Nonsuch Palace

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Ansicht von Norden auf das Haupttorhaus zum Outer Court

Nonsuch Palace war ein Palast des englischen Königs Heinrichs VIII. im heutigen Borough Epsom and Ewell in der Grafschaft Surrey. Obwohl es das mit Abstand teuerste[1] und aufwändigste Prestigeobjekt Heinrichs war, ist davon oberirdisch bis auf geringe Spuren von Fundamentresten nichts erhalten. Heute existieren nur noch drei zeitgenössische Darstellungen von Nonsuch Palace. Lediglich Teile der ehemaligen Innenausstattung sind in anderen Gebäuden zu sehen und das Aussehen anderer Gegenstände durch Zeichnungen bekannt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die bekannteste Darstellung des Palastes, ein Kupferstich nach einer Zeichnung Georg Hoefnagels von 1582. Zu erkennen ist die Südseite in Frontalsicht mit den beiden oktogonalen Türmen. Die Gebäude rechts sind die Küchengebäude des Palastes

Baugeschichte[Bearbeiten]

Heinrichs Rivale König Franz I. von Frankreich hatte 1519 mit dem Bau von Schloss Chambord an der Loire begonnen und danach Schloss Fontainebleau erheblich ausgebaut. Heinrich VIII. wollte mit dem überaus kostspieligen Bau von Nonsuch Palace zeigen, dass er ebenfalls technisch und finanziell in der Lage war, prunkvolle Bauwerke zu errichten. Nonsuch kann als direktes Konkurrenzunternehmen zu den französischen Bauten gesehen werden [2]. Die Bauarbeiten begannen am 22. April 1538[3], zuvor war die hier gelegene Kirche Cuddington church niedergelegt worden. Für den Bau wurden Steine und Maßwerk der ebenfalls niedergerissenen Merton Priory verwendet. Obwohl das Bauwerk nicht mehr zu Heinrichs Lebzeiten fertiggestellt wurde, verschlang es bis 1545 die Summe von 23.000 Pfund, bis 1547 waren es 24.500 Pfund, was einer heutigen Kaufkraft von deutlich über 100 Mio. Pfund entspricht[4]. Die Gebäude und Türme waren im Wesentlichen bis 1544 errichtet, nur im nördlichen Palastabschnitt um den Outer Court fehlten noch Gebäudeteile. Fertiggestellt wurde der Bau erst 1556.

Der Antiquar John Leland berichtete Mitte des 16. Jahrhunderts über den außergewöhnlichen Palast:

Hanc quia non habeat similem laudare Britanni
Saepe solent, nullique parem cognomine dicunt
(Weil es keinen diesem ähnlichen zu loben gibt, pflegen die Briten ihn oft mit dem Beinamen keinem gleich zu nennen).[5]

Der Name war also von der Bauzeit an geläufig.[6]

Von den beteiligten Künstlern und Baumeistern sind einige Namen überliefert. Mitgearbeitet haben weniger einheimische Architekten und Baumeister, sondern überwiegend Italiener und Niederländer. Einer der Beteiligten war der aus Modena stammende Nicholas Bellin[7]. Er hatte Erfahrung im Palastbau, hatte er doch zuvor mit Francesco Primaticcio an Fontainebleau mitgearbeitet. Ein anderer war der aus eigens aus Amsterdam geholte William Cure. Auch genannt wird ein Giles Gering oder Geringes, sicher nicht aus England stammend, wobei seine genaue Herkunft nicht bekannt ist[8]. Nonsuch wurde während seiner Erbauung zum Brennpunkt hochqualifizierter und damit teurer Fachleute einer Reihe an verschiedenen Gewerken[9].

Nach Heinrich VIII.[Bearbeiten]

Ausschnitt aus der Speed's Map von Surrey, Holzschnitt von 1610, zu erkennen wiederum die Südseite, in der Mitte oben das hohe Torhaus des Querbaus zwischen den Höfen

