Manfred Kohrs

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Manfred Kohrs 1976

Manfred Kohrs (* 24. Januar 1957 in Hannover) ist ein deutscher Künstler und Tätowierer und gilt als einer der Pioniere der neuzeitlichen Tätowiererszene.[1] Kohrs war Schüler des Frankfurter Tätowierers Horst Heinrich Streckenbach ( »Tattoo Samy«)[2], mit dem er gemeinsam eine Rotationstätowiermaschine entwickelte[3] und die ersten Piercing-Barbells anfertigte.[4] Außerdem forcierte Kohrs die Benutzung von Autoklaven in Deutschland beim Tätowieren. Im Jahr 1977 gründete er die erste deutsche Tätowierervereinigung, den National Tattoo Club.[5][6][7]

Biografie[Bearbeiten]

Manfred Kohrs wuchs in Hannover–Linden auf. Ab 1963 besuchte er die Volksschule in Letter und von 1972 bis 1975 absolvierte er eine Ausbildung zum Betriebsschlosser bei der Deutschen Grammophon Gesellschaft in Hannover. In den 1970er Jahren spielte Kohrs Rugby, in der Position des Langen Außendreiviertel, beim SC Germania List.[8] 1977 eröffnete Kohrs das erste Tätowierstudio in Hannover.[9] Es folgte 1977 bis 1981 eine Dienstzeit als SaZ beim Aufklärungsgeschwader 52 der Luftwaffe. Ab 1983 gründete Kohrs mehrere Kapitalgesellschaften, darunter ein Fuhrunternehmen.[10]Die Tätowiererei gab Manfred Kohrs 1990 zu Gunsten eines wirtschaftswissenschaftlichen Studiums auf und ist heute in der Unternehmens- und Steuerberatung tätig[11]; er lebt seit 1996 in Resse.

Tätigkeit als Tätowierer[Bearbeiten]

Streckenbach - Kohrs Rotationstätowiermaschine
Modell 1978 K

Das erste Tattoo stach sich Manfred Kohrs während seiner Schulzeit im Alter von zwölf Jahren auf den Arm und begann im Alter von 13 Jahren „von Hand“, so genanntes „Peiken“[12], selbst mit der Tätowiererei. Im Januar 1975 ließ er sich von Herbert Hoffmann tätowieren[13] und erlernte die Grundlagen der Arbeit mit einer Tätowiermaschine. Am 26. Januar 1975 traf Kohrs, anlässlich einer Live-Sendung des ZDF, im Kunstverein Hannover auf Timm Ulrichs[14] und Horst Heinrich Streckenbach, der laut dem Schriftsteller Marcel Feige einer der Tätowierer war, „ohne die die Geschichte der Tätowierung in Deutschland nicht denkbar wäre“.[15] Ulrichs, der zu der Zeit Professor für Bildhauerei an der Kunstakademie Münster war, hatte einige „Old-Skool“-Tätowiermotive auf Leinwand ausgestellt und Streckenbach tätowierte Kohrs im Laufe der Sendung.[16][17]

In der Folgezeit erlernte Kohrs bei Streckenbach das Tätowieren und eröffnete im Jahr 1977 das erste Tätowierstudio in Hannover. Kohrs fertigte seine Maschinen und das Zubehör selbst an; die von Streckenbach ab 1970 angefertigte Tätowiermaschine[18] entwickelte er dabei ständig weiter.[19]Das Modell `76 Manfred Kohrs kam auch in Australien in den Handel.[20] Im Jahr 1983 trat eine Braunschweiger Klinik für Plastische Chirurgie an Kohrs heran, um für eine Brustrekonstruktion den Brustwarzenhof zu tätowieren.

