Der letzte Kaiser

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher Titel Der letzte Kaiser
Originaltitel The Last Emperor
Produktionsland Großbritannien, Frankreich, Italien
Originalsprache Englisch, Chinesisch, Japanisch
Erscheinungsjahr 1987
Länge Kinofassung: 160 Minuten
TV-Langfassung: 219 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Bernardo Bertolucci
Drehbuch Mark Peploe
Bernardo Bertolucci
Produktion Jeremy Thomas
John Daly
Musik Ryuichi Sakamoto
David Byrne
Cong Su
Kamera Vittorio Storaro
Schnitt Gabriella Cristiani
Besetzung

Der letzte Kaiser ist ein monumentaler Spielfilm aus dem Jahr 1987. Bernardo Bertolucci verfilmte die Biografie des Kaisers Puyi von China, der bereits als Zweijähriger den Thron besteigen aber schon drei Jahre später wieder abdanken musste. An Originalschauplätzen in der Verbotenen Stadt in Peking entstand ein Film, der 1988 mit neun Oscars bedacht wurde.

Handlung[Bearbeiten]

Der Film berichtet die Lebensgeschichte von Puyi, dem letzten Kaiser Chinas. Als Zweijähriger wird er 1908 auf Befehl der Kaiserinwitwe Cixi in die Verbotene Stadt gebracht und dort von ihr zum Kaiser erklärt. Bereits drei Jahre später wird er dazu gezwungen, abzudanken, lebt aber weiterhin in der Verbotenen Stadt, wo er zuerst von chinesischen Tutoren und später auch von dem schottischen Lehrer Reginald Johnston unterrichtet wird. Von dessen neuen Ideen beeinflusst, versuchte er Reformen durchzuführen, zum Beispiel eine Übersicht über die Einnahmen und Ausgaben des Hofes zu bekommen und diese einzuschränken. Sein schottischer Lehrer vermutet, dass die kaiserlichen Eunuchen Geld und Waren unterschlagen, aber bevor Puyi dies prüfen kann, brennt eines Nachts das zentrale Magazin ab. Puyi ruft nun die Truppen des (inzwischen republikanischen) China zu Hilfe, um die Eunuchen vom Hof zu vertreiben. 1924 wird Puyi seinerseits von Truppen der Kuomintang endgültig aus der Verbotenen Stadt vertrieben und lebt, unfähig, in der Außenwelt für sich selbst zu sorgen, als Playboy im westlichen Stil.

In den 1930er-Jahren spitzt sich die politische Lage immer weiter zu, 1937 eröffnet der Zwischenfall an der Marco-Polo-Brücke die offenen Feindseligkeiten zwischen Japan und China. Die Japaner besetzen unter anderem auch die Mandschurei, die Heimat der Vorfahren Puyis. Dieser flüchtet sich in die japanische Botschaft, weil er sich dort am sichersten glaubt. Die Japaner setzen ihn als Marionettenkaiser von Mandschukuo ein. 1945 wird er von sowjetischen Soldaten gefangen genommen, 1950 an die Volksrepublik China ausgeliefert und in einem kommunistischen Gefängnis für Kriegsverbrecher interniert. Erst während der „Umerziehung“ erfährt er von den Kriegsverbrechen und den Verbrechen gegen die Menschlichkeit der Japaner, wie etwa den Menschenversuchen der Einheit 731, dem Massaker von Nanking oder dem massenhaften Verkauf von Opium. Während der zehn Jahre seiner Inhaftierung verändert Puyi seine Sicht auf die Welt und lebt und arbeitet als einfacher Gärtner. Während der Kulturrevolution erlebt er die Ausschreitungen der „Roten Garden“. Später besucht er noch einmal die Verbotene Stadt, die nun als Museum zu besichtigen ist, und erzählt dem Sohn des Museumswärters von seiner Zeit als Kaiser von China. 1967 stirbt er als einfacher Gärtner in der Volksrepublik China.

Hintergrund[Bearbeiten]

Der Film wurde zwischen August 1986 und Januar 1987 gedreht. Drehorte waren Peking, wo die Verbotene Stadt exklusiv zur Verfügung stand, Dalian, der Kaiserpalast von Changchun, Cinecittà in Rom sowie Salsomaggiore bei Parma.

Die internationale Crew am Filmset bestand aus Italienern und Briten (Technik, Produktion und Ausstattung) sowie Chinesen (Ausstattung, Statisten etc.). Bei der Krönungsszene in der Verbotenen Stadt wirkten 10.000 Komparsen in historischen chinesischen Kostümen mit. Die damals auf Staatsbesuch weilende Königin Elisabeth II. wurde durch die Dreharbeiten an einem Besuch des Palasts gehindert. Insgesamt waren rund 19.000 Statisten an den Dreharbeiten beteiligt.

Bei dem Flugzeug, mit dem Puyi später fliehen wollte, handelt es sich um eine Lissunow Li-2.

Für die Rolle des schottischen Tutors Johnston wurden Marlon Brando, Sean Connery und John Hurt angefragt, bevor Peter O’Toole sie übernahm.