Nach dem Tode Heinrichs VIII. ging das Gebäude im Erbgang an seine Tochter und Nachfolgerin Königin Maria I., die aber keine Verwendung dafür hatte, so dass sie den Palast 1556 an Henry FitzAlan, 19. Earl of Arundel verkaufte[10], der ihn fertigstellen ließ. Wiederum durch Erbe ging das Gebäude an dessen Schwiegersohn, Lord Lumley. Lumley hatte Schulden bei der königlichen Schatzkammer, im Zuge dieser Verhandlungen wurde der Palast 1592 wieder an die Krone zurückgegeben, an Königin Elisabeth I.. Die Königin mochte den Palast sehr, die Zeit, die sie hier verbrachte, wird als das Goldene Zeitalter des Palastes bezeichnet[11]. Ihr Nachfolger, König Jakob I., überließ das Gebäude 1603 seiner Frau, Anna von Dänemark, auch König Karl I. überließ es seiner Gemahlin Henrietta Maria von Frankreich zu deren Verwendung. Schicksalhaft für den Palast wurde, dass König Karl II. das Gebäude 1669 seiner damaligen Mätresse Barbara Villiers überließ. Diese hatte Spielschulden und ließ daher den Palast ab 1682 abreißen und die gewonnenen Einzelteile verkaufen[12]. Bis 1687 war das gesamte Gebäude trotz seiner Größe bis auf die Grundmauern abgetragen[13].

Ausgrabungen[Bearbeiten]

Die Grundmauern wurden erstmals 1959 vollständig archäologisch untersucht, weitere Ausgrabungen folgten Anfang der 1960er Jahre[14]. Bislang wurden allerdings noch immer nicht alle Erkenntnisse dieser Untersuchungen wissenschaftlich publiziert[15], ein Bildband zur Ausgrabung 1959 ist erschienen.

Aussehen und Ausstattung[Bearbeiten]

Der Brunnen des Inner Court aus dem Red Velvet Book von 1590

Der Palast war, wie andere seiner Zeit, eine Konstruktion um zwei quadratische Innenhöfe, einmal den nördlichen, sog. Äußeren Hof, den Outer Court und den südlichen inneren Hof, den Inner Court. Insgesamt war er 114, 9 Meter lang und 61,6 Meter breit. Der Hauptzugang erfolgte durch ein mit vier Ecktürmen ausgestattetes Torhaus, das in den Outer court führte. Beide Höfe hatten die gleiche Grundfläche, etwa 40,2 x 35 Meter[16], waren aber völlig unterschiedlich gestaltet. Die den Outer Court einfassenden Gebäudeteile waren zur Hofseite wie zu den Außenseiten eher schlicht und folgten nachempfundenen gotischen Vorbildern, sie waren zweistöckig errichtet. Im Osten schloss sich, getrennt von einem Küchengarten, der aus Brandschutzgründen nicht im Palast selbst eingebaute Küchentrakt an[17]. Es wird angenommen, dass die Bediensteten und Wachen des Königs in den Gebäuden um den Outer Court untergebracht waren. Der die beiden Höfe trennende Gebäuderiegel dürfte im Mittelteil, neben den Türmen, das höchste Bauteil gewesen sein. Auch er enthielt ein durch vier Ecktürme flankiertes Torhaus, eben den Mittelteil, und im Untergeschoss den Weinkeller des Palastes.

Die Architektur des südlichen Palastteils um den Inner Court folgte französischen Vorbildern. Die Gebäude waren drei-, in den oktogonalen Türmen viergeschossig. Von den üblichen Prinzipien der Nutzung und Raumaufteilung englischer Paläste im 16. Jahrhundert ausgehend kann angenommen werden, dass sich die Empfangs- und Repräsentationsräume des Königs im Westflügel des Inner Court, die der Königin im Ostflügel befanden und beide durch eine Galerie im Südflügel verbunden waren[18]. Das Schlafzimmer des Königs befand sich im ersten Stock an der äußeren Seite des Südflügels mit Blick über den Privatgarten, zum Hof hin lief die Galerie, das der Königin im ersten Stock des Querriegels zum Outer Court. Dennoch kann heute nicht mehr exakt gesagt werden, welcher Raum präzise welchen Zwecken diente.

Das Bemerkenswerteste war die Ausgestaltung sowohl der inneren Fassaden zum Inner Court als auch die Aussenfassaden des südlichen Gebäudeblocks. Sie waren mit Renaissancemotiven nach Meinung einiger „überreichst“ verziert, sowohl mit Abbildungen von Menschen oder Tieren, als auch floralen Motiven, ebenso mit Grotesken. Es war dieser verschwenderische bildhauerische Schmuck, der zum Namen Nonsuch, also nichts Vergleichbares, führte. Es wurde berechnet, dass die Arbeiten insgesamt eine Mauerfläche mit einer Länge von über 274 Metern bei zwischen 3 und 7 Metern[19] wechselnden Gebäudehöhen, also mehrere hundert Quadratmeter, bedeckte. Die Motive der Darstellungen entstammten unterschiedlichsten Vorbildern aus Italien und Frankreich. Diese kostbaren Steinmetz- und Bildhauerarbeiten sowie die Inneneinrichtung wurden von Barbara Villiers einzeln verkauft.

