MSCI World

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MSCI World
Stammdaten
Staat Global
Börse Global
ISIN nicht bekannt
WKN nicht bekannt
Symbol MXWO
RIC ^MXWO
Bloomberg-Code MXWO <INDEX>
Kategorie Aktienindex
Typ Kursindex
Familie MSCI

Der MSCI World ist ein Aktienindex, der die Entwicklung der Aktien von 23 Industrieländern weltweit widerspiegelt.

Berechnung[Bearbeiten]

Der MSCI World Index ist einer der wichtigsten Aktienindizes der Welt. Er wird von dem US-amerikanischen Finanzdienstleister Morgan Stanley Capital International in drei Varianten berechnet, als Kursindex, als Performanceindex ohne Berücksichtigung von Quellensteuern und als Performanceindex mit Berücksichtigung von Quellensteuern. Veröffentlicht wird in der Regel der Kursindex.

Der Index beinhaltet über 6.000 Aktien aus 23 Ländern: Australien, Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Hongkong, Irland, Israel, Italien, Japan, Kanada, Niederlande, Neuseeland, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweden, Schweiz, Singapur, Spanien und USA.[1]

Der MSCI World wird seit dem 31. Dezember 1969 (Startwert: 100 Punkte) berechnet. Aktien aus Entwicklungsländern (Emerging Markets) und Aktien kleiner Unternehmen (Small Caps) werden nicht berücksichtigt. Sein Gegenstück ist der MSCI Emerging Markets Index, der die Entwicklung von Aktien in den Emerging Markets widerspiegelt. Ein Index, der entwickelte Länder und Entwicklungsländer inklusive kleiner Unternehmen berücksichtigt, ist der MSCI All Country World Investable Market Index (ACWI IMI), mit etwa 8.500 Wertpapieren aus 45 Ländern.

Aufgrund der kapitalmäßigen Dominanz der US-Börsen an der weltweiten Marktkapitalisierung stellten am 11. Januar 2013 Titel aus den USA 52,44 % am MSCI World. Zum Vergleich: Europa stellte 28,51 % (davon Großbritannien 9,7 %, Frankreich 4,05 % und Deutschland 3,76 %); Japan kommt auf einen Anteil von 8,47 %. Der Index ist somit stark von der US-Aktienmarktentwicklung abhängig.

Der Index als Benchmark[Bearbeiten]

Weltweit anlegenden Aktienfonds dient der MSCI World Index als Benchmark (Vergleichsindex). Bei einem Vergleich der Wertentwicklung eines Aktienfonds mit dem Weltindex sollte der Kurschart des Fonds mit dem Kursindex (Price Index) des Weltindex und der Performancechart des Fonds mit dem Performanceindex (Gross Dividend Total Return Index) des Weltindex verglichen werden.

Häufig wird aber nur der Kursindex des Weltindex veröffentlicht und dann mit Performancecharts von Aktienfonds verglichen. Damit werden die Dividendenzahlungen im Aktienfonds berücksichtigt, im Weltindex jedoch nicht, wodurch das Ergebnis verfälscht wird und der Aktienfonds besser abschneidet als bei einem korrekten Vergleich.

Bei den Aktienfonds werden, anders als beim Index, in der Regel Gebühren (beispielsweise Kosten für Verwaltung und Transaktionen) vom Anteilswert abgezogen, was deren Wertentwicklung (Performance) mindert. Die Gebühren sind jedoch kein Grund dafür, die Dividenden bei den Fonds zu berücksichtigen und beim Weltindex nicht. Im Ergebnis würden dadurch ja die Gebühren der zu vergleichenden Fonds mit den Dividenden des Weltindex gleichgestellt. Gebühren und Dividenden sind aber sowohl qualitativ als auch quantitativ ganz unterschiedliche Dinge, die nicht vermischt werden dürfen.

Geschichte[Bearbeiten]

20. Jahrhundert[Bearbeiten]

MSCI World 1969–2012

Der MSCI World startete am 31. Dezember 1969 mit einem Basiswert von 100 Punkten. Am 25. Mai 1970 schloss der Weltindex bei 77,91 Punkten. Bis zum 11. Januar 1973 stieg der MSCI um 73,0 Prozent auf 134,81 Punkte.

