Potenzmittel
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Als Potenzmittel oder Erektionshilfen bezeichnet man umgangssprachlich Stoffe und Medikamente, die der Bekämpfung der erektilen Dysfunktion (Impotenz) dienen.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Übersicht
Neben historisch bekannten volkstümlichen Potenzmitteln (z. B. spanische Fliege) und meist unwirksamen unseriösen Mitteln, die in Illustrierten angeboten oder durch Spam-Mails beworben werden, sind von der pharmazeutischen Industrie in der letzten Zeit viele neue, medizinisch nachweisbar wirksame Potenzmittel entwickelt worden, die man in Pillenform einnehmen kann.
Bei den auf dem Markt vertriebenen Substanzen unterscheidet man
- Initiatoren (sie haben eine erektionsauslösende Wirkung),
- Konditionierer (sie verbessern die Bedingungen für eine Erektion).
Daneben gibt es noch andere Maßnahmen gegen die erektile Dysfunktion:
- die Schwellkörperinjektion direkt in den Penis (z. B. mit Caverject oder Viridal),
- direkt in die Harnröhre einzuführende Therapeutika (z. B. Muse),
- Vakuum-Erektionshilfen oder
- Beckenbodentraining.
In der Regel als ultima ratio kommen chirurgische Eingriffe in Frage, diese werden im Artikel Penisvergrößerung behandelt. Darunter zählen die Einpflanzung hydraulischer Penisprothesen sowie die sogenannte Penisaugmentation. Diese Methoden werden auch eingesetzt, wenn der Penis − zumindest subjektiv – generell zu klein ist.
Erektionsprobleme sind häufig Anzeichen noch schwerwiegender Erkrankungen als die erektile Dysfunktion selbst und bedürfen in der Mehrzahl der Fälle einer raschen Behandlung, um Folgeschäden auszuschließen. Der Betroffene muss über seinen Schatten springen und einen Arzt aufsuchen.
[Bearbeiten] Medikamente
Der Vertrieb von potenzsteigernden Medikamenten ist ein lukrativer Milliardenmarkt für die Pharmaindustrie, aber auch von Abzockern, die gefälschte Präparate im Internet anbieten.
„Penisvergrößerungspillen“ oder auf englisch „penis enlargement pills“ oder entsprechende Tropfen auf pflanzlicher Basis werden im Internet in sehr großem Stil angeboten. Die entsprechenden Angebote werden in sehr großer Zahl durch Spam-Mails beworben.[1] Viagra und Cialis, die meistbeworbenen Produkte, sind in Europa zulässige, aber rezeptpflichtige Potenzmittel, deren Wirkung wissenschaftlich erwiesen ist. Auf die Größe des Gliedes haben sie keinen dauerhaften Einfluss. Andere Produkte, die eine vergrößernde Wirkung (oft „auf natürlicher Basis“) versprechen, entstammen meist irgendwelchen dubiosen und nicht bewilligten Chemieküchen.[2] Bei einer Analyse von „Flora Research“ in Kalifornien und von der Universität Maryland wurden verschiedene gesundheitsgefährdende Stoffe in einigen solcher Pillen festgestellt. Darunter Erde, Hefe, gefährliche E.-coli-Bakterien, Pestizide und Blei.[2] Eine amerikanische Firma, die intensiv solche Pillen vertrieben hatte, wurde von den Behörden geschlossen und vor Gericht gestellt, weil sie nichts als Placebo-Tabletten verkaufte und außerdem Kreditkartenbetrug beging.[3] Einige Kunden schienen jedoch auf den Placebo-Effekt hineinzufallen und eine entsprechende Wirkung zu erkennen.
