Carlsberg (Brauerei)

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Carlsberg A/S
Carlsberg logo.svg
Rechtsform Aktieselskab
Aktiengesellschaft (Dänemark)
ISIN DK0010181676
Gründung 1847
Sitz Kopenhagen
DanemarkDänemark Dänemark
Leitung Jørgen Buhl Rasmussen (Präsident und CEO),
Jørn P. Jensen (stellvertretender CEO und Chief Financial Officer)[1]
Mitarbeiter 33.420 (2007)
Umsatz 60,054 Mrd. DKK (2010) [2]
Branche Brauerei
Website www.carlsberg.com

Die Carlsberg A/S mit Sitz in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen ist der viertgrößte Brauereikonzern der Welt hinter Anheuser-Busch InBev, SABMiller und Heineken. Im deutschsprachigen Raum ist sie unter anderem durch die Marken Holsten, Astra, Lübzer, Feldschlösschen und Hannen Alt vertreten.

Carlsberg ist nicht zu verwechseln mit der deutschen Karlsberg Brauerei aus Homburg.

Geschichte[Bearbeiten]

J. C. Jacobsen, Brauereibegründer

Die Geschichte der Brauereigruppe geht auf das Jahr 1847 zurück, als Firmengründer Jacob Christian Jacobsen die Carlsberg-Bryggerier Kjøbenhavn im Stadtteil Vesterbro eröffnete. Das Firmengelände jener Tage ist heute unter dem Namen Gamle Carlsberg ein beliebtes touristisches Ziel der Hauptstadt, mit Führungen, Bierverkostungen und kulturellen Veranstaltungen.

Schon früh begann Carlsberg, sein Bier auch im Ausland abzusetzen: 1868 verkaufte Carlsberg erstmals Bier in Edinburgh. 1939 machte Carlsberg alleine 55 Prozent des gesamten britischen Bierimports aus.

Im Jahr 1882 folgte Jacobsens Sohn Carl dem Vorbild seines Vaters und eröffnete seine eigene Brauerei, Ny Carlsberg. Nach dem Tod des Vaters führte Carl die Unternehmen Gamle und Ny (Alt und Neu) zur gemeinsamen Firma Carlsberg Breweries zusammen. Den durch einen industriellen Produktionsprozess entstandenen Wettbewerbsvorteil nutzte Carlsberg, um sein Geschäft auszuweiten. Ein weiteres Ergebnis dieses Bestrebens ist der untergärige Hefepilz Saccharomyces carlsbergensis, der 1883 in den Forschungslabors von Carlsberg gezüchtet und 1908 von Emil Christian Hansen nach der Brauerei benannt wurde.

Die erste Brauerei, die der Konzern im Ausland eröffnete, entstand 1968 in Malawi. In Europa hingegen ging man mehrmals Fusionen und Joint Ventures ein, an denen man kurze Zeit später die absolute Mehrheit selbst erwarb. Auf diese Weise verleibte sich der Konzern nacheinander den inländischen Hauptkonkurrenten Tuborg (1970), die britische Tetley-Brauerei (1992–1997) und die Orkla-Gruppe (2001–2004) ein. Besonders durch die Tuborg-Übernahme eröffnete sich dem Konzern ein lukratives zweites Standbein: Die Areale des Konkurrenten wurden nach und nach zu teuren Wohn- und Geschäftszentren umgebaut und sichern seither weitere Einnahmen.

Auch auf dem deutschen Markt expandierte Carlsberg: Seit der Übernahme der Holsten-Brauerei im Frühling 2004 ist Carlsberg auch in Norddeutschland Marktführer. In der Schweiz verfügt Carlsberg seit 1999 mit Feldschlösschen Getränke ebenfalls über ein Tochterunternehmen. Die bislang letzte Übernahme führte Carlsberg im April 2005 durch, als es die Mehrheit der malayischen Malaysia Berhad Brewery übernahmen.

Ab spätestens Mitte 2013 werden der weltweite Einkauf, Produktion und Logistik über ein neues Vertriebszentrum im schweizerischen Ziegelbrücke koordiniert. In dem dafür gegründeten Unternehmen Carlsberg Supply Company werden bis zu 200 Mitarbeiter beschäftigt sein.[3][4]

Das Bundeskartellamt verhängte am 2. April 2014 gegen die Tochtergesellschaft Carlsberg Deutschland sowie gegen mehrere weitere Brauereien in Deutschland und den Verband Rheinisch-Westfälischer Brauereien e. V. Geldbußen wegen verbotener Preisabsprachen bei Bier in Höhe von insgesamt 231,2 Millionen Euro.[5]

