Max Warburg

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Max Warburg, 1904

Max Moritz Warburg (M.M. Warburg) (geboren am 5. Juni 1867 in Hamburg; gestorben am 26. Dezember 1946 in New York) war einer der angesehensten Hamburger Bankiers seiner Zeit und Politiker. Er war Jude und deutscher Patriot zugleich.

Leben[Bearbeiten]

Familie

Max Warburg wurde als zweitältester Sohn von Moritz Warburg in eine wohlhabende, konservative jüdische Bankiersfamilie geboren. Sein Vater leitete die Hamburger Bank in der dritten Generation. Die Vorfahren waren im 17. Jahrhundert aus Italien nach Deutschland nach Warburg eingewandert und hatten deren Namen als Familiennamen angenommen. Im 18. Jahrhundert übersiedelten die Warburgs nach Altona. Moses Marcus Warburg und sein Bruder Gershon Warburg gründeten 1798 das Bankhaus M. M. Warburg & Co in Hamburg.

Moritz Warburg (1838–1910) und Charlotte Esther Oppenheim (1842–1921) heirateten 1864. Sie hatten acht Kinder, Mary Anna, Max, Paul, Felix, Olga, Fritz und Louisa. Das erste Kind, Mary Anna wurde kein Jahr alt. Paul M. Warburg, Felix M. Warburg und Fritz M. Warburg wurden wie Max M. Warburg Bankiers. Abraham M. Warburg (1866–1929) wurde Kunsthistoriker und ist als Begründer der Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Warburg in Hamburg, 1934 in London als Warburg Institute neu gegründet, bekannt geworden.

Max M. Warburg heiratete 1899 Alice Magnus (1873–1960). Sie hatten einen Sohn, Eric, und vier Töchter, Lola, Renate, Anita und Gisela.[1]

Ausbildung und Beruf

Max M. Warburg machte eine Banklehre mit Stationen bei Banken in Frankfurt am Main und Amsterdam, bevor er in München seinen Wehrdienst ableistete. Er arbeitete 1890 in Paris und 1891 in London beim Bankhaus N M Rothschild & Sons. Er kehrte 1893 nach Hamburg zurück und wurde Teilhaber der Familienbank, M.M. Warburg & Co.[2] 1895 wurde auch Paul Teilhaber. Felix, der nächst jüngere Bruder, wanderte in die USA aus und trat dort in die Bank Kuhn, Loeb & Co. ein.

Das Bankhaus Warburg entwickelte sich mit wirtschaftlichen Aufschwung in der Gründerzeit. Die Bilanzsumme verfünffachte sich und die Mitarbeiterzahl verdoppelte sich in kurzer Zeit. Max M. Warburg schloss mit dem älteren, erfolgreichen jüdischen Reeder Albert Ballin (1857–1918), dem Generaldirektor der HAPAG, eine beständige (nicht nur geschäftliche) Freundschaft. Mit der Unterstützung der Warburg-Bank stieg die Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft zu einer der beiden größten Reedereien Deutschlands auf.

Seit 1910 leitete Max M. Warburg dann die Bank als Direktor und war, trotz großer Probleme im Ersten Weltkrieg und in den folgenden Wirtschaftskrisen, sehr erfolgreich.

Politik

Von 1904 bis 1919 war Warburg Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft. Er war Berater des deutschen Kaiser Wilhelm II.. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges war er einer der Initiatoren der Zentral-Einkaufsgesellschaft. Warburg nahm als Delegierter an den Verhandlungen zum Versailler Vertrag teil. Er verließ die Verhandlungen jedoch, da er die gestellten Bedingungen als unannehmbar bezeichnete.

Nach dem Ersten Weltkrieg

Um den Außenhandel nach dem Ersten Weltkrieg zu fördern, entstand auf Initiative von Warburg und Paul von Mendelssohn-Bartholdy vom Berliner Bankhaus Mendelssohn & Co 1920 die Deutsche Warentreuhand AG.[3] Warburg berief seinen Freund Merchant Banker und Senator a.D. August Lattmann in den Vorstand der Warentreuhand.[4] Die Warentreuhand hatte, wie der Name verrät, ursprünglich das Ziel, Kredite auf Basis des juristischen Prinzips der Treuhand zu vermitteln. Das Prinzip der Sicherungsübereignung von Waren oder Inventar zur Absicherung von Krediten sollte vor allem deutsche Firmen helfen, dringend benötigte internationale Kredite zu bekommen. Das Unternehmen befasste sich, um die Waren zu bilanzieren, seit seiner Gründung auch mit der Wirtschaftsprüfung und wurde 1932 als Wirtschaftsprüfungsgesellschaft anerkannt. 1922 regte Warburg die Gründung des Übersee-Clubs in Hamburg an, der ebenfalls die internationalen Wirtschaftsbeziehungen Deutschlands verbessern sollte.