Erhaltene oder bekannte Gegenstände[Bearbeiten]

Neben den Zeichnungen einzelner Objekte in den Höfen und Gärten im Red Velvet Book von 1590 stammen sicher die Paneele der Galerie von Losley Park bei Guildford von Nonsuch[20]. Unsicher ist, ob die Täfelung der Great Hall in ebenjenem Gebäude auch von dort stammen, das ist durchaus möglich, weil sich neben schönen illusionistischen Intarsien der Zeit auch die Initialen von Heinrich VIII. und Katherine Parr darauf befinden, also in die Zeit passen würden.

Heutige Situation[Bearbeiten]

Von den oberirdischen Teilen ist bis auf Fragmente der Grundmauern nichts mehr zu sehen, lediglich ein Stein mit einem Hinweis und dem Grundriss des Palastes gibt vor Ort Auskunft über die Stelle, an der Nonsuch Palace stand. Die moderne Straße The Ave zwischen der nördlichen London Road zur südlichen Ewell Road führt auf dem westlichen Streckenabschnitt fast mittig[21] durch die Überreste. Von den ehemaligen Palastgärten hat der umliegende Nonsuch Park seinen Namen, in dessen Nordostecke sich Nonsuch Manor, ein Landhaus aus dem 18. Jahrhundert befindet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Martin Biddle: Nonsuch Palace. Bd. 2: The Material Culture of a Noble Restoration Household. Oxbow, Oxford 2005, ISBN 1-900188-34-1.
  • John Cannon, Anne Hargreaves: Kings and Queens of Britain. 2nd Edition revised. Oxford University Press, Oxford u. a. 2009, ISBN 978-0-19-955922-0.
  • Peter Sager: Süd-England. Von Kent bis Cornwall. Architektur und Landschaft, Literatur und Geschichte (= DuMont-Kunst-Reiseführer). 5. Auflage. DuMont, , Köln 1981, ISBN 3-7701-0744-6.
  • John Steane: The Archeology of the medieval english Monarchy. Edition 2004. Taylor and Francis, London 2004, ISBN 0-203-16522-5.
  • John Summerson: Architecture in Britain 1530–1830. 9th Edition. Yale University Press, New Haven CT u. a. 1993, ISBN 0-300-05886-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nonsuch Palace – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Peter Sager: Süd-England. Von Kent bis Cornwall. 1981, S. 89.
  2. Peter Sager: Süd-England. Von Kent bis Cornwall. 1981, S. 89.
  3. John Stean: The Archeology of the medieval english Monarchy. 2004, S. 91.
  4. measuringworth.com, abgefragt am 10. Januar 2013.
  5. Thomas Graham Jackson: Nonsuch Palace. In: The Renaissance of Roman Architecture. Bd. 2: England. Cambridge University Press, Cambridge 1922, Nachdruck New York 1975, S. 31–36, hier S. 34.
  6. Siehe auch William Camden: Britannia. London 1607, Kapitel Barkshire, Abschnitt 8.
  7. John Summerson: Architecture in Britain 1530–1830. 1993, S. 34.
  8. John Summerson: Architecture in Britain 1530–1830. 1993, S. 36.
  9. John Summerson: Architecture in Britain 1530–1830. 1993, S. 36.
  10. John Cannon, Anne Hargreaves: Kings and Queens of Britain. 2009, Abschnitt Nonsuch palace, Surrey.
  11. John Cannon, Anne Hargreaves: Kings and Queens of Britain. 2009, Abschnitt Nonsuch palace, Surrey.
  12. Peter Sager: Süd-England. Von Kent bis Cornwall. 1981, S. 89.
  13. John Summerson: Architecture in Britain 1530–1830. 1993, S. 33.
  14. John Cannon, Anne Hargreaves: Kings and Queens of Britain. 2009, Abschnitt Nonsuch palace, Surrey.
  15. John Stean: The Archeology of the medieval english Monarchy. 2004, S. 91.
  16. John Stean: The Archeology of the medieval english Monarchy. 2004, S. 91.
  17. siehe Grundriss bei Peter Sager: Süd-England. Von Kent bis Cornwall. 2009, S. 90.
  18. John Stean: The Archeology of the medieval english Monarchy. 2004, S. 91.
  19. John Stean: The Archeology of the medieval english Monarchy. 2004, S. 91.
  20. Peter Sager: Süd-England. Von Kent bis Cornwall. 1981, S. 90.
  21. siehe Grundriss bei Peter Sager: Süd-England. Von Kent bis Cornwall. 1981, S. 90.

51.354138888889-0.23894444444444Koordinaten: 51° 21′ 15″ N, 0° 14′ 20″ W