Die Marken[Bearbeiten]

Carlsberg-Brauerei[Bearbeiten]

Die Hausmarke Carlsberg, ein dänisches Bier nach Pilsener Brauart, ist Marktführer in Dänemark und eine der weltweit am weitesten verbreiteten Biermarken. Der grüne Schriftzug mit dem stilisierten Hopfenblatt und der englische Slogan probably the best beer in the world (wahrscheinlich das beste Bier der Welt) (der übrigens in der ursprünglichen Reklame von Orson Welles gesprochen wurde), sind seit den 70er-Jahren weitgehend unverändert. Carlsberg tritt als Marke auch im Sport-Sponsoring und als Namensgeber für kulturelle Einrichtungen auf (siehe unten). Unter dem Namen Jacobsen Vintage 3 verkauft Carlsberg eines der teuersten Biere der Welt.

Tuborg-Brauerei[Bearbeiten]

Der durstige Mann (Den tørstige mand)

Tuborg ist die kleinere der beiden dänischen Brauereien des Konzerns, wurde 1880 ebenfalls in Kopenhagen gegründet und ist in Deutschland noch weiter verbreitet als Carlsberg. In Deutschland wird Tuborg, anders als in Dänemark, nach dem Reinheitsgebot von 1516 in Hamburg gebraut. Es zeichnet sich durch besonders süßen Geruch und mittelherb-süßlichen Geschmack aus.

International besonders bekannt ist det grønne (das Grüne, wegen seines grünen Etiketts) für seine Reklame geworden: das Reklameschild Der durstige Mann des Malers Erik Henningsen (1855–1930), das einen schwitzenden Wanderer zeigt, der sich nach einer Erfrischung sehnt, wurde im Laufe der Jahre millionenfach reproduziert und gilt Manchen als eines der wichtigsten dänischen Kunstwerke des 20. Jahrhunderts.

Markant ist auch die 1888 errichtete Tuborgflasken, ein 30 Meter hoher Aussichtsturm in Form einer Bierflasche, der in Hellerup unweit des Kopenhagener Zentrums steht.

Eine weitere bekannte Reklame der Brauerei, ist der TV-Spot für Tuborgs Julebryg, ein spezielles Weihnachtsbier (Weihnachtsbiere sind in Dänemark ein essentieller Bestandteil der juletid, der Vorweihnachtszeit): der Trickfilm handelt vom Weihnachtsmann, der im nächtlichen Schneegestöber Geschenke ausfährt, sich dann aber kurzfristig entscheidet, einem vorbeifahrenden Tuborg-Lastwagen hinterherzueilen, und schließt mit einem Weihnachtsgruß an die Zuschauer ab. Dieser Spot wird seit vielen Jahren in unzähligen Varianten ausgestrahlt.

Tetley's[Bearbeiten]

Die Tetley's Brewery aus Leeds in der englischen Grafschaft Yorkshire weist in ihrer Entstehung einige Parallelen zu Carlsberg auf: beide wurden in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts gegründet (Tetley 1822) und wurden in den ersten Jahren maßgeblich durch das Verhältnis von Gründervater und Sohn beeinflusst; in diesem Fall waren dies Jochua und Francis Tetley, die aus einem familiären Malzverarbeiter in kurzer Zeit die führende Brauerei Nordenglands machten, mit zeitweise mehr als 300 firmeneigenen Pubs.

Im Jahr 1911 machte Tetley weltweit Schlagzeilen, als der Zauberkünstler Harry Houdini beinahe beim Versuch ums Leben kam, aus einem randvollen Gärbottich zu entfliehen. Die Antwort der Brauerei auf den Zwischenfall: „Warum auch vor dem besten Bier der Welt fliehen wollen?“

1993 fusionierten Carlsberg und Tetley's, das sich vor allem im Rugby-Sponsoring engagiert, zu einer gemeinsamen Gesellschaft, doch seit längerem werden die Geschäfte hauptsächlich von Kopenhagen aus geführt.