Während der Ölkrise von 1973 und der weltweiten Rezession von 1974 sank der Index bis zum 10. Dezember 1974 auf ein Allzeittief von 73,15 Punkten. Das war ein Rückgang gegenüber Januar 1973 um 45,7 Prozent. Am 27. August 1987 beendete der MSCI den Handel bei 495,87 Punkten und damit um 577,9 Prozent höher.

Am Montag, den 19. Oktober 1987, ereignete sich in den USA der Schwarze Montag. Der Dow Jones Industrial Average brach um 22,6 Prozent ein. Der Börsenkrach breitete sich schnell auf alle wichtigen internationalen Handelsplätze aus. Bis zum 26. Oktober 1987 waren die Börsenkurse im MSCI World um 23,7 Prozent gesunken. Der Index beendete an diesem Tag den Handel bei 378,35 Punkten.

In den folgenden Jahren markierte der MSCI zahlreiche Rekordstände. Am 10. Januar 1989 schloss der Index mit 501,92 Punkten erstmals über der 500-Punkte-Marke und am 10. Februar 1998 mit 1.000,83 Punkten zum ersten Mal über der Grenze von 1.000 Punkten. Bis zum 27. März 2000 stieg der MSCI auf einen Höchststand von 1.448,76 Punkten. Der Gewinn seit Oktober 1987 liegt bei 282,9 Prozent.

21. Jahrhundert[Bearbeiten]

Nach dem Platzen der Spekulationsblase im Technologiesektor (Dotcom-Blase) und infolge der Anschläge des 11. September 2001 fiel der Weltindex bis zum 12. März 2003 auf einen Tiefststand von 710,79 Punkten. Das war ein Rückgang seit März 2000 um 50,9 Prozent. Der 12. April 2003 bedeutete das Ende der Talfahrt. Ab Frühjahr 2003 war der MSCI wieder auf dem Weg nach oben.

Am 24. Januar 2007 beendete der Index den Handel mit 1.505,98 Punkten erstmals über der Marke von 1.500 Punkten. Am 31. Oktober 2007 markierte der MSCI World mit einem Schlussstand von 1.682,35 Punkten ein Allzeithoch. Das war seit März 2003 ein Anstieg um 136,7 Prozent.

Im Verlauf der internationalen Finanzkrise, die im Sommer 2007 in der US-Immobilienkrise ihren Ursprung hatte, begann der Index wieder zu sinken. Ab dem 3. Quartal 2008 wirkte sich die Krise zunehmend auf die Realwirtschaft aus. In Folge brachen die Aktienkurse weltweit ein. Am 9. Oktober 2008 schloss der MSCI mit 958,04 Punkten unter der Grenze von 1.000 Punkten. Einen neuen Tiefststand erzielte der Index am 9. März 2009, als er den Handel mit 688,64 Punkten beendete. Das entspricht einem Rückgang seit dem 31. Oktober 2007 um 59,1 Prozent. Es war der größte Sturz in der Geschichte des MSCI World.

Der 9. März 2009 markiert den Wendepunkt der Talfahrt. Ab dem Frühjahr 2009 war der Index wieder auf dem Weg nach oben. Bis zum 29. April 2011 stieg er um 101,6 Prozent auf einen Schlussstand von 1.388,62 Punkten. Die Abschwächung der globalen Konjunktur und die Verschärfung der Eurokrise ab 2011 führten zu einem Kurseinbruch des MSCI. Am 4. Oktober 2011 beendete der Index den Handel bei 1.074,50 Punkten. Der Verlust seit dem Höchststand am 29. April 2011 beträgt 22,6 Prozent. Die Ankündigung neuer Anleihekaufprogramme der Europäischen Zentralbank[2][3] und der US-Notenbank[4][5] in grundsätzlich unbegrenztem Umfang führte zu einer Erholung der Kurse am Aktienmarkt. Die monetären Impulse spielten eine größere Rolle bei der Kursbildung, als die weltweite Wirtschaftsabkühlung und die Lage der Unternehmen. Am 11. Januar 2013 schloss der Index bei 1.381,94 Punkten und damit um 28,6 Prozent höher als am 4. Oktober 2011.[6][7]

