Michael Adam (Politiker)

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Michael Adam (* 9. Dezember 1984 in Zwiesel) ist ein deutscher Politiker (SPD) und seit 1. Dezember 2011 Landrat des Landkreises Regen.[1]

Politische Karriere[Bearbeiten]

Adam stammt aus einer sozialdemokratischen Familie. Er selbst ist seit Dezember 2004 Mitglied der SPD und bekleidete diverse politische Ämter: Unter anderem war er Vorsitzender des Juso-Unterbezirks Regen, Vorsitzender des Juso-Bezirksverbands Niederbayern, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Bodenmais und stellvertretender Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Regen und Mitglied des bayerischen Schwuso-Landesvorstands. Seit Februar 2006 ist er Mitglied im SPD-Bezirksvorstand Niederbayern, im Februar 2011 wurde er einstimmig zu dessen Vorsitzenden gewählt.[2] Seit 2009 gehört er dem SPD-Landesvorstand Bayern an.

Zu den Kommunalwahlen 2008 war der Markt Bodenmais im Bayerischen Wald mit den der Gemeinde nahestehenden Organisationen in einer prekären finanziellen Situation und stand kurz vor der Zwangsverwaltung.[3] In dieser Situation trat Adam gegen den seit 18 Jahren amtierenden CSU-Politiker Fritz Wühr an und konnte sich in der Stichwahl vom 16. März 2008 mit 56 % der Stimmen gegen ihn durchsetzen. Damit geriet Adam kurz vor der Stichwahl in den Fokus der deutschen und österreichischen[4] bundesweiten Medien, da er als junger, sozialdemokratischer, evangelischer und offen schwuler Student vier Aspekte aufweist, die nach althergebrachtem Klischee eher unvorteilhaft für eine erfolgreiche Bürgermeisterkandidatur in einer bayerischen Landgemeinde schienen.[5] Im Wahlkampf wurde nur der erste Aspekt thematisiert, andere einzelne Versuche scheiterten am Unwillen der Bevölkerung.[6] Die vielen Pressetermine nach seiner Wahl absolvierte er, um durch die Berichterstattung über seine Person letztendlich einen Werbeeffekt für den vom Tourismus lebenden Ort zu erzielen.[7] In den schwulen Medien wurde seine Wahl europaweit thematisiert.[8][9] Adam wird – auch wenn es keinen direkten Zusammenhang gibt – von einigen als ein Symbol des Wandels in Bayern interpretiert. Als Symbol dafür, dass die CSU nicht mehr „alle Lebensstile in sich aufsaugen kann, und an sich binden kann“.[10][11] Zum Zeitpunkt seines Amtsantritts als Bürgermeister der Gemeinde Bodenmais am 1. Mai 2008 war er mit 23 Jahren der jüngste amtierende Bürgermeister Deutschlands und der jüngste bayerische Bürgermeister überhaupt.

Bei der Kommunalwahl im März 2008 wurde Adam auch in den Kreistag des Landkreises Regen gewählt.

Nach Rückzug des Frauenauer Bürgermeisters Herbert Schreiner wurde Adam am 25. Oktober 2008 von der SPD-Wahlkreiskonferenz Straubing als Kandidat für die Bundestagswahl 2009 in Wahlkreis Straubing nominiert und stand bei seiner Erstkandidatur an vorletzter Stelle der Landesliste. Er erreichte ein Ergebnis von 22,4 %, sein Gegenkandidat Ernst Hinsken (CSU) erreichte 55,4 %.[12] Adam kündigte an, sich weiterhin um ein Bundestagsmandat zu bemühen.