Marken in Deutschland und der Schweiz[Bearbeiten]

Ehemalige Carlsberg-Brauerei in Kopenhagen (2002)
Das Carlsberg-Hauptquartier in Kopenhagen mit dem 1901 von Vilhelm Dahlerup geschaffenen Elefantentor
Biersorten

Deutschland ist für Carlsberg einer der wichtigsten nationalen Märkte; hier ist der Konzern weniger stark mit seiner Hauptmarke oder Tuborg vertreten, sondern mit einheimischen etablierten Marken: Seit 2004 sind die Aktivitäten hier in der Hamburger Holsten-Brauerei AG gebündelt. Zu der 1879 in Altona (Elbe) gegründeten Brauerei, die im 20. Jahrhundert stark im norddeutschen Raum expandierte, gehören heute

ehemals
  • Feldschlößchen in Dresden (2004 durch Übernahme der Holsten-Brauerei erworben. 2011 verkauft an Frankfurter Brauhaus GmbH)

In der Schweiz ist Carlsberg mit etwa 45 Prozent Marktanteil durch ihre 1999 erworbene Tochtergesellschaft Feldschlösschen Marktführer, mit den Marken:

Am 31. August 2010 beschloss die Firma Carlsberg den Standort in Fribourg aus betriebswirtschaftlichen Gründen zu schließen.[6]

Marken im restlichen Europa[Bearbeiten]

Carlsberg ist mit seinen Hauptmarken Carlsberg und Tuborg und vielen regionalen Marken Marktführer in ganz Nordeuropa, Russland und dem Baltikum und hält darüber hinaus wesentliche Marktanteile in Südeuropa. Hauptkonkurrenten auf dem europäischen Markt sind die niederländische Heineken und die belgische Interbrew.

Kulturelles, wissenschaftliches und sportliches Engagement[Bearbeiten]

Bereits 1876 wurde, von Jacobsen persönlich die Carlsberg-Stiftung gegründet, in der dieser sein kulturelles Mäzenatentum bündelte. Bereits zwei Jahre später eröffnete die Stiftung im Schloss Frederiksborg in Kopenhagen ihr erstes Museum, das Museum für nationale Geschichte. Das bedeutendste Museum der Stiftung ist jedoch die Ny Carlsberg Glyptotek, die gemeinsam mit der Stadtverwaltung von Kopenhagen geleitet wird. Sie ist eines der bedeutendsten nicht-königlichen Museen Dänemarks.

Ein weiteres Standbein der Aktivitäten der Stiftung ist die Förderung der Wissenschaften. Eingedenk der Tatsache, dass die Brauerei ihren weltweiten Erfolg zu einem großen Teil den Entdeckungen ihrer Forschungsabteilung (insbesondere des Saccharomyces carlsbergensis und der Kjeldahlschen Stickstoffbestimmung) zu verdanken hat, fördert die Stiftung, die gemäß der Satzung immer den Mehrheitsanteil an der Brauerei halten muss, Forschung in den Naturwissenschaften, der Mathematik, Philosophie und den Sozialwissenschaften. Besonders in der Biotechnologie ist die Stiftung sehr aktiv, hier betreibt sie das Carlsberg-Forschungszentrum (Carlsberg Research Centre).

Carlsberg verfügt über ein umfangreiches Engagement im Sport-Sponsoring: Viele Jahre lang warb beispielsweise der FC Liverpool auf seinen Trikots für das dänische Bier. Des Weiteren ziert das Carlsberg-Logo auch die Trikots der dänische Klubs FC København und Odense BK, und in Asien sponsern Carlsberg die dortige Golf-Tour. Außerdem war Carlsberg auch einer der sechs EUROTOP-Sponsoren der Fußball-Europameisterschaft 2008. Die Firmentochter Tetley ist einer der Hauptsponsoren der englischen Rugby-Liga.

Sonstiges[Bearbeiten]

Ein tuborg beziehungsweise tuborghat („Tuborg-Hut“) oder tuborgparentes („Tuborg-Klammer“) ist ein typografischer Begriff im Dänischen und bezeichnet eine geschweifte Klammer. Das Zeichen hat seinen Namen in Anlehnung an seine Form bekommen, die an die speziellen Sonnenschirme erinnert, die für die Marke Tuborg in der Werbung verwendet werden. Eine andere Erklärung ist die Ähnlichkeit mit einem Kronkorken.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Executive Board. Carlsberg Group, abgerufen am 21. Januar 2013 (englisch).
  2. Annual report 2010 - Carlsberg A/S. Abgerufen am 2. März 2011 (PDF (3,04 MB, 163 Seiten), englisch).
  3. Carlsberg wählt Ziegelbrücke für weltweiten Einkauf. In: Basler Zeitung vom 31. August 2012, abgerufen am 31. August 2012
  4. Carlsberg schafft bis zu 200 Jobs. In: Südostschweiz.ch vom 29. August 2012, abgerufen am 31. August 2012
  5. Bundeskartellamt: Kartellverfahren gegen Bierbrauer mit weiteren Geldbußen abgeschlossen vom 2. April 2014
  6. Feldschlösschen to concentrate beer production in Rheinfelden. Abgerufen am 31. August 2010 (englisch).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Carlsberg Group – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien