Marcus Kretzer

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Marcus Kretzer
Rachmaninoff: Klavierkonzert Nr. 3, d-Moll, op. 30 (Zusammenstellung)
Lieselotte Leyer: Mephisto-Walzer (1985) -in Privatbesitz-
Konzert in Rom

Marcus Kretzer (* 9. Mai 1965 in Hilden) ist ein deutscher Pianist und Klavierpädagoge. Seit 1979 gibt er Rezitale und Klavierkonzerte mit bekannten Orchestern und Dirigenten weltweit [1]. Seine Kunst des Klavierspiels wird beschrieben als

„neu und ungehört. Eine tiefe Sensibilität, begleitet von entschlossener Autorität. Ein musikalisches Genie, verbunden mit einer außergewöhnlichen technischen Virtuosität. Sein Spiel ist ebenso geistreich, intelligent und gelehrt wie auch subtil und bewegend, durchdrungen von einer fast unwirklichen Zartheit. Das Spiel eines wahren Meisters des Klaviers.“

Amal Gayed: Mosaique Progrès, 30. Dezember 1995[2]

Als Klavierpädagoge ist Kretzer in Deutschland und im Ausland tätig, wobei seine umfassende Lehrmethode die zukünftige Pianistengeneration nachhaltig beeinflusst[3].

Inhaltsverzeichnis

Leben und Ausbildung [Bearbeiten]

Kretzer verbrachte seine Kindheit und Jugend in Solingen. Er wuchs in einem musikalisch geprägten Elternhaus auf. Durch das Klavierspiel der Mutter angeregt, bekam er auf eigenen Wunsch im Alter von sieben Jahren den ersten Klavierunterricht und entschloss sich bald darauf, Konzertpianist zu werden. Der tschechische Pianist und Musikpädagoge Drahomir Toman, ein Enkelschüler Liszts und Studienfreund Friedrich Guldas, förderte und prägte Kretzers weitere musikalische Entwicklung bis 1986 – aus dieser Schule stammen auch die Pianisten Ivan Klánský und Wolfgang Manz. Nach der Schulzeit studierte Kretzer bis 1988 an der Hochschule für Musik und Tanz Köln bei Aloys Kontarsky. Ab 1988 führte er sein Studium an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg fort, absolvierte 1993 dort das Zusatzstudium Kulturmanagement mit Diplom und beendete seine musikalische Ausbildung 1996 mit dem Konzertexamen, bei dem vor allem seine Interpretation des 3. Klavierkonzertes von Rachmaninoff in der Laeiszhalle Hamburg starkes Aufsehen erregte.

Kunstverständnis [Bearbeiten]

Als zudem profunder Kenner der römischen Antike studierte er von 1996 bis 1998 Alte Geschichte an der Universität Hamburg und gleichzeitig Musikwissenschaft an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Mit seinem ganzheitlichen Kunstverständnis, das ihn sich mit den Bildenden und Darstellenden Künsten, mit Literatur, Geschichte, Archäologie und Architektur beschäftigen lässt, ist er ein später Repräsentant des universell hochgebildeten, „romantischen“ Künstler-Typus, auch hierin Claudio Arrau nicht unähnlich, der seinerseits andere Künstler inspiriert: so widmeten die Komponisten Franck Adrian Holzkamp und Ulrich Skubella ihm Werke, der Dichter Raymond Mair schrieb ein Sonett[4][5], die synästhetische Malerin Lieselotte Leyer schuf ein Gemälde, nachdem sie Kretzers Spiel gehört hatten.

Künstlerisches Wirken [Bearbeiten]

Erste öffentliche Rezitale in Deutschland gab Kretzer mit 14 Jahren, im Ausland debütierte er mit 17 Jahren im Rudolfinum in Prag. Er nahm an zahlreichen nationalen und internationalen Klavier- und Musikwettbewerben teil und errang dabei acht 1. und mehrere 2. Preise. Kretzer konzertierte in nahezu allen Ländern Europas, in Nord- und Südafrika und in Mittelamerika. Seine künstlerische Tätigkeit führte ihn zusammen mit namhaften Dirigenten wie Daniel Barenboim, Michael Beck, Sebastian Beckedorff, Leonard Bernstein, Hernán Caceres, Sergiu Celibidache, Victor Costa, Luciano Di Martino, Antón Kolar, Sebastian Lang, Enrique Pérez Mesa, Gerd Schaller, Michael Schmidtsdorff, Edgar Seipenbusch, Saulius Sondeckis, Carlos Spierer, Patrick Strub, Christian Süß und Jacques Wijnen.