Auch bei Angeboten, die den (illegalen) rezeptfreien Verkauf offizieller Medikamente wie Viagra anpreisen, ist Vorsicht geboten, da die Pillen in sehr großen Mengen gefälscht werden, womit man sich ebenfalls einem erheblichen Gesundheitsrisiko aussetzt.[4]
Selbst wenn das Produkt echt ist, sollte es nie ohne vorherige Konsultation eines Arztes eingenommen werden, da dies unabsehbare schwerwiegende Folgeschäden nach sich ziehen kann.
[Bearbeiten] Bekannte medikamentöse Potenzmittel
[Bearbeiten] PDE-5-Hemmer
Zu den PDE-5-Hemmern zählen die "Potenzmittel" der neueren Generation wie Sildenafil (Viagra®), Vardenafil (Levitra®) und Tadalafil (Cialis®). Alle haben sie ein gemeinsames Wirkprinzip: Durch Hemmung des Enzyms Phosphodiesterase-5 werden Gefäße in den Geschlechtsorganen weitgestellt und ermöglichen so eine verbesserte Durchblutung.
Im Vergleich stellen sich die derzeit am Markt verfügbaren PDE-5-Hemmer folgendermaßen dar:
[Bearbeiten] Viagra
- Wirkstoff: Sildenafil
- Wirkung innerhalb 30-60 Minuten, bis zu ca. 4 Stunden
- Dosierungen: 25, 50 und 100 mg (Standard: 50 mg)
- Effizienz bei Personen mit Erektiler Dysfunktion: 82 %
- Hersteller: Pfizer
- Zulassung: 27. März 1998 als Arzneimittel
- längste Erfahrung (6 Jahre), positive Erfahrungen auch bei Problemgruppen
- in Kritik geraten wegen vermeintlich durch Viagra ausgelösten Todesfällen
[Bearbeiten] Cialis
- Wirkstoff: Tadalafil
- Wirkung innerhalb 30 Minuten bis 12 Stunden, bis zu ca. 36 Stunden
- Effizienz bei Personen mit Erektiler Dysfunktion: 86 %
- Dosierung 10 und 20 mg
- Hersteller: Lilly Pharma
- Zulassung: 2002 als Arzneimittel
[Bearbeiten] Levitra
- Wirkstoff: Vardenafil
- Wirkung nach ungefähr 10 Minuten, für bis 10h
- Effizienz bei Personen mit Erektiler Dysfunktion: 83 %
- Dosierungen: 5, 10 und 20 mg
- Hersteller: Bayer
- Zulassung: 2003 als Arzneimittel
Der Vorteil der längeren Wirkdauer bei Cialis wird teilweise dadurch wettgemacht, dass eben auch die Nebenwirkungen (teilweise Sehstörungen, Kopfschmerzen, Blutdruckabfall etc.) entsprechend länger andauern. Generell sind Nebenwirkungsspektrum und -stärke bei allen drei Präparaten vergleichbar. Bei mangelnder Wirkung eines Präparates (Non-Responder) hilft es gelegentlich - aber nicht oft - eines der anderen Präparate zu verwenden. Untersuchungen haben gezeigt, dass bei Männern, die auf Viagra allein nicht ansprechen (Viagra-Non-Responder), oft eine Wirkung eintritt, wenn vorher Arginin eingenommen wurde. In anderen Fällen konnte mit der Aminosäure Arginin eine Art Dosiseinsparungseffekt festgestellt werden. Arginin setzt NO (Stickstoffmonoxid) frei, welches eine Erweiterung (Dilatation) der Blutgefäße bewirkt. Daher wird die Einnahme der Aminosäure Arginin, Telcor-Arginin) als natürliche Alternative zu den PDE-5-Hemmern bei ED (erektiler Dysfunktion) gesehen.
Derzeit entwickelt man eine Salbe, die auf den Penis auftragen werden soll, um so den Potenzstörungen entgegen zu wirken.
[Bearbeiten] Schwellkörperinjektion
Alternative Bezeichnungen für die Schwellkörperinjektion sind: Schwellkörper-Auto-Injektions-Therapie (SKAT) und Penisspritze. Hierbei wird Prostaglandin-E1 Analogon in den Schwellkörper gespritzt und es kommt zum Erschlaffen der glatten Muskulatur und zu Bluteinstrom.
