Melvyn Bragg, Baron Bragg

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Melvyn Bragg, Baron Bragg, FRSL, FRTS (* 6. Oktober 1939 in Wigton, Cumberland, England) ist ein britischer Autor, Drehbuchautor, Fernseh- und Rundfunkmoderator und Life Peer.

Leben und Ausbildung[Bearbeiten]

Bragg wurde in Wigton als Sohn von Mary Ethel Park, einer Schneiderin, und Stanley Bragg, einem Lagerverwalter, der später Maschinist wurde, geboren.[1] Er besuchte die Nelson Thomlinson Grammar School in Wigton. Er studierte Moderne Geschichte am Wadham College der Universität Oxford, wo er mit einem Master of Arts abschloss.[2]

Fernsehkarriere[Bearbeiten]

Er begann 1961 seine Karriere als Trainee bei der BBC und verbrachte seine ersten zwei Jahre beim Radio beim BBC World Service, später beim BBC Third Programme und beim BBC Home Service. Er trat in das Produktionsteam von Huw Wheldons Kulturmagazin Monitor bei BBC Television ein. Seine Arbeit als Autor und Fernsehmoderator begann er 1967.[3] 1971 war er Moderator von In The Picture (Tyne Tees).[4] Von 1973 bis 1977 präsentierte er 2nd House bei der BBC.[4] Er ist vor allem als Moderator der Kultursendung The South Bank Show bei London Weekend Television (LWT) bekannt, die er von 1978 bis 2009 präsentierte und produzierte. Die letzte Folge wurde im Dezember 2009 ausgestrahlt. Die Sendung wurde von der British Academy of Film and Television Arts fünfmal mit dem Prix Italia, sowie außerdem als TV Music ad Arts Programme of the Year und 2000 bei den TV and Radio Industry Awards ausgezeichnet.[4]

Von 1985 bis 1990 war er stellvertretender Vorsitzender (Deputy Chairman) und von 1990 bis 1996 Vorsitzender (Chairman) von Border Television.[4] Seit 1990 ist er Controller of Arts bei LWT, von 1982 bis 1990 war er Leiter der Abteilung Kunst (Head of Arts).[4] Er ist auch bekannt für seine zahlreichen Programme auf BBC Radio 4, dazu gehören Start the Week, das er von 1988 bis 1998 präsentierte, In Our Time (BBC Radio 4) seit 1998 und The Routes of English, eine Geschichte der englischen Sprache. 1992 war er als Direktor von LWT Productions tätig.[4] Er war auch Moderator und Autor von Adventure of English.

Karriere als Autor[Bearbeiten]

Bragg ist Romanschriftsteller und Autor von Sachbüchern. Er verfasste Biografien und Monographien, unter anderem zu Richard Burton, Laurence Olivier und Ingmar Bergman. Er schrieb auch zahlreiche Drehbücher für Fernseh- und Kinofilme. Einige seiner frühen Arbeiten für das Fernsehen entstanden in Zusammenarbeit mit Ken Russell, für den er die Filmbiografien The Debussy Film (1965) und Isadora Duncan, the Biggest Dancer in the World (1967), sowie Russells Film über Pjotr Iljitsch Tschaikowski, Tschaikowsky – Genie und Wahnsinn (1970) schrieb.[5] Von 1996 bis 1998 schrieb er eine wöchentliche Kolumne für die Times. Er schrieb auch Beiträge für The Observer, Sunday Times und The Guardian. Sein Roman von 2008, Remember Me, ist größtenteils autobiografisch.

Bragg ist Präsident der National Academy of Writing. Er ist auch Vizepräsident der Friends of the British Library, die finanzielle Unterstützung für die British Library bietet.

Mitgliedschaft im House of Lords[Bearbeiten]

Bragg wurde 1998 zum Life Peer als Baron Bragg, of Wigton in the County of Cumbria ernannt. Im House of Lords sitzt er für die Labour Party. Als seine politischen Interessen gibt er Fragen des Rundfunks, die Förderung von Universitäten und Kunst sowie die Entwicklung des ländlichen Raums an.[6]

Ehrungen und weitere Ämter[Bearbeiten]

Er wurde 1969 Mitglied des Arts Council Literature Panel und ist mittlerweile dessen Vorsitzender. Er ist Präsident der National Campaign for the Arts seit 1986, Präsident der Wohlfahrtsorganisation Mind seit 2002 und Direktor der London School of Economics seit 1997. 1999 wurde er als Nachfolger von Katharine, Duchess of Kent zum Kanzler der University of Leeds ernannt.

Er ist Träger zahlreicher Ehrendoktortitel, darunter seit 2001 der Doctor of Arts (Hon DA) der University of Sunderland. Im Juni 1989 wurde Bragg mit einem Ehrendoktortitel der Open University ausgezeichnet. Er erhielt einen Ehrendoktor im Fach Rechtswissenschaften (Honorary LLD) der University of St Andrews (1993). Mehrfach erhielt er einen Doctor of Letters (Hon DLitt): von der Universität Liverpool (1986), von der Lancaster University (1990), vom Council for National Academic Awards (1990), der South Bank University (1997), der University of Leeds (2000), der University of Bradford (2000) und der Queen's University Belfast (2005). Er erhielt außerdem 1994 den Ehrendoktortitel als Doctor of Civil Law (Honorary DCL) der University of Northumbria, 1998 einen Doctor of Science (Honorary DSc) vom Institute of Science and Technology der University of Manchester und 2000 einen Doctor of Science der Brunei University.[4]

1990 wurde er Domus Fellow des St Catherine's College in Oxford, 1994 Honorary Fellow des Lancashire Polytechnic sowie der Library Association. 1995 wurde er Honorary Fellow des Wadham College in Oxford. 1996 wurde er Honorary Fellow der University of Wales in Cardiff. Seit 2003 ist er Deputy Lieutenant (DL) von Cumbria.[4]

Am 17. Oktober 2005 eröffnete Bragg offiziell das Melvyn Bragg Drama Studio, ihm zu Ehren benannt, an der Millom School, Millom, Cumbria.

