe der Watzmann-Gipfel immer wieder genannt wird. Der Mooslahnerkopf ist einer der schönsten Aussichtspunkte des Berchtesgadener Landes. Der Grat, der von ihm westwärts zur Watzmannfrau hinaufführt, ist der technisch einfachste Anstieg auf letzteren Gipfel und beinhaltet geringere klettertechnische Schwierigkeiten als der markierte Normalweg von Kühroint über den Kederbichl.
  • Falzköpfl (1928 m): Auch das Falzköpfl ist kein eigenständiger Gipfel, sondern eine untergeordnete, wenn auch weithin sichtbare Erhebung im breiten Hang, der vom Watzmann-Hocheck nördlich ins Tal hinunterzieht. Die eigentliche Bedeutung des Falzköpfls ergibt sich aus der Tatsache, dass auf ihm das Watzmannhaus steht, die wichtigste Bergsteigerunterkunft am Watzmann. Somit besteigt gewissermaßen jeder, der das Watzmannhaus besucht, automatisch auch das Falzköpfl.
  • Schapbachriedel (1329 m): Der Schapbachriedel ist eine bewaldete Kuppe im nördlichen Teil des Watzmannmassivs, unmittelbar südwestlich des Grünsteins. Trotz seiner größeren Höhe ist der Schapbachriedel im Gegensatz zum Grünstein so gut wie unbekannt, da er vollständig bewaldet ist (und daher keinen guten Talblick bietet) und außerdem keinen markierten Wanderweg aufweist.

Einordnung unter den höchsten Bergen Deutschlands[Bearbeiten]

Der Watzmann wird immer wieder als zweithöchster Berg Deutschlands bezeichnet, was aber unzutreffend ist, da es im Wetterstein außer der 2962 m hohen Zugspitze noch weitere Erhebungen gibt, die ihn an Höhe übertreffen. Erhebungen im orographischen Sinne sind nach der üblichen Definition entweder Gipfel, die sich mit einer Schartenhöhe von mindestens 30 Metern von ihrer Umgebung abheben, oder Berge (auch Hauptgipfel oder Bergmassive genannt), die eine Schartenhöhe von mindestens 100 bis 300 Metern aufweisen.[17] Gemäß dieser Klassifizierung existieren im Wettersteingebirge sieben Gipfel, die höher sind als der höchste Punkt des Watzmanns. Einer davon, der Hochwanner (2744 m), ist auch bei Anwendung der strengsten üblichen Kriterien zweifelsfrei ein eigenständiger Hauptgipfel und damit der zweithöchste dieser Art nach der Zugspitze.

Somit gilt: Der Watzmann ist nach Zugspitze und Hochwanner der dritthöchste Berg Deutschlands. Zählt man auch kleinere Erhebungen mit einer Schartenhöhe von mindestens 30 Metern, ist die Watzmann-Mittelspitze Deutschlands achthöchster Gipfel. Da über Zugspitze und Hochwanner die deutsch-österreichische Grenze verläuft, ist der Watzmann jedoch der höchste Berg, dessen Basis sich vollständig auf deutschem Staatsgebiet befindet.

Der Watzmann in Kunst und Kultur[Bearbeiten]

Kulturelle Traditionen[Bearbeiten]

Watzmannsage[Bearbeiten]

Familie Watzmann – Ansichtskarte des 19. Jahrhunderts

Der Sage nach wurde das Land einst vom grausamen König Waze oder Wazemann beherrscht, der mit seiner Frau und den Kindern Furcht und Schrecken verbreitete. Als er eine Bauernfamilie mit seinem Ross zerstampfte, fluchte die Bäuerin, dass Gott ihn und seine Familie zu Stein verwandeln solle. Danach tat sich die Erde auf, spuckte Feuer und verwandelte den König und seine Familie zu Stein. In manchen Varianten der Sage wird noch erzählt, dass der Königs- und Obersee durch das zusammengeflossene Blut der Königsfamilie entstanden sei und Watzmanns Hunde am Hundstod abstürzten.[18]

Der Eindruck einer nebeneinander aufgereihten „Familie“ ergibt sich, wie häufig auf Fotos und Bildern abgebildet, aus der Ansicht von Norden her; von links nach rechts erscheinen so die Watzmannfrau, die Kinder und der Große Watzmann, der sich aus den Hauptgipfeln ergibt.

Watzmann-Gams[Bearbeiten]

Die Watzmann-Gams ist die Bezeichnung eines seit 1971 jährlich vom Deutschen Alpenverein (DAV) Wettkampfes im Skibergsteigen, das auf dem Watzmann ausgetragen wird.

Populärkultur[Bearbeiten]

Weg mit dem Watzmann, freie Sicht aufs Mittelmeer! ist einer der bekanntesten Sponti-Sprüche.

Bildende Kunst[Bearbeiten]

Der Watzmann von Caspar David Friedrich, um 1824–1825

Insbesondere im 19. Jahrhundert haben zahlreiche Maler wie z. B. August Leu, Johann Matthias Ranftl, Julius Lange, Heinrich Reinhold und Ludwig Richter den Watzmann zum Motiv ihrer Bilder gemacht. Eines der bekanntesten Werke hierzu stammt von Caspar David Friedrich (Der Watzmann). Doch auch zeitgenössische Künstler arbeiten sich nach wie vor an dem zum werbeträchtigen Berchtesgadener Wahrzeichen gewordenen Bergmassiv ab.[19]

Literatur[Bearbeiten]

Die Watzmannsage wurde mehrfach in Nacherzählungen bearbeitet, unter anderem von Ludwig Bechstein.[18]

Ludwig Ganghofer nutzte Motive der Watzmannsage für seinen Roman Die Martinsklause, um sie mit der historisch belegten ersten Besiedelung Berchtesgadens durch Augustiner-Chorherren zu Anfang des 12. Jahrhunderts zu verbinden.

Von 1982 bis 1985 war er namensgebend für das vom Karikaturisten Helmut Vogl herausgegebene österreichische Satiremagazin Watzmann.

Musik[Bearbeiten]

Der Watzmann ruft ist der Titel des 1974 entstandenen Konzeptalbums (die Autoren nennen es „Rustical“, abgeleitet von Musical und rustikal) von Wolfgang Ambros, Manfred Tauchen und Joesi Prokopetz, das später zu einem Musical ausgearbeitet und im Jahr 2000 von B-Funk Family erfolgreich gecovert wurde.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerische Gletscher im Klimawandel - ein Statusbericht. Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit, München 2012, S. 15, 25, abrufbar als Pdf unter [1]
  2. Bayerische Gletscher im Klimawandel - ein Statusbericht. Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit, München 2012, S. 21, abrufbar als Pdf unter [2]
  3. Peterlin-Neumaier: Ein Jubiläum auch des Göll. In: Nationalpark Berchtesgaden, 6, 2002/2, S. 24.
  4. Siehe: Ludwig Sinek: Von den drei höchsten Felswänden der Ostalpen. In: Zeitschrift des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, Jahrgang 1922, (Band LIII), S. 74–90. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/oav.
  5. siehe Ludwig Distel, in: VIII. Jahresbericht des Akademischen Alpenvereins München, S. 83
  6. Watzmann-Ostwand mit Eiskapelle (abgerufen am 20. Oktober 2013)
  7. Informationsblatt zur Watzmann-Ostwand uns Eiskapelle des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (pdf)
  8. Geotop: Eiskapelle W von St. Bartholomä (abgerufen am 20. Oktober 2013, 212 kB (pdf))
  9. 100. Todesopfer in der Watzmann-Ostwand. Homepage der Bergwacht Berchtesgaden, 10. Juli 2010, abgerufen am 16. August 2012.
  10. Texte auf der Homepage von Albert Hirschbichler
  11. Vergleiche: von Frerichs: Der Watzmann, S. 319–321. (Dort auch Routenskizzen zu Westwand-Durchstiegen).
  12.  Bernhard Kühnhauser: Alpenvereinsführer Berchtesgadener Alpen mit Hochkönig. 20. Auflage. Bergverlag Rother, München 2011, ISBN 978-3-7633-1127-9, S. 506.
  13. sueddeutsche.de, aufgerufen am 13. September 2011
  14. sueddeutsche.de, aufgerufen am 13. September 2011
  15. bergsteigen.at, aufgerufen am 13. September 2011
  16. berchtesgadener-land.com, aufgerufen am 16. August 2012
  17. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatDie Viertausender der Alpen – Offizielles UIAA-Verzeichnis. In: UIAA-Bulletin. UIAA, Nr. 145, März 1994, abgerufen am 15. Mai 2009 (PDF; 648 kB)..
  18. a b  Ludwig Bechstein: König Watzmann. In: Sagen und Geschichten aus deutschen Gauen. 3. Auflage. Loewes Verlag (Online verfügbar beim Projekt Gutenberg-DE).
  19. Christian Holzner: Der Watzmann: Ausstellung in Berchtesgaden; ein Beitrag anlässlich des Jubiläumsjahres „Berchtesgaden 200 Jahre bayerisch“ über eine Gruppenausstellung zeitgenössischer Bildender Künstler der Region in der „Galerie Ganghof“ für das Regionalfernsehen Oberbayern am 25. Juni 2010
  20. Inhaltsverzeichnis online (PDF).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Watzmann – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Watzmann – Reiseführer
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Dieser Artikel wurde am 12. Mai 2005 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.