Diese Therapie gibt es seit den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts.
[Bearbeiten] Anwendung
Die richtige Dosierung muss in mehreren Sitzungen mit dem Facharzt ermittelt werden. Dabei wird auch die richtige Anwendung erlernt, da bei nicht sachgerechter Anwendung die Gefahr einer mehrstündigen schmerzhaften Dauererektion besteht. Weiterhin können Verletzungen der Harnröhre, der Gefäße oder der Nerven auftreten. Der Wirkstoff wird direkt in den Schwellkörper gespritzt. Weil die Nadel sehr dünn ist, ist die Injektion fast schmerzfrei.
Häufigste Nebenwirkung auch bei sachgerechter Anwendung sind Penisschmerzen und Narbenbildung am Injektionsort.
Einstichstelle und Penisseite sollen bei jeder Anwendung gewechselt werden. Die Injektion soll höchstens dreimal pro Woche erfolgen, wobei der zeitliche Mindestabstand zwischen zwei Anwendungen 24 Stunden betragen soll. Bei richtiger Dosierung tritt nach wenigen Minuten die Erektion auf, die etwa eine Stunde anhält. Die Erfolgsrate liegt bei ca. 70 bis 80 %.
[Bearbeiten] Wirkstoff
Wirkstoff ist das Prostaglandin-E1 Analogon Alprostadil, der in den gängigen Präparaten Caverject und Viridal enthalten ist. Alprostadil ist ein Gewebshormon, welcher in den Muskelzellen der Arterien eine Erschlaffung bewirkt. Dadurch erweitern sich diese Blutgefäße, das umliegende Gewebe wird verstärkt durchblutet.
[Bearbeiten] Weitere Verfahren
Neben der Injektion gibt es auch die - nicht ganz so erfolgreiche - Möglichkeit, dass der Wirkstoff über ein in die Harnröhre eingeführtes Zäpfchen angewendet wird („Medicated Urethral System for Erection" = MUSE®). Im Versuchsstadium befindet sich das Verfahren, den Wirkstoff mittels einer Salbe oder eines Gels auf der Penisaußenseite aufzutragen.
[Bearbeiten] Mechanische Erektionshilfen
[Bearbeiten] Penispumpe
Eine Penispumpe ist ein Zylinder, der über den Penis gesteckt wird, verbunden mit einer manuellen oder automatischen Pumpe, um eine Saugwirkung zu erzielen. Durch den entstehenden Unterdruck wird Blut in den Penis gezogen, was ihn steifer macht. Steigt das Vakuum, steigt auch der Druckunterschied zwischen dem inneren Blutdruck und dem umgebenden Luftdruck; Übermässiger Druck führt zu Schäden an den Blutgefässen statt zu einem härteren Glied.[5]
Solche Pumpen wurden ursprünglich zur externen Erektionsauslösung bei Diabetikern oder Querschnittsgelähmten entwickelt. Auch finden sie ihren Einsatz in der Behandlung von Impotenz. Es gibt sie in verschiedenen Preiskategorien, die hauptsächlich durch die Art der Pumpe definiert werden.[6] Zu den Pumpen werden oftmals auch Cockringe verwendet, die nach dem Erzeugen der Erektion um das untere Ende des Penis gelegt werden, um die Erektion aufrechtzuerhalten, nachdem die Pumpe entfernt wurde.[7]
Wegen der gefährlichen Nebenwirkungen von Pumpen werden diese von führenden Urologen inzwischen nicht mehr empfohlen. Jede Woche werden in der Urologischen Abteilung des Universitätsklinikums in München/Großhadern durchschnittlich 15 Patienten wegen geplatzter Venen im Penis operiert. Die Folgen bei Nichtbehandlung des Zustands können Impotenz, Thrombose, Blutvergiftung und ein Absterben des Penis sein.