Verbandsarbeit[Bearbeiten]

Im Jahr 1977 lud Kohrs alle in Deutschland gewerblich gemeldeten Tätowierer – darunter Streckenbach, »Tattoo Eddy« († 23. Januar 1993, Fürth), Herbert Hoffmann (1919–2010) und Theodor Vetter, »Tattoo Theo«, (1932–2004)[21] – zu einem Informationstreffen nach Hannover ein.[22] „Zu jener Zeit gab es im gesamten Bundesgebiet lediglich 14 selbstständig tätige Tätowierer.“[23][24] Zweck dieses Treffens war die Gründung einer nationalen Vereinigung, um anschließend technische und hygienische Standards einzuführen. Streckenbach und Kohrs waren zur damaligen Zeit die einzigen deutschen Tätowierer, die einen Autoklaven zur Sterilisation der Geräte einsetzten. Das Treffen in Hannover verlief jedoch weitgehend ergebnislos, sodass Manfred Kohrs lediglich mit acht Teilnehmer die erste Interessenvereinigung deutscher Tätowierer gründete.[25] Kohrs nahm daraufhin Kontakt mit dem US-Tätowierer „Philadelphia Eddie“ Funk auf und engagierte sich zunächst im National Tattoo Club of the World.[26] Zwischen 1976 und 1984 reiste Kohrs mehrfach in die USA,[27] besuchte Tattoo-Conventions[28] und publizierte in Verbandsmagazinen und Zeitschriften.[29] Auf der ersten „Convention“ des National Tattoo Club of the World, vom 24. bis 25. Januar 1976 in Houston (Texas)[30] und auf der Convention vom 23. bis 25. März 1979 im Cosmopolitan Hotel in Denver (Colorado), traf er u.A. auf David Yurkew, Don Ed Hardy und Terry Wrigley,[31]der ihn als 25. Mitglied in die European Tattoo Artist Association (E.T.A.A.) aufnahm.[32]

Timm Ulrichs (links) und Manfred Kohrs auf der Vernissage »im Glashaus«, Wilhelmstein 2012

Kunst[Bearbeiten]

Im Rahmen der Ausstellung „Timm Ulrichs: Tätowier-Bilder“ (12. Januar − 9. März 1975) im Kunstverein Hannover, fand am 26. Januar 1975 eine Tätowier-Aktion statt, auf der Streckenbach seinen späteren Schüler Manfred Kohrs vor laufender Kamera des ZDF tätowierte.[33]Kohrs ist noch heute Mitglied im Kunstverein Hannover[34]

Ab 1981 realisierte Manfred Kohrs, als Mitglied des Kunstvereins Hannover,[35] einige künstlerische Projekte[36][37] und widmete sich mehr der Malerei und Konzeptkunst. Er zeichnete Cartoons[38] und gegen Ende der achtziger Jahre entwarf er für Rudolf Schenker von den Scorpions diverse Motive, aus denen 1987 das Werk „Zukunftsmusik“ entstand.[39]Seit dem 4. April 2011 ist Manfred Kohrs Vorstandsvorsitzender des Kunstvereins 2000 Wedemark e.V.[40]

Rezensionen[Bearbeiten]

„Manfred Kohrs, einem Studenten von Tattoo Samy, haben wir die erste German Tattoo Artist Association zu verdanken. Er rief verschiedene Ausstellungen rund um das Tätowieren ins Leben, die die Öffentlichkeit aufklären und begeistern sollten“

tattoo-bewertung.de:Tätowieren und Kunst[41]

„Ein Self-made Künstler, dessen Werke nicht im Museum hängen, sondern essen, schlafen, rauchen und Straßenbahn fahren.“

Portrait in: NaNa Hannover Nr.36 vom 23. Dezember 1982.

