Oettinger Brauerei

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Oettinger Brauerei GmbH
Oettinger logo.jpg
Rechtsform GmbH
Gründung 1731
Sitz Oettingen in Bayern
Leitung Dirk Kollmar[1]
Kurt Meyer
Michael Mayer
Karl Liebl
Jörg Dierig[2]
Mitarbeiter 1.156 (2011)[3]
Umsatz 417 Mio. EUR (2011)[3]
Gewinn 4 Mio. EUR (2011)[3]Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Gewinn
Bilanzsumme 252 Mio. EUR (31. Dezember 2011)[3]Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Bilanzsumme
Branche Brauerei
Website http://www.oettinger-bier.de/

Die Oettinger Brauerei GmbH ist eine Brauereigruppe mit vier Standorten in Deutschland. Neben der Zentrale in der schwäbischen Kleinstadt Oettingen wird auch in Gotha, Mönchengladbach und Braunschweig Bier gebraut. 2011 waren insgesamt etwa 1150 Mitarbeiter beschäftigt. Mit einem Bierabsatz von 6,6 Millionen Hektolitern (2009) führt Oettinger die Liste der größten deutschen Brauereigruppen an.[4] Das Familienunternehmen produziert seine eigene Marke Oettinger, braut für Carlsberg sowie Handelsmarken für Supermärkte.[5]

Geschichte[Bearbeiten]

Das von den örtlichen Grafen gegründete Brauhaus in Oettingen wurde 1333 erstmals urkundlich erwähnt, die Forstquellbrauerei in Fürnheim (heute Teil von Wassertrüdingen nahe Oettingen) wurde 1731 erstmals erwähnt.[6][7] Das Fürstliche Brauhaus zu Oettingen wurde 1956 von der Familie Kollmar übernommen und später unter Leitung von Günther Kollmar (* 1937; † 2013) zur Oettinger Brauerei GmbH umgebildet. Auf den Etiketten der Oettinger-Biere wird aufgrund des zeitlich früheren Erwerbes von Forstquell „seit 1731“ erwähnt.

Die Brauerei lieferte zunächst an Lebensmittelmärkte und spezialisierte sich darauf, niedrigpreisige Biere zu brauen. Ab Anfang der 1990er Jahre wurde auf eine radikale Modernisierung zur Steigerung der Produktivität gesetzt. Auf Initiative von Günther Kollmar begann das Unternehmen die direkte Belieferung des Einzelhandels ohne Beteiligung von Großhändlern. Außerdem wird auf Kooperationen mit der Gastronomie (z. B. Pachtverträge) verzichtet; die abnehmenden Supermärkte, Getränkemärkte und Tankstellen werden im Direktvertrieb beliefert.[8]

In osteuropäischen Brauereien wird Oettinger Bier in Lizenz gebraut: Seit 2008 in Moskau (Brauerei Moskowskaja Piwowarennaja Kompanija/Московская Пивоваренная Компания), seit 2011 in Minsk (Brauerei Kriniza/Криница) und in Radomyschl (Brauerei piwo-besalkogolnij kombinat/пиво-безалкогольний комбінат).[9]

Am 1. August 2009 übernahm Oettinger von der Carlsberg-Gruppe die Feldschlößchen-Brauerei in Braunschweig und führt sie unter dem Namen Brauerei Braunschweig weiter. Zeitnah wurden die nordostdeutschen Standorte Pritzwalk, Dessow (beide 2009) und Schwerin (2011) geschlossen.[10]

Marktposition[Bearbeiten]

Der Marktanteil von Oettinger in Deutschland stagniert bei knapp 7 %. Die Jahresproduktion lag 2011 bei etwa 6,21 Millionen Hektoliter, dazu kommen 1,6 Millionen Hektoliter Handelsmarken und 1 Million Hektoliter alkoholfreie Getränke (Glorietta). Seit 2004 ist Oettinger das meistgetrunkene Bier in Deutschland.