Im August 2011 kündigte Adam nach dem Tod des Regener Landrats Heinz Wölfl an, sich als SPD-Kandidat für das Amt aufstellen zu lassen.[13] Bei der Landratswahl am 13. November 2011 erreichte Adam 42,66 % der Stimmen und somit die meisten aller fünf Kandidaten.[14] Bei der anschließenden Stichwahl am 27. November 2011 wurde er mit 57,32 % zum jüngsten Landrat Deutschlands gewählt.[15][16]

In seinen politischen Grundüberzeugungen ist er dem linken Flügel der SPD zuzurechnen, wie es aus seinen Grundpositionen hervorgeht.[17]

Kontroversen[Bearbeiten]

Bundestagswahl 2013[Bearbeiten]

Adam erregte innerparteiliche und mediale Aufmerksamkeit, als er im September 2013 erklärte, er habe bei der aktuellen Bundestagswahl seine Zweitstimme der CSU gegeben, weil die bayerische SPD-Führung ein „verheerendes Bild“ abgebe und er die führenden Köpfe der Landesliste „persönlich für nicht wählbar“ halte. Er habe ein Zeichen setzen wollen.[18][19]

Privatnutzung des Dienstzimmers[Bearbeiten]

Im November 2013 sorgte ein Artikel einer bundesweiten Boulevard-Zeitung für Aufsehen, in dem über intime Treffen des Landrats in seinem Dienstzimmer berichtet wurde. Dies und weitere Treffen sowohl im Landratsamt Regen als auch zu seiner Amtszeit als Bürgermeister im Rathaus von Bodenmais räumte Adam ein, ebenso die Einnahme eines verschreibungspflichtigen Medikaments in diesem Zusammenhang. Adam betonte jedoch, dass sein Handeln nicht rechtlich verboten gewesen sei. Der Regierungspräsident von Niederbayern sah keine Veranlassung, dienstrechtliche Schritte einzuleiten. Aus Kreisen der SPD des Landkreises wurde Adam hingegen empfohlen, vorzeitig zur Kommunalwahl 2014 anzutreten, was dieser ablehnte. Ebenfalls diskutiert wurde in diesem Zusammenhang, ob das Bekanntwerden seiner Treffen durch die häufige und in der Wortwahl deutliche Nutzung sozialer Netzwerke Adams ausgelöst wurde. Ende November 2013 stellte Adam die Nutzung sozialer Netzwerke ein.[20][21][22][23]

Mitgliedschaft Bürgerbewegung zum Schutz des bayerischen Waldes e.V.[Bearbeiten]

Im Juli 2014 trat Adam der Bürgerbewegung zum Schutz des bayerischen Waldes e.V. bei, die seit Jahren den Nationalpark Bayerischer Wald, insbesondere dessen Führung, massiv angreift. In den Nationalpark-Kommunen sorgt Adams Mitgliedschaft für Unmut, da er sowohl Präsident des Tourismusverbandes Ostbayern als auch Vorsitzender des kommunalen Nationalpark-Ausschusses ist. Adam rechtfertigte seinen Vereinsbeitritt mit seiner Sorge um den Hochlagenwald, der durch die Nationalparkverwaltung nur ungenügend geschützt werde. Zeitgleich beantragte er beim bayerischen Landtag und zuständigen Umweltminister eine dementsprechende Änderung der Nationalparkverordnung. Kritik erfuhr Adam aus dem Regener Kreisrat, der monierte, Adams Anträge seien nicht mit dem kommunalen Nationalpark-Ausschuss abgesprochen.[24][25][26]

Privates[Bearbeiten]

Adam wurde zusammen mit seiner Zwillingsschwester als Kind einer zahnärztlichen Assistentin und eines Schweißers geboren. Ab September 1990 besuchte er die Grundschule Bodenmais und wechselte 1994 auf das Gymnasium Zwiesel, wo er 2004 mit dem Abitur abschloss. Mit 17 Jahren bekundete er, Bundeskanzler werden zu wollen,[3] und mit 18 hatte er sein Coming-out gegenüber seinen Eltern.[27] Von Juli 2004 bis März 2005 leistete er seinen Wehrersatzdienst in der Silberbergklinik Bodenmais, wo er unter anderem alleinreisende Kinder und Jugendliche während ihres mehrwöchigen Kuraufenthaltes betreute. Zum Wintersemester 2005 nahm Adam an der Universität Regensburg ein Studium der Politikwissenschaft und Volkswirtschaftslehre auf, das wegen Arbeitsüberlastung vorläufig ruht.[27] Neben seinem Studium arbeitete er von November 2005 bis Mai 2008 als studentischer Mitarbeiter für die Bundestagsabgeordnete Bruni Irber.