[Bearbeiten] Gewichte und Streckapparate
Eine weitere Methode besteht in der Anhängung von Gewichten an den nicht erigierten Penis. Ein Erfolg dieser Methode ist völkerkundlich nachgewiesen.[5] Quellen berichten, dass die heiligen Sadhus in Indien oder die Karamojong in Nord-Uganda durch jahrelanges, kurz vor der Pubertät begonnenes Anbringen von Gewichten zur Penisverlängerung Längen von bis zu 45 Zentimetern erreichen.[8]
Auf die Wirkung von Gewichten (Zug) auf Körperteile gehen auch sogenannte Penis-Streckapparate zurück. Sie wurden ursprünglich zur Korrektur der Narbenkontraktion nach Penisvergrößerungsoperationen entwickelt und finden hierbei weltweit Einsatz. Narbengewebe ist ein einfach strukturiertes Reparaturgewebe, welches offenbar sehr gut auf permanente Krafteinwirkung reagiert.
Seit einigen Jahren werden solche Streckgeräte zur Penisvergrößerung ohne Operation angeboten. Ein orthopädischer Streckgurt zur Penisvergrößerung wurde in einer Studie unter der Leitung des Urologen Prof. Sohn am städtischen Markus-Krankenhaus 2005 der Stadt Frankfurt am Main erfolgreich getestet. Bei 29 von 30 Patienten wurde eine Vergrößerung nachgewiesen.[9]
Eine Einzelstudie kam zum Schluss, dass die Penisverkrümmung Induratio Penis Plastica mit Streckgeräten behandelt werden kann. Im Jahre 2003 wurde in der Fachzeitschrift „Ärztliche Praxis – Urologie Nephrologie“, Ausgabe Mai/Juni 2003, eine entsprechende Studie über die erfolgreiche Behandlung einer Induratio Penis Plastica (IPP) mit einem orthopädischen Streckgurt zur Penisvergrößerung veröffentlicht. [10]
[Bearbeiten] Quetschen und Massieren
Übungen, die im wesentlichen darin bestehen, mit der Hand Blut vom Becken in den Penis zu pressen, sollen regelmäßig wiederholt werden. Obwohl diese Methode betreff der Risiken wohl sicherer als vieles andere sein dürfte, kann sie zur Narbenbildung, zu Schmerzen und zu Verformung führen. Auch hier gibt es keine wissenschaftlichen Studien, die eine Wirksamkeit bestätigen.[5]
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ types of spam. viruslist.com.
- ↑ a b Performance' pills offer men something unexpected. Pharmacist.Com (August 2003).
- ↑ Anatomy of a penis pill swindle. MSNBC (5.6).
- ↑ Sigrid Averesch (27. September 2007). Auch Viagra wird gern gefälscht. berlinonline.de.
- ↑ a b c Beware of penis-enlargement scams.. CNN (May 2007).
- ↑ M. Baird (17.12). Erectile Dysfunction: Vacuum Constriction Devices. medicinenet.com.
- ↑ What're non-prescription remedies for impotence (erectile dysfunction)?. health-cares.net (Juli 2005).
- ↑ Enzyclopedia Britanica oder Stern Nr. 49/95
- ↑ Quelle der Studie fehlt
- ↑ vgl. Abschrift des Arztberichtes
[Bearbeiten] Weblinks
- Informationsblätter zu Behandlungsmöglichkeiten der Erektionsstörungen mit Potenzmitteln und Hilfsmitteln beim Informationszentrum für Sexualität und Gesundheit (ISG) e.V.
- Selbsthilfegruppe Erektile Dysfunktion (Impotenz)
- Einstiegsseite mit Bildersammlung
- Urologie Universität Dresden – Die moderne medikamentöse Behandlung von Potenzstörungen (PDF; 1,57 MB)
| Bitte den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten! |