Moritz Karl Ernst von Prittwitz

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Dieser Artikel behandelt den preußischen Generalleutnant Moritz von Prittwitz (1795–1885). Für den gleichnamigen preußischen Generalleutnant Moritz von Prittwitz (1747–1822) siehe Siegmund Moritz von Prittwitz.
Moritz von Prittwitz
Das Wappen der
Familie von Prittwitz und Gaffron
Moritz von Prittwitz
(Adolph Menzel, Nationalgalerie Berlin)

Moritz Karl Ernst von Prittwitz und Gaffron (* 9. Februar 1795 auf Gut Kreisewitz bei Alzenau, Landkreis Brieg, Niederschlesien; † 21. Oktober 1885 in Berlin) war königlich preußischer Generalleutnant der Infanterie, Festungsbaudirektor in Ulm und Ehrenritter des Johanniterordens.

Familie[Bearbeiten]

Moritz Karl Ernst entstammte dem alten, weit verzweigten schlesischen Adelsgeschlecht derer von Prittwitz und Gaffron und war der Sohn des königlich preußischen Rittmeisters, Landrats, Landesältesten und Gutsbesitzers Ernst von Prittwitz und Gaffron, Herr auf Gut Kreisewitz, und seiner zweiten Ehefrau Johanna von Prittwitz (Haus Karisch).

Er heiratete am 9. Februar 1830, an seinem 35. Geburtstag, in Schellin, Kr. Pyritz (Pommern) Domicilie von Colbe (* 27. August 1810 auf Gut Liszewo, Kr. Bromberg, Posen; † 4. März 1871 in Owinsk, Posen), die Tochter des Gutsbesitzers Ferdinand von Colbe, Herr auf Liszewo, und der Henriette Nehring.

Militärischer Werdegang[Bearbeiten]

Zunächst nur von einem Hauslehrer erzogen, besuchte Prittwitz 1808–1812 das Gymnasium in Brieg (Niederschlesien), wo er sich besonders für Mathematik und Botanik begeisterte. Schon nach zwei Jahren wurde er in die Prima (Oberstufe) versetzt und machte 1812 als 17-Jähriger ein hervorragendes Abitur. Anschließend studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Breslau.

Im Jahr 1813 unterbrach er sein Studium, um sich für die Befreiungskriege zum preußischen Militär zu melden. Auf Empfehlung des Mathematik-Professors Brandes trat er in das Ingenieur-Korps ein, wurde am 12. März 1813 Portopée-Fähnrich und kam nach bestandenem Offiziers-Examen in Garnison nach Glatz (Niederschlesien), wo er am 20. August desselben Jahres zum Sekondeleutnant befördert wurde. Im September 1813 wurde er zum Bau eines verschanzten Lagers bei Wartha abkommandiert. 1815 wurde er erst so spät dem Armee-Korps in Givet (Frankreich) zur Belagerung der feindlichen Befestigungen zugeteilt, dass er erst nach Kriegsende dort eintraf, aber trotzdem zunächst dort blieb.

Im Winter 1815/1816 war er Platzingenieur in Landrecies und bis Herbst 1818 mit der Vermessung der Festung Mezières und ihrer Umgebung beschäftigt. In dieser Zeit veröffentlichte sein Professor Brandes in Breslau ein älteres Mathematik-Manuskript von Prittwitz „über die Curven, die durch ihre Subtangenten rectificirt werden“. Am 12. Mai 1816 wurde er Premierleutnant und am 25. August 1818 zum Hauptmann befördert.

Aus Frankreich zurückgekehrt, wurde Prittwitz von 1818 bis zum Frühjahr 1824 zum Festungsbau in Koblenz abkommandiert, wo er abwechselnd Bauposten-Offizier der Feste Kaiser Franz, der Feste Kaiser Alexander und der Stadtbefestigung war. Am 24. April 1824 wurde er als zweiter Adjutant dem Chefs des Ingenieur-Korps zugeteilt, was er bis 1828 blieb. Während dieser Jahre schrieb und veröffentlichte er sein Buch „Die Beiträge zur angewandten Befestigungskunst, erläutert durch 100 Tafeln“. 1826 wurde Prittwitz zum Hauptmann 1. Klasse befördert und im April 1828 zum Festungsbaudirektor in Posen ernannt. Hier traf er auf seine spätere Ehefrau Domicilie von Colbe.