Preis und Qualität[Bearbeiten]

Der Erfolg der Marke Oettinger ist wohl unter anderem auch dem niedrigen Preis (ca. 25 bis 70 Cent pro ½ Liter) zuzuschreiben. Der Spiegel schrieb 2005:

„Das vielen noch immer unbekannte Bier ist inzwischen an all den Edel-Pilsenern vorbeigezogen, die in den neunziger Jahren mit gewaltigem Werbeaufwand den Markt eroberten. Jetzt […] ist Oettinger klammheimlich die Nummer eins geworden, das meistverkaufte Bier der Republik. Auf Reklame verzichtet das Unternehmen komplett.“[11]

Trotz des geringen Verkaufspreises ist die Gewinnspanne so groß, dass es im Einzelhandel zu Preisdifferenzen kommt.

Bei einem Interview mit Spiegel TV sagte Senior-Chef Günther Kollmar:

„Die Bezeichnung Billigbier ist eigentlich schon eine Abqualifizierung. Es ist aber allein der Versuch. Alles, was in Deutschland marktangepasst, gut vermarktet wird, das ist plötzlich billig. […] Bloß, jeder trinkt’s. Der Erfolg gibt uns recht!“

Seit 2013 garantiert die Brauerei, ihre Biere ohne gentechnisch veränderte Rohstoffe herzustellen, und darf auf den Produkten das Siegel Ohne Gentechnik tragen.[12]

Testergebnisse[Bearbeiten]

In einer Testreihe der Fachhochschule Münster, bei der 2003 rund 60 gängige Biermarken auf Fuselöle untersucht wurden, wurde im Oettinger der mit Abstand höchste Fuselölwert aller getesteten Pilsener gemessen (121,48 mg/Liter).[13] Nach einer Untersuchung von 46 deutschen Bieren der Zeitschrift Öko-Test wurde an Oettinger wie fast an alle anderen getesteten Biere die Bestnote „sehr gut“ verliehen.[14]

Produkte[Bearbeiten]

Die Gruppe bietet ein breites Sortiment von Bieren und Limonaden an, die überwiegend im Niedrigpreisbereich angesiedelt sind. Die meisten Marken werden bundesweit vertrieben. Manche Spezialbiersorte wird regionalen Traditionen entsprechend verstärkt lokal vermarktet. Im Jahr 2009 betrug der Gesamtausstoß 6,59 Millionen Hektoliter.[15] Es entfielen

  • 2 017 000 hl auf Oettinger Pils
  • 1 809 000 hl auf Oettinger Export
  • 0 650 000 hl auf Weizen
  • 0 830 000 hl auf Biermix
  • 1 194 000 hl auf die übrigen Oettinger-Sorten

Im Vergleich zum Jahr 2008 bedeutet das einen Rückgang von insgesamt 125 000 Hektoliter (= -1,9 %)

Oettinger-Biere[Bearbeiten]

Hefeweißbier von Oettinger
Radler von Original Oettinger

Alle Sorten (bis auf Gold und die Weißbiermischgetränke) werden in braunen 0,5-Liter-Glasflaschen mit Kronkorken vertrieben, einige Sorten zusätzlich in 0,33-Liter-Flaschen und in Getränkedosen oder Fässern (20, 30 und 50 Liter)

