Paparazzo

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Die Bezeichnung Paparazzo gab es zwar um 1930 noch nicht, deren Methoden offensichtlich durchaus - ein Pressefotograf versteckt sich in einer Wassertonne

Paparazzo (Plural Paparazzi[1]) ist eine ursprünglich scherzhafte, heute jedoch übliche Bezeichnung für eine bestimmte Art von Pressefotografen, die Prominenten meist in unerwünschter Weise nachstellen.

Paparazzi arbeiten meist für Boulevardmedien oder als Boulevardjournalisten. Ihr Beruf ist umstritten:

Einerseits wird die Notwendigkeit der freien Berichterstattung, besonders über Prominente, im Zusammenhang mit der Pressefreiheit verteidigt. Andererseits gilt die „Arbeit“ der Paparazzi meist als „unrechtmäßiges Eindringen in Privatsphären“ und als grundsätzlich unethisches Verhalten. Bernd Graff schrieb 2014 in der Süddeutschen Zeitung:

„Paparazzi-Fotos verdanken sich Grenzüberschreitungen und Kontrollverlusten, Tabubrüchen und Persönlichkeitsverletzungen – und einem eigentlich geächteten Voyeurismus.“[2]

Etymologie[Bearbeiten]

Das Wort stammt vom Namen eines aufdringlichen Pressefotografen, den Walter Santesso im Film Das süße Leben von Federico Fellini aus dem Jahr 1960 verkörperte. Dessen Namensgeber wiederum war der Hotelbesitzer Coriolano Paparazzo aus Catanzaro, der im Reiseführer By the Ionian Sea von George Robert Gissing erwähnt wird. Fellini hatte das Buch während der Vorbereitung zu seinem Film gelesen und war von dem Namen fasziniert.[3]

Gesetzliche Einschränkungen[Bearbeiten]

Auch Personen der Zeitgeschichte dürfen nicht jederzeit fotografiert werden (beispielsweise nicht im privaten Umfeld). So betonte etwa das „Caroline-Urteil“ 2004 des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte die Schutzwürdigkeit jeglicher Privatsphäre und rügte damit die deutsche Rechtsprechung. Einige deutsche Medien kritisierten das Urteil als Einschränkung der Pressefreiheit und spotteten, demzufolge sei nur noch „Hofberichterstattung“ möglich.

In Kalifornien trat mit 1. Januar 2006 ein Gesetz in Kraft, das die Möglichkeiten von Paparazzi stark einschränkt. Danch ist es verboten, Prominente im Auto zu verfolgen oder sie „einzukeilen“. Wer Unfälle verursacht oder handgreiflich wird, riskiert hohe Geldbußen. Der verklagte Fotograf muss beispielsweise entstandenen Schaden in dreifacher Höhe ersetzen und Fotohonorare zurückzahlen.

Vorausgegangen waren Unfälle von Stars, u. a. Scarlett Johansson und Reese Witherspoon, die sich von Paparazzi verfolgt fühlten. Arnold Schwarzenegger, ehemaliger Schauspieler und selbst beliebtes Zielobjekt, unterzeichnete das Gesetz in seiner Amtszeit als Kaliforniens Gouverneur.

Weltweit diskutiert wurden die Nachstellungen durch Paparazzi anlässlich des Todes von Diana Spencer und Dodi Al-Fayed.

Bekannte Paparazzi[Bearbeiten]

Graf László Széchenyi und Miss Vanderbilt, spätere Gräfin Széchenyi

Aufsehenerregend waren die Umstände der Aufnahmen des am 28. Juli 1898 verstorbenen Otto von Bismarck. Nur wenige Stunden nach seinem Ableben verschafften sich zwei Hamburger Fotografen, Willy Wilcke und Max Priester, widerrechtlich Zugang zum Sterbezimmer und machten eine Blitzlichtaufnahme des früheren Reichskanzlers. Unmittelbar im Anschluss daran versuchten sie, das Negativ meistbietend über Inserate in Berliner Zeitungen zu verkaufen. Die Bieter steigerten sich auf den für damalige Zeiten ungewöhnlich hohen Betrag von 30.000 Reichsmark.[4] Bismarcks Sohn Herbert gelang es jedoch durch Einschaltung von Polizei und Justiz, vor Veröffentlichung der Bilder die Fotoplatten beschlagnahmen zu lassen. Der misslungene Coup endete für beide mit einer Gefängnisstrafe und dem wirtschaftlichen Ruin.[5]

Eine der ersten dokumentierten Attacken, die sich gegen einen Paparazzo richtete und die auch ein gerichtliches Nachspiel zur Folge hatte, ereignete sich am 22. Januar 1908 in New York, als der ungarische Graf László Széchenyi den Fotografen Reilly, der eine Momentaufnahme seiner Begleiterin Miss Vanderbilt machen wollte, auf offener Straße durchprügelte.[6]

Tazio Secchiaroli war der erste Fotograf, der in den 1950er Jahren auf Jagd nach Prominenten in Rom ging. Er inspirierte Federico Fellini zur Figur des Paparazzo in Das süße Leben. Er wurde später u. a. als Leibfotograf von Sophia Loren bekannt.

Zwei der ersten und bekanntesten Paparazzi sind Felice Quinto und Ron Galella. Bekannte deutsche Paparazzi sind Hans Paul und Willi Schneider.

Der ehemalige Berliner Boulevardjournalist und Paparazzo Christoph Seitz, der ebenfalls in Hollywood fotografiert hat, gab seinen Job 1997 nach dem Tod von Lady Diana auf. Er hat danach ein Buch veröffentlicht.

Rezeption in der Fotografie[Bearbeiten]

Ausgelöst durch den Film Das süße Leben interessierte sich der Modefotograf Helmut Newton intensiv für das Phänomen Paparazzi. Bei einem Shooting für eine Modezeitschrift arbeitete dieser im Jahr 1970 in Rom mit praktizierenden Paparazzi zusammen, indem er diese als Statisten innerhalb seiner Modefotografien integrierte.[7] Vor diesem Hintergrund wurde von der Helmut Newton Foundation im Museum für Fotografie 2008 in Berlin eine Ausstellung unter dem Titel Pigozzi and the Paparazzi gezeigt, welche die Verbindungen von Newton zu bekannten Paparazzi thematisierte und darüber hinaus auch Fotografien von Paparazzi ausstellte.

Zum Jahreswechsel 2011/2012 wurde dem Paparazzo Ron Galella im C/O Berlin eine eigene Ausstellung gewidmet.[8]

Literatur[Bearbeiten]

  • P. Howe: Paparazzi: And our obsession with celebrity. New York 2005.
  • K.O. Ferris, S.R. Harris: Stargazing: Celebrity, fame, and social interaction. New York 2011.
  • K. McNamara: The paparazzi industry and new media: The evolving production and consumption of celebrity news and gossip websites. In: International Journal of Cultural Studies, 14 (5), 2011, S. 515–530.
  • A.L. Mendelson: On the function of the United States paparazzi: Mosquito swarm or watchdogs of celebrity image control and power. In: Visual Studies, 22 (2), 2007, S. 169–183.
  • W. Merrin: Crash, bang, wallop! What a picture! The death of Diana and the media. In: Mortality, 4 (1), 1999, S. 41–62.
  • P. Rössler, M. Meckel: Der diskrete Charme des Voyeurismus: Paparazzi und die Bildberichterstattung über den Tod von Prinzessin Diana. In: W.R. Langenbucher (Hrsg.): Die Kommunikationsfreiheit der Gesellschaft: Die demokratischen Funktionen eines Grundrechts. Wiesbaden 2003, S. 358–375.
  • C. Squiers: Class struggle: The Invention of Paparazzi. In: C. Squiers (Hrsg.): Over Exposed: Essays on contemporary photography. New York 1999, S. 269–304.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Paparazzo – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Paparazzi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Duden
  2. Bernd Graff: Kunst? Nein, Krieg! In: Süddeutsche Zeitung, 5. Juli 2014, S. 13
  3. Axel Hacke: Und was mache ich jetzt? In: Der Tagesspiegel, 5. September 2004
  4. German statesman Bismarck was one of world’s first paparazzi victims. indianexpress.com
  5. Lothar Machtan: Tod eines Patriarchen. In: Die Zeit, Nr. 40/1998; über Bismarcks Sterben, Buchbesprechung
  6. Innsbrucker Nachrichten, 23. Jänner 1908, Nr. 18, S. 9
  7. Matthias Harder: Begleitkatalog zur Ausstellung Pigozzi and the Paparazzi. Helmut Newton Foundation, 2008
  8. Paparazzi-Ausstellung – Fäuste, Finten, Filmstars. In: Der Tagesspiegel