Oberzeuzheim

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50.4758.0611111111111203Koordinaten: 50° 28′ 30″ N, 8° 3′ 40″ O

Oberzeuzheim
Stadt Hadamar
Höhe: 180–380 m
Fläche: 6,61 km²
Einwohner: 1245 (31. Dez. 2006)
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 65589
Vorwahl: 06433

Oberzeuzheim ist ein Stadtteil von Hadamar im Landkreises Limburg-Weilburg in Hessen. In ihm leben 1245 Einwohner.

Lage[Bearbeiten]

Luftbild des Orts aus Richtung Osten
Pfarrkirche

Der Ort liegt im Nordwesten des Limburger Beckens am Südrand des Westerwaldes. Westlich des Ortskerns wird Oberzeuzheim von der Bundesstraße 54 durchschnitten. Weiter westlich, außerhalb des Orts, fließt der Elbbach in weiten Schleifen von Norden nach Süden. Südlich von Oberzeuzheim fließt der deutlich kleinere Oderbach nach Westen. Nordöstlich des Orts erhebt sich das Heidenhäuschen 398 Meter hoch. Der Gipfel liegt jedoch auf dem Gebiet des Nachbarorts Hangenmeilingen. Der Ort selbst erstreckt sich über eine Höhe von 190 bis 220 Meter Höhe.

Die Oberzeuzheimer Gemarkung ist grob dreieckig geformt, mit der Spitze nach Süden. Im Nordosten grenzt sie an die Gemarkung des Dornburger Ortsteils Thalheim, darauf folgend im Uhrzeigersinn an die Elbtaler Ortsteile Heuchelheim und Hangenmeilingen sowie den Waldbrunner Ortsteil Ellar. Im Osten und Südosten folgen die Hadamarer Stadtteile Steinbach, Oberweyer, Niederweyer, im Südwesten die Kernstadt Hadamar und im Westen das ebenfalls zu Hadamar gehörende Niederzeuzheim. Das Gelände fällt nach Süden hin zu einem Bachlauf auf bis zu 170 Meter ab. Darauf folgt nach Norden eine vergleichsweise ebene Geländestufe, auf der ein Großteil Oberzeuzheims, darunter der alte Dorfkern, liegen. Nach Nordwesten fällt die Geländestufe zum dort deutlich eingeschnittenen Elbtal stark ab, während sie nach Nordwesten in Richtung des Heidenhäuschens, das knapp außerhalb der Oberzeuzheimer Gemarkung liegt, allmählich ansteigt. Die Gemarkung besteht mehrheitlich aus Landwirtschaftsfläche, ein deutlich kleinerer Teil im Norden und Nordosten ist vom Wald um das Heidenhäuschen bedeckt, bei dem es sich größtenteils um ein Naturschutzgebiet handelt. Im Nordwesten befindet sich die Aue des Elbbachs.

Geschichte[Bearbeiten]

Wallfahrtsstätte "Sieben Schmerzen – Sieben Wunden"

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Oberzeuzheim im Jahr 1287. Einer im Wald nördlich des Dorfes gelegenen Quelle wurden Heilkräfte zugesprochen, was sie zum Ziel von Wallfahrten machte. Zuerst betrieben die Zisterzienser der Abtei Marienstatt im 14. Jahrhundert Wallfahrten zu der Quelle. Sie ließen einen Bildstock für die Mutter Gottes über der Quelle errichten. 1885 ließen Angehörige des Priesters Ferdinand Heep sieben Bildstöcke vor der inzwischen als "Sieben Schmerzen – Sieben Wunden" bekannten Quelle errichten. 1919 übernahmen die Franziskaner (OFM), die zu dieser Zeit auch die Seelsorge in Oberzeuzheim aufnahmen, die Betreuung der Wallfahrtsstätte. 1969 leiteten sie auch die Neugestaltung der Anlage. Dabei wurden die heute noch vorhandenen sechs Bildstöcke (gestaltet von dem Diezer Künstler Ernst Thrun) und die Kanzel auf dem oberen Plateau der Stätte errichtet. 1981 bekam die Quelle eine neue Einfassung mit einer Mariengrotte. 1988 wurde der untere Teil der Anlage um die Quelle saniert.

Brunnengrotte der Wallfahrtsstätte

Ein weiteres religiöses Zeugnis ist der Bildstock "Maria Hilf", der 1757 errichtet wurde.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die vormals selbständige Gemeinde am 31. Dezember 1971 ein Stadtteil von Hadamar.[1] Damals hatte der Ort 1173 Einwohner.