Adam ist in vielen Vereinen seiner Heimatgemeinde Mitglied und bekleidet einige Ehrenämter.[28]

Seit dem 1. September 2012 lebt er mit seinem langjährigen Freund in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft.[29]

Publikationen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Adam-Wahl: Johann Sturm (FWG) wird Chef in Bodenmais, Bayerwaldbote, 28. November 2011
  2. SPD Niederbayern: 100 Prozent SPD- Vertrauen für Michael Adam
  3. a b Matthias Kolb: BODENMAIS – Alles, was man nicht sein darf, Berliner Zeitung, 2. Mai 2008
  4. Thomas Vieregge: Bayern: Jung, rot und schwul, Die Presse, 20. März 2008
  5. ARTE-Magazin Yourope am 27. Februar 2011: „Deutschlands jüngster Bürgermeister“
  6. Max Hägler: Interview mit Deutschlands jüngstem Bürgermeister – „Schwulsein ist unkompliziert“, taz, 24. März 2008
  7. Christoph Wenzel: Michael Adam – Student, bekennend schwul, Bürgermeister, welt.de, 17. Mai 2008
  8. skrevet af kim: Yngste bøsse borgmester i verden, prideradio.dk, 12. April 2008
  9. Pierre Griard: Un maire gay élu dans un village de Bavière, Têtu.com, 18. März 2008
  10. Sebastian Christ: Michael Adam – Der CSU-Schreck – 23, schwul, evangelisch, stern.de, 21. April 2008
  11. Pierre Hattenbach: Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.heute.deLandtagswahl Bayern – Das „Michael Adam“-Rezept, heute.de, ZDF, 10. September 2008
  12. Bundeswahlleiter: Wahlkreisergebnis Bundesland Bayern Wahlkreis 231 – Straubing
  13. Michael Adam will Landrat werden, Passauer Neue Presse, 26. August 2011
  14. Wahlergebnis auf landkreis-regen.de
  15. Landkreis Regen: Schnellmeldung zur Landratswahl 2011 Stichwahl am 27.11.2011
  16. Schwuler SPD-Kandidat wird jüngster Landrat Deutschlands Focus, abgerufen 28. November 2011
  17. Michael Adam – Politik (Version vom 10. Mai 2008 im Internet Archive)
  18. Mike Szymanski und Wolfgang Wittl: Warum ein Genosse die CSU wählt, Süddeutsche.de, 23. September 2013
  19. Michael Adam auf Abwegen – SPD-Jungstar wählt CSU und rechnet mit Genossen ab, FOCUS Online, 23. September 2013
  20. Bayerischer Landrat Sex im Amt, bild.de, 17. November 2013; et al.
  21. Abschied von Facebook, pnp.de, 20. November 2013
  22. Regierung schweigt zu Adam-Gespräch, pnp.de, 26. November 2013
  23. Sexaffäre um Regener Landrat: Adam gibt weitere Fälle zu, pnp.de, 27. November 2013; et al.
  24. Paukenschlag: Michael Adam ist nun offiziell Nationalpark-Kritiker, pnp.de, 12. Juli 2014, abgerufen am 14. Juli 2014
  25. Landrat Adam wirft Nationalparkchef "Hinterzimmerpolitik" vor, pnp.de, 16. Juli 2014, abgerufen am 16. Juli 2014
  26. LNationalpark-Streit: Kreisräte kritisieren Adam für "Alleingang", pnp.de, 16. Juli 2014, abgerufen am 16. Juli 2014
  27. a b Holger Sabinsky: Zur Person: Michael Adam, Augsburger Allgemeine, 12. September 2008
  28. Interview Michael Adam – Der CSU-Schreck aus Bodenmais, stern.de Videointerview in der Reihe „Café Einstein – Der Talk aus Berlin“, 15. Juli 2008
  29. Süddeutsche Zeitung: „Landrat Adam heiratet langjährigen Partner“, 1. September 2012, abgerufen am 1. September 2012