Ottokar Runze

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Ottokar Runze (* 19. August 1925 in Berlin) ist ein deutscher Schauspieler, Regisseur, Filmproduzent und Synchronsprecher.

Leben[Bearbeiten]

Die Anfänge als Schauspieler[Bearbeiten]

Nach dem Abitur besuchte Runze von 1947 bis 1948 die Schauspielschule des Deutschen Theaters in Berlin, wo er 1948 als Valère in Molières Der Geizige sein Bühnendebüt gab. Es folgten Bühnenengagements an zahlreichen Berliner Theatern (u.a. Schillertheater, Hebbeltheater). Dabei war Runze nicht nur als Bühnenschauspieler, sondern auch als –regisseur tätig.

1950 gab Ottokar Runze in Kurt Hoffmanns Krimi Fünf unter Verdacht sein Filmdebüt. Vier Jahre später spielte er in dem Märchenfilm König Drosselbart seine erste Hauptrolle. Dennoch blieben Runze Filmauftritte als Darsteller selten, u.a. in Slatan Dudows Familie Benthin und Günter Gräwerts Tod in Astapowo.

Regisseur und Produzent[Bearbeiten]

Stattdessen verlagerte Runze seinen künstlerischen Schwerpunkt mehr und mehr auf die Regiearbeit. Mitte der 50er Jahre arbeitete er als Dialogregisseur für den ungarischen Regisseur Josef von Báky, von dem er zudem als Regie-Assistent unterwiesen wurde. Als junger Regisseur fand Runze kaum eine Produktionsgesellschaft, die ihm ein Filmprojekt übertragen wollten. Daher gründete er 1963 einen eigene Produktionsfirma, die aurora television Produktions-GmbH & co., mit der er zunächst Dokumentar- und Spielfilme für das Fernsehen produzierte, bei denen er zumeist selbst Regie führte.

1973 inszenierte er mit Der Lord von Barmbeck einen Kinofilm, für den er mit dem Deutschen Filmpreis in Silber ausgezeichnet wurde. Bei der Produktion führte er nicht nur Regie, sondern verfasste gemeinsam mit Inken Sommer das Drehbuch. Aufgrund des Erfolges der Produktion drehte und produzierte Runze mit Im Namen des Volkes (1974) und Das Messer im Rücken (1975) zwei Fortsetzungen. Auch für Im Namen des Gesetzes erhielt er den Deutschen Filmpreis in Silber und zudem den Silbernen Bären der Berlinale. Ein zentrales Thema von Runzes oft sozial- und gesellschaftskritischen Filmen ist die Frage nach Schuld und Sühne. Zu seinen Erfolgen zählen neben der Lord von Barmbeck-Trilogie das Drama Verlorenes Leben, eine Hommage an Fritz Lang mit Gerhard Olschewski in der Hauptrolle, der Kriminalfilm Der Mörder nach Georges Simenon (ebenfalls mit Olschewski), das Drama Stern ohne Himmel über den Holocaust (nach Leonie Ossowski), die Komödie Der Schnüffler mit Dieter Hallervorden, das Fernsehspiel Der veruntreute Himmel nach Franz Werfel, die Tragikomödie Die Hallo-Sisters mit Gisela May und Ilse Werner.

Darüber hinaus betrieb Runze als Produzent intensive Nachwuchsförderung. So konnte junge Regisseure wie Matti Geschonneck und Hans-Christoph Blumenberg durch seine Produktionsgesellschaft ihre ersten Filme inszenieren.

Für seine Tätigkeit als Regisseur und Produktionsleiter bei Kurz- und Spielfilmen erhielt Runze insgesamt sieben Filmbänder in Gold und Silber. 2002 wurde er zudem mit dem Ehrenpreis des Deutschen Filmpreises für sein Lebenswerk geehrt.

Synchronisation[Bearbeiten]

Darüber hinaus war Runze von 1950 bis 1992 umfangreich in der Synchronisation tätig. Dabei lieh er seine Stimme international bekannten Schauspielkollegen wie Tony Curtis (Winchester '73), Alain Delon (Lautlos wie die Nacht), Cary Grant (Arsen und Spitzenhäubchen), Burt Lancaster (Der rote Korsar), Anthony Perkins (u. a. Lockende Versuchung), Christopher Plummer (Der Untergang des Römischen Reiches), Tony Randall (u. a. Bettgeflüster und Ein Pyjama für zwei), Jean-Louis Trintignant (Meine Nacht mit Maude) und Robert Wagner (Feuertaufe).

Ottokar Runze war zeitweilig mit der Schauspielkollegin Eva Krutina verheiratet. Seine jüngere Schwester Waltraut Runze arbeitet ebenfalls als Schauspielerin.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Regisseur[Bearbeiten]

  • 1961: Die seltsame Gräfin (mit Josef von Báky und Jürgen Roland)
  • 1963: Das Echo
  • 1964: Das ozeanische Fest
  • 1966: Die Ballade von Peckham Rye
  • 1968: Duell um Aimée
  • 1970: Scheidung auf englisch
  • 1971: Leiche gesucht
  • 1971: Das Geld liegt auf der Bank
  • 1972: Viola und Sebastian (auch Drehbuch)
  • 1973: Les Humphries – Der programmierte Erfolg
  • 1973: Der Lord von Barmbeck (auch Produktion, Co-Drehbuch)
  • 1974: Im Namen des Volkes (auch Produktion)
  • 1975: Das Messer im Rücken (auch Produktion)
  • 1975: Verlorenes Leben (auch Produktion)
  • 1976: Der Lord von Barmbeck
  • 1977: Die Standarte (nach Alexander Lernet-Holenia, auch Produktion)
  • 1978: Der Mörder (auch Produktion)
  • 1980: Peter Frankenfeld
  • 1980: Stern ohne Himmel (auch Produktion)
  • 1982: Feine Gesellschaft – beschränkte Haftung (auch Produktion)
  • 1983: Der Schnüffler
  • 1985: Nein, ich gebe niemals auf!
  • 1978: Hamburg - Bilder aus einer großen Stadt (auch Produktion)
  • 1990: Der veruntreute Himmel (auch Produktion)
  • 1990: Die Hallo-Sisters (auch Produktion)
  • 1991: Linda (auch Produktion)
  • 1993: Goldstaub (auch Produktion)
  • 1994: Tatort: Laura mein Engel
  • 1995: Hiobsbotschaft (auch Produktion)
  • 1995: Hiobsbotschaft – Teil 2 (auch Produktion)
  • 1998: Hundert Jahre Brecht (auch Produktion)
  • 1999: Der Vulkan (mit Nina Hoss; auch Produktion)

Schauspieler[Bearbeiten]

  • 1950: Fünf unter Verdacht
  • 1950: Familie Benthin
  • 1954: König Drosselbart
  • 1974: Tod in Astapowo

Produzent[Bearbeiten]

  • 1982: Feine Gesellschaft – Beschränkte Haftung
  • 1982: Konrad aus der Konservenbüchse
  • 1985: Novembermond
  • 1992: Das Sommeralbum
  • 1996: Die Spur der roten Fässer
  • 1998: Der Vulkan
  • 1999: Zwei in einem Boot
  • 2001: Newenas weite Reise

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]