Pierre Jean David d’Angers

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Carl Christian Vogel von Vogelstein - Pierre Jean David D'Angers (1830)
David d'Angers, 1853

Pierre Jean David, genannt David d’Angers (* 12. März 1788 in Angers; † 5. Januar 1856 in Paris) war ein französischer Bildhauer.

Leben[Bearbeiten]

Er erhielt den ersten Unterricht im Zeichnen von seinem Vater, einem Holzschnitzer. Um das Jahr 1800 kam er dann nach Paris, wo er sich anfangs seinen Unterhalt durch Steinarbeiten erwarb und später in das Atelier des Bildhauers Philippe-Laurent Roland (1746–1816) aufgenommen wurde. Im Jahre 1810 nahm ihn auch der Maler Jacques Louis David unentgeltlich in sein Lehratelier auf, während ihm seine Vaterstadt ein jährliches Stipendium von 500 Francs aussetzte.

Musée David d'Angers, Angers
Grab von David d'Angers - Friedhof Père-Lachaise

Im Jahr 1811 wurde von der Académie royale de peinture et de sculpture David d'Angers' Relief Tod des Epaminondas mit dem Prix de Rome ausgezeichnet. Verbunden mit dieser Auszeichnung war ein Studienaufenthalt in der Villa Medici in Rom. Dort nahm er sich vor allem die Antike zum Vorbild und arbeitete auch einige Zeit in Antonio Canovas Atelier, der ihn zu einem rokokohaft gefärbten klassizistischen Stil animierte.[1]

Es folgte ein Kurzaufenthalt in London, wo ein englischer Auftraggeber David d´Angers aufforderte, einen Entwurf für ein Denkmal der Schlacht bei Waterloo zu schaffen. Der in seinen patriotischen Gefühlen verletzte Künstler kehrte England daraufhin den Rücken und traf 1816 wieder in Paris ein, wo er bald eine lebhafte Tätigkeit entfaltete. Mit seinem ersten Werk, der Statue von Louis Condé für den Hof im Schloss Versailles, einer Arbeit voll sprühendem Leben und von einer damals ungewöhnlichen Kühnheit der Bewegung, stellte er sich sofort in schroffen Gegensatz zu der herrschenden klassizistischen Richtung und hielt am Realismus, abgesehen von kleinen Schwankungen, mit einer starken, stetig wachsenden Betonung des physiognomischen Ausdrucks bis zu seinem Tod fest.

Die Fruchtbarkeit seiner Phantasie und die Leichtigkeit im technischen Schaffen begünstigten eine äußerst umfangreiche Tätigkeit, die sich allerdings nicht selten in dekorative Flüchtigkeit verlor.

Im Jahre 1828 besuchte er Weimar, 1834 München, Stuttgart, Berlin und Dresden. Das Ergebnis dieser Studienreisen waren von der ersten die Büsten von Johann Wolfgang von Goethe, von der zweiten die Büsten von Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling, Johann Heinrich Dannecker, Ludwig Tieck und Christian Daniel Rauch, sämtlich in kolossaler Größe modelliert. Die Goethebüste, welche der Künstler 1831 dem Dichter als Geschenk zusandte, ist heute in der Bibliothek zu Weimar aufgestellt.

Von 1835 bis 1837 beschäftigte d'Angers die Ausschmückung des Giebelfeldes am Panthéon in Paris, in welchem er die berühmtesten Männer Frankreichs seit der Revolutionszeit um das Vaterland gruppierte. Mit den Jahren wuchs seine Lust an der menschlichen Physiognomie dergestalt, dass er auf alle berühmten Männer Jagd machte und ihre Züge wenigstens in Medaillons festhielt, deren vollständigste Sammlung, 550 an der Zahl, sich im Louvre befindet.

In der Politik radikaler Oppositionsmann, gab er gemeinsam mit Hippolyte Lazare Carnot Bertrand Barères Memoiren heraus und war auch Mitglied der Konstituante von 1848. Nach dem Staatsstreich Louis Napoleons (Napoleons III.) vom 2. Dezember 1851 aus Frankreich verbannt, erhielt er später die Erlaubnis zur Rückkehr und starb am 5. Januar 1856 in Paris. In seiner Vaterstadt wurde ihm ein Museum gewidmet (Galerie David d'Angers), in welchem ein Großteil seines Werkes zu sehen ist. Auch wurde ihm dort ein Standbild (von Hubert Noël) errichtet.

Zu seinen Schülern zählen Albert-Ernest Carrier-Belleuse und Paul Gayrard.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

David d'Angers bei der Arbeit an der Büste von Ludwig Tieck, Gemälde von Carl Christian Vogel von Vogelstein.

Literatur[Bearbeiten]

  • Henri Jouin: D'Angers, sa vie, son œuvre. Ses écrits et ses contemporains. Plon, Paris 1878
    • 1. Vie du maître, ses contemporains.
    • 2. Ecrits du maître, son œuvre sculpté.
  • Ilse Krumpöck: Die Bildwerke im Heeresgeschichtlichen Museum, Wien 2004, S. 34.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ilse Krumpöck: Die Bildwerke im Heeresgeschichtlichen Museum, Wien 2004, S. 34.

Weblinks[Bearbeiten]

Grabdenkmal Honoré de Balzac, Cimetière du Père-Lachaise

Louvre Paris

  • [1] Thomas Jefferson (1743 - 1826) 1833 Esquisse en bronze non patiné pour la statue de Philadelphie H. : 0,40 m.; L. : 0,16 m.; Pr. : 0,12 m.
  • [2] Armand Carrel (1800 - 1836) Bronze,. : 0,57 m.; L. : 0,17 m.; Pr. : 0,14 m.
  • [3] Bonchamp 1824 Bronze, H. : 0,19 m.; L. : 0,22 m.; Pr. : 0,13 m.
  • [4] Gilbert Esquisse en terre cuite pour un tombeau H. : 0,06 m.; L. : 0,33 m.; Pr. : 0,16 m.
  • [5] La Liberté 1839 Bronze H. : 0,57 m.; L. : 0,23 m.; Pr. : 0,17 m.
  • [6] La Réception du duc d'Angoulême aux Tuileries 1827 Esquisse en terre cuite H. : 0,25 m.; L. : 0,45 m.; Pr. : 0,06 m.
  • [7] Victoire devant un trophée d'armes européennes vers 1823 Terre cuiteH. : 0,35 m.; L. : 0,25 m.; Pr. : 0,07 m.
  • [8] Victoire devant un trophée d'armes orientales Vers 1823 Terre cuiteH. : 0,33 m.; L. : 0,24 m.; Pr. : 0,06 m.
  • [9] L'Enfant à la grappe 1845 Marbre H. : 1,31 m.; L. : 0,55 m.; Pr. : 0,48 m.
Meyers Dieser Artikel basiert auf einem gemeinfreien Text aus Meyers Konversations-Lexikon, 4. Auflage von 1888–1890.
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