Dabei spielte er mit Orchestern wie der Arcata Stuttgart, dem Bergischen Kammerorchester, den Bergischen Symphonikern, dem Hamburger Bachorchester, den Hamburger Symphonikern, dem Litauischen Kammerorchester, der Magdeburgischen Philharmonie, dem Orquestra Sinfónica Nacional de Cuba, dem Orquestra Sinfónica Nacional de Guatemala, der Philharmonie der Nationen, der Sinfonia Varsovia, dem Staatsorchester Braunschweig, dem Symphonie Orkest Eindhoven.

Er trat wiederholt bei Festivals auf, so bei der Cubadisco, beim Internationalen Eisteddfod in Südafrika, Europäischen Klassikfestival Ruhr, Mosel Musikfestival, Rheinischen Klaviersommer, bei den Salzburger Festspielen oder dem Schleswig-Holstein Musik Festival.

Zu seinen weiteren künstlerischen Aktivitäten zählt auch die mehrfache Zusammenarbeit mit John Neumeier und dem Ballett der Hamburgischen Staatsoper, dem Goethe-Institut und Botschaften der Bundesrepublik Deutschland, Liedbegleitung und Kammermusik, Rezitationskonzerte mit Alfred Biolek, Norbert Blüm oder den Schauspielern Richy Müller und Michael Trischan sowie Rundfunk- und Fernsehauftritte für ARTE ETERNA CUBA, CUBA-TV[6], den N3 und den NDR4, Radio Allegro South Africa, Radio Hamburg, Radio Schleswig-Holstein, RTL, SAT1, den WDR und das ZDF.

Als aktives Mitglied von Lions Club International gibt er regelmäßig Benefizkonzerte[7], deren Erlöse die karitativen Aktivitäten dieser größten Nichtregierungsorganisation unterstützen, die offiziell den Vereinten Nationen angeschlossen ist.

Pianistik [Bearbeiten]

Durch seine Ausbildung und weiterführende Meisterkurse bei Tatjana Nikolajewa, Svjatoslav Richter, Nelson und Aquiles Delle Vigne, Homero Francesch, Yara Bernette und Fausto Zadra vereint seine Pianistik die osteuropäischen Schulen Teodor Leszetyckis und Heinrich Neuhaus’ mit der südamerikanischen Tradition Vincenzo Scaramuzzas - die Presse zieht deshalb Vergleiche mit Horowitz[8], Kissin und Zimerman[9] oder Arrau[10][1], Argerich und Pollini [3].

Kretzers Spiel wird charakterisiert als intellektuelle Durchdringung des Textes, die in dem darin Verborgenen die Legitimation findet zu natürlichem, emotional begründetem Gestalten. Er gibt der Inspiration des Momentes Raum, ohne sich in Willkür oder Manierismen zu verlieren. Manuelle Virtuosität stellt er in den Dienst präziser Artikulation, rhythmischer Genauigkeit und einer dynamisch äußerst vielseitigen, orchestral gedachten Klangfarbenpalette.

Hörbeispiele (* Ausschnitt)
Scarlatti Sonate E-Dur, L 224
Kretzer Danzas Argentinas *
4 Klaviere Rossini, Smetana, Jazz *

Repertoire [Bearbeiten]

Kretzers programmatische Schwerpunkte liegen auf den Werken von Johann Sebastian Bach, auch in den orchestral erweiterten Versionen von Ferruccio Busoni, auf den Sonaten von Domenico Scarlatti, den Sonaten und Klavierkonzerten von Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven, auf Frédéric Chopin, Franz Liszt, Isaac Albéniz, Claude Debussy und Sergei Rachmaninoff. Seine Beschäftigung mit Neuer Musik drückt sich in seiner Einspielung des Klavierwerkes von Rudolf Halaczinsky aus. Der romantischen Tradition folgend schuf er anspruchs- und wirkungsvolle Paraphrasen über argentinische Tangos und Transkriptionen klassischer Orchesterwerke für ein, zwei und vier Klaviere, die er 2008 während einer Deutschland-Tournee mit dem Ensemble „Kla4“ spielte.