Höchststände[Bearbeiten]

Die Übersicht zeigt die Allzeithöchststände des MSCI World.[6]

  Punkte Datum
im Handelsverlauf 1.686,32 Donnerstag, 11. Oktober 2007
auf Schlusskursbasis 1.682,35 Mittwoch, 31. Oktober 2007

Meilensteine[Bearbeiten]

Die Tabelle zeigt die Meilensteine des MSCI World seit 1969.[6]

Erster
Schlussstand
über
Schlussstand
in Punkten
Datum
100 100,00 31. Dezember 1969
200 200,04 20. März 1985
300 302,37 20. März 1986
400 401,57 28. Januar 1987
500 501,92 10. Januar 1989
600 600,59 18. August 1993
700 701,20 27. Juli 1995
800 803,45 18. Oktober 1996
900 902,85 20. Mai 1997
1.000 1.000,83 10. Februar 1998
1.100 1.101,48 3. Juli 1998
1.200 1.204,22 5. April 1999
1.300 1.303,93 11. November 1999
1.400 1.401,23 23. Dezember 1999
1.500 1.505,98 24. Januar 2007
1.600 1.605,40 7. Mai 2007

Jährliche Entwicklung[Bearbeiten]

Die Tabelle zeigt die jährliche Entwicklung des MSCI World seit 1969.[8]

Jahr Schlussstand
in Punkten
Veränderung
in Punkten
Veränderung
in %
1969 100,00
1970 94,29 -5,71 -5,71
1971 108,99 14,70 15,59
1972 130,74 21,75 19,96
1973 108,41 -22,33 -17,08
1974 78,24 -30,17 -27,83
1975 100,86 22,62 28,91
1976 111,26 10,40 10,31
1977 108,52 -2,74 -2,46
1978 122,28 13,76 12,68
1979 131,10 8,82 7,21
1980 159,23 28,13 21,46
1981 146,62 -12,61 -7,92
1982 155,16 8,54 5,82
1983 183,95 28,79 18,56
1984 187,21 3,26 1,77
1985 256,51 69,30 37,02
1986 356,83 100,32 39,11
1987 407,99 51,16 14,34
1988 494,43 86,44 21,19
1989 567,34 72,91 14,75
1990 461,53 -105,81 -18,65
1991 535,36 73,83 16,00
1992 497,13 -38,23 -7,14
1993 598,50 101,37 20,39
1994 618,59 20,09 3,36
1995 734,28 115,69 18,70
1996 820,36 86,08 11,72
1997 936,59 116,23 14,17
1998 1.149,95 213,36 22,78
1999 1.420,89 270,94 23,56
2000 1.221,25 -199,64 -14,05
2001 1.003,52 -217,73 -17,83
2002 792,22 -211,30 -21,06
2003 1.036,32 244,10 30,81
2004 1.169,34 133,02 12,84
2005 1.257,78 88,44 7,56
2006 1.483,58 225,80 17,95
2007 1.588,80 105,22 7,09
2008 920,23 -668,57 -42,08
2009 1.168,47 248,24 26,98
2010 1.280,07 111,60 9,55
2011 1.182,60 -97,47 -7,61
2012 1.338,50 155,90 13,18

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. MSCI Inc.: MSCI Developed Markets Indices
  2. Spiegel Online: Aufkauf von Staatsanleihen: Anleger bejubeln Draghis Euro-Versprechen, 26. Juli 2012
  3. Spiegel Online: EZB-Ratssitzung: Draghi kündigt unbegrenzte Anleihekäufe an, 6. September 2012
  4. Spiegel Online: Fed-Chef: Bernanke setzt auf die große Geldflut, 13. September 2012
  5. Spiegel Online: Anleihekauf: US-Notenbank startet neues Konjunkturprogramm, 12. Dezember 2012
  6. a b c MSCI Inc.: Historische Kurse ab 1969 (MS Excel; 272 kB)
  7. Stooq: Historische Kurse ab 2003
  8. MSCI Inc.: Download Data