Denkmalgeschützte Bauwerke[Bearbeiten]

Ehemalige katholische Kirche[Bearbeiten]

Nach dem Kirchenneubau 1957 wurde das alte Gebäude im Ortskern zum Feuerwehrhaus umgewandelt. Heute wird die einstige Kirche von anderen Vereinen verwendet und ist kaum noch in ihrer ursprünglichen Nutzung zu erkennen. Der älteste Teil des Bruchsteingebäudes geht auf das 17. Jahrhundert zurück und wurde 1922 erheblich umgebaut.

Grundschule[Bearbeiten]

Grundschule

Das Backsteingebäude entstand 1876 als Volksschule. Segmentbögen über den Fenstern und Staffelfenster im Dachgeschoss schmücken den Bau. Der Natursteinsockel ist heute größtenteils vom nachträglich erhöhten Bodenniveau des Hofs verdeckt. Adresse: Siegener Straße 5


Maria-Hilf-Kapelle[Bearbeiten]

Dieser besonders große Bildstock ist nordwestlich des Orts auf einer weithin sichtbaren Kuppe angelegt. Stifter war laut einer Tafel 1757 die Familie der benachbarten Hirsenmühle. Das Bruchsteinmauerwerk ist verputzt, die Haube in aufwändiger, geschweifter Form ausgeführt. Die Kreuzgruppe in der kleinen Bildkammer dürfte noch aus der Bauzeit stammen. Ursprünglich war der Bildstock von sieben Linden umstanden.

Friedensstraße 2[Bearbeiten]

Die Scheune aus dem 18. Jahrhundert sticht durch ihr besonders ebenmäßiges Fachwerk und die sehr große Dachfläche hervor. Es handelt sich um eine der letzten erhaltenen historischen Scheunen im Ort.

Kirchgasse 15[Bearbeiten]

Das Fachwerk war ursprünglich sehr reich gestaltet und der Ern besonders hervorgehoben. In der Mitte des 20. Jahrhunderts wurden viele Details des Fachwerks zerstört. Dennoch handelt es sich auch heute noch um ein herausragendes Fachwerkhaus von Oberzeuzheim.

Bildstock an der Wallfahrtsstätte

Kirchgasse 17[Bearbeiten]

Das reiche Fachwerk dieses Hauses vom Anfang des 19. Jahrhunderts ist ebenfalls durch Umbauarbeiten stark zerstört und heute insgesamt verdeckt. Durch das besonders hohe Krüppelwalmdach, die Position an der einstmals zentralen Straßenkurve des Orts und ein großes Kruzifix aus Lindenholz an der Hausecke bleibt es weiterhin markant.

Kirchgasse 22[Bearbeiten]

Der langgezogene Bau entstand um 1880 herum und zeigt im Obergeschoss noch sehr schlichtes, gleichförmiges Fachwerk mit etwas Schnitzwerk an den Ecken.

Mittelstraße 4[Bearbeiten]

Das kleine Wohnhaus aus dem späten 18. Jahrhundert lässt Fachwerk mit einem hervorstechenden Profilband über dem Erdgeschoss und eine reich gestaltete Oberlichttür aus dem Biedermeier erkennen.

Mittelstraße 6[Bearbeiten]

Im Obergeschoss des Hauses aus dem 18. Jahrhundert zeigt sich eine zweizonige Fachwerkkonstruktion. Deutlich hebt sich eine Erweiterung des 19. Jahrhunderts mit sehr stark vereinfachten Fachwerkformen ab.

Mittelstraße 9[Bearbeiten]

Das wertvollste Fachwerkhaus des Orts stammt aus dem 18. Jahrhundert. Es wurde um 1900 herum zwar mit der gesamten Hofreite modernisiert, hat aber trotzdem einen Großteil des schmuckreichen, äußerst exakt angelegten, dreizonigen Fachwerks im Obergeschoss behalten. Auch die Scheune zeigt noch eine klare Fachwerkstruktur, deren Gefache mit Backsteinen gefüllt sind.

Siegener Straße 7[Bearbeiten]

Am Obergeschoss dieses Gebäudes ist ein schlichtes Fachwerk erhalten. Augenfällig ist die deutlich über dem Straßenniveau liegende Oberlichttür mit vorgelagerter Treppe.

Vereine[Bearbeiten]

Innenraum der Pfarrkirche

Oberzeuzheim verfügt über vierzehn Vereine, darunter die Musikkameraden, ein Musikverein, der Sportverein, der Schützenverein, die Chorvereinigung, den Tischtennisverein sowie die im Jahr 1929 gegründete Freiwillige Feuerwehr mit ihrer Jugendfeuerwehr (gegründet am 1. September 1975) und ihrer seit 1970 bestehenden Musikabteilung "Musikkameraden Oberzeuzheim".

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 369.