Marxloh

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Duisburger Stadtwappen
Marxloh
Stadtteil von Duisburg
Karte
Karte von Marxloh
Basisdaten
Koordinaten: 51° 30′ 7″ N, 6° 45′ 25″ O51.5019444444446.7569444444444Koordinaten: 51° 30′ 7″ N, 6° 45′ 25″ O
Fläche: 7,58 km²
Postleitzahl: 47166
Vorwahl: 0203
Bevölkerung [1]
Einwohner: 18.643 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte: 2459 Einwohner/km²
Ausländeranteil: 42 % (7821)
Gliederung
Stadtbezirk: Hamborn
Ortsteilnummer: 202
Eingemeindung: 1. August 1929
Turm der evangelischen Kreuzeskirche
Volkspark Schwelgern
Blick vom Alsumer Berg auf die Kokerei Schwelgern mit dem ThyssenKrupp-Stahlwerk im Hintergrund

Marxloh ist ein Duisburger Stadtteil im Stadtbezirk Hamborn mit 18.643 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2013). Er gehörte früher zum Stadtkreis Hamborn, der 1929 mit dem Stadtkreis Duisburg vereinigt wurde.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ortsname leitet sich von Mersch für feuchtes Weideland und Loh für Hochwald ab. Aus Mersloe oder Merxloe wurde ab dem 17. Jahrhundert Marxloh.[2]

Keimzelle des Ortes war der Schultenhof zu Marxloh, der zwar urkundlich erst 1421 erwähnt wird, aber u.a. aufgrund seiner baulichen Eigenschaften als einige Jahrhunderte älter einzuschätzen ist. Der Hof besaß ein System von Wassergräben und einen Turm, der als Speicher und Zufluchtsort genutzt werden konnte. Daraus kann mit einiger Sicherheit geschlossen werden, dass der Hof Sitz einer Ritter- oder zumindest Dienstmannsfamilie war.[3]

Der Hof lag dort, wo heute die Schulte-Marxloh-Straße auf die Kaiser-Friedrich-Straße trifft, und hatte über Jahrhunderte das Recht auf den Zehnten der zu dem Schultenhof gehörenden Bauernschaft, die auch die Höfe Großeloh, Warbruck und Kleinemühl umfasste. Der Schultenhof war dem Oberhof Beeck untergeordnet, welcher wie der Schultenhof dem Stift Essen gehörte.[4]

Marxloh gehörte zum Beecker Kirchspiel und dem gebietsgleichen Amt Beeck, welches wiederum ab 1612 dem Drosten von Dinslaken unterstellt war. Damit gehörte Marxloh wie auch die umliegenden Orte lange Zeit zum Herzogtum Kleve.[5]

Im Jahr 1900 wurde Marxloh zusammen mit den Orten Alsum, Schwelgern, Bruckhausen, Fahrn und Schmidthorst-Neumühl als neue Landbürgermeisterei Hamborn aus der Gemeinde Beeck herausgelöst. Elf Jahre später wurde die Landbürgermeisterei zur Stadt Hamborn erhoben[6], welche 1929 in der Stadt Duisburg-Hamborn aufging.

Ein Großteil Marxlohs wurde in der Zeit der Industrialisierung des Ruhrgebiets, d. h. zwischen 1880 und 1910, errichtet.

Seit Mitte der 1970er Jahre sieht sich Marxloh einem massiven Strukturwandel ausgesetzt, der insbesondere durch einen starken Verlust an Arbeitsplätzen in der Großindustrie getrieben wurde, als Konsequenz aber auch kleinere und mittlere Gewerbe traf.[7]

Ortsentwicklung[Bearbeiten]

Die Einwohnerzahlen von Marxloh entwickelten sich wie folgt:[8][9]

Jahr Einwohnerzahl
1843 321
1895 1.522
1925 35.872
1939 34.229
1962 27.964
1964 27.125
1990 22.113
1998 19.808
2000 18.964
31. Dezember 2003 18.301
31. Dezember 2004 18.058
31. Dezember 2005 17.763
31. Dezember 2006 17.681
31. Dezember 2007 17.675
31. Dezember 2008 17.494
31. Dezember 2009 17.313
31. Dezember 2010 17.522
31. Dezember 2011 17.585
31. Dezember 2012 17.767
31. Dezember 2013 18.643

Marxloh heute[Bearbeiten]

Die Stahlindustrie prägt noch heute das Stadtbild von Marxloh bzw. der direkten Umgebung: 46 % der Fläche wird durch Industrie und Gewerbe genutzt, 30 % für Straßen, Wege und andere Infrastruktur, 15 % für Grünfläche und 9 % für Wohnsiedlungen.[10]

