Marcus Kretzer

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Marcus Kretzer

Marcus Kretzer (* 9. Mai 1965 in Hilden) ist ein deutscher Pianist und Klavierpädagoge.

Werdegang[Bearbeiten]

Marcus Kretzer verbrachte seine Kindheit und Jugend in Solingen, wo er in einem musikalisch geprägten Elternhaus aufwuchs. Im Alter von sieben Jahren erhielt er den ersten Klavierunterricht, mit acht Jahren wollte er Konzertpianist werden.[1] Er studierte bei dem tschechischen Pianisten und Musikpädagogen Drahomir Toman[1], der Kretzers musikalische Entwicklung bis 1986 förderte. Nach der Schulzeit studierte Kretzer von 1986 bis 1988 an der Hochschule für Musik und Tanz Köln bei Aloys Kontarsky[1]. Ab 1988 führte er das Studium an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg fort, absolvierte 1993 dort ein Zusatzstudium Kulturmanagement mit Diplom und beendete seine musikalische Ausbildung 1996 mit dem Konzertexamen, bei dem er u.a. das 3. Klavierkonzert von Rachmaninoff in der Laeiszhalle interpretierte. Kretzer studierte von 1996 bis 1998 Alte Geschichte an der Universität Hamburg und gleichzeitig Musikwissenschaft an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg.

Seit 1979 gibt Kretzer Rezitale und Klavierkonzerte.[2] Als Klavierpädagoge ist Kretzer in Deutschland und im Ausland tätig.[3]

Künstlerisches Wirken[Bearbeiten]

Erste öffentliche Rezitale in Deutschland gab Kretzer mit 14 Jahren; im Ausland debütierte er mit 17 Jahren im Rudolfinum in Prag.[1] Er nahm an nationalen und internationalen Klavierwettbewerben teil und errang dabei acht erste und mehrere zweite Preise. Kretzer konzertierte in Europa, in Nord- und Südafrika und in Mittelamerika. Er spielte mit den Orchestern Arcata Stuttgart, dem Bergischen Kammerorchester, den Bergischen Symphonikern, dem Hamburger Bachorchester, den Hamburger Symphonikern, dem Litauischen Kammerorchester, der Magdeburgischen Philharmonie, dem Orquestra Sinfónica Nacional de Cuba, dem Orquestra Sinfónica Nacional de Guatemala, der Philharmonie der Nationen, der Sinfonia Varsovia, dem Staatsorchester Braunschweig und dem Symfonieorkest Eindhoven.

Kretzer trat bei der Cubadisco (2002 und 2003), beim Internationalen Eisteddfod in Südafrika (1985), beim Europäischen Klassikfestival Ruhr (2003 und 2008[4]), beim Mosel Musikfestival (2000 und 2008[5]), dem Rheinischen Klaviersommer (2000 und 2008[6]), bei den Salzburger Festspielen (1992) und dem Schleswig-Holstein Musik Festival (1988, 1989 und 1993) auf.

Zu seinen weiteren künstlerischen Aktivitäten gehören Liedbegleitung und Kammermusik. Kretzer war Klavierbegleiter bei Rezitationskonzerten mit Alfred Biolek, Norbert Blüm und den Schauspielern Richy Müller[7] (im Dezember 2003 mit dem Karneval der Tiere im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie) und Michael Trischan. Kretzer hatte Rundfunk- und Fernsehauftritte für ARTE ETERNA CUBA, CUBA-TV[8], den N3 und den NDR4, Radio Allegro South Africa, Radio Hamburg, Radio Schleswig-Holstein, RTL, SAT1 und den WDR. 1992 trat er in der Musiksendung Achtung, Klassik! des ZDF auf.[9]

Als Mitglied des Lions Club International gibt er regelmäßig Benefizkonzerte.[10][11]

Pianistik und Repertoire[Bearbeiten]

Durch seine Ausbildung und weiterführende Meisterkurse bei Tatjana Nikolajewa, Svjatoslav Richter, Nelson und Aquiles Delle Vigne, Homero Francesch, Yara Bernette und Fausto Zadra vereint seine Pianistik die osteuropäischen Schulen Teodor Leszetyckis und Heinrich Neuhaus’ mit der südamerikanischen Tradition Vincenzo Scaramuzzas.

Kretzers programmatische Schwerpunkte liegen auf den Werken von Johann Sebastian Bach, auch in den orchestral erweiterten Versionen von Ferruccio Busoni, auf den Sonaten von Domenico Scarlatti, den Sonaten und Klavierkonzerten von Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven, auf Frédéric Chopin, Franz Liszt, Isaac Albéniz, Claude Debussy und Sergei Rachmaninoff. Seine Beschäftigung mit Neuer Musik drückt sich in seiner Einspielung des Klavierwerkes von Rudolf Halaczinsky aus. Der romantischen Tradition folgend schuf er Paraphrasen über argentinische Tangos und Transkriptionen klassischer Orchesterwerke für ein, zwei und vier Klaviere - letztere führte er 2006 und 2008 bei Konzerten und einer Deutschland-Tournee mit Olivier Cazal (Frankreich), Anna Malikova (Rußland) und Nami Ejiri (Japan) als Klavier-Quartett Kla4 auf.