Warburg war seit 1924 Mitglied des Reichsbankrates. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten musste er diesen aufgrund seiner jüdischen Herkunft nach 1933 verlassen. Die „repräsentativste deutsche Bankfirma“ M.M. Warburg & Co. galt 1928 im Hamburger Fremdenblatt als „die glücklichste und erfolgreichste Verkörperung besten hanseatischen Kaufmannsgeistes“. Warburg gehörte dem ersten Vorstand der 1925 gegründeten I.G. Farben an und war 1932 in 20 Aufsichtsräten vertreten, 1933 war er noch in 14 und 1935 in 12 Gremien. Er war unter anderem im Aufsichtsrat der Reedereien Norddeutscher Lloyd in Bremen und der HAPAG. Schon Mitte 1933 musste er aus dem Aufsichtsrat der HAPAG ausscheiden. Bemerkenswert waren seine Rede bei seiner Entlassung, die er selbst auf sich hielt, als ihn niemand vom Aufsichtsrat mit einer Rede verabschieden wollte: „Die große und mächtige deutsche Schifffahrt ist vornehmlich das Werk zweier Juden. Der eine ist der verstorbene Albert Ballin und der andere ist der Mann, der die Ehre hat, vor ihnen zu stehen. … Wenn wir, die neuen Leute hier, jetzt gezwungen sind, uns von Ihnen, dem altbewährten Mitarbeiter, zu trennen, tragen wir die Schuld“.[5]

Max Warburg war wegen seiner Verdienste um den Verein für Hamburgische Geschichte 1921 ehrenhalbar der Status eines „lebenslänglichen Mitglieds“ verliehen worden. Gleichwohl wurde ihm 1938 unter Verweis auf die Nürnberger Rassegesetze die Vereinsmitgliedschaft aberkannt.[6]

Fluchthelfer

Warburg war seit 1928 Vorsitzender des 1901 gegründeten Hilfsvereins der deutschen Juden. Nach 1933 gelang es Warburg mit Hilfe des Vereins, seiner Bank und seinen Mitarbeitern, dass bis 1938 über 75.000 jüdische Mitbürger emigrieren konnten. Durch geschickte Vermögenstransfers gelang es der Organisation, den Flüchtigen wenigstens Teile ihres Besitzes zu erhalten.[7]

Emigration

1938 musste Warburg aufgrund seiner jüdischen Herkunft seinen Direktorposten verlassen, die Bank verkaufen und in die USA emigrieren. Enttäuscht hielt der Bankier, der sich zeit seines Lebens als deutscher Patriot verstand, im Casinosaal vor den 200 verbliebenen Angestellten eine Abschiedsrede, die mit den Worten endete: „Wir wünschen Ihrer Arbeit Erfolg, zum Segen der Hansestadt Hamburg und zum Segen Deutschlands.“[8]

1945 kamen nur zwei der vielen früher jüdischen Banken an ihre Besitzer zurück, darunter die Warburg-Bank. Der gleichnamige Enkel Max Warburg ist (Stand November 2011) persönlich haftender Gesellschafter und in der Unternehmensleitung der Bank, die 2007 eine Bilanzsumme von 4,3 Milliarden Euro hatte.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gabriele Hoffmann: Max M. Warburg – Biografie. Ellert & Richter Verlag, Hamburg 2009, ISBN 978-3-8319-0326-9.
  • Joist Grolle: Max Warburg (1867 bis 1946). In: Joist Grolle, Matthias Schmoock (Hrsg.): Spätes Gedenken. Ein Geschichtsverein erinnert sich seiner ausgeschlossenen jüdischen Mitglieder. Bremen 2009, ISBN 978-3-8378-2000-3, S.187-208

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Die älteste Tochter von Max Warburg, Lola Hahn-Warburg, war seit 1933 aktives Vorstandsmitglied in der Reichsvertretung der Juden in Deutschland und in der Kinder- und Jugend-Alijah, die versuchte, möglichst viele Kinder und Jugendliche in der Zeit des Nationalsozialismus aus dem Deutschen Reich vor allem nach Palästina in Sicherheit zu bringen. Durch die Verhandlungen einer Delegation von 1938 unter Leitung von Chaim Weizmann und ihrer Beteiligung beim britischen Innenministerium gelang es, dass die britische Regierung und das Unterhaus eine unbegrenzte Anzahl von Kindern nach Großbritannien emigrieren ließ. Über 10.000 Menschen konnten so gerettet werden - siehe Kindertransport.
  2. Eckart Kleßmann: M. M. Warburg & Co 1798–1998. Die Geschichte eines Bankhauses. Hamburg 1998, S. 35
  3. Seite der BDO Warentreuhand AG abgerufen 5. Juni 2008
  4. Bankier und Wohltäter. In: Die Zeit, Nr. 2/1947
  5. Gabriele Hoffmann, Max M. Warburg, Hamburg 2009, S. 147.
  6. Joist Grolle, Matthias Schmoock (Hrsg.): Spätes Gedenken. Ein Geschichtsverein erinnert sich seiner ausgeschlossenen jüdischen Mitglieder. Bremen 2009, ISBN 3-8378-2000-9 S. 198
  7. Ein Bankier als Fluchthelfer. In: Weser-Kurier, 15. Dezember 2009, nach Recherchen von Gabriele Hoffmann
  8. Kleßmann: M. M. Warburg & Co. S. 101.