Pädagogik [Bearbeiten]

Zeitgleich mit seinem Kölner Studium unterrichtete Kretzer an der Jugendmusik- und Kunstschule der Stadt Remscheid, wo er auch den Fachbereich Klavier leitete. Während seines Studiums an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg war er dort zunächst als Tutor einer Hauptfachklasse und von 1998 bis 2001 als Professor tätig. Seit 1989 gab Kretzer Meisterkurse im In- und Ausland, u.a. beim Schleswig-Holstein Musik Festival, am Instituto Superior de Arte in Havanna/Kuba, Edna Manley College for Music in Kingston/Jamaika, Conservatorio de los tres Mundos in Granada/Nicaragua, Colegio San Augustín in David/Panamá, Conservatorio Nacional de Música in Santo Domingo/Dominikanische Republik. Mehrfach waren seine Schüler Preisträger bei namhaften Klavierwettbewerben. Ihm wird bescheinigt, mit seiner Pianistik und Lehrmethode „großen Einfluß zu haben auf die zukünftigen Absolventen der Hochschulklassen und deren Entwicklung zu internationalem Niveau.“[3] Zu seinen bedeutendsten Schülern zählen Natasha García-Guinot[11], Francisco Paredes-Llanes[12], Nora Maria Lastre[13] oder Madarys Morgan Verdecia[14], die ihrerseits konzertieren, unterrichten und künstlerisches Renommée erlangt haben.

Auszeichnungen (Auswahl) [Bearbeiten]

  • 2002: Diploma de Reconocimiento vom Instituto Superior de Arte in Havanna/Kuba
  • 1998: Kulturstipendiat der Konrad-Adenauer-Stiftung, Berlin
  • 1996: 1. Preis „Primo Premio Assoluto“ beim „7° Concorso Pianistico Internazionale“ in Rom
  • 1995: 1. Preis beim internationalen Klavierwettbewerb „Concours Musical de France“ in Paris
  • 1994: 1. Preis beim internationalen Klavierwettbewerb „Cittá di Marsala“ auf Sizilien
  • 1993: „Masefield“-Stipendiat der Alfred-Toepfer-Stiftung F.V.S., Hamburg
  • 1993: Förderpreis der Konzertgesellschaft München
  • 1992: Stipendiat von LIONS CLUB INTERNATIONAL
  • 1990: Stipendiat der Zeit-Stiftung, Hamburg
  • 1984: 1. Preis beim Bundeswettbewerb Jugend musiziert in Nürnberg unter Vergabe einer zusätzlichen Leistungsprämie
  • 1983: 1. Preis beim Steinway-Wettbewerb Hamburg

Diskographie (Auswahl) [Bearbeiten]

  • Werke von Bach und Liszt, MTM 2005
Hörbeispiele in Ausschnitten
Bach-Busoni Chaconne d-Moll, BWV 1004
Orgelchoralvorspiel "Nun komm’ der Heiden Heiland", g-Moll, BWV 659
Bach-Liszt-Kretzer Fuge a-Moll, BWV 543
Liszt Mephisto-Walzer Nr. 1, A-Dur
Sonate h-Moll
  • Das Klavierwerk von Rudolf Halaczinsky, RealSound 1999
  • Live in Rom, Generali 1996

Weblinks [Bearbeiten]

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. a b Pedro de la Hoz, Cumbres alemanas. In: Granma Internacional, 13. Mai 2003
  2. Amal Gayed, Marcus Kretzer: une formidable virtuosité. In: Mosaique Progrès, 30. Dezember 1995
  3. a b c Pedro de la Hoz, Ein Pianist der Extraklasse. Kretzer: Geschmack und Kontrolle zwischen Pollini und Argerich. In: Granma, 30. April 2002 (PDF, 202 KB)
  4. Raymond Mair, GRAND PIANO. (PDF; 26 kB) In: The Sunday Observer, 16. Juni 2002 (PDF, 28 KB)
  5. Raymond Mair. jamaica-gleaner.com. Abgerufen am 20. Juni 2012.
  6. Interview mit Marcus Kretzer im Kubanischen Nationalfernsehen. youtube.com. Abgerufen am 11. September 2012.
  7. Rolf-Dieter Diehl, Hexenmeister diabolischer Verzauberung. In: Cellesche Zeitung, 11. April 2011 (PDF 1,4 MB)
  8. Reinhard Berger, Der mit den Pausen. In: HNA.de, 6. Februar 2006 (JPG, 770 KB)
  9. Reinhard Berger, Liszt in der Parallelwelt. In: HNA, 22. Januar 2006 (PDF, 62 KB)
  10. Pedro de la Hoz, Wenig, aber Gutes aus der BRD. In: Granma Internacional, 18. Juni 2003 (JPG, 1,3 MB)
  11. Offizielle website von Natasha Garcia-Guinot
  12. ISA. Isauniversidaddelasartes.wordpress.com. 27. Mai 2011. Abgerufen am 18. Juni 2012.
  13. Ciclo International de Jovenos. victorrebullida.blogspot.de. 20. Februar 2009. Abgerufen am 18. Juni 2012.
  14. Escuela Superior de Música Reina Sofía. escuelasuperiordemusicareinasofia.es. 2010. Abgerufen am 14. Juli 2012.