Während seiner Jahre in Posen veröffentlichte er mehrere Manuskripte, allerdings nicht unter eigenem Namen. Dort lernte er während der polnischen Revolution 1830/1831, durch seine Dienststellung bedingt, den Generalfeldmarschall von Gneisenau, den späteren Generalfeldmarschall Graf von Wrangel, General von Clausewitz und andere hohe Offiziere des Generalstabes kennen und verbrachte 1838 eine längere Zeit im Gefolge der Generäle Karl von Grolman (1777–1843) und Ernst Ludwig von Aster im Hauptquartier des russischen Zaren Nikolaus I. in Warschau.

Am 28. April 1838 wurde er zum Major befördert und wurde durch Vermittlung seines früheren Chefs, des Generals und Kriegsministers von Rauch, am 5. Mai 1838 zum Direktor des Baus der Bundesfestung Ulm ernannt, wo er nicht nur auf die Bauausführung, sondern vor allem auf die Entwürfe großen Einfluss hatte.

Am 31. März 1846 wurde Prittwitz zum Oberstleutnant befördert und am 9. Mai 1849 zum Oberst, als der er am Feldzug in Baden, an dem Gefecht von Gernsbach und an der Einschließung und Beschießung von Rastatt teilnahm.

Ende des Jahres 1850 wurde er nach Berlin zurückberufen und übernahm die Geschäfte des Ingenieur-Inspektors der 1. Ingenieur-Inspektion, doch erst am 30. September 1851 wurde er definitiv auf diese Stelle befördert. Unter seiner Mitwirkung als führender preußischer Festungsbaumeister hat der Berliner Stararchitekt Friedrich August Stüler die Burg Hohenzollern bei Hechingen wiederhergestellt (Grundsteinlegung 1850).

In Berlin wurde Prittwitz im Frühjahr 1851 zum Abgeordneten gewählt und war bis 1857 Mitglied des Abgeordnetenhauses. Doch wegen der Interessenkonflikte zwischen politischem Mandat und militärischem Auftrag legte er 1857 schließlich sein Mandat nieder, zumal er inzwischen zum Inspekteur der vereinigten Artillerie- und Ingenieur-Schule in Berlin ernannt und am 22. März 1853 zum Generalmajor befördert worden war. Am 22. Mai 1858 erfolgte seine Beförderung zum Generalleutnant und 1860 auch seine Ernennung zum zweiten General-Inspekteur der Festungen. Im Jahr 1863 erbat er nach 50-jähriger Dienstzeit seinen Abschied, der ihm am Tag seines Dienstjubiläums am 11. März 1863 auch unter Stellung „zur Disposition“ erteilt wurde.

In den Jahren des Ruhestands verfasste Prittwitz in seinem Berliner Wohnsitz noch etliche literarische Arbeiten, darunter seine Schriften über Phrenologie und über "Frauenwirtschaft", sein Lehrbuch der Befestigungskunst und des Festungskrieges, das bald in mehrere Sprachen wie u.a. ins Französische und Türkische übersetzt wurde, sowie seine Andeutungen über die Grenzen der Zivilisation. Hier verfasste er auch seine "Prittwitz'sche(n) Blätter", eine Schule der Festungsbaukunst. Außerdem war er Vorstand im Centralverein für das Wohl der arbeitenden Klassen und übernahm auf Bitten des Kronprinzen im Oktober 1866 den Vorsitz im geschäftsführenden Ausschuss der Victoria-National-Invaliden-Stiftung.

Bei Ausbruch des Deutsch-Französischen Kriegs 1870/71 wurde er schließlich auf ausdrücklichen Wunsch des Königs Karl I. von Württemberg zum Gouverneur der von ihm erbauten Festung Ulm ernannt.

Ehrungen[Bearbeiten]

  • Aufgrund seiner Verdienste wurden je ein Fort in Posen und in Ulm „von Prittwitz“ benannt.
  • Ihm zu Ehren gibt es noch heute in Ulm die Prittwitzstraße.

Orden und Ehrenzeichen[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

  • Beiträge zur angewandten Befestigungskunst und des Festungskrieges, Posen 1836.
  • Die Kunst Reich zu werden, Mannheim 1840.
  • Über allgemeine Landesbewaffnung, Ulm 1848.
  • Andeutungen über die künftigen Fortschritte und die Grenzen der Zivilisation, 2. Auflage, Berlin 1855.
  • Über die Verwendung der Infanterie bei Verteidigung der Festungen, Berlin 1858.
  • Lehrbuch der Befestigungskunst, Berlin 1865.

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hof- und Staatshandbuch des Königreichs Württemberg 1877, Seite 36

Weblinks[Bearbeiten]