Dokumente[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Manfred Kohrs – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. NaNa Hannover, Nr.36 -Portrait eines Künstlers- Manfreds Bilder fahren Straßenbahn, 23. Dezember 1982.
  2. Offenbach-Post, Nr. 180, 1984, Manfred Kohrs, ein Tätowierer mit künstlerischen Ambitionen
  3. reinMein die überlokale Zeitschrift: Das Tattoo-Kunsthandwerk – eine Technik, die unter die Haut geht abgerufen am 6. Oktober 2011
  4. ezetraining.com.au / siehe auch: Chesler, Jessica (2003). The Social History of Piercing. MTV NEWS, abgerufen am 15. November 2012
  5. NaNa - Hannoversche Wochenschau, Nr.36 vom 23. Dezember 1982.
  6. Offenbach-Post, Nr. 180, 1984, Jugendseite
  7. tattoo-bewertungen (abgerufen am 5. März 2011)
  8. Vereinsnachrichten des S.C. Germania List, Dezember 1971
  9. NaNa Hannover, Nr. 36 -Portrait eines Künstlers- Manfreds Bilder fahren Straßenbahn, 23. Dezember 1982.
  10. Offenbach-Post, Nr. 180, 1984
  11. register.dpma.de. Abgerufen am 27. Dezember 2013.
  12. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatTÄTOWIERER Schlange auf der Stirn. DER SPIEGEL 10/1951, abgerufen am 5. September 2012.
  13. meintattoo.de Abgerufen am 5. August 2012
  14. HAZ, 27. Januar 1975, „Samy tätowierte sieben Häute“
  15. Marcel Feige
  16. HAZ, 23. April 1981, Manfred Kohrs - "Tätowieren eine besondere Kunst"
  17. Sprengel Museum Hannover (Hrsg.): Timm Ulrichs Die Druckgrafik, 2003, S. 154, ISBN 3-89169-183-1
  18. Samuel M. Steward: Bad Boys and Tough Tattoos, Routledge London & New York, S. 190. ISBN 0-918393-76-0
  19. HAZ, 9. Juli 1981, Manfred Kohrs legt hohe Maßstäbe an seinen Beruf
  20. Michael Peck in Midway Journal am 15. Juli 2014, Volume 8, Nr.3, S. 2.
  21. Tattoo Lexikon, Kruhm Verlag.
  22. Quelle: Einsicht in die Besucherliste
  23. Vgl. Frank-Peter Finke-Oltmanns, Tätowierungen in modernen Gesellschaften, Dissertation 1996.
  24. Vgl. Bundessozialgericht, Az.: B 3 KS 2/07 R Urteil vom 28. Februar 2007
  25. Offenbach-Post, Nr. 180, 1984, Jugendseite
  26. Der National Tattoo Club of the World wurde 1984 durch Mitgliederbeschluss umbenannt in National Tattoo Association, N.T.A. (englisch)
  27. Cellesche Zeitung, 5. Mai 1984, S. 23, -JUGEND VON HEUTE-
  28. Mississippi Coast Observer vom September 2012, Volume 13, Issue 3, S. 36
  29. National Tattoo Magazine, june 1978, S. 9, july 1978 S. 13, Sept. 1979 S. 8 ff.
  30. Mississippi Gulf Coast´s Observer, September 2012, Volume 13, Issue 3, p. 36 (englisch)
  31. Terry’s Tattoo Studio (englisch); Terry Wrigley (1932–1999) (englisch)
  32. Cellesche Zeitung, 5. Mai 1984, S. 23, "Bilder die unter die Haut gehen"
  33. Sprengel Museum Hannover (Hrsg.): Timm Ulrichs Die Druckgrafik, 2003, S. 154, ISBN 3-89169-183-1
  34. Mitgliederliste des Kunstverein Hannover 2012, Nummer 3020
  35. Cellesche Zeitung, 5. Mai 1984, S. 23, Jugend von Heute
  36. NaNa Hannover, Nr.36/37, -Portrait eines Künstlers- Manfreds Bilder fahren Straßenbahn, 23. Dezember 1982.
  37. body-modification.com (englisch) abgerufen am 15. November 2011
  38. National Tattoo Magazine, june-july 1978, S. 13 cartoon by Kohrs
  39. Im Bestand des Kunstvereins 2000 Wedemark e.V.
  40. VR Hannover 120263
  41. tattoo-bewertung.de: Tätowieren und Kunst
  42. About Crazy Philadelphia Eddie (Version vom 21. März 2013 im Internet Archive)