Pädagogik[Bearbeiten]

Zeitgleich mit seinem Kölner Studium unterrichtete Kretzer an der Jugendmusik- und Kunstschule der Stadt Remscheid, wo er auch den Fachbereich Klavier leitete. Während des Studiums an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg war er dort zunächst als Tutor einer Hauptfachklasse und von 1998 bis 2001 als Professor tätig. Kretzer ist Lehrbeauftragter am Institut für Musik der Hochschule Osnabrück.[12]

Seit 1989 gab Kretzer Meisterkurse u.a. beim Schleswig-Holstein Musik Festival, am Instituto Superior de Arte in Havanna/Kuba, Edna Manley College for Music in Kingston/Jamaika, Conservatorio de los tres Mundos in Granada/Nicaragua, Colegio San Augustín in David/Panamá, Conservatorio Nacional de Música in Santo Domingo/Dominikanische Republik. Zu seinen Schülern zählen Natasha García-Guinot[13], Francisco Paredes-Llanes[14], Nora Maria Lastre[15] oder Madarys Morgan Verdecia[16].

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 2002: Diploma de Reconocimiento vom Instituto Superior de Arte in Havanna/Kuba
  • 1998: Kulturstipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung, Berlin
  • 1996: 1. Preis „Primo Premio Assoluto“ beim „7° Concorso Pianistico Internazionale“ in Rom
  • 1995: 1. Preis beim internationalen Klavierwettbewerb „Concours Musical de France“ in Paris
  • 1994: 1. Preis beim internationalen Klavierwettbewerb „Cittá di Marsala“ auf Sizilien
  • 1993: „Masefield“-Stipendiat der Alfred-Toepfer-Stiftung F.V.S., Hamburg
  • 1993: Förderpreis der Konzertgesellschaft München
  • 1992: Stipendiat des LIONS CLUB INTERNATIONAL
  • 1990: Stipendiat der Zeit-Stiftung, Hamburg
  • 1984: 1. Preis beim Bundeswettbewerb Jugend musiziert in Nürnberg unter Vergabe einer zusätzlichen Leistungsprämie
  • 1983: 1. Preis beim Steinway-Wettbewerb Hamburg

Diskografie (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Werke von Bach und Liszt, MTM 2005
Hörbeispiele in Ausschnitten
Bach-Busoni Chaconne d-Moll, BWV 1004
Orgelchoralvorspiel "Nun komm’ der Heiden Heiland", g-Moll, BWV 659
Bach-Liszt-Kretzer Fuge a-Moll, BWV 543
Liszt Mephisto-Walzer Nr. 1, A-Dur
Sonate h-Moll
  • Das Klavierwerk von Rudolf Halaczinsky, RealSound 1999
  • Live in Rom, Generali 1996

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Marcus Kretzer, Klavier Kurzbiografie. Abgerufen am 1. Februar 2014
  2. Pedro de la Hoz, Cumbres alemanas. In: Granma Internacional, 13. Mai 2003
  3. Pedro de la Hoz, Ein Pianist der Extraklasse. Kretzer: Geschmack und Kontrolle zwischen Pollini und Argerich. In: Granma, 30. April 2002 (PDF, 202 KB)
  4. Vier Klavierkonzerte 1050 Meter unter Tage in Steinkohlenbergwerk Abgerufen am 26. Januar 2014
  5. Bach im gemischten Doppel Konzertkritik in Trierischer Volksfreund vom 25. August 2008. Zuletzt abgerufen am 27. Januar 2014.
  6. Ein Feuerwerk an vier Klavieren Konzertkritik in Neue Ruhr Zeitung vom 18. August 2008. Zuletzt abgerufen am 1. Februar 2014.
  7. - Literatur meets Klassik - Veranstaltungshinweis. Conductors.de. Abgerufen am 1. Februar 2014
  8. Interview mit Marcus Kretzer im Kubanischen Nationalfernsehen. youtube.com. Abgerufen am 11. September 2012.
  9. Achtung, Klassik ZDF-Jahrbuch. Abgerufen am 26. Januar 2014
  10. Großer Pianist mit großem Herzen Archiv LION, Ausgabe 10/10/12, S. 66 , (PDF 4,7 MB) Abgerufen am 3. Februar 2014
  11. Rolf-Dieter Diehl, Hexenmeister diabolischer Verzauberung. In: Cellesche Zeitung, 11. April 2011 (PDF 1,4 MB)
  12. Marcus Kretzer, Klavier Abgerufen am 26. Januar 2014
  13. Offizielle website von Natasha Garcia-Guinot
  14. ISA. Isauniversidaddelasartes.wordpress.com. 27. Mai 2011. Abgerufen am 18. Juni 2012.
  15. Ciclo International de Jovenos. victorrebullida.blogspot.de. 20. Februar 2009. Abgerufen am 18. Juni 2012.
  16. Escuela Superior de Música Reina Sofía. escuelasuperiordemusicareinasofia.es. 2010. Abgerufen am 14. Juli 2012.