Privates[Bearbeiten]

Bragg erlitt nach eigener Aussage in seinem Leben zwei Nervenzusammenbrüche, einen in seiner Jugend und einen in seinen Dreißigern.[7]

Bragg war zweimal verheiratet. Bragg heiratete 1961 seine erste Frau Marie-Elisabeth Roche. Sie hatten ein Kind, eine Tochter. Er wusste nicht, dass seine Frau bereits mehrere Selbstmordversuche hinter sich hatte. Im September 1971 beging sie Selbstmord, nachdem Bragg sie für eine andere Frau verlassen hatte. „Ich hätte Dinge tun können, die geholfen hätten, aber ich tat Dinge, die Leid verursacht haben, sagte er dem Guardian 1998. „Ich fühle daher Schuld, ich fühle Reue.“[8] Braggs zweite Frau, Catherine Mary Haste, die er 1973 heiratete, ist ebenfalls Fernsehproduzentin und Autorin. Sie gab unter anderem die 2007 erschienenen Memoiren von Clarissa Eden, der Witwe von Anthony Eden, heraus. Gemeinsam mit Cherie Blair, der Frau von Tony Blair, arbeitete sie an einem Buch über die Frauen von britischen Premierministern. Melvyn Bragg und Catherine Mary Haste haben einen Sohn und eine Tochter.

Er ist ein Freund von Tony Blair, dem früheren Labour-Premierminister. 1998 wurde Bragg in einer Liste der größten Privatspender der Labour Party genannt.[9]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Belletristik
  • 1965: For Want of a Nail
  • 1966: The Second Inheritance
  • The Cumbrian Trilogy:
    • 1969: The Hired Man
    • 1970: A Place in England
    • 1980: Kingdom Come
  • 1971: The Nerve
  • 1972: Josh Lawton
  • 1974: The Silken Net
  • 1978: Autumn Manoeuvres
  • 1983: Love and Glory
  • 1987: The Maid of Buttermere
  • 1988: Without a City Wall
  • 1990: The Second Inheritance
  • 1990: A Time to Dance
  • 1992: Crystal Rooms
  • 1996: Credo, auch bekannt als The Sword and the Miracle
  • The Soldier's Return:
    • 1999: The Soldier’s Return
    • 2001: A Son of War
    • 2003: Crossing the Lines
    • 2008: Remember Me...
Sachbücher
  • 1976: Speak for England
  • 1983: Land of The Lakes
  • 1984: Laurence Olivier
  • 1984: Cumbria in Verse (Hrsg.)
  • 1988: Rich: The Life of Richard Burton
  • 1996: Ingmar Bergman: The Seventh Seal
  • 1998: On Giant’s Shoulders
  • 1999: Two Thousand Years Part 1: The Birth of Christ to the Crusades
  • 1999: Two Thousand Years Part 2
  • 2001: The Routes of English
  • 2003: The Adventure of English
  • 2006: Twelve Books That Changed the World
  • 2009: In Our Time (Hrsg.)
Kinderbücher
  • 1977: A Christmas Child
  • 1981: May Favorite Stories of Lakeland (Hrsg.)
Drehbücher
Musicals und Theaterstücke
  • Mardi Gras, 1976
  • The Hired Man, 1985 (Ivor Novello Award 1985)
  • King Lear in New York, 1992

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1969: Mail on Sunday/John Llewellyn Rhys Prize für Without a City Wall
  • 1970: Time/Life Silver Pen Award für The Hired Man
  • 1987: BAFTA Richard Dimbleby Award für Outstanding Contribution to TV
  • 1989: RTS Gold Medal
  • 1993: Bad Sex in Fiction Award für A Time to Dance
  • 1995: BAFTA TV Award für An Interview with Dennis Potter
  • 1999: Radio Broadcaster of the Year (für In Our Time und Routes of English) Broadcasting Press Guild Radio Awards
  • 2000: WH Smith Literary Award für The Soldier's Return
  • 2000: VLV Award - Best New Radio Series (für Routes of English)
  • 2000: VLV Award - Best Individual Contributor to Radio (für In Our Time und Routes of English)
  • 2010: The South Bank Show Lifetime Achievement Award

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Family detective: Melvyn Bragg in: Telegraph vom 11. August 2007
  2. Melvyn Bragg, Baron Bragg Eintrag bei ThePeerage
  3. Melvyn Bragg Biografie beim British Council
  4. a b c d e f g h The Rt Hon the Lord Bragg Biografie bei Debretts (online verfügbar)
  5. Melvyn Bragg Biography (1939-) Eintrag bei Filmreference.com
  6. Lord Bragg Biografie auf der Seite des House of Lords
  7. Melvyn in the middle Artikel im Guardian vom 14. Juni 2008
  8. Plato or Nietzsche? You choose ... Artikel im Guardian vom 7. Juni 2005
  9. 'Luvvies' for Labour Artikel bei BBC News vom 30. August 1998