  • Vollbier Hell, Alkoholgehalt: 4,7 % vol.
  • Pils, Alkoholgehalt: 4,7 % vol.
  • Export, Alkoholgehalt: 5,4 % vol.
  • Urtyp, ein Märzen mit einer Stammwürze von 13,3 %, Alkoholgehalt: 5,6 % vol.
  • Leicht, ein um 40 % kalorienreduziertes untergäriges Bier, Alkoholgehalt: 2,8 % vol.
  • Hefeweißbier, ein helles, naturtrübes Hefebier mit 12 % Stammwürze, Alkoholgehalt: 4,9 % vol.
  • Dunkles Hefeweißbier, naturtrüb mit dunkler Färbung, Stammwürze: 12 %, Alkoholgehalt: 4,9 % vol.
  • Kristallweizen, hat einen erhöhten Gehalt an Kohlensäure
  • Leichte Weiße, Weißbier mit 40 % weniger Kalorien und um 40 % alkoholreduziert
  • Alkoholfrei, untergäriges Bier mit weniger als 0,5 % Alkoholgehalt
  • Radler, Biermischgetränk mit Zitronenlimonade, Alkoholgehalt: 2,5 % vol.
  • Alkoholfreies Radler, Biermischgetränk mit Zitronenlimonade, Alkoholgehalt: weniger als 0,5 %
  • Alt, bittersüßes Spezialbier aus dunklem Malz, Alkoholgehalt: 4,9 % vol.
  • Schwarzbier, sehr dunkles, aromatisches Bier, Alkoholgehalt: 4,9 % vol.
  • Winterbier, nur während der Wintermonate erhältlich, Alkoholgehalt: 5,6 % vol.
  • Malz, ein alkoholfreier Malztrunk, der an den Standorten Gotha und Oettingen gebraut wird
  • Mixed, Biermischgetränk mit 50 % Cola, Alkoholgehalt: 2,5 % vol.
  • Gold, Alkoholgehalt: 4,9 % vol.
  • Bockbier, Alkoholgehalt: 6,7 % vol.
  • Alkoholfreies Weißbier, Alkoholgehalt unter 0,5 % vol.
  • Mixgetränk Hefeweißbier und Erfrischungsgetränk mit Grapefruitgeschmack, Alkoholgehalt: 2,5 % vol.
  • Mixgetränk Hefeweißbier und Erfrischungsgetränk mit Erdbeeregeschmack, Alkoholgehalt: 2,5 % vol.
  • Kellerbier, ein naturtrübes und unfiltriertes Bier, Alkoholgehalt: 5,6 %

Softdrinks[Bearbeiten]

Unter der Marke Glorietta[16] bietet Oettinger alkoholfreie Softdrinks an. Folgende Geschmacksrichtungen sind erhältlich: Zitrone, Orange, Litschi, Holunder, Cola, Cola-Mix, Apfel-Schorle, Iso-Sport, A-C-E, Mate-Cola und Mate-Classic.

Zeitweise wurde unter dem Namen Glorietta Aquamarin auch Tafelwasser angeboten. Aus Kostengründen wurde es jedoch wieder eingestellt.

Sponsoring[Bearbeiten]

Die Brauerei ist Sponsor des Basketballteams Oettinger Rockets Gotha, das 2012 in die ProA aufgestiegen ist. Ab der Saison 2012/13 sind sie Getränkepartner des Basketballteams Brose Baskets Bamberg.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Oettinger Brauerei – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dirk Kollmar, in: Internationales Biographisches Archiv 49/2013 vom 3. Dezember 2013, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  2. Oettinger Brauerei GmbH: Impressum
  3. a b c d Oettinger Brauerei GmbH: Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 1. Januar 2011 bis zum 31. Dezember 2011
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatDaniel Aschoff: Der Spar-Fuchs mit dem Billig-Bier. Abendzeitung, 27. März 2009, abgerufen am 29. März 2013.
  5. Wer gehört wem?
  6. Oettinger-Unternehmensgeschichte auf der Homepage
  7. Forstquell-Geschichte auf der Homepage
  8. Broschüre Original Oettinger – eine Erfolgsgeschichte, März 2009
  9. Oettinger-Pressemitteilung vom 24. November 2011; Brauereinamen nach ru/be/ua-Wiki-Einträgen
  10. Wolters braut für Feldschlösschen 5. November 2009
  11. Andreas Kleinschmidt: Bier für Hartz 4. In: Der Spiegel, 26. März 2005. Abgerufen am 25. Dezember 2009. 
  12. Brauerei: Oettinger-Bier ohne Gentechnik in Spiegel Online 11. März 2013. Abgerufen am 18. Juni 2013
  13.  Petra Markgraf: Hopfen und Malz verloren. In: Men’s Health. 26. Juni 2003 (menshealth.de, abgerufen am 29. März 2013).
  14. Öko-Test, Ausgabe August 2009
  15. INSIDE-Marken-Hitliste 2011. Inside Getränke, abgerufen am 29. März 2013 (PDF; 66 kB, Top 10 der Biermarken).
  16. Markenregister