Mühlviertler Schnellstraße

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Schnellstraße S10 in Österreich
Mühlviertler Schnellstraße
 Mühlviertler Schnellstraße
Karte
Verlauf der S 10
 In Betrieb    In Bau    In Planung
Basisdaten
Betreiber: ASFINAG
Gesamtlänge: 38 km
  davon in Betrieb: 10,4 km
  davon in Bau: 13,5 km
  davon in Planung: 16 km

Bundesland:

Oberösterreich

Die Mühlviertler Schnellstraße S 10 ist eine Schnellstraße in Oberösterreich und Teil der Europastraße 55. Von der ca. 38 km langen Strecke, zwischen Unterweitersdorf und der Staatsgrenze nach Tschechien bei Wullowitz, sind 8,5 km in Betrieb und weitere 13,5 km befinden sich in Bau. Der Abschnitt bis Freistadt Nord steht straßenverkehrsrechtlich im Rang einer Autobahn und ist vignetten- bzw. mautpflichtig.

Nach ihrer Fertigstellung soll die S 10 die Mühlkreis Autobahn A 7 mit der geplanten tschechischen Schnellstraße R 3 bei Dolní Dvořiště verbinden und dabei weitgehend parallel zur bestehenden Mühlviertler Straße B 310 verlaufen.

Geschichte[Bearbeiten]

Ursprünglich wurde die Mühlviertler Schnellstraße in den 1970ern als Mühlkreis Autobahn über den Raum westlich Neumarkt im Mühlkreis und Summerau (westlich Freistadt) zur Staatsgrenze geplant, jedoch wegen ökologischer und hydrologischer Gründe verworfen (Gusental entlang der ehemaligen Pferdeeisenbahn).[1] 1983 wurde die A 7 zwischen dem Autobahnende bei Unterweitersdorf und der Staatsgrenze aus dem Bundesstraßengesetz gestrichen. Stattdessen sollte eine „Mühlkreis Schnellstraße“ (S 21) errichtet werden. Hintergrund dieser Änderungen waren Verkehrsprognosen für den Abschnitt, die den Bau einer Autobahn nicht rechtfertigten. Tatsächlich spielten auch finanzielle Gründe eine Rolle.[2] Mit der Bundesstraßengesetz-Novelle 1986 wurde der Abschnitt schließlich zur Ausführung als B 125 „Prager Straße“ herabgestuft.

Mit der politischen Wende in Tschechien und der Öffnung der Grenzen stieg das Verkehrsaufkommen im genannten Abschnitt auf der bestehenden Bundesstraße erheblich an. 1993 kündigte der tschechische Verkehrsminister Jan Strasky zudem den Bau einer Autobahn von Prag über Budweis zur Grenze bei Wullowitz an. 1999 wurde die Strecke deshalb als B 310 „Mühlviertler Straße“ in das Bundesstraßengesetz, Verzeichnis 3 (Bundesstraßen), aufgenommen, wobei danach „Anschlüsse von öffentlichen Straßen und Wegen [...] im Freilandbereich nur in Form besonderer Anschlussstellen ausgeführt werden“ durften. 2002 wurde die B 310 in das Verzeichnis 2 – Bundesschnellstraßen – des Bundesstraßengesetzes als S 10 überführt.

Nach den Korridoruntersuchungen um das Jahr 2000 wurde in den folgenden Jahren bis 2004 die Trasse festgelegt. Im März 2005 erfolgte das Einreichprojekt und die Informationsveranstaltungen in den Gemeinden. Zwischen 2007 und 2009 lief die Umwelt-Verträglichkeits-Prüfung (UVP), die im Juli 2009 abgeschlossen wurde. Danach erfolgte im Herbst des gleichen Jahres der Baubeginn für das damals größte Bauvorhaben der ASFINAG.[3]

Abschnitt Süd[Bearbeiten]

Abschnitt 1[Bearbeiten]

Das erste fertiggestellte Teilstück 2012

Am 30. Juli 2012 wurde der erste Abschnitt (Abschnitt 1) bei Unterweitersdorf eröffnet. Das 2,5 km lange Teilstück beinhaltet den Übergang zur A 7 (Knoten Unterweitersdorf) und die Anschlussstelle Unterweitersdorf, welche die S 10 über einen neuen Kreisverkehr mit den Landesstraßen B 124, B 125 und B 310 verbindet. Die alte Anschlussstelle Unterweitersdorf, welche die A 7 an ihrem Ende in die B 310 einband, wurde im Zuge der Bauarbeiten abgetragen. Wie zuvor die A 7 mündet jetzt die S 10 am Ende des ersten Abschnitts - kurz nach der neuen Anschlussstelle Unterweitersdorf - in die B 310 Richtung Freistadt.

Bestand[Bearbeiten]

Die westliche Röhre des derzeit 1,3 km langen Tunnels Neumarkt wurde bereits im Rahmen des Straßenzuges B 310 genutzt. Nach Fertigstellung der S 10 wird diese Tunnelröhre - auf 1,9 km verlängert - ein Teil der neuen Schnellstraße sein. Die östliche Röhre ist derzeit nur als Fluchtstollen in Betrieb. Ab 1. Dezember 2014 wird die Bestandsröhre saniert, der Verkehr wird bis zur Gesamt-Verkehrsfreigabe durch die neu errichtete Tunnelröhre geleitet.