Nach einer Studie der Universität Duisburg-Essen war die Bevölkerungsentwicklung in Marxloh in den vergangenen Jahrzehnten durch einen deutlichen Bevölkerungsrückgang bei gleichzeitigem Anstieg des Ausländeranteils gekennzeichnet[11] (Ausländeranteil 1975: 18,8 %, 1987: 27,8 %, 2002: 34,7 %). In den letzten Jahren stieg die Bevölkerungszahl wieder langsam an; der Ausländeranteil nahm weiter zu. Gemäß Einwohnerstatistik der Stadt Duisburg waren Ende 2013 7.821 oder 41,95 % der Einwohner Marxlohs Ausländer.[12] Vor allem türkische Einwanderer ließen sich hier nieder. Die türkeistämmige Bevölkerungsgruppe stellt heute einen prägenden Bevölkerungsteil dar.

Mitte der 1990er Jahre haben mehr und mehr türkischstämmige Bürger auf der Weseler Straße Geschäfte eröffnet. In den 2000er Jahren kristallisierten sich als Schwerpunkte Brautmode, Abendmode und Juweliergeschäfte heraus. Heute gilt die Weseler Straße als die Hochzeitsmeile Deutschlands.[13]

Bauwerke und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • DITIB-Merkez-Moschee (51.509366.753872): Marxloh ist Standort der am 26. Oktober 2008 eröffneten DITIB-Merkez-Moschee, einer der größten Moscheen in Deutschland.
  • Volkspark Schwelgern
  • Kiebitzmühle
  • Kreuzeskirche
  • St. Peter und Paul
  • Paulskirche
  • Grillo-Werke
  • Pumpwerk Schwelgern
  • Werkssiedlung Thyssen

Personen mit Bezug zu Marxloh[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Rommel, Schulte-Marxloh. Hofes- und Familiengeschichte; Oldenburg 1959 (Rez. in Duisburger Forschungen 4, S. 222-225)
  • Festschrift zum 50jährigen Jubiläum der Lutherkirche am 25. Mai 1963, hg. v. d. Presbyterium der evang. Kirchengemeinde Obermarxloh; Duisburg 1963
  • Günter von Roden: Geschichte der Stadt Duisburg - Die Ortsteile von den Anfängen, Die Gesamtstadt seit 1905. Duisburg 1974, S. 68–71.
  • Festschrift 75 Jahre Kreuzeskirche – 75 Jahre Kirchengemeinde Maxloh 1905–1980; Duisburg 1980
  • Ludger Heid u.a.: Kleine Geschichte der Stadt Duisburg. Duisburg 1996.
  • Thomas Rommelspacher u.a.: Marxloh. Ansichten über einen Duisburger Stadtteil. In: Duisburger Beiträge zur Soziologischen Forschung 2/1998. Duisburg 1998. (PDF, 0,2 MB)
  • Heike Hanhörster: Wohnungspolitik und Segregationsprozesse: Fallstudie Duisburg-Marxloh. In: Journal für Konflikt- und Gewaltforschung. Vol. 1, 1/1999, S. 97–117. (PDF, 0,2 MB)
  • Günter Bell: Benachteiligte Bevölkerungsgruppen in „sozialen Brennpunkten“ – Eine Untersuchung zweier Stadtteile in Nordrhein-Westfalen. In: Duisburger Beiträge zur Soziologischen Forschung 4/2004. Duisburg 2004. (PDF, 0,2 MB)
  • Carolin Jenkner: Wo der Pott Deutschen und Türken gehört. In: Spiegel online, 22. August 2007 (online)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Duisburg-Marxloh – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Einwohnerstatistik der Stadt Duisburg vom 31. Dezember 2013 (PDF; 21 kB)
  2. Roden (1974), S. 69.
  3. Roden (1974), S. 68f.
  4. Roden (1974), S. 68.
  5. Heid u.a. (1996), S. 90, 92 und 130.
  6. Heid u.a. (1996), S. 198.
  7. Rommelspacher u. a. (1998), S. 11.
  8. Manfred Schulz: Die Entwicklung Duisburgs und der mit ihm vereinigten Gemeinden bis zum Jahre 1962. In: Duisburger Forschungen 24./25. Band, Duisburg 1977, Seite 22 sowie Einwohnerstatistik der Stadt Duisburg.
  9. Martin Krampitz: In 20 Jahren verließ jeder fünfte Bürger Duisburg-Marxloh. In: Der Westen (online).
  10. Rommelspacher u. a. (1998), S. 11.
  11. Rommelspacher u. a. (1998), S. 12.
  12. Unter Ausländer werden hier Einwohner mit ausländischem Pass verstanden. Menschen mit Migrationshintergrund und deutscher Staatsangehörigkeit werden nicht als Ausländer geführt.
  13. Fabienne Piepiora: Migranten in der Wirtschaft – Erfolgsmodell Hochzeitsmeile, in: Der Westen, 27. September 2009 (online).