Die chinesische Geige der im Film enthaltenen Erhu-Stücke spielte Lu Jian Guo.[1]

Kritiken[Bearbeiten]

  • Roger Ebert, 9. Dezember 1987: Das ist ein merkwürdiges Epos, da es um eine gänzlich passive Figur geht. (This is a strange epic because it is about an entirely passive character.), 4/4 Sterne [2]
  • epd Film 12/87, Dietrich Kuhlbrodt: Es geht nicht […] um die eurozentristische Anmaßung. Bertolucci versprüht mit seinem Film beträchtlichen Großer-Junge-Charme, um eine Beziehung herzustellen zum letzten Kaiser und dem China des 20. Jahrhunderts. Er achtet auf Zeichen und Signale, die seine Zuwendung erwidern könnten. DER LETZTE KAISER ist unterhaltsam, weil er zuhört und hinsieht, und er ist spannend, weil das Resultat nicht gewiß ist. Bertolucci hat nicht schon alles vorher gewußt, und gerade das bringt die große Bewegung in den Film, der sich seinerseits der Bewegung eines sehr ungewöhnlichen Lebens annimmt. […] Es braucht nichts behauptet, nichts bewiesen zu werden, wenn die Bilder sinnlich, ihre Inhalte erfahrbar werden. [3]
  • Heyne Filmjahrbuch: Die Entwicklung des grausam im goldenen Käfig gehaltenen Kindes zum jungen Luxuswicht und schließlich zum einfachen Bürger Pu Yi im Gärtnerberuf (ausgezeichnet gespielt von John Lone) ist ein Schicksals-Lehrstück - so edel und anachronistisch wie eine Ming-Vase.
  • Lexikon des internationalen Films: […] farbenprächtiger Bilderbogen zwischen exotischem Märchen und mythisch überhöhter Tragödie […]. An Originalschauplätzen gedrehter Monumentalfilm; eine faszinierende Parabel über das Individuum unter dem übermächtigen Zwang historischer Verhältnisse. […] - Sehenswert[4]
  • The Washington Post, Desson Howe, 18. Dezember 1987: Politik und Prunk drohen manchmal die Erzählung zu überdecken, aber es wirkt stimmig – Kaiser Pu Yi wurde von solchen Dingen überwältigt. […] mehr als sehenswert. (The politics and pageantry tend to overrun the story at times, but it seems appropriate – Emperor Pu Yi was overwhelmed by such things. […] more than worth your time.) [5]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Die IMDb verzeichnet international insgesamt 48 Filmpreise und 12 Nominierungen mit Stand vom 25. Februar 2008. [6]

Academy Awards 1988 [6] (60th)

  • Oscar in der Kategorie Best Art Direction - Set Decoration für Ferdinando Scarfiotti, Bruno Cesari und Osvaldo Desideri
  • Oscar in der Kategorie Best Cinematography für Vittorio Storaro
  • Oscar in der Kategorie Best Costume Design für James Acheson
  • Oscar in der Kategorie Best Director für Bernardo Bertolucci
  • Oscar in der Kategorie Best Film Editing für Gabriella Cristiani
  • Oscar in der Kategorie Best Music, Original Score für Ryuichi Sakamoto, David Byrne und Cong Su
  • Oscar in der Kategorie Best Picture für Jeremy Thomas
  • Oscar in der Kategorie Best Sound für Bill Rowe und Ivan Sharrock
  • Oscar in der Kategorie Best Writing, Screenplay Based on Material from Another Medium für Mark Peploe und Bernardo Bertolucci

Golden Globes 1988

  • Golden Globe in der Kategorie Best Director - Motion Picture für Bernardo Bertolucci
  • Golden Globe in der Kategorie Best Motion Picture - Drama
  • Golden Globe in der Kategorie Best Original Score - Motion Picture für Ryuichi Sakamoto, David Byrne und Cong Su
  • Golden Globe in der Kategorie Best Screenplay - Motion Picture für Mark Peploe, Bernardo Bertolucci und Enzo Ungari

BAFTA Awards 1989

  • BAFTA Award in der Kategorie Best Costume Design für James Acheson
  • BAFTA Award in der Kategorie Best Film für Jeremy Thomas und Bernardo Bertolucci
  • BAFTA Award in der Kategorie Best Make Up Artist für Fabrizio Sforza

César 1988

  • César in der Kategorie Best Foreign Film für Bernardo Bertolucci

David di Donatello Awards 1988

  • David in der Kategorie Best Cinematography für Vittorio Storaro
  • David in der Kategorie Best Costume Design für James Acheson und Ugo Pericoli
  • David in der Kategorie Best Director für Bernardo Bertolucci
  • David in der Kategorie Best Editing für Gabriella Cristiani
  • David in der Kategorie Best Film
  • David in der Kategorie Best Producer für Jeremy Thomas, Franco Giovale und Joyce Herlihy
  • David in der Kategorie Best Production Design für Ferdinando Scarfiotti, Bruno Cesari und Osvaldo Desideri
  • David in der Kategorie Best Screenplay für Mark Peploe und Bernardo Bertolucci (mit anderen)
  • David in der Kategorie Best Supporting Actor für Peter O´Toole

Awards of the Japanese Academy 1989

  • Award of the Japanese Academy in der Kategorie Best Foreign Language Film

Grammy Awards 1989

  • Grammy in der Kategorie Best Album of Original Instrumental Background Score Written for a Motion Picture or Television für David Byrne, Cong Su und Ryuichi Sakamoto

Directors Guild of America 1988

  • DGA Award in der Kategorie Outstanding Directorial Achievement in Motion Pictures für Bernardo Bertolucci

American Cinema Editors 1988

  • Eddie in der Kategorie Best Edited Feature Film für Gabriella Cristiani

European Film Awards 1988

  • Special Prize of the Jury „for the cultural and economic achievements“ für Bernardo Bertolucci (Sonderpreis der Jury „für kulturelle und wirtschaftliche Errungenschaften“)

Weiterführende Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lu Jian Guo
  2. Dokument, abgerufen am 27. Februar 2008.
  3. Dokument bei http://www.filmzentrale.com, abgerufen am 26. Februar 2008.
  4. Der letzte Kaiser im Lexikon des Internationalen Films
  5. Dokument, abgerufen am 27. Februar 2008.
  6. a b IMDb zum Film.