Bauvorbereitung[Bearbeiten]

Archäologische Grabungen auf der Unterweitersdorfer Trasse 2010

Im Zuge der Bauvorbereitungen wurden bei Unterweitersdorf durch Luftaufnahmen Gräberfelder aus der Urnenfelderkultur (späte Bronzezeit) festgestellt. Im Oktober 2010 begannen Grabungsarbeiten von Archäologen. Dabei wurden zwölf Hügelgräber mit einem Durchmesser von bis zu 28 Metern und einer Höhe von bis zu zwei Metern freigelegt. Erste Grabungsergebnisse wurden in der Folge in den Anrainergemeinden Hagenberg im Mühlkreis, Pregarten, Wartberg ob der Aist und Unterweitersdorf in Ausstellungen der Öffentlichkeit vorgestellt.

Bau[Bearbeiten]

Der Bau des 22 km langen Abschnitts Süd (Unterweitersdorf bis Freistadt Nord) begann am 1. August 2009 an zwei Stellen gleichzeitig: einerseits in Unterweitersdorf, andererseits in Freistadt.[4] 2010 wurde mit dem Bau der Kreisverkehre der Anschlussstellen begonnen und es wurden diverse Baustraßen errichtet. Am 25. Mai 2012 wurde mit dem Bau des knapp 300 m langen Tunnels Satzingersiedlung und des Tunnels Manzenreith (mehr als 700 m) begonnen. Diese stellen gemeinsam mit 13 Brücken und der 800 m langen Unterflurtrasse Walchshof das Herzstück der Umfahrung Freistadt dar.

Abschnitt 1 bei Unterweitersdorf wurde am 30. Juli 2012 eröffnet. Der knapp 6 km lange Abschnitt von Freistadt Süd bis Freistadt Nord (Umfahrung Freistadt) ist seit 15. November 2014 für den Verkehr freigegeben. Mit 30. November 2014 wird die neu errichtete Tunnelröhre unter Neumarkt für den Verkehr freigegeben. Die Bestandsröhre wird danach saniert und auf den aktuellen technischen Stand gebracht. Mit einer Verkehrsfreigabe der Gesamtstrecke wird für das Jahr 2015 gerechnet.[5]

Die Gesamtkosten für diesen Abschnitt werden mit rund 689 Millionen Euro netto angegeben. Für das Jahr 2015 beträgt das prognostizierte Verkehrsaufkommen 10.300 bis 12.400 Kfz/Tag. Für das Jahr 2025 werden im Abschnitt Süd 19.000 bis 40.000 Kfz/Tag prognostiziert.

Fertiggestellte Abschnitte[Bearbeiten]

Die Fertigstellung des insgesamt 19 km langen Abschnitts vollzog sich in folgenden Abschnitten:

Abschnitt Länge Typ Verkehrsübergabe
Abschnitt Unterweitersdorf 2,5 km 04 30.07.2012
Umfahrung Freistadt 5,935 km 04 15.11.2014
Tunnel Neumarkt 1,9 km 02 30.11.2014
Typ: 02 – Neubau von 2 Fahrspuren mit Gegenverkehr; 04 – Neubau von 4 Fahrspuren

Abschnitt Nord[Bearbeiten]

Der Errichtung des Abschnitts Nord von Freistadt Nord bis Wullowitz (14,6 km) wird im Anschluss an den Südabschnitt in Abhängigkeit von den verkehrlichen Erfordernissen und dem Baufortschritt auf tschechischer Seite erfolgen.

Auf Grund von Sparmaßnahmen im Ministerium wurde die Planung für diesen Abschnitt bis auf Weiteres ausgesetzt.[6]

Ende 2012 hat die Asfinag die Planungen für den Abschnitt Nord wieder aufgenommen, und Ende 2013 eine vorläufige Trassenauswahl vorgestellt. Die S 10 soll in einer Westumfahrung bis nach Rainbach im Mühlkreis Nord verlängert werden. Der weitere Ausbau Richtung Wullowitz ist noch nicht fixiert.[7] [8] [9]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bernd Kreuzer: Tempo 130. Kultur- und Planungsgeschichte der Autobahnen in Oberösterreich, S. 180
  2. Bernd Kreuzer: Tempo 130. Kultur- und Planungsgeschichte der Autobahnen in Oberösterreich, S. 135 und 181
  3. ASFINAG: Informationsfolder zum Bau (PDF; zuletzt gesehen am 17. November 2014)
  4. OÖ Nachrichten: Baubeginn für die Mühlviertler Schnellstraße mit 1. August fixiert, abgerufen am 14. Februar 2009
  5. Asfinag-Straßenbauprojekte: S 10, abgerufen am 20. September 2013
  6. OÖ Nachrichten: Für Umfahrung Freistadt werden 300.000 Kilo Sprengstoff gebraucht, abgerufen am 10. Juni 2010
  7. Bezirksrundschau: Go West! S10 Trasse für Rainbach fixiert, abgerufen am 14. Jänner 2014
  8. OÖ Nachrichten: S10-Nord wird über Summerau gebaut, abgerufen am 14. Jänner 2014
  9. ORF.at: S10-Verlängerung bis Rainbach geplant, abgerufen am 14. Jänner 2014

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mühlviertler Schnellstraße S10 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien